Berliner

Mit den Berlinern ist das so eine Sache. Eigentlich liebt sie keiner. Außer denen, die Berliner kennen und lieben. Ich gehöre zu dieser Spezies, denn ich habe nicht nur einen Berliner Geburtsort aufzuweisen (ja - deswegen Hertha!), sondern auch eine Mutter, die man mit Fug und Recht als Urberlinerin bezeichnen kann. Und obwohl meine Eltern “rechtzeitig” in den Landkreis von Hannover zogen und mich dadurch im Grunde zum Niedersachsen dieser Gegend machten, was ich auch heute noch täglich durch meine Aussprache (also der Abwesenheit jedweden Dialekts) dokumentiere, scheint es da doch eine gewisse Bindung zu geben.

Bastian Sick berichtet von folgender Begegnung:

An einem Abend war ich spät dran, und so sprang ich in ein Taxi und erklärte dem Fahrer, dass ich so schnell wie möglich ins Schiller-Theater müsse. “Wohin wollense?”, fragte er mich. “Bitte fahren Sie mich ins Schiller-Theater!”, wiederholte ich. Da wandte er sich zu mir um und sagte: “Det jeht nich, juter Mann. Ick kann Ihnen höchstens nachm Schiller-Theater fahren. Ins Theater müssen Se denn schon selba loof’n.”

Voll Berlin. Wer da kein Kontra auf der Zunge hat, hat schlechte Karten. Ich erinnere mich an folgende Begebenheit:

Ich hatte einen geschäftlichen Termin in Berlin und wollte am selben Tag wieder zurückfliegen. Dazu nahm ich den Bus, der mir versprach, mich am Flughafen Tegel abzuliefern. Noch in der Innenstadt fragte allerdings jemand, der sich als potenzieller Fahrgast zu erkennen gab: “Fahren Sie zum Flughafen?” Wer, der Berlin kennt, würde auf eine andere Antwort wetten als auf diese: “Watt jloobn se denn? Zur Dampferanlejestelle?”

Sollte also irgendjemand sich über meine Reaktionen manchmal wundern - irgendwo bin ich Berliner geblieben.

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20 Kommentare zu “Berliner”

  1. 17.01.2008 | 20:54

    Sintflutartiger Regen. Mit Mühe und Not erreiche ich triefend den U-Bahnhof Hausvogteiplatz. Ein mir völlig unbekannter BVG-Bediensteter begrüßt mich freundlich:

    Biste hierher jeschwomm’?

  2. 17.01.2008 | 20:57

    Der TIMES-Korrespondent hat im Deutschlandradio neulich folgende Anekdote erzählt:

    Ein ausländischer Tourist steigt zögernd in den Bus ein und hält dem Busfahrer fragend sein Ticket hin. Darauf der Busfahrer:

    Soll ick rinnbeißn, oda watt?

  3. 17.01.2008 | 21:03

    Berliner sind einfach gnadenlos. Wer von denen “Toleranz” verlangt, will sie vernichten.

  4. 17.01.2008 | 21:05

    Das ist übrigens auch mein Problem mit allen Kabarettisten, “Comedians” etc. aus Berlin: Die sind zwar alle ganz witzig - aber in Berlin sind eigentlich alle so drauf.

    Mein Lieblingsberliner: Jonas (fka metatron); meine Lieblings-Anekdote: Morgens halb zehn (weiter…)

  5. 17.01.2008 | 21:10

    auch immer wieder gern gehört: Kriechst jleich wat vor’n Bahnhof, dat de Jesichzüje entjleisen :-)

  6. 17.01.2008 | 21:13

    übrigens, hier noch ein guter Link zum Thema: http://www.dw-world.de/dw/article/0,1564,1606951,00.html

  7. 17.01.2008 | 21:14

    Ja, meta ist für PLLer einfach Kult. Aber sorry, Berlin ist größer.

  8. 17.01.2008 | 21:30

    Obwohl - solche Dinger kann man auch in Hamburg erleben. (Wenngleich selten mit ähnlich sarkastischer Kodderschnauze.) Das ist wohl die Arroganz des Großstädters gegen alle, die er für Provinzler hält.

  9. 17.01.2008 | 21:37

    Noch zwei nette Zitate:

    http://www.roxomatic.de/1331/

  10. 17.01.2008 | 22:48

    Ick halt mir da raus, bin doch keen Nestbeschmutza. Aber mal ehrlich, den krassen Dialekt spricht man nur noch in Marzahn, in Neukölln ja inzwischen nich mehr.

  11. 17.01.2008 | 23:28

    Berlin? Was ist Berlin?

    Östlich von Wuppertal ist doch nur asiatische Steppe.

  12. 18.01.2008 | 0:02

    Und wie nennt man die Einöde westlich von Wuppertal?

  13. 18.01.2008 | 0:22

    statler,

    Östlich von Wuppertal ist doch nur asiatische Steppe.

    Mit solchen völlig unverantwortlichen Äußerungen spielst Du doch nur Wowis Strukturfördergeldabgreifambitionen in die Hände.

    Steffen,

    Und wie nennt man die Einöde westlich von Wuppertal?

    Regierungsbezirk Düsseldorf.

  14. 18.01.2008 | 1:55

    Da lassen die Bonner schon seit Jahren Diplomaten in
    das Gebiet “hinter Beuel” reisen um denen endlich Gelassenheit und Gastfreundschaft beizubringen, aber es will einfach nicht klappen. Es fließt wohl der falsche Fluß durch die Stadt.

    Im übrigen zur Zeitungsmeldung heute: “Wowereit für Totalumzug”.
    WAT SOLL DÄ QUATSCH?

    “Wer Berlin zur neuen Hauptstadt macht, schafft geistig ein neues Preußen.”
    (Konrad Adenauer)

  15. 18.01.2008 | 10:33

    Wowi will halt irgendwie noch mehr Geld und Zuschüsse kassieren. Da ist diese Forderung noch der einfachste Weg.

  16. R.A.
    18.01.2008 | 11:15

    > Sintflutartiger
    > Regen.
    Hatten wir damals bei unserem obligatorischen Klassenausflug, am Ostberlin-Tag.

    Kamen wir abends völlig durchnässt zum Kontrollpunkt, meint der VoPo gut gelaunt: “Na, is’ doch gar nicht so langweilig bei uns”

  17. 18.01.2008 | 11:16

    Westlich von Wuppertal ist das, was Ronald Reagan “the shining city on the hill” nannte!

  18. 18.01.2008 | 13:05

    @statler:

    Aber erst als sein sonst so wacher Verstand bereits von der Alzheimer-Erkrankung durchlöchert war. ;-)

  19. 18.01.2008 | 23:29

    @statler

    Äh… München ist aber südlich von Wuppertal…

  20. 20.01.2008 | 20:33

    sehr interessant… berliner sind immer berliner und eben berliner :)

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