Dr. House und die Liberalen

Zunächst dachte ich, es sei nur eine persönliche Vorliebe, ähnlich wie “Navy CIS”. Aber dann entdeckte ich, dass Liberale und Libertäre beinahe gleichermaßen gerne am Dienstag abend RTL einschalten, um sich “Dr. House” anzuschauen.

Ich habe da eine Vermutung, warum dem so ist: House ist als Anti-Mephistopheles, als Geist, der das Gute nicht will, es aber trotzdem immer wieder schafft, eine Metapher der “unsichtbaren Hand” des Adam Smith.

Die nüchtern-empirische Wahrheit ist vielleicht profaner: Da meine Liebste ein sicherer Gradmesser dessen ist, was Frauen in Sachen Kino und Fernsehen mögen (Ausnahme: Boxen!), könnte die Beliebtheit des bekennenden Ekels Dr. House auch auf den hohen Anteilen an Kerls in der liberal-libertären Szene zurückzuführen sein. Denn sie findet ihn zwar interessant genug, um ihn sich gemeinsam mit mir anzuschauen, mag ihn aber sonst nicht. Scheißegal - gut ist der trotzdem.

Ähnliche Beiträge


15 Kommentare zu “Dr. House und die Liberalen”

  1. 28.01.2008 | 22:26

    So ganz kann ich Dir da nicht zustimmen. Ich habe eigentlich das Gefühl, House will durchaus das Gute. Aber er lässt sich dabei nicht von Gefühlen leiten, sondern analysiert ganz methodisch, was denn nun das “moralisch richtige” Handeln ist, anhand fest gefügter Prinzipien. Er menschelt eben nur nicht!

  2. 28.01.2008 | 22:37

    @Karsten

    Richtig, House ist durchaus ambivalent. Aber ob er wirklich immer “das Gute” will, wage ich zu bezweifeln. Manchmal haben auch seine Freunde recht, wenn sie ihm egozentriertes Handeln vorwerfen, und manchmal (ich denke da an die Episoden mit dem Freund seiner Ex-Frau) muss er auch wirklich überwunden werden.

    Allerdings hat dein Einwand auch eine Berechtigung, die ich der Zuspitzung willen nicht erwähnt habe: Die Serie lebt von moralischen Zielkonflikten. Schon allein dafür gebührt ihr ein liberaler Oscar.

  3. 28.01.2008 | 22:48

    Zusammengefasst gesagt: Die Serie ist einfach vielschichtig. Etwas, das vielen vergleichbaren deutschen Serien fehlt. Und wenn sie es haben, dann fehlt ihnen Coolness. Diese spezielle Kombination habe ich bisher nur bei amerikanischen Serien gesehen (ich nenne da mal noch Law & Order sowie Boston Legal).

  4. 28.01.2008 | 22:48

    Naja, wir mußten uns ja von den empfindlichen Linken schon einiges an Psycholgisiererei darüber anhören, daß wir House nur mögen, weil er genauso unmoralisch wie der Markt ist.

    Also, ich für meinen Teil mag die Serie vor allem deshalb, weil House der Prototyp des unfreiwilligen Helden ist. Es gibt doch keine langweiligeren Filmhelden als solche, von denen man von Anfang an weiß, daß sie Gutes tun wollen und die dann tatsächlich Gutes tun. House ist dagegen ein widerwilliger Held. Eben tatsächlich alles andere als eine wandelnde Moralinspritze, sondern jemand, bei dem man immer das Gefühl hat: er könnte auch ganz anders.

    Dazu kommt natürlich noch die subtile politische Ebene. Ständig die Frage, ob man sich an starre Regeln oder Hierarchien hält, wenn diese offensichtlich kontraproduktiv sind. Der Kampf, es sich unter widrigen bürokratischen Bedingungen kommod einzurichten. Und natürlich die Tatsache, daß House am Ende doch weniger Zyniker als einfach ein großer Ironiker ist.

    Und schließlich und endlich halte ich Hugh Laurie schon für einen grandiosen Schauspieler, seit er z.B. in Blackadder 3 den debilen Prinzregenten gespielt hat. Das ist einfach große Kunst.

  5. 28.01.2008 | 22:55

    @ Karsten:
    Stimmt. Auf den Gipfel getrieben haben diese Mischung aus Coolness und Vielschichtigkeit natürlich die Sopranos. Ich glaube ernsthaft, daß die Sopranos zu den zukünftigen Klassikern gehören, an die sich die Leute auch in 200 Jahren noch erinnern werden.

    Was ich übrigens auch dringend empfehle (ich habe mir die erste Staffel aus den USA importieren lassen) ist “Californication”. David Duchovny (früher Mulder in Akte X) spielt einen Schauspieler in Schaffens- und Familienkrise, der durch sein Leben in Kalifornien taumelt und auch ein ziemlich ambivalenter Charakter ist. Absolut furiose Serie, sollte man nicht verpassen, wenn es irgendwann in Deutschland läuft.

