Der Überfall auf Marcus Bensmann und die Rolle des Auswärtigen Amtes

Vor ziemlich genau einer Woche wurde der deutsche Journalist Marcus Bensmann in der kasachischen Hauptstadt Astana überfallen, ausgeraubt und lebensgefährlich verletzt.

Das Wichtigste vorweg: Ich wünsche Marcus Bensmann eine möglichst vollständige und möglichst baldige Genesung! Da er als freier Journalist aus Zentralasien berichtet hat, ist ziemlich klar, dass die während des Heilungsprozesses zu erwartenden Einnahmeausfälle für ihn existensgefährdend sein können.

Ich möchte deshalb auf den Spendenaufruf der Weltreporter zu seinen Gunsten hinweisen. Dort finden sich alle nötigen Angaben. Ich meine, dass gerade in diesem Fall eine Spende sinnvoll ist, auch, um ein Signal der Wertschätzung an die anderen freien Journalisten zu senden. Denn wer geht schon ein größeres persönliches Risiko ein als freie Journalisten, die aus Krisengebieten berichten? Gerade diese Leute sind es, die den Begriff “Pressefreiheit” mit Leben füllen.

Jetzt aber zu dem Vorfall selbst, der mal wieder sehr viel über den gegenwärtigen Zustand Deutschlands verrät.

Zuerst las ich über den Vorfall bei DonDahlmann, zuletzt bei den Kollegen vom Antibürokratieteam. Wie diese beiden Blogs, so haben auch alle anderen deutschsprachigen Blogs, in denen ich (z.T. mit Hilfe von technorati und Google Blogsuche) etwas dazu gelesen habe, sich auf genau zwei Quellen berufen und auch nur diese verlinkt. Dabei handelt es sich um die erste von bis jetzt zwei Meldungen der tageszeitung sowie den Eintrag von David Schraven bei den Ruhrbaronen.

Das ist ein bisschen dürftig, denn es gibt da draußen im Netz sehr viel mehr und sehr viel bessere Quellen zu dem Fall. An erster Stelle ist hier das Blog der Weltreporter zu nennen, bei dem sich bis jetzt in der Kategorie “Marcus Bensmann” acht Einträge finden, zum Teil mit weiteren Quellenangaben. Das Blog ist weder bei technorati, noch bei Google gelistet. Willkommen in der deutschen Blogosphäre! Der m.E. beste Kurzartikel ist übrigens auf stern.de erschienen.

Ich möchte zunächst einen Aspekt herausgreifen, der mir in dem Artikel von David Schraven besonders verzerrt dargestellt erscheint, nämlich das Verhältnis des Auswärtigen Amtes zu Marcus Bensmann. David Schraven schreibt dazu, dass das Auswärtige Amt Marcus Bensmann seine Arbeit in Zentralasien “übel genommen” habe:

Immer wieder kamen Zwischentönen aus dem Amt, die seine Arbeit diskreditieren sollten, die ihn beleidigten. Im diktatorischen Zentralasien konnten diese Signale nur so gedeutet werden, dass die Deutsche Regierung kein Interesse am Wohl des Journalisten Marcus Bensmann habe.

Angesichts der kompromisslosen Haltung von Marcus Bensmann besonders gegenüber den Regierungen von Kasachstan und Usbekistan und seiner scharfen Kritik an der Zentralasien-Strategie der Bundesregierung (hier sind sich die Kanzlerin und der Außenminister ausnahmsweise einmal einig) wäre es nicht allzu verwunderlich, dass das Auswärtige Amt und die Botschaften vor Ort nicht sehr angetan von seinen Artikeln und Interviews waren. Die Kritik von David Schraven am Auswärtigen Amt geht m.E. aber dann doch ein bisschen arg weit. Zum Verhalten des AA im konkreten Fall schreibt Schraven:

Als Marcus im Krankenhaus lag, schaute ein Botschaftsangesteller nur kurz vorbei. Und verschwand wieder. Dem Autoren gegenüber machte der Diplomat nachher telefonisch deutlich, dass ihn der Journalist nicht interessiere. Erst auf Druck der Medien wurde diese Haltung später von der Deutschen Botschaft in Kasachstan geändert. Schnell hieß es, der Überfall könne nur einen kriminellen Hintergrund haben. Marcus sei betrunken gewesen.

