13. Februar 2008
Was trägt der Rechtsextreme von Welt?
Im Deutschlandfunk wurde heute morgen über die Mode der Rechtsextremen gesprochen. Über Marken, die dem modebewussten Neonazi die Möglichkeit gibt, halbwegs verschlüsselte Botschaften der Gruppenzugehörigkeit zu senden und Bekenntnisse zu vermeintlichen Volksmythen und untergegangen Parteien und Organisationen abzulegen.
Auch anderenorts machte man sich darob seine Gedanken und verfolgte die aktuellen Entwicklungen dieser Modeszene.
Auf die Gefahr hin, wieder als Verharmloser oder gar Sympathisant verunglimpft zu werden: Ist das nicht etwas albern?
Welchen Nutzen bringt es, die in Mode und Marken verschlüsselten Signale der Rechtsextremen zu überwachen und öffentlich zu machen?
Zuerst fiele mir der ein: Man könnte Rechtsextreme auf der Straße erkennen.
Voraussetzung: Man hat nicht jemanden vor sich, der den Mode-Code nicht kennt und sich unbewusst damit kleidet.
Ziele: Fraglich. Was nutzt mir das Erkennen eines Rechtsextremen auf der Straße?
Denkbar wäre, dass man dies zur Gefahrenabwehr nutzt. Wenn man zur Zielgruppe rechtsextremer Gewalt gehört. Aber dann könnte das Modesignal wohl eher zu spät kommen.
Oder, man nutzt es, um den Menschen anzusprechen und in eine kritische Diskussion seiner Haltung zu verwickeln. Das wäre demokratisch-anständig und lobenswert, unter Umständen gegenüber einem Extremisten aber wenig erfolgversprechend (und eventuell gefährlich). Ich glaube auch kaum, dass dies passiert. (Vielleicht seitens engagierter Lehrer in der Schule. Für die könnten Informationen über solche Mode-Signale also vielleicht tatsächlich von Nutzen sein.)
Als drittes Ziel der Erkennbarmachung bliebe dann natürlich noch die Möglichkeit, seine antifaschistische Gewalt gezielter zu steuern. Dass ich dieses Ziel aus grundsätzlichen Erwägungen nicht akzeptiere, hatte ich ja erwähnt (und möchte es bitte nicht neu diskutieren). Die oben genannte Voraussetzung müsste, würde man dieses Ziel akzeptieren, wohl auch erst einmal als sicher erfüllt angesehen werden.
Ein weiterer, wohl ungewollter, Nutzen des Öffentlichmachens rechtsextremer Modecodes ist meines Erachtens die Verbreitung genau dieses Codes bei der Zielgruppe von Thor Steinar und Co.
Wozu beschäftigt man sich also öffentlich mit den Erkennungs- und Bekenntnissignalen einer extremistischen Minderheit?
Ich weiß es nicht.
Ich weiß auch nicht, was das Hase-und-Igel-Spiel bringen soll, von Rechtsextremen genutzte Marken und deren Verkauf zu behindern. Ich fände eine Welt ohne Hitler-Verehrer, Antisemiten und Rassisten zwar auch schöner. Nur fehlt mir der Glaube, dass man ihr dadurch näher kommt, dass man deren Symbole bekämpft. Der Erfindungsreichtum der betreffenden Szene dürfte sicher nicht allzu schnell erschöpft sein. Ein Staat oder interessierte Bürger, die diesem Underground-Code-Basteln hinterherhecheln ist keine erbauliche Vorstellung.
PS: Übrigens fiele mir doch noch ein Nutzen ein. Man könnte die Signalfunktion der rechtsextremen Marken und Modeartikel außer Kraft setzen, indem man sich als Nicht-Rechtsextremer darin kleidet. Massenhaft. Kein geistiger Glatzkopf wüsste dann mehr, ob er einen Gesinnungsbruder oder einen Mode-Guerilla vor sich hat.
PPS: Und demnächst schauen wir mal nach, was der DLF oder die oben verlinkte grüne junge Dame zu kommunistischen Propaganda-Symbolen zu sagen haben.
Verfasst von Boche um 17:23 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)