20. Januar 2008
Subterranean Homesick Blues
I’d rather be in some dark holler, where the sun don’t never shine. So sang das zumindest Clarence Ashley. Damit steht sie der Einschätzung von Franz-Josef Wagner diametral gegenüber, der sagt dass er lieber “über der Erde lebe – mit Bäumen und Blumen.” Ob die Bäume und Blumen vielleicht lieber unter der Erde leben würden, ohne Franz-Josef Wagner, das hat sie keiner gefragt.
Dafür hat sich Franz-Josef Wagner jetzt zusammen mit Dr. Seltsams Faktotum der Bundesjustizzypries “in Berlins gefährlichste U-Bahn gewagt“. Eine U-Bahn in der es “nach abgestandenem Leben” riecht, in der Gangster-Rap-Typen, Bettler, Unter-der-Erde-Fahrer (In einer U-Bahn? Neiiiin!) und Betrunkene unterwegs sind, und in der Franz-Josef Wagner visioniert wie er blutüberströmt auf einen Notknopf zukriechen wird. Alles sehr dramatische Szenen. Alles sehr packend beschrieben. Und das Ende spoilere ich hier mal nicht.
Wer die Spannung und die visuelle Präsenz von Franz-Josef Wagner erträgt, der kann sich das ganze auch hier als Video angucken. Das ist ab heute die Messlatte, die Cloverfield überspringen muss, um für mich als Erfolg zu gelten.
Ob Frau Zypries nun nur mit FJW U-Bahn fährt um ihr Image aufzubessern, ob sie das - wie Wagner andeutet - “als romantische Freundin” getan hat, oder ob die ZEITUNG im Gegenzug ihre bisherige Kampagne ein wenig eindampfen wird, darüber darf man spekulieren. Für mich ist das Mitspielen einer Ministerin in so einer Schmierenkomödie nur ein weiterer Beweis dafür, wie sehr die ganz Jugendgewaltkiste zu einem inhaltsleeren Medienrummel verkommen ist. Interessant allerdings dass Wagner sich inzwischen so stark von seinen subterranen Verwandten distanziert…
Verfasst von Björn um 12:14 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Kultur, Politik, Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)