Von Kanaillen und Kommunisten

Nein, da hat kein NPD-Mitglied die Auferstehung der Gestapo für wünschenswert erklärt. Es war nur eine Kommunistin, die so dämlich war auszusprechen, was ihre Genossen hinter dem Hochhalten demokratischer Werte und Menschenrechte cleverer zu verstecken wissen.

Nur, dass man einer NPD-Kanaille die Gestapo-Beschwörung nicht nachgesehen hätte. Bei dieser Linken wird sich der Rauch schnell verziehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, dass das nur daran liegt, dass die Gestapo wesentlich mehr Opfer auf dem Gewissen hat.

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33 Kommentare zu “Von Kanaillen und Kommunisten”

  1. 14.02.2008 | 23:13

    Heute ist wohl der Tag der “unglücklichen” Beiträge und Kommentare. Zuviel Blütenstaub am Valentinstag eingesaugt? Die Äußerung dieser Dame zeigen doch den Zustand unserer Demokratie und der immer stärker werdenden Zustimmung zu Überwachung und zu Einschränkungen der Meinungsfreiheit. Da sollte auch langsam der Letzte aufwachen und die Debatte könnte beginnen. Aber das Einflechten von NPD und Gestapo ist hier völlig fehl am Platze und führt die Debatte nur auf Abwege. Dabei glaube ich, dass Boche dies bemerkt hat, wenn ich seinen letzten Satz richtig deute, aber er hat trotzdem den “publish”-Button betätigt. Schade.

  2. stefanolix
    14.02.2008 | 23:19

    Viel interessanter als die Aussage der kommunistischen Abgeordnete der Linken — die unsere liebenswerten Klassenfeinde aus Niedersachsen möglicherweise mitgewählt haben — ist das Abwiegeln der SED/PDS/Linkspartei.

    Liebe Linkspartei: Stalinismus war kein Missbrauch des Sozialismus. Stalinismus ist die reinste Ausprägung des Sozialismus. Diese Ausprägung wird dann erreicht, wenn Eure sozialistische Diktatur des Proletariats errichtet ist, wenn die Wirtschaft am Boden liegt und wenn die Besten schon an der Grenze ermordet oder nach Sibirien vertrieben wurden.

    Aber wie schreibt Che so treffend in einem Kommentar zum Einzug der Linkspartei in den Landtag:

    bei uns ist das die Partei der Langzeitarbeitslosen (schöne Bonzen mit vielleicht 500-700 Euro monatlichem Pro-Kopf-Einkommen), der mit der SPD gebrochen habenden Betriebsräte, der hauptsächlich im Bereich Menschen/Bürgerrechte und Asylarbeit tätigen Ex-Grünen, der enttäuschten Jusos und Sozis, die Hartz4 nicht mitmachen wollen, der subkulturellen Jugendlichen aus den Stadtteilzentren in H-Linden, HB-Walle und GÖ-Innenstadt und eines Teils der Antifagruppen.

    Seit heute wissen wir ein wenig mehr …

  3. stefanolix
    14.02.2008 | 23:28

    @Boche: Der Vergleich ist vielleicht nicht ganz fair, auch wenn Du den Hauptunterschied schon genannt hast. Im Verlauf der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt kamen in den 90er Jahren auch rechte Abgeordnete in den Landtag — und es waren überraschend viele, weil das dummbratzige Protestwahlverhalten der rechten Partei so viel mehr Stimmen zukommen ließ als erwartet.

    Deren völlig unbedarfte Hinterbänkler wurden dann auch so lange vom Fernsehen interviewt bloßgestellt, bis sie den allergrößten Blödsinn erzählt haben. Es ist vielleicht besser, bei der Auseinandersetzung mit der Linken gleich an der Spitze zu beginnen: nämlich bei den Führungskräften, die nicht nur vom MfS faseln, sondern regelmäßig Kadertreffen der Ehemaligen unterstützen oder mit dem kubanischen Diktator flirten.

