So schnell wird man zum Sünder

Gestern noch hätte niemand auch nur im Traum daran gedacht, einem unbescholtenen Autofahrer wegen einer Fahrt nach Berlin etwas Anstößiges nachzusagen. Wer hat sich auch darüber Gedanken gemacht, dass er bei dieser Handlung lungengängige Feinstaubpartikel emittiert und zur Verletzung von EU-Grenzwerten beiträgt. Doch kaum führt der Senat der Stadt Berlin eine Feinstaubplakette für die Innenstadt ein, da werden aus völlig normalen Leuten plötzlich “Plakettensünder”. Von einem Tag auf den anderen kann man Menschen mittels eines Hoheitsaktes stigmatisieren und ihnen verwerfliche Taten, ja das Gegenteil moralischer Verantwortung vorwerfen. Nicht dass es keinen Grund für Maßnahmen gegen Feinstaubemissionen gäbe, aber lässt unsere Sprache nicht doch ein gewisses Maß an Verhältnismäßigkeit vermissen. Lassen wir uns nicht allzu sehr diktieren, wen wir ab wann für Sünder zu halten haben? Ist nur so eine Frage…

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3 Kommentare zu “So schnell wird man zum Sünder”

  1. Spruance
    1.02.2008 | 11:41

    Naja, wenn wir schon den Ablaßhandel (freiwillige CO2-Abhgaben auf Flüge etc) zulassen, dann wird man doch wohl bald mal ein paar Ketzer brennen sehen, oder? Wenn das der alte Luther noch erleben könnte!

  2. 1.02.2008 | 13:42

    Über den Umgang mit dem Wort “Sünde” beschweren sich übrigens auch Seelsorger immer wieder. Da wird Schokolade zur süßen Sünde, wer zu schnell fährt, ist ein Temposünder und der neue Pullover war sündhaft teuer. Ist also kein neues Phänomen.

    Amica.

  3. 1.02.2008 | 14:03

    An den Temposünder musste ich auch gleich denken. Ist wohl dem Journalisteneifer geschuldet, Dinge und Personen mit einem einzigen Wort zu bezeichnen.

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