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was der Botschaftsangestellte im Krankenhaus weiter hätte tun sollen - vielleicht Johannes B. Kerner - Fragen stellen: “Wie fühlen sie sich?” “Als die Räuber ihnen den Schädel einschlugen - was haben sie da gedacht?”

Da ich außer in diesem einen Eintrag bei den Ruhrbaronen keine weiteren Hinweise auf ein Fehlverhalten des Auswärtigen Amtes gefunden habe, will ich hier noch auflisten, wie das AA im vorliegenden Fall an die Öffentlichkeit getreten ist.

In der ersten taz-Meldung (Angriff auf taz-Reporter in Kasachstan. Von Barbara Oertel, tageszeitung vom 23.01.2008) wurde der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger folgendermaßen zitiert:

“Unsere Botschaft in Astana hat sich sofort eingeschaltet und kümmert sich in enger Absprache mit der Familie um Marcus Bensmann”, erklärte Martin Jäger, Sprecher des Auswärtigen Amtes. Es gehe im Augenblick darum, die bestmögliche ärztliche Versorgung zu gewährleisten. Daneben dränge die deutsche Botschaft die kasachischen Behörden zu einer raschen und umfassenden Aufklärung.

Eine ähnliche Meldung findet sich auf der Seite der deutschen Botschaft in Kasachstan:

Der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Jäger, auf Nachfrage von “Reuters”:
„Wir haben mit Schrecken erfahren, dass der Journalist Marcus Bensmann in Kasachstan überfallen und brutal verletzt worden ist.
Unsere Botschaft in Astana hat sich sofort eingeschaltet und kümmert sich in enger Absprache mit der Familie um Marcus Bensmann. Im Augenblick geht es vor allem darum, die bestmögliche ärztliche Versorgung zu gewährleisten.
Daneben drängt die deutsche Botschaft gegenüber den kasachischen Behörden auf rasche und umfassende Aufklärung der Gewalttat. Die Täter müssen gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden.“

Wer ein bisschen vertraut mit der Sprache der Diplomaten ist, wird mir vielleicht zustimmen, dass “Schrecken” nicht gerade zu den häufigsten Vokabeln gehört, wenn sich das AA zu den Schicksalen deutscher Staatsangehöriger äußert. In ähnlichen Fällen tauchen vielleicht die Wendungen “mit Bedauern” oder “mit Bestürzung” auf - aber “Schrecken” deutet eher auf eine persönliche Verbundenheit mit dem Opfer hin.

Dieser Eindruck wird verstärkt, wenn man sich die Äußerungen von Martin Jäger in der DLF-Sendung “Markt und Medien” vom gestrigen Samstag anhört (mp3). Hier meine Abschrift:

“Marcus Bensmann ist einer derjenigen unter den Journalisten, die helfen, den eigenen Blick zu schärfen.”, so Martin Jäger, der Sprecher des Aúswärtigen Amtes, bezüglich des freien Journalisten Marcus Bensmann, der seit etwa zehn Jahren für unterschiedliche deutschsprachige Medien aus Zentralasien berichtet hat.

Nicht selten kritisierte er dabei auch die Rolle der deutschen Außenpolitik, so Martin Jäger.

“Aber gerade deswegen haben wir uns sehr oft und sehr intensiv mit ihm auseinandergesetzt und haben immer erfahren, dass er sehr gut informiert ist. Er zählt mit großer Gewißheit zu den besten Kennern Zentralasiens, die wir in Deutschland haben.”

(…)

Alles deute derzeit auf einen rein kriminellen Überfall und kein politisches Motiv; trotzdem dürfe das natürlich als Möglichkeit nicht ausgeschlossen werden, betont auch (neben dem WDR, M.W.) das Auswärtige Amt.

Ich kann mich noch ganz gut an die Stellungnahmen des AA im Fall Susanne Osthoff erinnern; da klang das alles sehr viel kühler, nüchterner und (nach ihrer Freilassung) zunehmend auch genervter als hier in Bezug auf Marcus Bensmann.

