Hochzeit der Hedonisten

Früher waren Partnerschaften und Ehen ein Mittel zur Ausnutzung von Spezialisierungsvorteilen in der Haushaltsproduktion. Da die Produktion gegenüber dem gemeinsamen Konsum im Vordergrund stand, waren Unterschiede der Partner in den Fähigkeiten und Interessen in verschiedenen Lebenssphären eher nützlich. Im Zeitalter der zunehmenden wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Partner wandelt sich das klassische Partnerschaftsmodell zu einer hedonistischen Beziehung, bei der eine gemeinsame Freizeitgestaltung und gemeinsamer Konsum immer größeres Gewicht erhalten. Daher gewinnen komplementäre Interessen sowie die Ähnlichkeit der Partner in Bezug auf Alter, Intelligenz und sogar Beruf zunehmend an Bedeutung.

Diese These führt Betsey Stevenson and Justin Wolfers zu der Vermutung, dass die hohe Scheidungsrate von in den 70igern geschlossenen Ehen durch diese Übergangsphase geprägt worden ist. Nach dem alten Produktionsmodell ausgewählte Partner halten den Ansprüchen einer konsumzentrierten Ehe nicht mehr stand. Sehr interessant.

Via EconLog.

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3 Kommentare zu “Hochzeit der Hedonisten”

  1. R.A.
    23.01.2008 | 11:23

    Klingt gut - ist denn die Scheidungsrate inzwischen wieder deutlich gesunken?

    Und falls ja: Könnte das nicht auch damit zusammenhängen, daß weniger geheiratet wird?
    D.h. es könnte einfach so sein, daß Leute, die sich eine langfristig stabile Beziehung nicht zutrauen, gar nicht erst zum Standesamt gehen und die Trennung vom jeweiligen Lebensabschnittsgefährten taucht dann auch in keiner Statistik auf.

  2. 23.01.2008 | 11:39

    @R.A.:

    Hab die Daten ehrlich gesagt nicht überprüft und den Autoren vertraut. Allerdings bin ich dabei auf einen, jetzt korrigierten, Fehler in der Formulierung gestoßen.

  3. Lina
    23.01.2008 | 14:25

    “Hochzeit der Hedonisten” - grossartiger Titel, sehr interessanter Eintrag! Interessant auch der dem Konsumieren eher nachgeordnete Kinderwunsch, den man lange mit einer Eheschliessung verbunden hat. Zusammengelegte Lebensqualität, wie sie in den “Economics of Marriage” verstanden wird, kommt offenbar auch gut ohne sie aus - “…somewhat less child-centric” nennen das die Autoren verhalten.

    Die rückläufigen Geburtenziffern, denen man hierzulande durch finanzielle Anreize begegnen will, werden sich so gesehen kaum verändern - zumal die Förderung vor allem auf akademischen Nachwuchs zielen sollte, und da kommen, wenn überhaupt, sehr wahrscheinlich weitere Hedonisten heraus :-)…

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