  4. 15.02.2008 | 0:32

    @Klaus

    das Einflechten von NPD und Gestapo ist hier völlig fehl am Platze und führt die Debatte nur auf Abwege

    Finde ich nicht. Auch, wenn die eine deutsche Diktatur um Längen mörderischer war, kann ich nicht übersehen, dass hier (die, neben Bespitzelung, ebenfalls für Folter und Mord verantwortliche) Geheimpolizei der anderen Diktatur verharmlost wird.

    @stefanolix

    An der Spitze tummeln sich aber die cleveren Talkshow-Stars Gysi und Konsorten. Die lockst du kaum hinter den Phrasen vom demokratischen Sozialismus hervor.
    Zum Vergleich habe ich ja in der Antwort an Klaus schon etwas geschrieben.

  5. 15.02.2008 | 4:14

    Lieber Boche,

    soll man Gestapo und Stasi, sollte man die Nazidiktatur und die kommunistische Diktatur nein, nicht “vergleichen”, aber doch nebeneinanderstellen?

    Dagegen sprechen die vielen Unterschiede. Es sind Unterschiede zwischen der DDR und der Hitler-Diktatur, weniger zwischen dieser und der Stalins, der ein Massenmörder war wie Hitler.

    Dagegen spricht, daß - was auch die Reaktionen auf deinen Beitrag wieder zeigen, was ich wieder und wieder erlebt habe -, daß ein solches Nebeneinanderstellen bei vielen Lesern Kopfschütteln, oft nachgerade Empörung auslöst. So, als würde man damit die Singularität des Holocaust in Frage stellen.

    Trotz dieser Gegenargumente halte ich es für richtig, sogar für sehr erforderlich, die beiden Systeme immer wieder nebeneinanderzustellen.

    Und zwar solange, wie viele - Ex-Ossis ebenso wie Ex-Wessis - immer noch sozusagen vor lauter Bäumen den Wald nicht sehen. Wie sie sich daran orientieren, daß die Nazis doch eine andere Ideologie hatten als die Kommunisten und nicht wahrhaben wollen, daß die Realität der Herrschaftssysteme sich aber glich wie ein Ei dem anderen; wie ein braunes und ein rotes Ei eben.

    Dies, liebe Boche, soll eine kleine Ermunterung sein, mit Beiträgen dieser Art nicht nachzulassen. :)

    Herzlich, Zettel

  6. 15.02.2008 | 9:17

    Danke für die Ermunterung! Ich geb mein Bestes, versprochen! ;-)

  7. 15.02.2008 | 9:29

    Bemerkenswert ist auch ihre Position zum Mauerbau:

    Wegner rechtfertigte neben ihrem Wunsch nach der der Wiedereinführung der Staatssicherheit auch den Bau der Mauer. “Der Bau der Mauer war in jedem Fall eine Maßnahme, um zu verhindern, dass weiterhin Westdeutsche in die DDR konnten. Einmal die Wirtschaft schädigen, indem sie billig eingekauft haben.”

    Ach so. Die Republikflüchtlinge haben nur Pech gehabt, als sie auf der Flucht erschossen wurden. Die Kugeln waren eigentlich für westdeutsche Einkaufstouristen gedacht. Da finde ich ja noch Harald Schmidts Theorie plausibler. Der meinte, dass man nach Roctock-Lichtenhagen überhaupt erst erkannt hat, wie der Ulbricht das damals mit dem antifaschistischen Schutzwall gemeint hat.

  8. 15.02.2008 | 9:45

    @Holger

    Ein wirtschaftliches Problem hatte die DDR wohl tatsächlich (siehe auch Wikipedia) mit der offenen Grenze. Nicht nur mit Westdeutschen, die das planwirtschaftliche Mangelangebot wegkauften. Sondern auch mit Ostdeutschen, die lieber im Westen arbeiteten und im Osten wohnten.
    Ein guter Beleg, wie Sozialismus die Herrschenden praktisch zwangsläufig dazu verleitet, ihre Untertanen einzusperren. Weil in der klaren Luft der Freiheit der Sozialismus verpufft. Wie ein übler Furz der Geschichte. ;-)

  9. R.A.
    15.02.2008 | 10:07

    Es ist schon ziemlich lächerlich, wenn sich die SED-Spitze nun öffentlich von den Äußerungen der Wegner distanziert.

