Das ist dem Dehm aber unangenehm

So dogmatisch wolle man nicht sein, der DKP die Zusammenarbeit zu verweigern. Sagt der niedersächsische SED-Landesobere Dehm in Bezug auf die Debatte um die Zusammenarbeit zwischen seiner Partei und der DKP (zitiert im linken Boulevard).
Den Dehm darf man nach Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main “Stasi-Informant” nennen, was im Zusammenhang natürlich besonders lustig ist. Mindestens so lustig, wie der Umstand, dass es die DKP wohl ohne damals überwiesene SED-Millionen heute vielleicht gar nicht geben würde. Dass DKP-Mitglieder in der DDR paramilitärisch ausgebildet worden sein sollen, um im Westen Sabotage zu betreiben, interessiert heute wohl sowieso nicht mehr. Ist halt links, ist halt irgendwie trotzdem gut und bündnisfähig.

Weiterhin werden dort folgende Äußerungen des Stasi-Informanten Dehm berichtet:

Der Landesvorsitzende bestätigte, er habe seinen Parteifreunden in einer E-Mail mit Blick auf die Wegner-Äußerungen geschrieben: “Was uns bleibt, ist Schadensbegrenzung und starke Nerven und auch mal: Klappe halten.”
Bis zur Bürgerschaftswahl in Hamburg sollten die Funktionsträger von breiten inhaltlichen Debatten über Mauertote, Revolution und Stasi dringend absehen.

Natürlich möchte die SED von einer breiten, ihr unangenehmen Diskussion ihrer Vergangenheit absehen. Noch kann sie die aber nicht verbieten. Blöd, das.

Was mich immer wieder erstaunt, ist, dass die West-Linken die Usurpation des Begriffes “links” durch die Nachfolger von Honecker und Ulbricht so widerstandslos hinnehmen. Es sollte nicht erstaunen, dass mich dieser Umstand noch misstrauischer gegen das macht, was sich politisch links nennt.

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16 Kommentare zu “Das ist dem Dehm aber unangenehm”

  1. Kay
    17.02.2008 | 13:28

    Was mich immer wieder erstaunt, ist, dass die West-Linken die Usurpation des Begriffes “links” durch die Nachfolger von Honecker und Ulbricht so widerstandslos hinnehmen. Es sollte nicht erstaunen, dass mich dieser Umstand noch misstrauischer gegen das macht, was sich politisch links nennt.
    ——

    nicht nur das. Seit der Wende ist Links identisch mit Staatsfixierung, Intoleranz und Realsozialismusverharmlosung. Kein Wunder, denn Linke im engeren Sinn gab es vor der Wende in der BRD kaum noch. Die SED Leute und das endlich Hoffnung habende realsozialistische Westmillieu: das ist heute “Links”,dh. Staatsfixiert, Antidemokratisch, Propalästinensich und Antisemitisch.

  2. 17.02.2008 | 14:47

    Den Israel-Palästina-Konflikt sehe ich (trotz finanzieller Unterstützung der palästinensischen Organisationen durch die SED zu DDR-Zeiten) hier thematisch fehl am Platz.
    Und Antisemitismus dürfte eine Krankheit sein, die die Koordinaten links und rechts gar nicht kennt.

  3. stefanolix
    17.02.2008 | 15:00

    Er ist ja nicht blöd. Er sagt:

    Bis zur Bürgerschaftswahl in Hamburg sollten die Funktionsträger von breiten inhaltlichen Debatten über Mauertote, Revolution und Stasi dringend absehen.

    Vermutlich weiß er, was da alles zum Vorschein käme — er muss seine Kommunisten schließlich besser kennen als wir.

    Ich habe gerade gelesen, dass dieser Mann solch linken Kitsch wie »Das weiche Wasser bricht den Stein« geschrieben hat. Grusel.

    Den schönsten Beitrag zur Debatte um Stasi und SED/PDS/Linke lieferte übrigens Che2001:

    Abgesehen davon, die Welt als Quelle, hmmpf. Die Springer-Presse stand mal zwischen CSU und NPD, und einen wirklichen Richtungswechsel sehe ich bis heute nicht so wirklich.