Die Ehefrau von Marcus Bensmann hat sich mehrfach gegenüber den Medien geäußert und mit keinem Wort das Verhalten des Auswärtigen Amtes kritisiert; wenn man sich vor Augen führt, dass es in letzter Zeit Usus ist, dass deutsche Opfer oder deren Angehörige sich negativ über das Verhalten von Vertretern des Auswärtige Amtes im jeweiligen Fall äußern, dann ist das schon bemerkenswert. Und auch der WDR, in dessen Auftrag Marcus Bensmann zum Zeitpunkt des Überfalls in Astana recherchierte, hat sich in seiner Pressemitteilung jeglicher Kritik an deutschen Behörden enthalten:

Betreut wurde er von Mitarbeitern des ARD Studios Moskau sowie von Vertretern der Deutschen Botschaft.

Kritik an der deutschen Zentralasienstrategie oder insgesamt an der deutschen Außenpolitik oder dem Auswärtigen Amt kann man (und sollte man) ja äußern - aber im konkreten Fall kann man die Kirche auch im Dorf lassen. Das ist jedenfalls meine Meinung.

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23 Kommentare zu “Der Überfall auf Marcus Bensmann und die Rolle des Auswärtigen Amtes”

  1. 27.01.2008 | 8:06

    Zu einem nicht unwichtigen Nebenaspekt:
    Das Blog ist weder bei technorati, noch bei Google gelistet. Willkommen in der deutschen Blogosphäre!
    Dass es nicht bei technorati zu finden sei, kann vorkommen.
    Aber in der “normalen” Google-Suchmaschine wird http://www.weltreporter.net/ gefunden, in der Google-Blogsuche das Weltreporter-Blog http://www.weltreporter.net/blog/

    Für “typisch deutsch” halte ich es eher, dass “Weltreporter”, obwohl es von “echten”, professionellen Journalisten betrieben wird, von vielen Vertretern der “Holzmedien”, die sich kritisch mit dem “neuen Medium” Blog befassen, ignoriert wird.

  2. Die Stimme aus dem Off
    27.01.2008 | 8:57

    Ich glaube noch nicht einmal, dass das eine Geheimdienstoperation gewesen ist. In Kasachstan sind derartige Vorfälle ziemlich normal, das ist keine Übertreibung. Die geschilderten Verletzungen lassen in Bezug auf die Schläge und Tritte - so haarig das auch klingen mag - NICHT auf einen Tötungsvorsatz schließen. Bei den sog. “Augenbrüchen” wird es sich wohl um Orbiter-Boden-Frakturen (Augenhöhlenbrüche) gehandelt haben. Das sind relativ harmlose Verletzungen, die teilweise nicht einmal operativ behandelt werden müssen.

    Einen Kieferbruch kann das Opfer auch schon relativ schnell erleiden, dazu gehört nicht viel Krafteinsatz.

    Ich bin vor allem deswegen Skeptisch, weil ich bislang noch nichts von Schlageinwirkungen auf den Schädelbereich gelesen habe. Wenn die Täter vorgehabt hätten ihn totzuschlagen, dann wäre ihnen das auch ganz sicher gelungen. Es gibt auch genug Möglichkeiten ein Opfer an einer Stelle auszusetzen, dass es nicht von Passanten gefunden wird. Man wird ihn also ganz bewusst so in den Schnee gelegt haben, dass man ihn auch rechtzeitig finden würde. Bei einem anderen Tatvorsatz hätte man ihn leicht in irgendeinem verlassenen Industriehof abwerfen können. Wenn er nicht schon durch das Hinauswerfen aus dem Auto und dem anschließenden Aufprall gestorben wäre, dann wäre er mit Sicherheit erfroren.

    Ich bin der festen Überzeugung, dass er lediglich zusammengeschlagen werden sollte aber man auch sicherstellen wollte, dass er das überlebt. Sonst wäre er jetzt tot, denn sein Überleben war kein Glück, sondern Gnade. Für kasachische Verhältnisse eine relativ harmlose Angelegenheit. Man sollte die Sache daher nicht überbewerten und dem AA keine Vorwürfe machen. Wenn es eine geplante Tat war, dann hat er nur wegen seines deutschen Passes überlebt, denn man hatte wohl Angst vor dem AA. Und vor dem kann man Angst haben.