    Schließlich ist das keine isolierte Privatmeinung, sondern bekannter Standpunkt vieler Linker, das war vorher bekannt, und die wurden trotzdem auf die Listen genommen.

    Nicht die Ansichten sind also für die Sozialisten-Führung problematisch, sondern nur die wahltaktisch unhkluge Veröffentlichung.

  10. 15.02.2008 | 11:10

    @Boche

    Klar, das selbst verursachte Dilemma der planwirtschaftlichen Mangelverwaltung bestreitet ja keiner. Aber das Problem kann ja wohl kaum die Begründung für den Todesstreifen sein. Da hätten es ja auch normale Grenzkontrollen getan.

  11. 15.02.2008 | 11:14

    Normal konnten diese Grenzkontrollen nie sein, da sie zum Einsperren der Eingegrenzten dienen.

  12. 15.02.2008 | 11:22

    Mit einem strengen Zollregime hätte die DDR sicher die Ein- und Ausfuhr von Waren verhindern können. Aber darum ging es doch nie wirklich. Es ging um das Einsperren der Bevölkerung: das ist praktisch angewandter Sozialismus und anders wird sich Sozialismus nie entwickeln.

  13. 15.02.2008 | 12:28

    @ Boche
    Von einem Vergleich sprach ich gar nicht. Der Hauptpunkt deines Beitrags ist, dass du dich darüber beschwerst, dass eine NPD-Forderung der Wiedereinführung der Gestapo höhere Wellen schlagen würde. Dem widerspreche ich zwar nicht aber frage: Na und?

    Selbst dem Dümmsten ist klar, dass die Wiedereinführung der Nazidiktatur weit schlimmer wäre als eine neuerliche SED-Diktatur. Daher halte ich diese Form der Debatte für wenig hilfreich. Wo spielt der demokratische - meinetwegen liberale - Rechtsstaat in deinem Beitrag eine Rolle?

    Wer von “Nebeneinanderstellen” statt von “Vergleich” faselt und dann nach ein paar wohlfeilen Worten von “daß die Realität der Herrschaftssysteme sich aber glich wie ein Ei dem anderen” landet dann mache ich mir über dessen Gedankengänge doch ein paar Sorgen - ganz vorsichtig ausgedrückt.

  14. R.A.
    15.02.2008 | 12:52

    @Klaus:
    > Selbst dem
    > Dümmsten ist
    > klar, dass die
    > Wiedereinführung
    > der Nazidiktatur
    > weit schlimmer
    > wäre als eine
    > neuerliche
    > SED-Diktatur.
    Das sehe ich überhaupt nicht.
    Der wesentliche Unterschied bestand nicht in der moralischen Qualität der beiden Diktaturen, sondern in ihren Wirkungsmöglichkeiten.
    Die Nazis hatten die Macht in einer Großmacht übernommen und konnten Europa mit Krieg überziehen.
    Die SED war nur Vasall einer Großmacht und durfte nur die eigenen Leute schikanieren.

    Wenn eine der beiden Richtungen jetzt in Deutschland wieder an die Macht käme, wäre völlig offen, welche den schlimmeren Schaden anrichten würde.

    Und da ich das auch gar nicht in Praxis ausprobieren möchte, bleibt nur, beide Formen gleichermaßen abzulehnen und zu bekämpfen.

  15. 15.02.2008 | 13:23

    @Klaus

    Selbst dem Dümmsten ist klar, dass die Wiedereinführung der Nazidiktatur weit schlimmer wäre als eine neuerliche SED-Diktatur.

    Ich hatte versucht, genau solche Vergleiche nicht anzustellen. Zumal keine prognostizistischen wie dieser von dir hier.
    Ich hatte versucht, meinem Staunen (oder besser: Erschrecken) Ausdruck zu verleihen, dass eine Diktatur offenbar auch grundsätzlich (und nicht nur im Detail) anders behandelt wird als die andere.