    Klar. Das ist alles eine Erfindung der Springer-Presse;-)

  4. R.A.
    18.02.2008 | 11:38

    dass die West-Linken die Usurpation des Begriffes “links” durch die Nachfolger von Honecker und Ulbricht so widerstandslos hinnehmen

    Welche “West-Linken” sollen denn da gegenhalten?

    Im übrigen gibt es halt bei politischen Begriffen keinen Markenschutz.

    Wir können uns ja auch nicht dagegen verwahren, daß sich ausgerechnet die Grünen als “bürgerrechtsliberal” bezeichnen.

  5. 18.02.2008 | 11:41

    Welche “West-Linken” sollen denn da gegenhalten?

    Weiß nicht. Die anständigen, die in der DDR nicht das bessere Deutschland gesehen haben oder diesen Irrtum zumindest heute glaubhaft einsehen wollen?

    Dass politische Begriffe keinen Rechtsschutz genießen ist klar. Aber der Kampf um diese Begriffe ist ja erlaubt. Wenn er dann nicht, oder nicht spürbar stattfindet, ist das eben ein interessanter Fakt.

  6. 18.02.2008 | 13:51

    Den schönsten Beitrag zur Debatte um Stasi und SED/PDS/Linke lieferte übrigens Che2001:
    Abgesehen davon, die Welt als Quelle, hmmpf. Die Springer-Presse stand mal zwischen CSU und NPD, und einen wirklichen Richtungswechsel sehe ich bis heute nicht so wirklich.

    Herrlich, da reiht sich einer in die Verschwörungshaspeleien von Gregor G. ein. Selten so ein Quatsch gelesen. Obwohl, ich sollte vorsichtiger mit Superlativen sein…

  7. stefanolix
    18.02.2008 | 15:25

    Der Fairness halber: Che2001 ist ein Diskussionspartner und Kontrahent aus der Mannschaft der Linken, den ich respektiere. Ich bezog mich auf seinen Kommentar zu den Äußerungen der wackeren Kommunisten und auf den Beitrag, in dem er seine etwas zu optimistische Sicht der Links-Kandidaten darstellt.

  8. R.A.
    18.02.2008 | 16:00

    Eigentlich ist das doch eine wunderbare Farce, die gerade läuft.
    Da werfen die Kommunisten den anderen Kommunisten vor, kommunistisch zu sein.

  9. 18.02.2008 | 18:01

    Lieber R.A.,

    “Eigentlich ist das doch eine wunderbare Farce, die gerade läuft. Da werfen die Kommunisten den anderen Kommunisten vor, kommunistisch zu sein.”

    Kürzer und treffender kann man es kaum sagen.

    Die Massenlinie der Kommunisten von “Die Linke” ist es, sich als eine sozialreformerische Partei darzustellen. Das war auch die Massenlinie der DKP in der alten Bundesrepublik gewesen, als sie noch auf Massenwirksamkeit zielte.

    Niemand von der DKP hätte damals öffentlich für die Zeit nach der Revolution eine Stasi ankündigen dürfen. Wenn er es doch getan hätte, wäre es ihm in der DKP nicht besser gegangen als jetzt Frau Wegner in der Fraktion von “Die Linke”.

    Seit dem Auftreten der PDS im Westen ist die DKP auf eine kleine Kaderpartei geschrumpft, in der es im Grund keine Massenlinie mehr gibt. Eine Art Einsatzreserve der PDS. Auch am Leben erhalten wegen der historischen Verwurzlung in einigen Kommunen.

    Da neigt man dann schon mal dazu, Klartext zu reden wie jetzt Frau Wegner. Sie war einfach noch nicht auf Massenlinie umgestellt.

