Kinderglück?

Reasons Ronald Bailey ist skeptisch:

So, modernity essentially transforms children from capital goods that produce family income into consumption items to be enjoyed for their own sakes, more akin to sculptures, paintings, or theatre. But that’s just the problem—according to happiness researchers, people don’t really enjoy rearing children.

“Economists have modeled the impact of many variables on people’s overall happiness and have consistently found that children have only a small impact. A small negative impact,” reports Harvard psychologist and happiness researcher Daniel Gilbert. In addition, the more children a person has the less happy they are. According to Gilbert, researchers have found that people derive more satisfaction from eating, exercising, shopping, napping, or watching television than taking care of their kids. “Indeed, looking after the kids appears to be only slightly more pleasant than doing housework,” asserts Gilbert in his bestselling, Stumbling on Happiness (2006).

Aber es gibt Hoffnung. Ökonom Bryan Caplan hat ein paar Tipps auf Lager.

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35 Kommentare zu “Kinderglück?”

  1. R.A.
    27.02.2008 | 10:30

    > according to
    > happiness
    > researchers,
    > people don’t
    > really enjoy
    > rearing
    > children.
    Das halte ich für ausgemachten Dummfug.

    Und ich halte es auch für wenig glaubhaft, daß die Leute Kinder aufziehen, obwohl es ihnen angeblich nur Nachteile bringt. Die ökonomischen Nachteile sind ja bekannt, wenn es dann auch noch keinen Spaß machen würde, gäbe es keinen echten Grund mehr dafür.

  2. 27.02.2008 | 10:36

    Diese realitätsfernen Wissenschaftler … Sind wahrscheinlich grad von Nachbarkindern auf dem Weg in die Uni gehänselt worden.

    Mal im Ernst: Das Glück über meine Kinder kann ich manchmal gar nicht fassen, so groß ist es.

  3. 27.02.2008 | 10:54

    @Boche:

    Das ist doch alles nur Ex Post-Rationalisierung, jetzt, wo Du in dem Schlamassel bist. Ex ante dagegen kalkuliert man noch objektiv, daß frühes Aufstehen, Windelwechsel, sich ständig Sorgen machen und so weiter echte Glückskiller sind. ;-)

  4. 27.02.2008 | 11:14

    @Boche:

    Aber kannst du deshalb sagen, dass du glücklicher als ohne Kinder bist? Ich will mir die Argumentation der Glücksforschung nicht zu eigen machen, aber Fakt ist doch, dass die Leute weniger Kinder bekommen und wenn sie welche bekommen, die damit verbundenen Lasten am liebsten der Gesellschaft auferlegen wollen. Wenn man aber netto total happy mit so viel wie möglich Kindern wäre, dann sollte sich das doch in zunehmender Kinderzahl und weniger Ruf nach Entlastung von den Folgen der Erziehung äußern. Hier scheint mir ein gewisses Missverhältnis zu bestehen. Im übrigen sagt der Autor und die Forschung nicht das Kinder generell unglücklich machen müssen, sondern dass das Glück auch eine Funktion der Anzahl der Kinder sein muss. Leider bin ich bei der Lektüre des Buches von Gilbert (ja, ich und meine Freundin lesen uns das Buch gerade gegenseitig vor) noch nicht bis zu der Stelle vorgedrungen, wo es um die Studien zum Elternglück geht. Also kann ich nichts zur Methodenkritik von mir geben. Aber ich wäre vorsichtig das als Dummfug (wie R.A. es macht) zu bezeichnen.

  5. 27.02.2008 | 11:34

    @statler

    Ex ante lagen schlicht nicht ausreichend Informationen zur Verfügung. ;-)

    @Steffen

    Aber kannst du deshalb sagen, dass du glücklicher als ohne Kinder bist?

    Ja und Nein.
    Ja, weil ich das Glück, das mir meine Kinder bereiten, nicht mehr missen möchte. Und eine plötzlich eintretende Kinderlosigkeit (ich male mir gar nicht aus, wie das praktisch eintreten könnte) würde mich unglücklich machen.
    Nein, weil ich Glück sowieso für kaum objektiv messbar halte. Ein Vorher-Nachher-Vergleich wird doch dadurch schon unsinnig, dass man nachher etwas hat, was man vorher gar nicht kannte und nicht kennen konnte. Der Boche von vor 3 Jahren ist ein anderer als der von heute.

