19. Februar 2008
Auftrag ausgeführt
Als ordentliche Behörde beschreibt der Bundesnachrichtendienst auch seine Arbeitsweise:
”
Die Aufklärungsschwerpunkte werden dem Bundesnachrichtendienst von der Bundesregierung vorgegeben.
Diese werden im BND durch eine Auftragssteuerung in einzelne Zielvorgaben für die jeweiligen Fachbereiche umgesetzt.
”
So sollte das wohl bei jedem Geheimdienst laufen.
Bei der aktuellen Affäre soll es aber nach Behauptung der Bundesregierung ganz anders zugegangen sein.
Da wäre ein Dieb, der irgendwie auf die Idee gekommen ist, die Daten ausgesuchter deutscher Staatsbürger auf DVD zu ziehen, auf den BND zugekommen und hätte einen Verkauf angeregt.
Und der BND hätte dann nur den Boten gespielt und diese DVD per Amtshilfe an die zuständige Behörde weitergeleitet.
Eigentlich muß Steinbrück sein Volk schon für sehr doof halten, um das zu glauben. Na ok - zumindestens die bekannt kritischen deutschen Medien haben das alles ohne eine Rückfrage so nachgekäut.
Aber mal ganz nüchtern: Wie wahrscheinlich ist denn dieses Szenario?
Ein Bankangestellter klaut Daten. Ganz aus eigenem Antrieb, um sie zu verwerten.
Die natürliche Idee wäre anschließend, die Betroffenen um etwas Schweigegeld zu bitten.
Oder aber - wenn man die deutschen Gesetze schon mehr respektiert als die von Liechtenstein - die zuständigen deutschen Behörden zu kontaktieren. Die Steuerfahndung, das Finanzministerium, vielleicht auch Polizei oder Zoll.
Aber doch bestimmt nicht einen Geheimdienst, der überhaupt keine Zuständigkeit hat und dessen Außenstellen wohl auch nicht so leicht zu kontaktieren sind.
Wenn Ockham
noch irgendwie ernst zu nehmen ist, dann war es doch wohl ganz anders:
Die Bundesregierung will mal publikumswirksam gegen die pösen Reichen vorgehen, gibt beim BND eine Operation gegen das störende Liechtenstein in Auftrag, und die finden dort einen Informanten, den sie mit Geld und guten Worten dazu bringen, die gewünschten Daten zu klauen.
Auftrag ausgeführt, Recht und Gesetz mit Füßen getreten - aber im Namen der staatlichen Geldgier sind halt alle Mittel erlaubt.
Verfasst von R.A. um 10:43 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)