29. Januar 2008
Sprachschluderei und Strategiedebatte in der F.A.Z.
F.A.Z.-Herausgeber Berthold Kohler liest offensichtlich nicht beim Antibürokratieteam mit. Das ist zu seinem eigenen Schaden: er hat heute in seinem Leitartikel den »bad guy« Roland Koch fast schon rührend als »bösen Jungen« übersetzt, nachdem dieser monatelang so überzeugend den miesen Kerl, den Bösewicht und den Kotzbrocken gegeben hat. Hätte Berthold Kohler diesen Artikel unserer Kollegen und die dazugehörigen Kommentare gelesen, wäre ihm das sicher nicht passiert.
In seinem Leitartikel schreibt Kohler, die CDU müsse nach der Hessenwahl auch über das Undenkbare nachdenken. Das Undenkbare ist in diesem Fall eine »schwarze Ampel«. Dazu dürften die hessischen Grünen aber nicht gleichzeitig für eine potentielle Koalition mit der SPD und mit den Kommunisten bereitstehen. Genau dadurch wird die Zusammenarbeit zwischen Schwarz und Grün nämlich undenkbar. Abgesehen davon war Koch ja im Wahlkampf der »böse Junge«, der alle anderen auf dem Spielplatz verhauen hat … Kohler schließt:
Doch die Erfolge der Linkspartei zwingen auch die Union, über das Undenkbare nachzudenken. Hessen ist wieder zur Experimentierstube der deutschen Parteiendemokratie geworden, in der die Volksparteien versuchen (müssen), Mehrheiten mit Zukunft zustande zu bringen. Dazu muss freilich auch die CDU erst einmal an sich selbst glauben. Kochs Politik war und ist bei weitem nicht so falsch und so schlecht, wie sie jetzt geredet und geschrieben wird.
Das mag sein. Aber sein Wahlkampf war unterirdisch.
Verfasst von stefanolix um 13:56 Uhr in der Kategorie Politik, Sprache (Trackback)