  3. Die Stimme aus dem Off
    27.01.2008 | 9:02

    Ich Idiot. Es heisst natürlich Orbitaboden-Fraktur.

  4. 27.01.2008 | 9:40

    MartinM,

    Aber in der “normalen” Google-Suchmaschine wird http://www.weltreporter.net/ gefunden, in der Google-Blogsuche das Weltreporter-Blog http://www.weltreporter.net/blog/

    In der normalen Google-Suche wird bei mir an allererster Stelle das Profil von Marcus Bensmann bei weltreporter.net angezeigt; insoweit hast Du Recht. Nur ist das nicht unbedingt die sinnvollste Anlaufstelle.

    Wie Du in der Google-Blogsuche das Blog von weltreporter.net gefunden hast, ist mir schleierhaft. Ich habe es gerade nochmal versucht - ohne Ergebnis. Stattdessen finden sich unter den insgesamt 77 Fundstellen eine signifikante Anzahl von Adressen, die mit Sicherheit keine Blogs sind, wie die Website vom Berner “Bund” oder yigg oder irgendwelche PR-Meldungsfriedhöfe, wo nur die dpa-Meldung wiedergegeben wird.

  5. 27.01.2008 | 9:47

    Die Stimme aus dem Off,

    zum Tatgeschehen werde ich einen eigenen Eintrag schreiben. Deine Ausführungen gehen am Thema dieses Eintrags hier ziemlich vorbei und sind insgesamt ziemlich haltlos.

    Ich weiß nicht, über welche geheimen Quellen Du verfügst, um so weitreichende Angaben zum Tatgeschehen zu machen, aber im Fall des Aussetzens einer schwerverletzten Person auf einer Ausfallstraße morgens gegen vier Uhr bei Außentemperaturen von minus 20 bis minus 30 Grad Celsius (die Angaben schwanken diesbezüglich, aber minus 20 Grad waren es mindestens) davon auszugehen, dass es dem Täterwillen entsprach, dass das Opfer lebend gefunden werden sollte, halte ich für groben Unfug. Kannst Du bitte für derartig abwegige Spekulationen zukünftig eine andere Publikationsmöglichkeit wählen? Vielen Dank im Voraus.

  6. Lina
    27.01.2008 | 10:03

    @ DSadO

    “Für kasachische Verhältnisse eine relativ harmlose Angelegenheit.”

    Muss man es deshalb auch mit kasachischen Augen betrachten? Ich habe Deine Einlassung wie Marian gelesen und war bestürzt. Wie kommt es, dass Du in diesem Fall zu einer derart kalt spekulierenden und distanzierenden Sichtweise findest? Du bist doch sonst nicht so…

  7. Die Stimme aus dem Off
    27.01.2008 | 10:59

    @ Lina: Distanzierung ermöglicht manchmal den Blick für das Wesentliche. Hätten sie ihn töten wollen, wäre er jetzt tot. Daran besteht nicht der geringste Zweifel, jedenfalls nicht anhand der mir bislang bekannt gewordenen Vorgehensweise oder der Verletzungen. Wer einen Menschen totschlagen will, der macht das anders. Insbesondere bei einem Vorgehen durch mehrere Täter.

    Das mit der relativ harmlosen Angelegenheit meine ich wortwörtlich, es geht nämlich viel schlimmer. Trotzdem möchte ich niemanden davon abhalten für ihn zu spenden. Er hat wohl keinen finanziellen Rückhalt und ist daher auf Spenden angewiesen, die Auswirkungen für ihn sind sicherlich hart. Auch daran habe ich keinen Zweifel.

