Mal so gesehen…

Der rheinland-pfälzische DGB-Landeschef ruft zum Boykott von Nokia auf:

“Wer heute ein Handy kauft, sollte bei seiner Kaufentscheidung bedenken, welche katastrophalen Konsequenzen das Verhalten des Unternehmens in Bochum für Tausende von Mitarbeitern geschaffen hat”

Also man könnte das auch anders sehen. Nokia hat 2300 Leuten für ein paar Jahre Einkommen verschafft und dabei ein paar ganz ordentliche Handys produziert. Ob das angesichts der gezahlten Subventionen eine volkswirtschaftlich sinnvolle Entscheidung war, sein dahin gestellt. Mit den Subventionen, vielmehr mit deren finanziellem Gegenwert, hätten deutsche Bürger sicherlich auch eine Menge anderer Beschäftigungsmöglichkeiten in Gang gesetzt und die Handys wären vielleicht gleich in Rumänien produziert worden.

Auch kann die öffentliche Förderung keinen Anspruch auf eine Ewigkeitsgarantie haben, zumal dies ja nicht Gegenstand eines “Fördervertrags” war. Als die Bundesregierung vor zwei Jahren gewaltige Geldsummen in die Fussball-WM steckte, war ja auch klar, dass nicht auf Ewigkeit gekickt wird. Ich möchte nicht wissen, wie viele Saisonkräfte nach Ende der WM plötzlich wieder auf der Straße standen.

Insofern sollte man auch seitens der FDP den Zungenschlag der Kritik noch einmal überprüfen und den Vorwurf einer “Sauerei” vor allem dem Spender dieses Dilemmas unter die Nase reiben. Und das Argument, ein nur fünfprozentiger Lohnstückkostenanteil sein kein Grund für eine Standortverlagerung, zeigt einmal mehr wie wenig unsere Politiker von ihrem Steuermannshandwerk in wirtschaftspolitischen Fragen verstehen.

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11 Kommentare zu “Mal so gesehen…”

  1. 17.01.2008 | 16:04

    Das ist doch diese absurde Denke: Wer was tut, hat verloren. Wer investiert, muss Tausende von Auflagen erfüllen und am besten Jobs für die Ewigkeit bieten. Wer nichts tut, darf anderen Vorschriften machen, und sich empören, wenn Jobs, die von denen, die was tun, zuvor geschaffen wurden, wieder abgebaut werden.

  2. R.A.
    17.01.2008 | 16:20

    Ich wünsche dem DGB mal viel Spaß mit seinem Boykott.

    M. W. gibt es in ganz Deutschland keine Handy-Fertigung mehr, von Festnetzapparaten ganz zu schweigen.

    Konsequenterweise wird der DGB jetzt seine Kommunikation nur noch über Trommeln und Rauchzeichen (Achtung, CO2!) gestalten können.
    Das paßt auch ein bißchen zur geistigen Entwicklungsstufe dort.

  3. 17.01.2008 | 18:17

    Warum rechnen unsere Politiker nicht einfach mal nach, ws es gekostet hätte einen Großteil der Nokia-Mitarbeiter mit ALG I und II zu unterhalten, sowie was an Steuereinnahmen ausgefallen wäre? Und wenn mann dann noch schwer berechenbare Faktoren wie Sozialrendite (wird gerne bei der Bewertung von kommunalen Unternehmen dazugerechnet) einbezieht, dann hat sich die “Zucker in den Nokia-Hintern blasen-Nummer” doch bestimmt gelohnt.

  4. 17.01.2008 | 21:01

    Ich gebe Steffen vöiig recht - für ein paar Subventionen wird kein Unternehmen der Welt Jobs auf Lebenszeit garantieren!

  5. 17.01.2008 | 21:34

    Grundsätzlich stimme ich zu - schließlich machen andere Hersteller das auch.

    Ich gehe zu allem Ärger davon aus, dass sich die SPD (seinerzeit Landesregierung) bei den Subventionsbestimmungen hat über den Tisch ziehen lassen. Ärgerlich für den VRR, der ja sogar einen S-Bahnhalt Bochum-Nokia benannt hatte…

  6. 17.01.2008 | 22:52

    …der S-Bahnhalt wird einfach in Bochum-NoNokia umbenannt.

  7. 17.01.2008 | 22:56

    Siemensstadt, Bochum-Nokia, Telcokreisel, Eisenhüttenstadt, Intershop-Turm, Hallejujah, auf den Asphaltfeldern grasen goldene Kälberherden Tag und Nacht,Old Shatterhand und Nietzsche tot, bei Aldi klaut sich Gott sein Brot, Hallelujah, der Turm stürzt ein, der Turm stürzt ein, der Turm stürzt ein, ja, der Turm stürzt ein!

  8. 17.01.2008 | 23:32

    @Che: Das kriege ich metrisch nicht hin.

  9. 18.01.2008 | 0:06

    Tja Che, nichts hat Bestand. Deshalb muss ich mir ja auch nichts weiter bei denken, wenn ich auf einer Karl-Marx-Straße entlang laufe.

  10. 18.01.2008 | 9:29

    [...] B.L.O.G. - Bissige Liberale ohne Gnade » Mal so gesehen… (tags: politik deutschland fdp nokia) Posted in Links | [...]

  11. stefanolix
    19.01.2008 | 14:54

    Inzwischen geben Politiker nicht nur ihre Nokia-Handys zurück, nein: sie zertreten sie sogar.

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