    Ansonsten bitte ich dich dringend, deine Wortwahl anderen Kommentatoren gegenüber zu mäßigen. Wäre doch schade um die Tipparbeit…

  16. 15.02.2008 | 13:43

    @ R.A.
    Wow, das ist deutlicher als ich zu hoffen wagte. Der Neglekt deinerseits ist wirklich vielsagend. Während man bei einer neuerlichen SED-Diktatur hoffen kann durch Wohlverhalten zu überleben, ist dies bei einer Nazidiktatur nicht so, sie mordete auch wegen rassistischer Motive. Ein deutschnationaler, angepasster Jude hatte im 3. Reich trotzdem kaum eine Chance und ich sehe nicht, dass dies bei einer Wiedererrichtung einer Nazidiktatur auch nur ein bisschen anders sein sollte. Daher ein klares Nein zur Frage ob es unbedeutetend ist, ob es ein Nazi- oder SED-Diktatur wäre.

    @ Boche
    siehe oben.
    Ich werde wohl nicht weiterdiskutieren, schon weil du mir passend zum Thema androhst meine zukünftigen Kommentare im Orkus landen zu lassen.

  17. 15.02.2008 | 13:47

    @Klaus

    Ich hatte meinen Hinweis, den Drohung zu nennen, ein sensibles Gemüt erfordert, auf konkrete Formsachen bezogen. Nun spiel hier mal nicht den von Zensur Bedrohten, sonst kommen mir gleich die Tränen.

  18. R.A.
    15.02.2008 | 14:05

    @Klaus:

    Während man bei einer neuerlichen SED-Diktatur hoffen kann durch Wohlverhalten zu überleben, ist dies bei einer Nazidiktatur nicht so

    Dies als wesentlichen Unterschied zu sehen ist ja geradezu kläglich.

    Und außerdem falsch: Wer bei Machtergreifung schon als Feind bekannt ist, dem wird auch nachträgliches Wohlverhalten wenig nutzen.

    Und wenn man sich das Beispiel der sowjetischen Kollegen anschaut - da sind ganze Nationalitäten nach Sibirien verbannt worden, so viel Rassismus schaffen Kommunisten allemal.

    Überhaupt wäre es falsch, nur auf die Beispiele in Deutschland zu schauen.
    Wie schon gesagt, da spielen die sonstigen Rahmenbedingungen eine große Rolle.

    Die kommunistischen Regimes in Nordkorea, Kambodscha, der UdSSR oder in China haben gezeigt, daß flächendeckende Barbarei kein Nazi-Privileg ist.

    Und umgekehrt war die Franco-Herrschaft in Spanien weniger repressiv als die DDR - das ist auch kein Persilschein für die Nazis.

    Eine moralische Überlegenheit der einen über der anderen Diktaturform ist nicht erkennbar.

  19. Lina
    15.02.2008 | 14:55

    Diktaturvergleiche liegen mir nicht so wie den Vorrednern - schon wegen der Gänsehaut, die sie verursachen - deshalb etwas anderes:

    Da von Klaus zu Beginn und zu Recht, wie ich finde, auf Vorzeichen eines Bevormundungs- und Spitzelstaats Bundesrepüblik Deutschland hingewiesen wurde, kommt mir der Gedanke, dass es genau diese unguten Vorzeichen sein werden, die es einer Abgeordneten der niedersächsischen Linken-Fraktion jetzt erlauben, dem Land die einstige Stasi als strukturelles Vorbild anzudienen.

    Wo beständig und auch jenseits des Terrors Gefahren für die Freiheit heraufbeschworen werden, um sie dann per Gesetz abwenden zu können, findet sich, ganz Links oder ganz Rechts, ganz egal, offenbar auch die “Courage” zu einer solchen Empfehlung. Sie möge sich, bevor sich der Rauch verzieht, zumindest parteischädigend auswirken ;-)…

  20. 15.02.2008 | 16:05

    Ist schon komisch, das man immer wieder betonen muss, dass Vergleiche zwischen Diktaturen, seien es Nazis, die Armenier oder die Ausrottung der Indianer *immer* von einer gehörigen Portion Doofheit zeugen.

    Es ist ganz einfach: Eine der schlimmen Seiten relativiert man mit einem solchen Vergleich immer unwürdig.

    Mindestens doof übrigens.
    Eigenwillig, dass man das so deutlich noch sagen muss.