    Bei minus 30 Grad hat er ungefähr 4 Stunden Überlebenszeit, das hängt aber von seiner Bekleidung und dem Ablageort, sowie der Ablageweise ab. Wenn er ansonsten in guter Verfassung ist, sogar länger. Die Kälte kann ihm übrigens das Leben gerettet haben, wird aber jedenfalls das Schlimmste verhindert haben, nur mal so am Rande. Vielleicht war den Tätern das Überleben des Opfers auch egal, was im deutschen Strafrecht noch immer für Tötungsvorsatz reichen würde.

    Die Tat geschah aber in Kasachstan, man sollte sie daher nicht nach deutschen Maßstäben bewerten. Der durchschnittliche kasachische Staatsbürger ist etwas verrohter als der durchschnittliche Bundesbürger, die Berichte aus dem Lager Friedland sind Legende.

    Wenn Du mich fragst, warum ich das so kalt sehe, dann führe ich das auf eine gewisse Nüchternheit zurück. Mir geht die Empörung bei der Bewertung von normabweichenden Verhaltensweisen generell ab, weil diese Verhaltensweisen nur begrenzt vernunftgesteuert sind und daher einer Kritik nicht zugänglich sind. Die Empörung erfasst mich vor allem dann, wenn ansonsten vernunftbezogene Menschen wissentlich irrational handeln. Insbesondere wenn es der Durchsetzung politischer Ziele auf Kosten anderer geht.

    Für eine genaue Beschreibung des Tathergangs wäre ich dankbar. Vielleicht komme ich dann auch zu einer anderen Bewertung der Tat. Aus dem bislang Gelesenem kann ich aber - auch beim besten Willen - keinen Tötungsvorsatz im Sinne dolus directus erkennen.

  8. Die Stimme aus dem Off
    27.01.2008 | 11:40

    Damit ich nicht zum gefühlskalten Unmenschen erklärt werde, vielleicht noch diese Erklärung:

    Der Mann tut mir leid, wirklich. Ich kann mit ihm mitempfinden und möchte sein Leid nun wirklich nicht abwerten.

    Ich halte die kasachische Regierung aber nicht für so dumm die Leiche eines ermordeten deutschen Journalisten gefunden werden zu lassen. Das liegt mit Sicherheit nicht in ihrem Interesse. Bei allem Mitgefühl sollte man doch nicht die Fakten, so weit sie einem bekannt sind, außer Betracht lassen.

  9. 27.01.2008 | 11:56

    Die Stimme aus dem Off,

    wenn dieses Blog unter meiner alleinigen Verantwortung betrieben würde, dann hätte ich Deine Kommentare hier vollständig gelöscht und Dich auf die Troll-Liste gesetzt; da es sich hier aber um ein “liberales” Gemeinschaftsblog handelt, lasse ich das mal so stehen.

    Du tust mir leid. Wirklich.

  10. Lina
    27.01.2008 | 12:01

    @ DSadO

    “Die Tat geschah aber in Kasachstan, man sollte sie daher nicht nach deutschen Maßstäben bewerten.”

    Deutsche Massstäbe? Ich will nicht auf die Moraltube drücken, aber ich kenne unter Menschen nur den allgemeinverbindlichen Massstab, wonach eine solche Tat grundsätzlich zu verurteilen ist; ich brauche mich zwecks Urteilsfindung nicht ausser Landes begeben, aber auch nicht unbedingt in Distanz zu mir selbst. Empörung zu zeigen, halte ich - wie Du - für überflüssig, in Anbetracht unseres Wissens auch für allzu billig. Aber Dein Abschweifen in Spekulationen über das hinaus, was der Beitrag eigentlich will, hat mich irritiert.

    “Aus dem bislang Gelesenem kann ich aber - auch beim besten Willen - keinen Tötungsvorsatz im Sinne dolus directus erkennen.”

    Ist denn das, was geschehen ist, nicht schon schlimm genug? - Ich bin froh, dass Deutschland für einen solchen Fall dort immerhin eine Vertretung hat, die dem Mann zu Hilfe kommen konnte - wie gut oder schlecht auch immer sie das bewerkstelligt haben mag. Das hohe Risiko, das gerade freie Journalisten vor Ort in einer Krisenregion einzugehen bereit sind, bräuchte allerdings unparteiischen Schutz.