    An der Zahl der Kinder würde ich den Grad des Glücklichseins dann gar nicht festmachen. Mit einem Kind war ich genauso glücklich wie mit den jetzt zweien. Da gibt es, meiner persönlichen Erfahrung nach, keine Proportionalität sondern nur binäre Zustände.

  6. 27.02.2008 | 11:45

    @Boche:

    Das will ich alles nicht bezweifeln, schließlich plane ich auch noch ein oder zwei Bälger in meine Zukunft ein. Aber Tatsache ist doch, dass die Menschen sich in der Nutzen-Kosten-Analyse ihres Lebens mehr und mehr vom Kindersegen verabschieden, was man unschwer an der Entwicklung der Fertilitätsrate der Frauen ablesen kann, wobei hier die Entwicklung eindeutig ist. Zu der Messmethodik von Gilbert lasse ich mich zu gegebenem Zeitpunkt noch aus.

  7. 27.02.2008 | 11:56

    @SteffenH

    Es sieht so aus, als gäbe es diese Entwicklung, ja. Aber ich bestreite eben, dass die Abwägung von Nutzen und Kosten sinnvoll erfolgen kann. Auch, wenn sie natürlich trotzdem erfolgt und entsprechend wirksam wird.

  8. 27.02.2008 | 12:06

    Madig machen gilt nicht. Ich gönne Boche den Spaß meine zukünftigen Rentenzahler groß zu ziehen ;-)

  9. 27.02.2008 | 13:15

    Klaus, was denkst du, warum ich die liberale Sache unterstütze und für eine Privatisierung der Sozialversicherungen bin? Nur, damit meine Kinder nicht deine vierteljährlichen Malle-Fahrten bezahlen müssen. ;-)

  10. 27.02.2008 | 13:21

    @Boche:

    Nun, was ist sinnvoll? Und demnach kann die Entscheidung für Kinder nicht sinnvoller sein als die Entscheidung gegen Kinder. Beides wird vor dem Hintergrund begrenzter Informationen gemacht. Ein Kind zu bekommen und aufzuziehen ist heute nicht schwieriger als vor ein paar Jahrzehnten, jedenfalls nicht, wenn man von seinem Leben das selbe erwartet als damals. Heute aber wollen die Leute die vielen zusätzlichen Optionen des modernen Lebens auskosten und stoßen mit Kindern dabei (scheinbar?) an eine ganze Reihe von Grenzen. Zumindest erwarten sie das und beschweren sich oft darüber. Zudem ist die Funktion der Kinder als Einkommensquelle (Arbeit im und außerhalb des Haushalts) und Rentenversicherung weggefallen. Also muss, wie der Artikel betont, die relative Nutzenerwartungvon Kindern abgenommen haben.

  11. 27.02.2008 | 13:38

    @Steffen

    Nun, was ist sinnvoll?

    Ja, das ist eine berechtigte Frage. Denn selbstverständlich ist eine aus meiner Sicht mittels unzureichender Information getroffenen Entscheidung eines Anderen seine Entscheidung, die ich letztlich nicht bewerten kann. Ganz richtig, das ist ja kennzeichnend für die liberale Denkweise.

    Ich bin ebenfalls der Meinung, dass es heute nicht schwieriger ist, Kinder aufzuziehen als früher in dieser Bundesrepublik.
    Und es stimmt wohl auch, dass die größere Auswahl an Lebensoptionen der Moderne die Kinderlosigkeit attraktiver gemacht hat.

    Nur das mit der Arbeit im Haushalt - ich hoffe doch sehr, dass du damit Unrecht hast! ;-)

    Bleibt nur noch die Frage, ob die Glücksmessung überhaupt möglich ist und ob man feststellen kann, der eine sei glücklicher oder unglücklicher als der andere.

