Obama lobt Reagan

Unabhängig davon, wie man zu den beiden Kandidaten im Rennen um die US-Präsidentschaft steht, verfolgen John McCain und Barack Obama m.E. zumindest interessante Strategien.

Während McCain den von der wirtschaftlichen Lage dort gebeutelten Wählern in Michigan erzählte, ihre Jobs seien nicht verloren, sondern halt jetzt woanders, ist Barack Obama gedanklich offenbar schon in der Endausscheidung:

Obama stieß mit positiven Äußerungen über die Regierungszeit von Ronald Reagan auf Kritik seiner Rivalen. Der Republikaner habe vor einem Vierteljahrhundert Amerika in einer Weise verändert, wie es der Demokrat Bill Clinton nicht getan habe, sagte Obama in einem Zeitungsinterview. Die Republikaner seien damals die Partei der neuen Ideen gewesen.

Clinton sagte, sie könne diese Einschätzung der jüngeren Vergangenheit nicht teilen. Es sei kaum eine gute Idee gewesen, die Altersversorgung zu privatisieren, den Mindestlohn abzuschaffen, die Gesundheitsleistungen zu kürzen und den Staat in die Verschuldung zu treiben. Der bislang drittplatzierte Bewerber John Edwards stellte nach Obamas Äußerungen dessen Positionen in der Arbeits- und Sozialpolitik in Frage. Reagan habe die Gewerkschaften unterdrückt und das Steuersystem zugunsten der reichsten Amerikaner verändert.
(Quelle: F.A.Z.)

Ähnliche Beiträge


4 Kommentare zu “Obama lobt Reagan”

  1. 19.01.2008 | 22:05

    Ich denke, Obama wollte damit nicht die Politik Reagans befürworten, sondern er bezog sich auf die Tatsache, dass Reagan jemand war, der etwas bewegt hat, der etwas Neues gebracht hat usw…. damit drückt Obama indirekt aus, dass er selbst vergleichbar mit Reagan ist - nicht inhaltlich, aber von der Bedeutung und der Gestaltungskraft her.

    Hinzu kommt, dass er mit dieser Aussage sehr geschickt ‘beweist’, wie sehr er (Obama) der Mann der Einheit ist, derjenige, der die ideologische Spaltung Amerikas aufheben möchte, denn er spricht ja immer von einer Einheit, und dass er der Mann ist, der Einheit bringt und Wechsel. Und wenn er Reagan lobt, zeigt er eine riesengroße Toleranz (->Einheit!) und identifiziert sich gleichzeitig mit dessen Fähigkeit zum “Change”.

    Sehr geschickt von Obama!

  2. 20.01.2008 | 9:17

    Ob er damit Reagans Politik befürwortet, als vorbildlich sieht, oder lediglich sagen wollte, dass Reagan etwas bewegt hätte, überhaupt, dass es Reagan war, spielt doch wenn nur eine untergeordnete Rolle. Reagan war eben der letzte republikanische Präsident, an den noch heute alle Republikaner mit einem guten Gefühl zurück denken.

    Wenn er die Endausscheidung gewinnt, dann muss Obama nur noch bedingt um die festen Demokratenwähler kämpfen und stattdessen den Republikanern Nahestehende von sich überzeugen. - Wenn nicht mit den Inhalten, dann eben personenbezogen.

    Ganz wie ex-blond schreibt: Sich selbst als den Mann der Einheit in Szene setzten, ist das Ziel, und die “positiven Äußerungen über die Regierungszeit von Ronald Reagan” scheinen vor diesem Hintergrund eben zielführend.

    Erst vor einem knappen dreiviertel Jahr hatte ein Wahlkampf, der sich auf das Wort “Einheit” verließ in Frankreich erfolg, und es wäre wahrscheinlich recht interessant den Wahlkampf Sarkozys mit dem Wahlkampf Obamas zu vergleichen.

  3. 20.01.2008 | 9:43

    ex-blond & christianK,

    das ist ja alles richtig, was Ihr schreibt. Aber um in die Endausscheidung zu kommen, muss Obama erstmal die Nominierung durch die Dems erreichen. Jetzt durch ein wie auch immer geartetes Reagan-Lob darauf zu spekulieren, dass sich Unabhängige (oder gar Republikaner) als Demokraten registrieren lassen, um für ihn zu stimmen, deutet darauf hin, dass Obama nicht mehr der Auffassung ist, den Abstand zu Hillary Clinton allein mit demokratischen Stammwählern zu erreichen.

    Wie gesagt, eine interessante Strategie.

  4. DDH
    20.01.2008 | 21:52

    Suspekt finde ich derweil, wie der Zweitplazierte von Nevada, Ron Paul, mit einer faktischen Mediensperre belegt wird. Das sollte nachdenklich stimmen, auch und gerade wenn man vieles an Pauls Kampagne durchaus kritisch sieht!

Bad Behavior has blocked 880 access attempts in the last 7 days.