Jeder siebte Journalist kann nicht rechnen

Ok, das ist nur eine aus der Luft gegriffene Behauptung, aber angesichts dieser Meldung über Schwarzarbeit in Schlachthöfen erscheint diese Vermutung nicht unberechtigt. Da ermitteln Zollfahnder während einer bundesweiten Großrazzia bei 9530 Beschäftigten 323 Verdachtsfälle auf einen Verstoß gegen Steuer- und Sozialgesetze, die offenbar in 15 % der untersuchten Unternehmen auftraten.

Was macht der Autor des Textes daraus? Eine fette Schlagzeile, nach der jeder siebte Schlachthofarbeiter schwarz arbeitet. Unwesentlich ist dabei offenbar, dass es richtigerweise heißen müsste, in jedem siebten Schlachthof wird wahrscheinlich schwarz gearbeitet und bei jedem dreißigsten Schlachthofarbeiter gibt es Verstöße gegen Steuer- und Sozialgesetze. Aber das klingt ja auch nicht so aufregend. Abgesehen davon, wo liegt das Problem? Gönnt da jemand den Fachkräften aus Süd- und Osteuropa ihren Broterwerb nicht?

Update: Marian korrigiert mich freundlicherweise, dass nicht jeder dreißigste Schlachthofarbeiter gegen Gesetze verstoßen hat, sondern dessen nur verdächtigt wurde. Unterm Strich hat bei 64 Verfahren jetzt nur jeder hundertfünfzigste Schlachthofarbeiter ein Bußgeld- oder Strafverfahren am Hals.

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7 Kommentare zu “Jeder siebte Journalist kann nicht rechnen”

  1. Christoph
    30.01.2008 | 13:39

    Oh das wird sogar noch weniger dramatisch, wenn man bedenkt, daß nur Schlachthöfe untersucht wurden, bei denen ein Verdacht bestand, daß sie Leute schwarz beschäftigen.
    Aber nun gut. Wenn die Journalisten was auf dem Kasten hätten, wären sie ja auch nicht Journalist geworden.

  2. 30.01.2008 | 13:43

    Wo findet man die Information über die Stichprobe?

  3. 30.01.2008 | 14:02

    Steffen,

    bei jedem dreißigsten Schlachthofarbeiter gibt es Verstöße gegen Steuer- und Sozialgesetze

    Ich traue mich ja fast nicht, zu versuchen, Dir einen Fehler nachzuweisen, aber die Versuchung ist zu verlockend: Die Aussage muss m.E. richtig heißen:

    “bei jedem dreißigsten Schlachthofarbeiter gibt es den Verdacht auf Verstöße gegen Steuer- und Sozialgesetze.”

    Von den 323 Verdachtsfällen haben sich offenbar nur 64 als begründet erwiesen. Macht ca. 0,7% aller überprüften Schlachthofmitarbeiter. Das ist jeder hundertdreiundvierzigste. Oder?

  4. 30.01.2008 | 14:09

    Danke für die Korrektur, der “Verdacht” ist mir unbeabsichtigt flöten gegangen. Wo habt ihr eigentlich die genaueren Informationen her?

  5. 30.01.2008 | 14:13

    Ok, ich verstehe, die 36+28 Verfahren sind die Bestätigung. Stimmt. Irgendwie ist ja jeder Journalist…

  6. 30.01.2008 | 14:16

    Steffen,

    Wo habt ihr eigentlich die genaueren Informationen her?

    Ich verwahre mich gegen diese Zwangsverkollektivierung :-). Vielleicht hat Christoph ja dasselbe gemeint wie ich, obwohl er etwas anderes ausgedrückt hat. Ich jedenfalls habe meine Information direkt aus der von Dir verlinkten Quelle:

    In 323 Fällen gab es den Verdacht auf Verstöße gegen die Steuer- oder Sozialgesetze. 36 Bußgeld- und 28 Strafverfahren wurden eingeleitet.

    Als Jurist schaue ich nicht auf die Verdachtsfälle, sondern auf die eingeleiteten Verfahren. Und selbst das ist noch zweifelhaft, denn wie die Verfahren letztlich ausgehen, ist ja nochmal eine andere Frage. Darüber sagt der Artikel aber nichts.

    Insofern müsste es korrekt heißen:

    “Höchstens 0.7% aller überprüften Schlachthofmitarbeiter arbeiteten schwarz.”

  7. 30.01.2008 | 14:19

    Ach, Steffen, kannst Du mal eben eine Studie machen, wie viele der Mitglieder des Bundeskabinetts (trotz Abitur) Übergewicht haben?

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