  11. Die antisemitische Trollstimme aus dem Off
    27.01.2008 | 13:02

    Ja, ist gut. Es ist furchtbar, sie wollten ihn töten. Ich verurteile generell alle Taten und werde mich in Zukunft bemühen die individuellen Tatumstände nicht zu verstehen und nicht zu bewerten, weil das bestenfalls eine Abschweifung, schlimmstenfalls aber eine pure Spekulation sein könnte. Jede abweichende Einschätzung der Tatumstände führt zwangsläufig zu einer Relativierung der Opferrolle, was natürlich untragbar ist. Mea culpa.

    Auf jeden Fall ist es gefühlskalt und muss geradezu eine Provokation zum Löschen der Beiträge sein, die auch den liberalsten Liberalen an die Grenzen seiner Toleranzfähigkeit bringt. Mea maxima culpa.

  12. 27.01.2008 | 13:06

    Und was soll die Tour mit dem Antisemitismusvorwurf den es gar nicht gab jetzt schon wieder? Echt gezz, Herr Kaleu, wird der Joker “ihr versucht mich mit Vorwürfen mundtot zu machen, die gar nicht kamen” jetzt bei jeder Diskussion ausgespielt? Ich stimme Marian zu, sowohl in Sachen “Kommentare nicht löschen”, als auch in “Trollposts werden ab jetzt überlesen”.

    Will sagen: PLONK.

  13. Die antisemitische Trollstimme aus dem Off
    27.01.2008 | 14:00

    Ich weiß selbst dass diese Bemerkung so nicht gefallen war. Meine Bemerkungen waren aber ebenfalls nicht so gemeint. Deswegen das Posting, offensichtlich gelingen mir Spitzfindigkeiten nicht oder aber man traut sie mir nicht zu.

    Es wird nicht mehr nötig sein Kommentare von mir zu überlesen. Nicht weil ich beleidigt bin, sondern weil ich keine Lust habe alles relativieren zu müssen, nur weil es jemand als unpassend empfinden könnte. Das ist mir hier zu anstrengend, weil ihr zu gebildet seid als das mir dies leicht gemacht werden würde. Ich will nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen müssen um dann festzustellen, dass Person A oder B oder C etwas missverstanden hat und nicht willens oder nicht fähig ist etwas zu tolerieren was seine Bewertung der Welt in Frage stellt oder stellen könnte oder aber sich oder andere persönlich angegriffen fühlt.

    Trotzdem bedanke ich mich bei Euch für die Zeit. Ich bin hier gewachsen und habe erkannt, dass ich in Deutschland keine politische, intellektuelle und auch keine emotionale Heimat habe und auch niemals haben werde. Eine Möglichkeit das zu ändern besteht wohl nicht, konservative sind mir zu staatsverbunden, Liberale zu sehr an der Ökonomie verhaftet, die Linken kehren zu sehr die guten Absichten heraus und die Grünen sind schlichtweg Spinner. Dieses letzte Aufsuchen der Politik, die Auseinandersetzung mit den vermeindlichen Erlösern aus der Liberalität war ziemlich Heilsam.

    Der Austritt aus der FDP ist beschlossene Sache und vollendet nur den Reifungsprozess.

  14. stefanolix
    27.01.2008 | 15:06

    Zu den Beiträgen der “Stimme aus dem Off”: Ich stimme Lina und meinen beiden Kollegen zu, was den Stil der Aussagen und die spekulativen Ansätze betrifft. Allerdings sollte es meiner Meinung nach nicht unser liberaler Stil sein, seine Kommentare zu löschen, ihn persönlich als Troll zu plonken oder öffentlich über das Löschen und Sperren nachzudenken. Wir haben alle die Möglichkeit, unsere Meinung neben bzw. gegen seine Meinung zu stellen.

    In der Sache ist es wirklich schwer, sich eine Meinung zu bilden. Es kann das organisierte Verbrechen dahinterstecken, es kann der Geheimdienst im Hintergrund stehen oder es kann ein Raubüberfall gewesen sein. Wichtig ist, dass er wieder in Deutschland ist und dass ihm erst mal geholfen wird. Vielen Dank für den Hinweis auf “weltreporter.net” und ich gehe jedenfalls heute abend noch mal zur Bank.