  12. R.A.
    27.02.2008 | 14:16

    @Steffen:
    > aber Fakt ist
    > doch, dass die
    > Leute weniger
    > Kinder bekommen
    Das sagt erst einmal gar nichts.
    Wie Boche schon sagte: Man kann mit einem oder wenigen Kindern schon das Glück weitgehend genießen, ohne die früher üblichen Großfamilien.

    Und Kinderlosigkeit hat die verschiedensten Gründe.
    Selbstverständlich gibt es Leute, denen Kinder nicht liegen. Und die haben heute bessere Möglichkeiten, diese dann zu vermeiden als früher.
    Und dann gibt es auch viel ungewollte Kinderlosigkeit, aus medizinischen Gründen oder weil man schlicht nicht den passenden Partner findet.

    Und dann gibt es die schwierige Vereinbarkeit mit dem Beruf - das ist aber im wesentlichen eine Frage der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Das kann man staatlich (Frankreich) oder privat (USA) deutlich besser organisieren als bei uns möglich.

    > und wenn sie
    > welche
    > bekommen, die
    > damit
    > verbundenen
    > Lasten am
    > liebsten der
    > Gesellschaft
    > auferlegen
    > wollen.
    Das ist so erst einmal falsch.
    Ob Kinder Glück bringen oder nicht hat gar nichts damit zu tun, ob man Geld vom Staat haben will.
    Es ist nun einmal üblich, unter Ausnützung aller Vorwände möglichst viel Leistungen von der Politik zu fordern - wieso sollten Eltern da eine Ausnahme sein?

    Mir würde es persönlich reichen, wenn der Staat sich raushalten würde.
    D.h. wenn er darauf verzichtet, von “meinen Investitionen” in die Kinder zu schmarotzen, verzichte ich gerne auf das Taschengeld.
    Die Finanzbilanz des Kinderkriegens ist WEGEN der staatlichen Intervention viel schlechter als früher üblich.

    Und was die Qualität der Studie betrifft: Wenn ein Ergebnis so neben der erlebten Realität liegt, ist mir recht egal, welche
    Methodenfehler das verursacht haben.
    Das ist einfach Junk Science.

  13. 27.02.2008 | 15:14

    @R.A.

    Gründe wie Infertilität und falsche Partner gab es schon früher, ersteres eher als heute. Also kein Argument für weniger Kinder. Die schwierige Vereinbarkeit mit dem Beruf ist auch kein neues Phänomen, nur haben die Leute heute andere Erwartungen an das Leben als früher. Noch vor ein paar Jahren war es völlig normal das Papa arbeitete und Mama sich um die Kinder kümmerte. Weltreisen und sonstige Konsumdinge standen auch im Hintergrund, weil sie extrem teuer oder noch gar nicht möglich waren.

    Auf jeden Fall müssen sich die erwarteten Nutzen-Kosten-Relationen der Kindererziehung verändert haben, sonst würde es nicht zu einem derartigen Einbruch der Fertilitätsrate kommen.

    Deine Attitüde gegenüber der Forschung finde ich etwas abgehoben, zumal deine anekdotische Evidenz wohl kaum der geeignete Beurteilungsparameter für derartige Untersuchungen mit denen du dich im Detail nicht befasst hast ist. Ich werde wie gesagt zu gegebener Zeit noch mal auf die Studien eingehen. Noch bin ich bei der Lektüre des Buches nicht weit genug vorangekommen. Ich denke wir verschieben die Debatte über Sinn und und Unsinn bis dahin…

  14. 27.02.2008 | 15:21

    Eine Erklärung für die zunehmende Kinderlosigkeit könnte doch sinnvoll auch nur auf der Glückserwartung gründen, nicht auf dem tatsächlichen und nicht von vornherein abschätzbaren Glückszugewinn oder -Verlust, ganz gleich ob und wie gut der meßbar ist. Sobald man den merkt, ist es nämlich ohnehin zu spät.

  15. 27.02.2008 | 15:30

    @David

    Das habe ich inzwischen auch eingesehen.

