31. Januar 2008
Rücksichtnahme oder Durchsetzungskraft?
In manchen Aspekten bin ich ja doch ein recht traditioneller Mensch. Und so mag es auch sein, daß ich diverse Trends verpaßt habe und deswegen beim Spiegel-Höflichkeitstest
so häufig daneben liege.
Wenn z. B. die moderne Frau vom Tisch aufsteht, wenn sich ein Herr zur Begrüßung nähert - nun gut, das nehme ich gelassen und würde nicht mit meiner Tochter streiten, ob nicht doch die althergebrachten Sitten hier vorzuziehen wären.
Aber bei anderen Ratschlägen des SpOn frage ich mich doch, welche Rolle Höflichkeit bei denen eigentlich hat.
Ich halte es nach wie vor für selbstverständlich, daß man auf seinen Gegenüber eingeht, daß man einem jungen Mann anders die Hand drückt als einer alten Dame.
Alles Quatsch, meint der Test:
“Falsch, mit dem Händedruck sollten Sie nicht auf Ihr Gegenüber reagieren, sondern zeigen, dass Sie das Heft in der Hand halten.”
Und bei einer Begrüßung abzuwarten, daß Bekannte eine Vorstellung arrangieren, soll inzwischen auch falsch sein:
“Falsch. Besser ist es, das Heft selbst in der Hand zu behalten.”
Geht es hier wirklich um höfliches Benehmen in guter Gesellschaft - oder ist das ein Management-Seminar der “Ellenbogen”-Richtung?
Es ist vielleicht kein Zufall, daß der Spiegel auch im politischen Teil eher auf Seite von Leuten steht, die “das Heft in der Hand behalten”.
Egal, ob sie dabei mit Inhalten oder Stil akzeptabel bleiben.
Verfasst von R.A. um 12:25 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)