    Merke: Stasi-Gestapo-Vergleiche sind die neue Autobahn

  21. 15.02.2008 | 16:07

    [...] Betrifft Stasi: “Nur, dass man einer NPD-Kanaille die Gestapo-Beschwörung nicht nachgesehen hätte. Bei dieser Linken wird sich der Rauch schnell verziehen. Ich bin mir nicht ganz sicher, dass das nur daran liegt, dass die Gestapo wesentlich mehr Opfer auf dem Gewissen hat.” [...]

  22. 15.02.2008 | 17:12

    Autobahn geht natürlich gar nicht.

  23. 15.02.2008 | 17:27

    Ansonsten, lieber Erik, halte ich es für ein Zeichen gedanklicher Unausgegorenheit, wenn man nicht merkt, dass man “Vergleich” und “Gleichsetzung” durcheinander bringt.

  24. 15.02.2008 | 17:32

    Auf den Unterschied bin ich gespannt.

  25. 15.02.2008 | 17:34

    … muss aber auch hinzufügen, dass mir bei Dir bisher so eine “doofheit” selten aufgefallen ist ;) Und ein recht auf ein bischen “doof” haben wir alle einmal.

    Stehe Dir aber gerne weiter zur Verfügung, solltest Du dem Kern meiner Kritik nicht zustimmen.

  26. 15.02.2008 | 17:40

    Ich habe keine Lust, Begriffe der deutschen Sprache zu erläutern, die meines Erachtens zum allgemeinen Wortschatz gehören sollten. Im Zweifel gibt es dafür, auch im Netz, Wörterbücher.

  27. 15.02.2008 | 17:42

    Stehe Dir aber gerne weiter zur Verfügung, solltest Du dem Kern meiner Kritik nicht zustimmen.

    Da der Kern deiner Kritik meiner Meinung nach am Kern meiner Aussage vorbeigeht, weiß ich im Moment nichts mit deinem freundlichen Angebot anzufangen. Danke trotzdem dafür! ;-)

  28. R.A.
    15.02.2008 | 18:05

    Mal als begriffliche Hilfestellung: Um zwei Sachen zu vergleichen, sollten diese unterschiedlich sein.
    Sonst ist es sehr langweilig - man sucht ja die Gemeinsamkeiten, obwohl auf den ersten Blick die Unterschiede dominieren mögen.

  29. Gomez Davila
    15.02.2008 | 19:09

    Sie sollten unterschiedlich sein, ihrem Wesen nach aber identisch. Schließlich kann man keine Äpfel und Birnen vergleichen. Die Identität wird doch von jedem zugestanden, der das eine wie das andere Diktatur nennt. Den Vergleich, welche schlimmer gewesen sei, halte ich für wenig ertragreich. Ist die Gewährleistung des Interessenausgleiches Aller (nicht die Durchsetzung des Mehrheitswillens) durch demokratische Institutionen nicht mehr möglich, und das impliziert ja der Wunsch der Frau Wegner, sich vor “Kräften” zu “schützen”, ist die politische Ausgestaltung solcher Staatsgebilde Sache des Zufalls, nämlich des historischen Rahmens, der jeweiligen Feindbilder der Machthaber, der Geschicklichkeit ihrer Machtausübung usw.

  30. 15.02.2008 | 21:47

    Lieber Klaus,

    es ist etwas unerfreulich, auf einen Beitrag zu antworten, der das, was ich geschrieben hatte, als “faseln” bezeichnet. Eine Einladung zur Diskussion ist das ja nicht unbedingt, sondern eine Unhöflichkeit.