  16. 27.02.2008 | 15:30

    @R.A.:

    Gilbert auf seinem Blog zur Frage Kinderglück.

  17. R.A.
    27.02.2008 | 16:38

    @Steffen:
    > Auf jeden Fall
    > müssen sich die
    > erwarteten
    > Kutzen-Kosten-Relationen
    > der
    > Kindererziehung
    > verändert haben
    Das bestreitet ja keiner.
    Bis zu irgendeinem Zeitpunkt mag es eine finanziell interessante “Investition” gewesen sein, Kinder groß zu ziehen.
    Heute ist es auf jeden Fall ein Zuschußgeschäft.

    Da aber immer noch die Mehrheit der Leute Kinder hat und haben will, wird es wohl auch starke (inmaterielle) Gründe dafür geben.

    Und da ist dann die These, Kinder würden auch emotional nichts bringen, höchst unplausibel.
    Dann würden wir nicht über weniger Kinder reden, sondern über fast gar keine mehr.

    > Deine Attitüde
    > gegenüber der
    > Forschung finde
    > ich etwas
    > abgehoben, …
    Das ist einfach die Folge vielfacher Erfahrung.
    Junk Science ist eben weit verbreitet. Und mit der Zeit kriegt man schon ein gewisses Gefühl dafür, wenn irgendwelche “wissenschaftlichen” Behauptungen auftauchen.

    Noch dazu solche, deren Originalitätswert
    praktischerweise für einen Bestseller herhält.

    Ich muß mit meiner Lebenserfahrung bestimmt nicht richtig liegen.
    Aber bei solchen Sachen nehme ich mir halt immer den guten alten Ockham zur Hand.
    Und da kriegt keiner einen Glaubwürdigkeits-Bonus, weil er sich als Wissenschaftler bezeichnet.

  18. R.A.
    27.02.2008 | 16:44

    @David:
    > Sobald man den
    > merkt, ist es
    > nämlich ohnehin
    > zu spät.
    Im Prinzip ein denkbarer Erklärungsansatz.

    Aber ich glaube nicht daran.

    In den Jahren vor der eigenen Familiengründung beschäftigen sich die Leute meist sehr intensiv mit diesem Thema. Dazu gehört vor allem, daß man sich immer wieder mit Freunden und Verwandten unterhält, die ein paar Jahre weiter sind, d.h. eigene Erfahrungen haben.
    Da werden dann insbesondere die Probleme und negativen Erfahrungen immer wieder diskutiert.

    Da mögen dann auch Fälle dabei sein, wo sich Eltern nicht eingestehen wollen, daß sie besser auf Kinder verzichtet hätten. Aber in der Regel wird es dann auch nicht gelingen, glaubhaft nach außern die glückliche Familie zu spielen.

    Die Mehrzahl der Leute bekommen Kinder, WEIL sie bei anderen gesehen haben, daß das eine schöne Sache ist.

  19. 27.02.2008 | 16:54

    @R.A.: Da kann ich voll und ganz zustimmen; allerdings ändert das nicht viel: Entscheidend ist nach wie vor die Erwartung. Das sich diese nicht völlig spekulativ bildet, sondern durch die Erfahrungen anderer mitbestimmt wird, ist sicherlich richtig. Dennoch müßte man eher die Erwartungen betrachten als das, was diese - und auch nur zum Teil - formt. Es kann ja z.B. durchaus vorkommen, daß jemand das alles schön und ansprechend findet, aber trotzdem zu dem Schluß kommt, es sei nichts für ihn.

  20. 27.02.2008 | 17:09

    @R.A.:

    Deine eigenartige Position gegenüber Wissenschaft die du nicht kennst will ich hier nicht weiter kommentieren. Aber von deiner Glücksempfindung auf eine allgemeingültige Erscheinung zu schließen dürfte dann ebenso Junk Science sein. ;-)

    Tatsache ist doch, dass die Leute heute weniger Kinder bekommen und es hierfür einige Ursachen geben muss. Es geht mir also nicht darum dies zu bewerten, sondern es zu verstehen. Und da hilft mir dein “alles Blödsinn” nun wirklich nicht weiter.