    Herzlich, Zettel

  10. 19.02.2008 | 10:48

    Stefanolix, mich wundert ehrlich gesagt Dein Statement zu dem Song “Das weiche Wasser frisst den Stein”. Sicher, das war Kitsch. Aber die Leute, die solche Musik hörten, waren im
    Westen so ungefähr das, was die Bürgerbewegten in der DDR waren. Eine gefühlsselige, einen Kult der moralischen Betroffenheit zelebrierende, radikal pazifistische Strömung, die sich außer für Öko-Pazi-Schmuse-Lieder wie “Das weiche Wasser” und “Was wollen wir trinken” der von Dehm betreuten holländischen Band “Bots” auch für Christa Wolf und Wolf Biermann begeisterten

  11. stefanolix
    19.02.2008 | 14:22

    Ich habe mich nur teilweise für Christa Wolf begeistert und war für Biermann einfach zu jung: als er ausgebürgert wurde, bin ich in die dritte Klasse gegangen;-)

    Ein Kitsch-Bewegter war ich nie und wir waren zumindest in unseren Kreisen im Wortsinne sehr individuell eingestellt. Gemeinsam gesungen haben wir Titel wie das »Dona nobis pacem« von Bach …

    Als wir 1988/89 die ersten Treffen mit einer Evangelischen Studentengemeinde (ESG) aus dem Westen hatten, musste ich mich erst an die Weichheit des Wassers gewöhnen. Soll heißen: so etwas wie alternative Vorstellungsrunden, ausdrucksstarke Pantomimen oder Rollenspiele kannte ich überhaupt nicht. Und es verlief noch mit einem recht hohen rationalen Anteil, weil es die ESG einer recht vernüftigen Hochschule war; also wir sind nicht vollkommen darin aufgegangen. Ich habe mich trotzdem lieber am Kochen, am Diskutieren und am Schreiben beteiligt;-)

  12. 19.02.2008 | 19:12

    Bei uns war das (1980-85)eine Bewegung, die fast zerfloss in gefühlsweicher Innerlichkeit. Es gehörte zum guten Ton, Angst vor Atomkrieg und umweltverschmutzung bis hin zu psdychosomatischen Symptomen zu haben und in Worthülsen wie “Du, das macht mich jetzt aber unheimlich betroffen” zu reden. In den gleichen Kreisen waren Baerluc, Karat und “Am Fenster” von City beliebt.

  13. 19.02.2008 | 19:23

    Das kann ich bestätigen. Es gelingt mir unter Wessis auch heute noch, mit einer entsprechenden Parodie auf solche Leute kleine Wiedererkennungs-Lacherfolge zu erzielen. “Du”, “unheimlich”, “irgendwie”, “jetzt” und “echt” gehören da auf jeden Fall ebenso mit rein wie ein bestimmter Singsang im Tonfall.

  14. 21.02.2008 | 10:54

    Der Liedermacher Manfred Maurenbrecher hatte das damals auf die Schippe genommen in einem “Liebeslied”, in dem es hieß: “Du hattest mich bei der Pressekonferenz so seltsam angeschaut, als Du die Aktion gegen Kriegsspielzeug erklärtest wie ne scharfe Braut. Ich weiß, ich weiß, Du spürst die Angst ganz echt. Deine Freunde vom Schwarzwälder Bundschuh nennen mich Medienknecht. Und doch hast Du mich so angeschaut.
    Du bekommst bestimmt keinen Friedensnobelpreis für diesen geilen Blick.”

    – Die Autonomen waren in ihrem Entstehen unter anderem eine Absetzbewegung gegen diese moralische Gefühls-Schmuselinke, sozusagen die Freunde der härteren Komponenten des Lebens ;-)

  15. R.A.
    21.02.2008 | 11:44

    Ist ja auch kein Zufall, daß “Angst” seit dieser Zeit im Englischen als Fremdwort benutzt wird.

  16. 21.02.2008 | 13:26

    German Angst und Le Waldsterben. Solche Neologismen sind aber nix ungewöhnliches, vgl. Rucksack, Kindergarten oder im Deutschen Meeting und Niveau. Ganz krass ist das vietnamesische, wo ein Viertel aller Begriffe chinesische und etwa 10 % französische Lehnwörter sind.

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