22. Januar 2008
Nur fünf Prozent?
Immer wieder geht dieser Vorwurf durch die politischen Kommentare, das Nokia-Werk in Bochum hätte schwarze Zahlen geschrieben und die Personalkosten würden nur fünf Prozent ausmachen, weshalb eine Verlagerung nach Rumänien nicht zu rechtfertigen wäre. Derartige Bemerkungen können nur von Leuten kommen, die entweder noch nie ein Unternehmen betrieben haben oder den Nonsens dieser Aussage aus purem Populismus willentlich ignorieren.
Eine Unternehmensverlagerung macht immer Sinn, solange dadurch bei ansonsten unveränderten Bedingungen Kosteneinsparungen möglich sind. Selbst wenn Nokia pro Handy nur einen Cent Personalkosten sparen würde und die Telefone trotzdem zum selben Preis verkaufen könnte, würde sich eine Verlagerung auszahlen. Immerhin wird in einem Unternehmen Gewinn nicht einfach nur gemacht, sondern maximiert, zumindest wird das angestrebt. Wäre das nicht der Fall, entfiele jeder Anreiz zur Kosteneinsparung, die Produktivität würde stagnieren und wir lebten heute noch wie in der Steinzeit.
Mal abgesehen davon, wer lebt selbst nach einer Fünf-Prozent-Regel? Niemand. Vor ein paar Jahren hat in meiner Nähe eine IKEA-Filiale geöffnet. Seitdem fahre ich nicht mehr mit der Bahn nach Spandau um Gerätschaften für den Haushalt zu besorgen. Obwohl vorher die Transportkosten auch nur einen Bruchteil der Gesamtkosten des dortigen Einkaufs ausmachten, musste ich diese Entscheidung nicht lange überlegen. Viele meiner Zeitgenossen offenbar auch nicht, denn sonst hätte IKEA keine weitere Filiale eröffnet. Es gibt Dutzende dieser Beispiele. Eifrige Marktmoralisten sollten sich daher häufiger mal selbst beobachten.
Verfasst von SteffenH um 10:41 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)