Subterranean Homesick Blues

I’d rather be in some dark holler, where the sun don’t never shine. So sang das zumindest Clarence Ashley. Damit steht sie der Einschätzung von Franz-Josef Wagner diametral gegenüber, der sagt dass er lieber “über der Erde lebe – mit Bäumen und Blumen.” Ob die Bäume und Blumen vielleicht lieber unter der Erde leben würden, ohne Franz-Josef Wagner, das hat sie keiner gefragt.

Dafür hat sich Franz-Josef Wagner jetzt zusammen mit Dr. Seltsams Faktotum der Bundesjustizzypries “in Berlins gefährlichste U-Bahn gewagt“. Eine U-Bahn in der es “nach abgestandenem Leben” riecht, in der Gangster-Rap-Typen, Bettler, Unter-der-Erde-Fahrer (In einer U-Bahn? Neiiiin!) und Betrunkene unterwegs sind, und in der Franz-Josef Wagner visioniert wie er blutüberströmt auf einen Notknopf zukriechen wird. Alles sehr dramatische Szenen. Alles sehr packend beschrieben. Und das Ende spoilere ich hier mal nicht.

Wer die Spannung und die visuelle Präsenz von Franz-Josef Wagner erträgt, der kann sich das ganze auch hier als Video angucken. Das ist ab heute die Messlatte, die Cloverfield überspringen muss, um für mich als Erfolg zu gelten.

Ob Frau Zypries nun nur mit FJW U-Bahn fährt um ihr Image aufzubessern, ob sie das - wie Wagner andeutet - “als romantische Freundin” getan hat, oder ob die ZEITUNG im Gegenzug ihre bisherige Kampagne ein wenig eindampfen wird, darüber darf man spekulieren. Für mich ist das Mitspielen einer Ministerin in so einer Schmierenkomödie nur ein weiterer Beweis dafür, wie sehr die ganz Jugendgewaltkiste zu einem inhaltsleeren Medienrummel verkommen ist. Interessant allerdings dass Wagner sich inzwischen so stark von seinen subterranen Verwandten distanziert…

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9 Kommentare zu “Subterranean Homesick Blues”

  1. 20.01.2008 | 12:37

    Treffen sich zwei Raucher in der U-Bahn.

    Mannmannmann, wenn die beiden sich schon getraut haben, sich (ohne Personenschutz?!) dem gemeinen Pöbel auszusetzen, dann hätten sie auch gleich noch den Jessen-Test machen und die gemeinsame “Ziggi danach” unten in der U-Bahn rauchen können.

    Unglaublich, das Ganze.

  2. Lina
    20.01.2008 | 15:43

    Du hast ja so recht und belegst es so gut, Björn, wenn Du von einer zum Medienbruhaha verkommenen Debatte spichst, ganz vorn dabei: die ZEITUNG…

    Und weil ich die einfach nicht folgenlos lesen kann (”I’d rather be an animal…”, heisst das bei “Pearl Jam”), isses auch so schön, dass Du sie mir in Deiner Übersetzung als Gratis-Lachnummer frei Haus zustellst. Besten Dank auch, wirklich!

    Und Marian,

    der Jessen-Test? Ich glaube, dass sie ihn bestanden hätten. So wie die aussehen, pöbeln die jeden an, der ihnen krumm kommt ;-)…

  3. 20.01.2008 | 15:52

    Vor wegen allein, schließlich waren da auch noch Kameramann und Fotograf mit von der Partie, also waren sie zu viert. Daher bezweifle ich doch stark ob nicht auch noch zwei Bodyguards dabei waren.
    Aber ein Bild von einer Zigarette rauchenden Frau Zypries in der U-Bahn- unbezahlbar… ;-)

  4. stefanolix
    20.01.2008 | 16:10

    @Hardy: Ich bezweifle, dass es nur zwei Bodyguards waren …

    @Björn: Nur für die Opfer der Schläger war es kein inhaltsleerer Medienrummel …

  5. 20.01.2008 | 17:22

    @Stefanolix:

    Ich zitiere mich mal selbst:

    wie sehr die ganz Jugendgewaltkiste zu einem inhaltsleeren Medienrummel verkommen ist

    Beachte bitte die Hervorhebung. Ich habe in keinem (!) meiner Texte je behauptet, dass es kein Problem gäbe, dass die Opfer selber Schuld wären oder das alles nur halb so wild ist. Nochmal aus meinem letzten Text:

    Die Debatte wurde angestoßen wegen zwei junger Männer, die ohne Grund einen Rentner nicht nur hinterrücks attackiert haben, sondern auch noch genüsslich nachsetzten, als der alte Mann am Boden lag. Wir reden hier ja nicht davon, dass irgendwelche Teenies heimlich rauchen, saufen, schwarzfahren, die Schule schwänzen oder mal ein Azad-Album aus dem lokalen Media Markt mitgehen lassen.

    Aber das eine hat für mich nichts mit dem anderen zu tun. Im derzeitigen Klima, in dem sich die Jessens, die Bitch Rays, die Prantls und die Franz-Josef Wagners tummeln, kannst du keine ernsthafte Debatte führen. So wie du die Vogelgrippe nicht mehr ernsthaft debattieren konntest, während rund herum eine “wir werden alle stürben”-Panik stattfand. So wie es fast unmöglich ist ernsthaft über den Klimawandel zu debattieren. Und wenn Wagner von “Deutschlands gefährlichster U-Bahn schreibt” und fabuliert, wie er blutüberströmt auf den Notknopf zukriechen wird, man quasi drei Kreuze schlagen muss dass der Mann es irgendwie geschafft hat lebendig aus der U-Bahn wieder rauszukommen, dann ist das Panikmache, die der eigentlichen Debatte abträglich ist.

  6. stefanolix
    20.01.2008 | 17:36

    Björn: das ging nicht gegen Dich oder gegen Deinen Artikel, es sollte nur eine Ergänzung sein. Sieh es bitte als das Gemurmel nach dem schweren und schmutzigen Laufwettkampf, von dem ich zu dieser Zeit gerade heimkam ;-)

  7. 20.01.2008 | 17:50

    Stimme Björn da auch zu - wer sich gegen die diversen Versuche wehrt, die umherlaufende Sau ins jeweils eigene Gatter zu treiben, erweist den Opfern eher Respekt als andere.

  8. Fuchur
    21.01.2008 | 13:05

    Mannomann, ich konnte fast gar nicht hinschauen! Bin ich froh, dass die heil wieder raus sind…

  9. 21.01.2008 | 18:03

    @stefanolix
    Ich glaube auch das er mehr als nur zwei waren, jedoch kann ich die korrekte Anzahl z.Z. nicht eruieren.
    @Fuchur
    Ehrlich? ;-)

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