  21. R.A.
    27.02.2008 | 17:10

    @David:
    Natürlich ist es die Erwartung, die den eigenen Kinderwunsch entscheidet.

    Nur: Wenn Gilber recht hätte, dann müßte diese Erwartungshaltung geprägt werden von einer Vielzahl negativer Erfahrungen.

    Ich glaube nicht, daß sich das breitflächig geheim halten ließe, wenn Kinder wirklich eher zum Unglück beitragen als zum Glück.

    Wenn er recht hätte, gäbe es über kurz oder lang nur noch ausnahmsweise Paare, die sich ins Unglück stürzen.

  22. 27.02.2008 | 17:16

    Auch Gilbert behauptet ja offenbar nicht, daß es gewaltige Glückseinbußen gebe. Es geht ja eher um geringen negativen Einfluß. Der muß ja nicht groß genug sein, um einen so maßgeblichen Einfluß auf die Entscheidungen und Erwartungen anderer auszuüben, daß weitere Faktoren kaum noch relevant sind.

  23. R.A.
    27.02.2008 | 17:19

    @Steffen:
    > Deine
    > eigenartige
    > Position
    > gegenüber
    > Wissenschaft …
    … beruht einfach auf einigen Jahren mehr Lebenserfahrung ;-)

    Ansonsten dazu gleich mehr.

    > Aber von deiner
    > Glücksempfindung
    die ich bei sehr vielen anderen Leuten ähnlich beobachtet habe - das ist schon die wesentliche Ergänzung.

    > Tatsache ist
    > doch, dass die
    > Leute heute
    > weniger Kinder
    > bekommen …
    Ja, aber diese Tatsache gibt überhaupt nichts für die These her.
    Wenn früher Kinder eine “gute Geldanlage” oder mangels Verhütung fast unvermeidbar waren, gibt das völlig unabhängig von den Glücksüberlegungen einen Trend nach unten, wenn diese Faktoren wegfallen.

    Entscheidend ist doch: OBWOHL es sie deutlich Geld kostet (und andere Nachteile bringt), und obwohl sie heute frei entscheiden können, will die übergroße Mehrheit der in Frage kommenden Menschen Kinder.
    Und da ist es nicht glaubhaft, daß dieses Kinderkriegen laut
    Gilbert angeblich nur Nachteile hat.

    Das “weniger” gegenüber einem nicht vergleichbaren Zeitraum von früher ist überhaupt kein Beleg.
    Entscheidend ist das tatsächliche Verhalten der relevanten Gruppe heute.
    Dieses Verhalten widerspricht der These völlig.

  24. 27.02.2008 | 17:25

    Um mal wieder ein Traffic-steigerndes Reizwort einzustreuen: Das Kinderkriegen könnte auch daran liegen, dass wir genetisch drauf programmiert sind.

  25. R.A.
    27.02.2008 | 17:30

    @Steffen:
    Jetzt habe ich mir auch den Blogeintrag durchgelesen.
    Und eine gewisse Idee, wo hier der Knackpunkt ist.

    Gilbert interpretiert die Forschungsergebnisse anderer Leute in zwei wesentlichen Punkten.

    Einerseits die der Psychologen die nachgemessen haben, daß diverse Tätigkeiten, die mit Kindern zu tun haben, nicht direkt glücklich machen.

    Das ist richtig, läßt aber überhaupt nicht die Gilbert’schen Schlüsse zu.

    Natürlich ist Windelnwechseln per se nicht schöner als Bügeln. Aber diese oder andere mit Kindern verbundene Tätigkeiten sind für die Glücksbilanz nicht wirklich relevant.

    Mal als Beispiel: Tanken ist blöde, Autowaschen ist blöde, Werkstattbesuche sind blöde und eigentlich macht mir sogar das Autofahren selber nur selten Spaß.

    Nach Gilbert würde das Auto also massiv zu meinem Unglück beitragen.

    Aber das Gegenteil ist der Fall - weil das Auto Vorteile bietet, die man durch Untersuchung der Einzeltätigkeiten überhaupt nicht erkennen kann.
    Ich bin mit Auto deutlich glücklicher als ohne - aber das zeigt sich nie in den Zeiten, wo ich direkt mit ihm zu tun habe.

