Und sie bewegen sich doch

Deutsche kann man normalerweise mit steuerlichen Überlegungen zu allem, selbst zum größten Unsinn bewegen.

Aus der Rede von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter auf dem Neujahresempfang 2008 der IHK Karlsruhe.

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15 Kommentare zu “Und sie bewegen sich doch”

  1. 15.02.2008 | 11:29

    Eine gute Rede ist das.

  2. FG
    15.02.2008 | 12:12

    Wobei der Satz im Originalkontext nicht unbedingt ein rhetorischer Geniestreich ist.
    Und die Einengung auf “Deutsche” halte ich zum einen für falsch und zum anderen für einen Ausdruck des vielen Deutschen eigenen Hangs zur Selbstgeißelung, die dem Anliegen des Abschnittes nicht unbedingt förderlich ist.

  3. 15.02.2008 | 12:22

    @FG

    Das ist keine Selbstgeißelung, sondern charakteristisch. Gerade im Mittelstand scheinen Steuerzahlungen geradezu körperlich weh zu tun, und es ist nicht selten, dass man dort zwei Euro aufwendet, um einen Euro Steuern zu sparen, so groß ist die Freude daran, dem Fiskus ein Schnippchen geschlagen zu haben. Wobei, und das ist das Dumme, die meisten Steuer”spar”modelle vor allem Steueraufschubmodelle sind. Wer richtig “sparen” will, muss meistens doch hinterziehen.

    Eine zweite, ebenso unverständliche Nationalcharakteristik ist übrigens die Jagd auf “Schnäppsche”. Ein bekannter japanischer Unternehmensberater wunderte sich mal darüber, dass man in Deutschland nach einem Einkauf vor allem dann stolz sei, wenn man etwas besonders billig erworben habe, während man sich in Japan an Nutzen und Qualität des Produktes erfreue.

  4. 15.02.2008 | 14:27

    dass man dort zwei Euro aufwendet, um einen Euro Steuern zu sparen Wenn man bedenkt, welchen Schaden der Staat mit dem einen Euro anstellen könnte, ist nur rational: Zunächst mal würden sich 10 verschiedene Ministerien darüber streiten, wer denn meinen Euro nun bekommt und man wird sich einigen, dass man - um das Problem zu lösen - noch 9 weitere Euro von der Bank benötigt. Dann wird zunächst alles teurer als erwartet und man holt sich nochmal 10 Euro von der Bank, die dann dafür ausgegeben werden, irgendwelche marktverzerrenden Maßnahmen auszuführen, die nicht nur kein Mensch braucht, sondern auch noch negative externe Effekte haben, wie Subventionen an Nokia. Da schmeiß ich lieber zwei Euro in den Mülleimer.

  5. Jana
    15.02.2008 | 15:12

    Da schmeiß ich lieber zwei Euro in den Mülleimer.

    Me 2, ellich gesacht. ;-)

  6. Lina
    15.02.2008 | 16:29

    @ Rayson

    OT oder nicht: es ist noch nicht lange her, da ist hier wieder einmal das “Schnäppchen” gefeiert worden; eigentlich gilt hier prinzipiell, dass in der Marktwirtschaft nur der Preis über den Erfolg eines Produkts entscheidet - vom billigen Blumentopf bis zur billigen Arbeitskraft. So jedenfalls habe ich jeden einschlägigen Text von Dir oder Anderen verstanden, d. h. wirklich verstanden habe ich das nie.

    Indem Du weiter oben von einem Japaner sprichst, der dem deutschen Konsumenten ein beschämendes Zeugnis ausstellt, merkst Du es kritisch (?) als deutsche Untugend an, nur nach dem Schäppchen zu jagen. Und ich atme lesbar auf, wenn ich hinter Deinen Worten zu erkennen meine, dass Qualitätsprodukte in der Marktwirtschaft das Recht haben sollen, auch höher bezahlt zu werden - sowohl der Blumentopf selbst als auch die ihn erwirtschaftende Arbeitskraft. Alles Andere, meine ich, wäre Selbstzweck und Perversion eines dem Menschen tauglichen und effizienten Wirtschaftssystem.

    (Ich *will* Dich hier so verstehen, verstehst Du ;-)? Es ist nämlich vor allem die Preisdrückerei als Prinzip, die mir den Kapitalismus derzeitiger Prägung so sehr verleidet; und das ist bestimmt nicht nur eine Geschmacksfrage…)

  7. 15.02.2008 | 16:54

    Ein bekannter japanischer Unternehmensberater wunderte sich mal darüber, dass man in Deutschland nach einem Einkauf vor allem dann stolz sei, wenn man etwas besonders billig erworben habe, während man sich in Japan an Nutzen und Qualität des Produktes erfreue.

