Bundesliga-Notizen, 18. Spieltag

Man mag es mir verzeihen, wenn ich hier insbesondere auf “meine” Mannschaften und den Tabellenführer eingehe…

Dass Hertha gegen den Abstieg spielen wird, habe ich schon am Anfang der Saison prophezeiht. Dem Hoeness Dieter ist es gelungen, mit vielen Millionen eine Mannschaft zusammenzustellen, die in allen wichtigen Kriterien nicht den Ansprüchen an eine erste Liga genügt. Ob das Experiment, mit einem langfristigen Konzept - und etwas anderes kann die Verpflichtung Favres und die Umsetzung seiner Fußball-Philosophie nicht sein - das Ruder herumzureißen, aufgeht, ist fraglich. Gerade weil der Hoeness Dieter mit seinen Versprechungen so sehr im Verzug ist. Die typisch unbescheidene Berliner Öffentlichkeit wird den Schweizer zur Hälfte der Rückrunde in der Luft zerreißen, auf dass das Gewürge weiter gehe. Ich behaupte weiterhin, dass Deutschland erst dann ein Staat wie jeder andere ist, wenn ein Verein aus der Hauptstadt mal ohne Manipulation die Fußballmeisterschaft gewinnt…

Übrigens Hut ab vor den Frankfurtern: Der Friedhelm Funkel hat da eine sehr beachtenswerte Mannschaft zusammengestellt. Was nur den überraschen kann, der diesen Mann bislang unterschätzt hat. Dabei kann der etwas, das z.B. der Lucien Favre nicht kann: Aus beliebig zusammengewürfelten Spielern eine Mannschaft formen, die das Maximum aus sich herausholt. Obwohl, das sei eingestanden, Funkel nie die Hoenesssche Gurkentruppe geerbt hat.

Um den Abstieg zu spielen, dieses Schicksal hatte ich auch dem KSC vorhergesagt. Und trotz aller Begeisterung für den einzigen Verein, dem meine Sympathie als Wahlakt zuflog, und die einzige Mannschaft, die ich wegen ihrer Typen und ihres Fußballs unterstütze: Ich bleibe eigentlich auch dabei. Vielleicht ist das Zweckpessimismus, aber in der letzten Zweitligasaison war beim KSC die erste Hälfte auch wesentlich überzeugender als die zweite, und allein schon das Wechseltheater um Federico schien sich lähmend auszuwirken. Was soll da erst mit dieser Mannschaft in Liga 1 passieren, noch dazu, wo sie das öffentliche Eingestehen des Versagens Dortmunder Nachwuchsarbeit exklusiv zu spüren bekommt? Aber die Mannschaft bemüht sich wenigstens, mich zu widerlegen. Und ich helfe ihr gerne dabei - gegen Ende der Saison werden meine Liebste und ich als Zuschauer noch einmal entscheidend ins Geschehen eingreifen…

Und die Bayern? Die werden natürlich Meister. Ganz einfach, weil sich nach deren Krisen alle anderen Mannschaften die Finger lecken. Wobei ich hier einmal ein Loblied auf den Mann im Schatten singen möchte: Alle reden und schreiben über die Neueinkäufe Toni und Ribéry. Keine Frage, das sind grandiose Fußballer, die an einem guten Tag Spiele entscheiden können. Aber was wäre der FC Bayern ohne seinen Rückkehrer Zé Roberto? Im Zeitalter der “Doppel-Sechs” steht da im defensiven Mittelfeld ein Mann, der fast all seinen offensiv eingestellten Kontrahenten in Sachen Ballfertigkeit und Spielverständnis Längen voraus hat. Der trennt die Angreifer vom Ball, ohne dass die das merken, und er bleibt dann nicht stehen, sondern schaltet sich wie selbstverständlich ins Spiel nach vorne ein. Wie wertvoll solche Spieler sind, weiß Fußball-Deutschland spätestens seit der Frings-Ohrfeige während der WM 2006. Ich behaupte einfach mal frech, dass Bayern seinen kommenden Meistertitel vor allem diesem Spieler zu verdanken haben wird. Stürmer haben die genug.

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