Daniel Kehlmann über österreichische Kulturpolitik

Aus einem wunderbaren Interview mit dem Schriftsteller Daniel Kehlmann:

(…) Sie sind halber Österreicher, haben einen österreichischen Pass, eigentlich müsste man sich hier um Sie reißen.

Kehlmann: Voriges Jahr wollten ein österreichischer Theaterverleger und ich einen Termin bei der Kulturministerin, erfolglos, es wurde uns nur angeboten, mit einem Mitarbeiter zu sprechen. Dann bekam der Verleger vom Minister-Büro noch einen Anruf, in Wikipedia stünde unter Daniel Kehlmann „in München geboren“, das sei ja kein österreichischer Autor. Dabei habe ich vom österreichischen Staat Stipendien bekommen! Das ist der Musterfall, wie Kulturpolitik nicht laufen sollte: man fördert jemanden, und wenn er einen dann nicht mehr braucht, sagt man, den kennen wir nicht.

Ähnliche Beiträge


4 Kommentare zu “Daniel Kehlmann über österreichische Kulturpolitik”

  1. Lina
    30.01.2008 | 19:13

    @ Marian,

    mit der österreichischen Kulturpolitik hat ein Anderer noch viel schlechtere Erfahrungen gemacht: Thomas Bernhard. Er hat sich, als man ihn wegen seiner Berühmtheit ausser Landes nicht länger ignorieren konnte, dadurch gerächt, dass er einen späten Staatspreis, rundweg ablehnte; anders als Kehlmann war er allerdings nicht nur per Pass, sondern mit Haut und Haar kulturell gekränkter Österreicher.

    Was mir an diesem Interview gefallen hat:

    Über einen deutschen Internet-Kommmentor, der befand, dass seine “Vermessung…” nicht auf die Bestsellerlister gehöre, sagt Kehlmann: “…als ob eine Regierungskommission entschiede, was auf die Bestsellerliste kommt – das gibt es nur in Deutschland!”

    Über die New Yorker Szene: ” …die Leute sind so brillant, als würden sie einen Drehbuchschreiber für ihre Antworten beschäftigen.”

    (Demnach ist Dr.House doch irgendwie echt? Und ich habe das nicht glauben wollen ;-)…

  2. 30.01.2008 | 19:33

    Lina,

    wenn die Kulturbeamten auch bei Bernhard den “Ist er Österreicher?”-Test mittels Wikipedia durchgeführt hätten, wären sie aber genauso weit gekommen wie bei Kehlmann - und der ist - anders als Bernhard - wenigstens im deutschsprachigen Ausland geboren!

    Ich hätte übrigens aus dem Interview jeden einzelnen Satz zitieren können ;-).

  3. Lina
    30.01.2008 | 20:17

    Marian,

    die “Quelle” Wikipedia hatte ich glatt überlesen! Wahrscheinlich habe ich diese Art beleidigenden Herkunftstest nicht einmal der österreichischen Kulturbürokratie unterstellen wollen - bedaure!

    “Ich hätte übrigens aus dem Interview jeden einzelnen Satz zitieren können”, schreibst Du. Ich nicht jeden, aber viele; aber warum sollte ich? Du hast doch einen Link gesetzt ;-)…?

  4. Thomas Wolf
    30.01.2008 | 22:58

    Entschuldigung, für gewöhnlich verkneife ich es mir ja, Komentarsektionen mit Einzeilern zuzuspammen, aber hier kann ich nicht anders:

    Brilliantes Interview. Wow.

Bad Behavior has blocked 941 access attempts in the last 7 days.