  6. 28.01.2008 | 22:55

    Äh, einen Schriftsteller spielt er natürlich…

  7. 29.01.2008 | 0:39

    Ich hatte die erste Staffel geguckt, die zweite vermutlich ebenfalls, aber irgendwie ist mir die Handlung zu schematisch:

    Rätselhafte Krankheit, die Ärzte irren sich und doktern dran rum, Angehörige machen Druck, die Ärzte finden die Lösung, Komplettremission oder ein Bein blieb auf der Strecke. Zwischendrin mach House Sprüche, die irgendwie immer dieselben sind.

    Oder hat sich da was geändert?

  8. 29.01.2008 | 0:51

    Neben Bloggen noch Zeit zum Fernsehen? Und das nennt sich Leistungsbereitschaft der Liberalen und Verantwortungsethik? … tse… :)

    Liberale scheinen Vielschichtigkeit, Zynismus, Sarkasmus, Ironie, unkonventionelles Verhalten, gesellschaftliche Außenseiter, Übertreten bürokratischer Vorschriften, Pro und Contra gesellschaftlicher Probleme, Diskussionen, moderne Technik, Kulturbezüge, Intellekt, Können, Allgemeinbildung sowie Spezialwissen und ähnliches mehr zu schätzen. Kurz: überwiegend Ärzte, Anwälte, Selbständige. Vergleiche: NCIS, Dr. House, Scrubs, Boston Legal, etc. :)

    Erstaunlich, dass ausgerechnet US-Fernsehserien dieses immer wieder abdecken. Scheint ein liberales Fernsehvolk zu sein, diese Amerikaner. Wir profitieren dank Kulturimperialismus.

    Warum House im Speziellen?
    - grandioser Hauptdarsteller (Universaltalent Hugh Laurie)
    - hervorragende Nebendarsteller als Gegenspieler
    - Aufgreifen aktueller Themen im Drehbuch und deren Bearbeitung aus unterschiedlichen Perspektiven (Bloggen im Fernsehformat)
    - hoher Unterhaltungswert (Zynismus, Sarkasmus, Ironie, politisch unkorrektes Verhalten/Sprüche)
    - hoher Identifizierungsgrad (”würde ich auch gerne mal machen”, “ja, so denke ich eigentlich auch”)

    Oder einfach:
    http://www.youtube.com/watch?v=t0zG4b5aL8c

  9. 29.01.2008 | 1:14

    @Marc:
    Das ist so ähnlich wie bei “Akte X”. Für Erstseher ist das Format an sich überraschend, als Fan kennt man irgendwann das Schema und wartet auf die Entwicklungen im Metaplot. Dazwischen wird man dann von den Sprüchen unterhalten. Die gehen zwar oft in eine ähnliche Richtung, aber man kann sie sich merken für die nächste Gelegenheit, wenn man seine Mitmenschen mal schockieren will…

  10. Lina
    29.01.2008 | 9:31

    @ Karsten

    “… von den Sprüchen unterhalten. Die … kann sie sich merken für die nächste Gelegenheit, wenn man seine Mitmenschen mal schockieren will…”

    Ah, das ist es also! Ich habe lange nach dem Reiz gesucht, den Dr. House auf Euch Männer ausübt - wenn er es schon auf Frauen nicht tut. Interessant! Und mit Übernahme wollt Ihr Euch gegenseitig (oder etwa auch uns?) beeindrucken bis schockieren?

    Lässt mich völlig kalt;-)…

  11. Ben Czerny
    29.01.2008 | 11:10

    Selbst meine Frau mag Dr. House - besonders wegen der Dialoge.

    Weniger schön finde ich den laxen Umgang mit Hausdurchsuchungen durch das House-Team. Darum sehe ich mir die Serie eher als Film gewordenes Märchen oder als Fantasyfilm an.

  12. 29.01.2008 | 13:41

    Also ich kann mich nicht im geringsten mit Dr.House anfreuden…
    Immer diese mega-dahergeholten-Plots - klar, das wahre Leben ist weit weniger spannend, aber muss es denn immer gleich die abstruseste aller Erklärungen sein?

    Gut, ich habe erst 2 oder 3 Folgen geschaut, aber genau das scheint ja das Konzept der Show zu sein…

  13. Ben Czerny
    29.01.2008 | 16:36

    @Marcus

    Ohne die fachliche Überlegenheit von Dr. House würde die ganze Serie nicht funktionieren. Je bunter der Gregory es treibt, desto klarer muss seine Genialität in Form wahnwitziger aber richtiger Diagnosen herausgestellt werden.

    Sonst wäre am Ende nicht mehr begreiflich zu machen, warum Cuddy House nicht feuert.

  14. 29.01.2008 | 20:48

    Echt? Ich hatte da immer das Gefühl, daß da vor allem Dinge wie Freundschaft und Loyalität eine Rolle spielen.

  15. Ben Czerny
    29.01.2008 | 22:08

    @statler

    Cuddy sagt es ja selbst. In einer Folge verrät sie House sogar, dass sie bereits bei seiner Einstellung Geld für die künftigen Gerichtsverfahren zur Seite gelegt hat.

    Klar spielt Loyalität bei den Beiden auch eine Rolle. Aber nach außen hin kann Cuddy House nur verteidigen, solange er so gute Ergebnisse liefert.

Bad Behavior has blocked 1170 access attempts in the last 7 days.