23. Februar 2008
Zum Wortbruch
Vor der Hessen-Wahl (und ebenso bei der Hamburger Wahl) haben alle Parteien sich Wolkenkuckucksheime aus Wahlversprechungen aufgebaut, im Wissen, dass diese eventuell nicht mehr zu halten sein werden, wenn der Wähler erst einmal gesprochen hat. “Nur Schwarz-Gelb, sonst nix!” und “Nur Rot-Grün, sonst nix!” waren schlicht und einfach idiotische Aussagen, weil abzusehen war, dass keiner dieser Blöcke mehr Sitze erringen würde als der jeweils andere plus Linkspartei. Es hätte gut gehen können, dass es aber schief ging, war nun wirklich keine große Überraschung.
Und nun ist eben ein Wortbruch nötig, um aus dieser verfahrenen Situation wieder herauszukommen. Klar, jeder versucht natürlich, die Sache auszusitzen, in der Hoffnung, einer der anderen würde gegen seine blödsinnige Koalitionsaussagen verstoßen. Die geradezu moralische Aufregung jetzt, wo sich andeutet, dass Andrea Ypsilanti den für sie und ihre Partei noch elegantesten Weg aus der Malaise suchen wird (passenderweise unmittelbar vor der Hamburg-Wahl gestreut) ist aber unangemessen.
Und zu der “Zusammenarbeit” selbst muss man auch noch eins sagen: Eigentlich, also theoretisch, sind Parlament und Regierung in unserem System voneinander getrennt. Es sollte so sein, dass es nach jedem Wahlergebnis zur Wahl einer Ministerpräsidentin kommen kann, unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen - und jeder eben für den Kandidaten stimmt, der ihm noch am Besten gefällt. Und dann kontrolliert das Parlament die Arbeit dieser Regierung. Dass unser System dieses Verhältnis so pervertiert hat, dass es nur noch um Parteien und Sitzzahlen geht, dass die Regierung eine Mehrheit im Parlament bildet, der sie dann befiehlt, wie sie abzustimmen hat (im Zweifelsfall auch mit Drohungen), kann man sicherlich nicht Frau Ypsilanti vorwerfen.
Bei aller Abneigung gegen die Linkspartei: Erstens muss man eine Möglichkeit finden, mit ihr umzugehen, die über die derzeitigen beleidigten Reaktionen hinausgeht - zweitens ist es noch lange keine Zusammenarbeit, wenn die Linksabgeordneten ihre Stimme für eine Kandidatin abgeben. Wechselnde Mehrheiten im Parlament sind kein Verstoß gegen unsere FdGo, sondern eigentlich ihre Essenz.
Verfasst von Karsten um 11:39 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)