3. Februar 2008
Glücklich wer Chancen auch nutzen kann
Chancengleichheit ist ein erstrebenswertes Ziel, jedoch bringt so mancher nicht die persönlichen und intellektuellen Gaben mit, diese Chancen auch nutzen zu können. Insbesondere im Bildungsbereich werden immer wieder gleiche Bildungschancen für alle gefordert, weil in Bildungsbenachteiligung ein wesentlicher Grund für Einkommensungleichheit und soziales Gefälle gesehen wird. Der Artikel “Opportunities, Aspirations and Life Satisfaction” von Francesco Ferrante hat das Potential Wasser in den Wein der unbedingten Gleichbehandlung aller im Bildungssystem zu schütten:
In this paper I suggest that expanding work and consumption opportunities are a good thing for decision utility but may not be so for experienced utility. To show this, I develop an empirical model where people’s experienced and expected life satisfaction depend on education and environmental opportunities. Building on Easterlin (2001), I argue that people may overrate their future socioeconomic prospects relative to real life chances and I discuss how systematic frustration over unfulfilled expectations is endogenously generated and can adversely affect life satisfaction.
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I test the model’s predictions on Italian data and find support for the idea that education and access to stimulating environments may have a perverse impact on life satisfaction.
Wenn da etwas dran sein sollte, könnte man vermuten, dass Menschen, die die ihnen gebotenen Chancen aufgrund unzureichender Intelligenz oder schwacher körperlicher Konstitution nicht ergreifen können, ohne diese potentiellen Handlungsspielräume glücklicher sind bzw. werden. Das wäre dann ein Argument gegen ein egalitäres Bildungssystem, dass unter Inkaufnahme hoher Kosten versucht allen die gleichen Chancen zu bieten.
So kann beispielsweise die Ablehnung von Studiengebühren dazu beitragen, dass junge Menschen ihre individuellen Bildungschancen nur unzureichend mit den sich ihnen bietenden faktischen Optionen abgleichen, das subventionierte Gut Bildung wird übermäßig konsumiert. Ob man dabei den gestellten Anforderungen gerecht wird, ist für die individuelle Bildungsentscheidung angesichts der fehlenden monetären Konsequenzen zunächst irrelevant. Werden dann persönliche Ziele nicht erreicht ist der Katzenjammer groß. Könnte es daher nicht besser sein, dass die finanzielle Hürde Studiengebühr potentiellen Studenten nicht nur die ökonomischen Kosten ihrer Entscheidung präsentiert, sondern auch von Anfang an Grenzen signalisiert, die sie trotz größter Mühe ohnehin nicht überwinden würden? Spräche das nicht für eine Bildungsfinanzierung, die Studenten nicht mit kostenlosen Universitäten, sondern mit geförderten Bildungskrediten unter die Arme greift?
Verfasst von SteffenH um 17:50 Uhr in der Kategorie Bildungspolitik, Politik (Trackback)