    Nein, in D ist mittlerweile viel wichtiger, was man gespart hat.

    Eine Frau zu uns an der Warenhauskasse, nachdem wir einen 10%-Gutschein für einen bereits reduzierten Artikel eingelöst haben: “Na, das ist aber jetzt doof; wenn der Artikel nicht runtergesetzt wäre, hätten Sie ja viel mehr gespart…”

  8. FTT
    15.02.2008 | 23:33

    Hier ist mein salomonischer Lösungsvorschlag für dieses schwere Problem. ;)

    Ich denke, die kombinierte angeblich deutsche UND angeblich japanische Lösung sind realistisch: Man wählt ein gewisses Qualitätsprodukt und schaut, wo man dieses Produkt möglichst preiswert bekommt. Das Ganze nennen wir dann Preis-Leistungsverhältnis.

  9. 17.02.2008 | 11:20

    @Lina

    Siehe FTT.

    Ein Grund für deine Verständnisprobleme könnte sein, dass ich als Ökonom mal gelernt habe, dass man nicht gleichzeitig die Output maximieren und den Input minimieren kann, sondern dass man immer eine von beiden Größen konstant setzen muss, bevor man maxi- oder minimiert. Deswegen gehe ich z.B. immer, wenn ich über den Einsatz von Ressourcen rede, von einem gegebenen Niveau des Outputs aus.

    Aber auf eins lege ich dann doch noch wert: Es gibt keine Berechtigung, anderen vorzuschreiben, wieviel sie für was zu zahlen hätten. Das entscheidet jeder für sich selbst, und was aus diesen zig Einzelentscheidungen herauskommt, nennt sich Markt. Demzufolge hat auch nichts und niemand das “Recht” auf eine bestimmte Bezahlung.

  10. Lina
    17.02.2008 | 13:56

    @ Rayson

    “Es gibt keine Berechtigung, anderen vorzuschreiben, wieviel sie für was zu zahlen hätten.”

    Natürlich nicht. Wollte ich das denn? Als wesentlicher Grund für mein Verständnisproblem (danke für die zutreffende Schilderung des ersten!) kommt hinzu, dass Okönomie keine Ethik kennt; darüber stolpere ich immer wieder…

  11. 17.02.2008 | 14:41

    @Lina

    Die Ethik der Ökonomie besteht darin, die vorhandenen Ressourcen in die Verwendungen zu leiten, in denen sie am dringendsten benötigt werden.

    Alles weitere wäre Schmonzes: Ethisch handeln können und sollen nur Menschen, und zwar vor allem erstmal selbst.

  12. 17.02.2008 | 14:48

    und das führt dann zwangsläufig zu Fehlallokationen von Ressourcen.

  13. 17.02.2008 | 19:07

    Nein. Das passiert nur, wenn jemand meint, das ethische Verhalten so sehr für sich gepachtet zu haben, dass er anderen vorschreibt, was sie zu tun haben.

  14. 17.02.2008 | 20:41

    Sorry, es mag ja sein, dass Du genervt bist aber das ist nun völliger Quatsch. Wenn das Obst aus jwd morgens taufrisch bei mir in die Müslischale klatscht und nicht auf die leeren Teller der unterernährten Kinder des Plantagenarbeiters José, ebenfalls in jwd, dann liegt das mitnichten daran dass ich diese Ressource dringender benötige als die mangelernährten Kinder von José, sondern daran, dass ich es mir leisten kann und José nicht. So einfach ist das. Insofern halt ich das ganze Gerede von Ethik der Ökonomie für Schmonzes und die Erklärung dafür haste selbst gegeben.

  15. 17.02.2008 | 23:21

    @balou

    Das Prinzip gilt dennoch, denn das Obst, das du isst, hast du nicht José weggenommen, sondern an Stelle von etwas anderem konsumiert. Die Verwendung “gesundes Essen” war dir also z.B. wichtiger als die Verwendung “Bier”. Genau deswegen wurde mehr Obst produziert und weniger Bier.

    Die leider viel zu spärlichen Konsumentscheidungen von José haben ähnliche Folgen.

    Wenn du von der Ökonomie als Wissenschaft eine interpersonale Wertung von Dringlichkeit erwartest, wirst du natürlich enttäuscht werden. Aber die bringen uns Physik und Medizin auch nicht.

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