  15. 27.01.2008 | 15:58

    [...] Nur durch Marians Artikel habe ich überhaupt von diesem Vorgang erfahren, der mich schon ziemlich betroffen gemacht hat. Man wird die Zusammenhänge, die bei den Ruhrbaronen in Bezug auf unsere Regierung und insbesondere Frank-Walter Steinmeier, hergestellt werden, denke ich, nicht belegen können, aber liegen sie nicht wirklich sehr nahe? [...]

  16. 27.01.2008 | 17:18

    Divenalarm.

  17. Lina
    27.01.2008 | 18:05

    @ DSadO,

    lass’ mich bitte ganz direkt werden: Dein Abschied klingt doch ein wenig nach beleidigter Leberwurst, der man ihren Impuls, unter eigener Hitze (heraus) zu platzen, nicht gönnen will. Nein, man fand das zum Beitrag Gesagte einfach sträflich (?) deplatziert - will ich mal annehmen…

    Ich zum Beispiel finde es gut, im Denken ein wenig (oder so gut es eben mit einem selbst geht) diszipliniert zu werden, sich zu konzentrieren, bevor man die eigene, oft unkontrollierte Sicht der Dinge am Beitrag vorbei lanciert, um auch etwas dazu gesagt zu haben.

    Kann sein. dass ich mich irre und es auf Blogs auch freier oder “wilder” zugehen könnte oder sollte; von mir kann ich allerdings sagen, dass ich aus der hier vorherrschende Sachbezogenheit viel gelernt habe und mich deshalb auch nicht so leicht verabschieden wollte, wie Du es so vorschnell getan hast.

    stefanolix’ Einwand und Raysons “Divenalarm” dürften Dir doch einen Wink zu Umkehr gegeben haben, oder nicht?

  18. 28.01.2008 | 11:28

    [...] Marian Wirth von den BLOGgies hat sich auch noch ein paar Gedanken zum Thema gemacht. [...]

  19. Die antisemitische Trollstimme aus dem Off
    28.01.2008 | 22:02

    @ Lina:

    Nein, ich bin überhaupt nicht beleidigt. Ich vertrage Kritik ausgesprochen gut und bin nun wirklich keine Mimose. Ich merke eben nur schon seit längerer Zeit, dass Deutschland an sich nicht mein Ding ist. Weder die Menschen, noch die Politik und ganz bestimmt auch nicht der Staat. Hier ist fast alles anders als ich es mir wünschen würde. Ich empfinde auch nicht erst seit heute so, das ist ein Reifeprozess gewesen. Ich empfinde Ekel beim Gang an die Wahlurne, Ekel wenn ich mir die Städte angucke (wie kann man Häuser nur so bauen?). Ich habe überhaupt kein Verständnis für das pseudo-intellektuelle Gehabe weiter Kreise der deutschen Medienlandschaft, leider sind diese abgehobenen Diskussionen auch bei vielen Blogs schon anzutreffen. Wobei es natürlich auch immer wieder brilliante Beiträge gibt, keine Frage. Ganz furchtbar empfinde ich diese Opfer-Mentalität in Deutschland. Jeder macht sich zum Opfer und meint über die Mitleids-Masche andere Menschen maßregeln zu können. Mich ekeln auch diese Ideologie-Kreuzzügler an, die alle anderen meinen beglücken zu müssen. Davon nehme ich auch (nenn’ es wie Du willst, Liberale oder Libertäre) nicht aus. Mein Ausflug in die Welt der Politik ist hier zu Ende, niemand außer ich selbst ist dafür verantwortlich. Wegen ein paar böser oder harter Worte bin ich bestimmt nicht zu beeinflussen.

    Ich merke auch, dass mir meine Berge und das Meer fehlen. Ich werde wohl bald wieder zurück gehen, das hat auch steuerliche Vorteile. Mir fehlt einfach die Lebensqualität, Scheiß auf das Geld. Nichts kann mir einen Sternenhimmel ersetzen, nichts die Abende bei frisch gepflückten Limmetten, den Geschmack von gegrilltem Ziegenfleisch. Ich habe dort unten in 15 Minuten mehr Spaß am Leben als hier in einem ganzen Jahr. Und die Sonne, die Strände, das Tauchen.