    Ganz schlicht: Bei seiner Interpretation der (wissenschaftlich wahrscheinlich sehr ordentlichen) Einzelergebnisse sieht Gilbert den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr.

    Richtig merkwürdig wird Gilbert dann bei seinen Erklärungsversuchen,
    warum angeblich die Leute das durch ihre Kinder verursachte Unglück nicht erkennen.
    Das sind auch freie Rateversuche von ihm, ohne jede wissenschaftliche Basis.

    Schon der erste Punkt müßte Dir doch als Ökonomen die Haare zu Berge stehen lassen: Natürlich gibt es manchmal den Effekt, daß man Sachen mehr schätzt, weil man dafür viel bezahlt hat.
    Aber das ist eben die Ausnahme und nur dann wirklich möglich, wenn uns die Vergleichsmöglichkeit fehlt.

    Ansonsten verhalten sich die Leute eben nicht so, sonst würden wir dauernd versuchen, möglichst viel Geld für überteuerte Produkte auszugeben, um unser Glück zu maximieren.

    Der zweite Punkt paßt nicht wirklich, der dritte ist völlig absurd und nicht einmal im Ansatz vergleichbar.

  26. R.A.
    27.02.2008 | 17:35

    @Boche:
    Natürlich gibt es genetisch verankerte Gründe, warum uns ein Kinderlächeln glücklicher machen kann als das verkniffene Gesicht des Hausmeisters.

    Es ist ja auch von der Natur so programmiert, daß Essen, Trinken und Sex uns mehr Spaß machen als Staubsaugen.

    Für die Messung von “Glück” ist es aber irrelevant, warum wir uns glücklich fühlen, ob da genetische Programmierung drinsteckt oder nicht.

  27. stefanolix
    27.02.2008 | 17:47

    IMHO wollte Boche darauf hinaus, dass bestimmte Teile von uns eben immer noch durch die Natur und durch die Evolution »programmiert« sind. Das hat mit dem Lächeln der eigenen Kinder eher wenig zu tun (zumindest nicht beim ersten Kind). Sicher kann man den Zeitpunkt des ersten Kindes und die Anzahl der Kinder heute medizinisch besser »steuern« als früher, aber in den allermeisten Menschen steckt der Wunsch nach Nachwuchs wohl im Unterbewusstsein und nicht im Bewusstsein.

  28. 27.02.2008 | 18:09

    @R.A.

    Beim Konsum sind wiederholte Fehlinvestitionen eher die Ausnahme, weil man aus diesen Fehlern lernt. Ein einmal erworbenes Gut braucht man nicht weiter zu konsumieren, so dass sich das Unglück in Grenzen hält. Allerdings ist ein Kind nicht rückgängig zu machen. D.h. es ist nicht ausgeschlossen, dass man sich später über ein Kind mehr oder weniger ärgert, weil man den Ärger zwangsläufig mindestens 18 Jahre hat. Und in diesem Fall fehlt dir dann die Vergleichsmöglichkeit und du freundest dich mit dem Ergebnis an, was Statler “ex-post-Rationalisierung” nennt.

    Der zweite Punkt passt m.E. sehr gut, weil er damit auf die allgemeine Erkenntnis Bezug nimmt, dass die Leute sich immer an besonders positive Dinge erinnern, wofür er in seinem Buch auch Indizien aus empirischen Untersuchungen anführt. Nicht umsonst sagen viele Leute immer, dass früher alles besser war.

    Ja und der letzte Punkt erinnert mich immer an ehemalige DDR-Bürger, die mangels Alternativen alles schön fanden, was man innen gerade noch so durchgehen ließen.

    Warten wir doch einfach mal ab, wie du dich so fühlst, wenn deine Kinder aus dem Haus sind.

