6. Februar 2008
Zum Mindestlohn
Im Handelsblatt gibt es einen Artikel des “Korrespondenten” Norbert Häring, der sich vordergründig gegen die CDU-Strategie ausspricht, branchenbezogene Mindestlöhne einzuführen, und zwar mit dem Argument, dass diese Alternative gegenüber den anderen beiden “kein Mindestlohn” und “allgemeiner Mindestlohn” stets die schlechtere sei.
Damit hat er recht. Die “branchenbezogenen Mindestlöhne” haben die Tendenz, höher zu sein als jeder allgemeine Mindestlohn, was sie automatisch zu den schlechteren Alternativen macht.
Aber eigentlich votiert Herr Häring sehr massiv für eine bestimmte Alternative, nämlich den allgemeinen Mindestlohn. Von Volkswirten geäußerte Gegenmeinungen werden damit abgetan, dass da “deutsche Ökonomen” den Arbeitsmarkt “wie den Kartoffelmarkt” analysierten. Als Gegen”beweis” dient die These, der Arbeitsmarkt funktioniere nicht wie der Kartoffelmarkt. Die Fragwürdigkeit dieser Argumentation offenbart sich in zweierlei: Erstens denken keinesfalls nur deutsche Ökonomen so (man google z.B. mal bei Greg Mankiw nach “minimum wage”). Zweitens wird die angeblich “widerlegende” These nicht belegt, sondern nur behauptet. Was auch kein Wunder ist angesichts der fragwürdigen theoretischen Begründungen für Mindestlöhne.
Die dann folgende eigene Begründung, ein Mindestlohn sorge für eine stärkere Legitimation von ALG-II-Empfängern, kann ich nur als bizarr bezeichnen. Die dafür grundlegende These, die Bezieher von Transfereinkommen litten an einem Legitimationsdefizit, halte ich schlicht für falsch. Im Gegenteil, hierzulande ruft der Wähler nach noch mehr Absicherung und macht alle anderen für Arbeitslosigkeit verantwortlich, nur nicht die Bezieher von staatlichen Leistungen. Vielleicht ausgenommen die Xenophoben, aber um die soll es uns hier nicht gehen.
Verfasst von Rayson um 04:07 Uhr in der Kategorie Politik, Wirtschaftspolitik (Trackback)