    Dort unten ist Politik irrelevant, vollkommen irrelevant. Sie spielt nur dann eine Rolle, wenn die Kandidaten in die Dörfer kommen um mit Genehmigungen und manipulierten Bebauungsplänen die Stimmen der Wähler zu kaufen. Da hat Politik noch einen Sinn :-)

    Wir planen Kinder und die werden ganz bestimmt nicht hier aufwachsen, sonst würde ich früher oder später zum Mörder werden. An den Schulen da unten unterrichten die den ganzen Tag, wobei eine griechische Hauptschule wohl locker mit manchem Gymnasium, aber doch zumindest mit den meisten deutschen Realschulen mithalten kann.

    Ich werde bestimmt noch das eine oder andere Mal hier herein gucken, aber ich will mich einfach nicht mehr aufregen müssen. Und ich muss mich bei manchen Dingen eben aufregen, so bin ich. Ich kann nicht anders. Ich bin fertig mit Deutschland, wir haben uns nichts mehr zu sagen. Früher empfand ich noch Bedauern deswegen, aber das ist jetzt auch schon vorbei. Dieses Land ist mir egal geworden und ich will weder mein Geld noch meine Zeit damit verschwenden, weil jeder Tag der Letzte sein kann und einem ja andererseits nichts gedankt wird. Ich kann mich nur verabschieden und den Leuten wünschen es besser zu machen als ich. Vielleicht schaffen sie es ja - weil sie mir egal sind, wünsche ich ihnen eben auch nicht die Pest an den Hals - aber ich bin da eher skeptisch. Der Opfer sind jetzt genug erbracht, carpe diem!

    Beste Grüße

  20. Die Stimme aus dem Off
    28.01.2008 | 22:08

    Nur um nicht mit einem schlechten Gewissen abzutreten und der Fairness den gebührenden Raum zu geben, poste ich noch einmal mit korrektem Nick.

    Viel Glück

    Markus Oliver

  21. 28.01.2008 | 22:24

    Alles Gute!

    (Wobei Ziegenfleisch doch eher nach nicht viel schmeckt, oder?)

  22. Die Stimme aus dem Off
    28.01.2008 | 22:40

    Ziege schmeckt besser als Lammfleisch, aber es kommt stark darauf an wo man es isst. Man sollte hoch in die Berge fahren, je höher desto besser. Je höher die Ziegen grasen, desto saftiger das Fleisch.

    Vielen Dank für die Wünsche. Wir planen schon die Abreise, hoffentlich bekommt meine Frau nicht wieder sechs Wochen nach unserer Ankunft ein Jobangebot, dann werden wir wohl eine Fernbeziehung führen müssen. Wir haben uns aber auf einen Kompromiss geeinigt und werden diesmal in die Stadt ziehen, dort ist einfach mehr los. Ostern werde ich wohl leider verpassen, aber das Frühjahr wird es auf jeden Fall werden.

  23. Kasache
    1.02.2008 | 6:04

    Hallo an alle,
    Es tut mir leid, dass Marcus Bensmann so was widerfahren ist. Ich wünsche ihm eine baldige Genesung.
    Hat denn Marcus selbst dazu geäußert? Nach offiziellen Angaben sind die Männer, die ihn überfallen haben, bereits gefasst (In Nachriten gesehen). Es waren drei Männer aus Südkasachstan. Einer dieser Männer war Taxifahrer und war mit Freunden unterwegs, als ihn Marcus angehalten hat. Marcus war angetrunken, dann haben sich die Männer entschienen ihn auszurabuben, was sie auch getan haben. In einer Pressekonferenz sagte ein hochrangiger Polizist, dass Marcus den Zhiguli (einen russischen Wagen) mit Mersedez verwechselt hat, womit er die Ermittlungen am Anfang auf die falsche Spur geschickt hat. Es wäre auch sehr interessant, wie sich Herr Bansmann dazu äußert.

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