    Na gut, zur Sache:

    Natürlich glichen sich die beiden Systeme “wie ein Ei dem anderen”; nur eben ein braunes und ein rotes, was ja verschieden genug ist. Von mir aus stellen Sie sich noch zusätzlich vor, daß auf dem einen Hakenkreuze prangen und auf dem anderen Hammer und Sichel. ;-)

    Man kann die Parallelen im einzelnen zeigen. Hier eine kleine Aufzählung, ganz unsystematisch:

    Die Staatsideologie; die Geheimpolizei; das Spitzelsystem; die Gleichschaltung aller Organisationen bis zu den Taubenzüchtern; das Blockwartsystem,; der staatliche Feriendienst, der Urlaub als Belohnung für Linientreue verteilt; die “Erfasssung” aller Schriftsteller in der Reichsschrifttumskammer bzw. dem Schriftstellerverand der DDR; die Verwendung des Films als staatliches Propagandainstrument; die “realistische” bildende Kunst (können Sie einen dieser Arbeiter auf Nazi-Schinken von einem dieser Arbeiter unterscheiden, die im sozialistischen Realismus gemalt wurden?); die Massenaufmärsche; die massive staatliche Förderung des Sports; die paramilitärische Erziehung schon der Jugend; die staatlichen Jugendorganisationen, schön säuberlich in Altersklassen gegliedert; die Beschränkugen des Zugangs zu den Universitäten.

    Die Scheinwahlen. Die Bürokratisierung der ganzen Gesellschaft. Parallele Herrschaftsstrukturen der Partei und des Staats. Ein militärisch- industrieller Komplex, der einen großen Teil der nationalen Ressourcen verschlingt. Die Unterdrückung von Minderheiten.

    Und so weiter. Jeder, der sich nur a bisserl auskennt, könnte die Aufzählung fortsetzen.

    Ja, Ulbricht hat keinen Massenmord begangen. Aber Stalin hat. Die Zahl der Opfer des Gulag geht in die Millionen.

    Also - wo die fundamentalen Unterschiede zwischen dem Nazismus und der Stalin-Version des Kommunismus sein sollen, kann ich wirklich nicht erkennen. Das totalitäre und verbrecherische Herrschaftssystem wurde mit unterschiedlichen Ideologien garniert, das ist alles. So, wie man eben zwei Ostereier verschieden anmalen kann.

    Abgesehen von der Singulariät des Holocaust. Dafür gibt es im Kommunismus keine Parallele; wie schon in meinem Kommentar gesagt.

    Herzlich, Zettel

  31. 15.02.2008 | 23:12

    “Bei einem Vergleich werden zwei Dinge/Ansichten nebeneinander gestellt und Gemeinsamkeiten bzw Unterschiede geprüft.
    Bei einer Gleichsetzung werden zwei Dinge/Ansichten ungeachtet etwaiger Unterschiede als gleich betrachtet.

    … weshalb der beliebte Äpfel-Birnen-”Vergleich” eigentlich eine Gleichsetzung ist.”

    Also lieber Boche, was war das denn nu? Der Vergleich zweier Diktaturen, nach ihrer “Schlimmerhaftigkeit” oder eine einfache Gleichsetzung, und damit auch immer gegenseitige Relativierung?

    Und wer oder was ist hier die Birne?

    Schlaumeisterzitat aus wer-weiss-was.de

  32. 16.02.2008 | 16:36

    was war das denn nu? Der Vergleich zweier Diktaturen, nach ihrer “Schlimmerhaftigkeit” oder eine einfache Gleichsetzung, und damit auch immer gegenseitige Relativierung?

    Jetzt wirds dialektisch, lieber Erik: Gleichsetzung und Vergleich, und nichts von beidem.
    Gleichsetzung in dem Sinne, in dem du beides auch gleich nennst: Diktatur.
    Und Vergleich in dem Sinne, dass ich den Umgang mit dem besagten Gleichen vergleiche. Und für unterschiedlich befinde.

  33. tigger
    18.02.2008 | 2:11

    “Während man bei einer neuerlichen SED-Diktatur hoffen kann durch Wohlverhalten zu überleben, ist dies bei einer Nazidiktatur nicht so, sie mordete auch wegen rassistischer Motive.”

    Ok, aber ist dieses “Überleben durch Wohlverhalten” durch systemimmanente Mechanismen garantiert ? Sind dem Bürger einer sozialistischen Diktatur eventuell mehr Möglichkeiten (z.B. in Form von Rechtsmitteln) gegeben, sich gegen staatliche Wilkür zu schützen ? Gibt es irgendeinen Automatismus, der verhindert, dass eine sozialistische Diktatur jemals aus rassistischen Motiven morden würde ?

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