    Aber egal, je mehr ich darüber nachdenke umso weniger relevant erscheint mir eine mögliche Ex-post Ernüchterung über den Kindersegen für die Frage nach dem Rückgang der Fertilitätsrate. Dafür sind eben die Erwartungen relevant und die hängen eben von der Relation von Glückserwartung (eben der genetischen Veranlagung) und den erwarteten Kosten der Kindererziehung ab. Und hier hat sich definitiv die Kostenseite erhöht, was m.E. an den gestiegenen Optionen gegenüber einem Leben mit einer großen Kinderschar liegen dürfte.

  29. Lina
    27.02.2008 | 20:21

    @ Boche,

    Du suchst mehr Traffic? Wie denn - bei dieser ernüchternden Datenlage, der nur Du den glücklichen Vater entgegenstellst…?

    @ stefanolix,

    oder so: Fortpflanzung heisst das genetische Programm, dessen Begleitumstände sich ebenso angenehm wie zielführend gestalten. Wie das mögliche Ergebnis bewertet und wie mit ihm verfahren wird, ist zum einen wiederum genetisch bestimmt, zum anderen sind es die äusseren Einflüsse, die es dem Einzelnen als Glück oder als Unglück erscheinen lassen, sich fortgepflanzt zu haben. Studien wie diese versuchen es zu ergründen, aber zu wessen Glück eigentlich ;-)?

    (Achtung: weiss seit längerem, dass es der Wissenschaft nicht um Glückssuche geht…)

  30. R.A.
    28.02.2008 | 15:38

    @Steffen:
    Das Thema “aus Fehlern lernen” ist ja oben schon diskutiert worden.
    Beim Thema Kinder kann man in der Tat kaum selber lernen, wohl aber sehr stark von anderen.

    Das ist wie beim Hausbau - den macht auch kaum einer zweimal. Aber genau deswegen informiert man sich da viel mehr als beim Kauf einer Tüte Gummibären.

    Der Punkt mit der selektiven Erinnerung ist richtig - trifft aber m. E. das Thema fast nicht.
    Weil dieser Mechanismus eben recht allgemein wirkt und nicht speziell die Erinnerung an die eigenen Kinder umfärbt.

    > Warten wir
    > doch einfach
    > mal ab, wie
    > du dich so
    > fühlst, wenn
    > deine Kinder
    > aus dem Haus
    > sind.
    Mit ziemlicher Sicherheit werde ich mich dann besser fühlen als Gleichaltrige, die nie Kinder gehabt haben.

    Das fehlt eben auch völlig in der Einzeltätigkeitsuntersuchung der Psychologen (was nicht deren Schuld ist, die wollten ja ganz andere Aspekte untersuchen, erst Gilbert hat das dann exzessiv interpretiert).

    Man hat schätzungsweise noch doppelt so viele Jahre Spaß an seinen Kindern, nachdem sie “aus dem Haus” sind, als man sie vorher im Haus hatte.

    Man sieht übrigens häufig bei Kinderlosen, wenn sie etwas älter werden, daß die Sozialkontakte deutlich schrumpfen. Weil sie sehr stark die Fähigkeit verlieren, über die Generationen hinweg Kontakte zu finden und zu pflegen.

    Bei einigen wird es richtig schlimm, wenn die eigenen Eltern gestorben sind und sie dann nur noch mit sich selber Familie spielen können - das kann schon recht trübselig werden.

  31. 28.02.2008 | 18:41

    Ich für meinen Teil bezweifle aber, dass man von anderen lernen kann, was es heißt, Kinder zu haben. Wäre ich nach den diesbezüglichen Erfahrungen gegangen, hätte ich vielleicht nie Kinder bekommen.

  32. 29.02.2008 | 15:15

    @ Boche: Gottseidank ist dein Kampf für die “liberale Sache” zum Scheitern verurteilt :-)

  33. 29.02.2008 | 15:58

    Mal sehen, ob meine Kinder eher dem weisen Herrn Vater oder der Frau Lehrerin glauben. ;-)

  34. 29.02.2008 | 16:12

    Einen Nachteil hat natürlich die Lehrerin: “handfeste” Argumente sind ihr verboten :P

  35. 29.02.2008 | 16:20

    In diesem Punkt besteht Waffengleichheit.

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