6. März 2008
Verantwortung
Was eigentlich, glauben die Menschen da draußen, hat Unternehmen dazu getrieben, Arbeitnehmer einzustellen?
Verfasst von Rayson um 23:41 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Wirtschaft (Trackback)
Was eigentlich, glauben die Menschen da draußen, hat Unternehmen dazu getrieben, Arbeitnehmer einzustellen?
Verfasst von Rayson um 23:41 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Wirtschaft (Trackback)
Geldgier.
Echt jetzt? Nicht soziale Verantwortung?
Das haben Unternehmer doch nicht. Wo lebst du denn?
Das hat man höchstens selbst. Oder die SED, die in Wirklichkeit aus enttäuschten Sozialdemokraten besteht.
Und die stellt mehr Leute ein als sie braucht?
Brauchen ist schon so ein ausbeuterisches Konzept.
Es geht nicht darum, was der Unternehmer braucht. Sondern darum, was …
Na ja, Arbeit ist sowieso etwas, was ganz anders gehört. Irgendwie netter, irgendwie zwangloser, lebenskünstlerischer.
Du hast mich überzeugt. Die Wirklichkeit scheitert an meinen Idealen: Die Wirklichkeit muss irgendwie behindert sein.
Diese Frage habe ich mir heute morgen auch schon gestellt, genauergesagt die Frage was Unternehmen dazu treibt Mitarbeiter einzustellen, als mich um 9:00 Uhr eine Zeitarbeitsfirma aus dem Bett holte. Ob ich noch Interesse hätte, es ginge vielleicht im April los. Gut, das haben sie schon für den September, Oktober und November letzten Jahres prophezeit …
Vertragsfetischismus ;-)?
Gute Frage, Rayson, die noch dem letzten “It’s-the-economy-Stupid” klar macht, dass ein Unternehmen seiner Natur nach keine Verantwortung kennt - ausser Vertragstreue inkl. Produkthaftung.
Warum es Leute einstellt? Irgendjemand muss ja herstellen, was es mit Gewinn zugunsten aller am Prozess Beteiligten verkaufen will. Erwächst daraus ein Recht auf Verantwortung? Mitnichten - wäre aber rein klimatisch bzw. zwischenmenschlich gesehen ganz schön, oder?
(…müssen sich jedenfalls die Gewerkschaften gedacht haben, damit ihre Miglieder nicht der blanken Ausbeutung anheim fallen;-); sind doch alle nur Menschen ;-)…
Klimatisch schön wäre allerdings auch eine Temperatur von sanften 24°C mit leichter Brise über’s ganze Jahr hinweg. Nicht für Skifahrer, natürlich. Smiley, zwinkernd.
Das ist ja einfach. Aber warum bezahlen die Unternehmen die Leute überhaupt? Die sind doch immr supermotiviert und Arbeit generell sowie der Job macht denen immer Spaß - versichern sie jedenfalls dem Unternehmen. Warum kommen die dann nicht für lau?
Das Problem beginnt aber dann, wenn der Unternehmer von seinen Mitarbeitern eine besondere Loyalität erwartet. Die interessanterweise darin mündet, dass er Verständnis für betriebsbedingte Kündigungen erwartet, andererseits aber Treulosigkeit beklagt, wenn der Arbeitnehmer von sich aus wechselt.
Wenn ich solche Diskussionen lese, denke ich immer an die Arbeitsbedingungen der Angestellten von Gewerkschaften: da könnten die Gewerkschaften nämlich mal zeigen, wie man es richtig macht und trotzdem hört man immer wieder ziemlich deutliche Klagen.
@Marc: Ein Unternehmer beklagt keine Treulosigkeit. Warum sollte er das tun? Ein Unternehmer erwartet auch kein Verständnis. Das ist vor dem Arbeitsgericht ohnehin irrelevant und es dürfte auf das Resultat kaum einen Einfluss haben.
@Lina: In den Branchen mit Fachkräftemangel liegt es in der Verantwortung des Unternehmers, seine Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden. Da muss man nicht extra auf eine Verantwortung gegenüber dem Arbeitnehmer hinweisen. Wo aber ein Überschuss an Arbeitskräften besteht, bleibt wenigstens die Vertragstreue …
@Marc
Unternehmer sind vielleicht auch nur Menschen mit unklaren Vorstellungen von der Realität.
@Marc
Achja richtig, die ganzen Arbeitgeberfunktionäre und FDP-Politiker, die in allen Talkshows stets energisch den Arbeitsplatzwechsel von Arbeitnehmern beklagen. Ich hätte sie glatt vergessen.
@ stefanolix
“In den Branchen mit Fachkräftemangel liegt es in der Verantwortung des Unternehmers, seine Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden.”
Das ist interessant. Wie macht er das? Vertraglich, indem er sie übertariflich bezahlt, oder im Verlass auf ein Einsehen seiner Mitarbeiter - im Sinne wirtschaftlicher Vernunft oder ethischer Verpflichtung?
(Und ja, die Gewerkschaften sollten mal erst mal vormachen, wie es gehen könnte…)
@ David
Warten wir alle zusamen auf den Klimawandel? Aber können wir ihn denn abwarten? - Smiley, lachend.
@Dirk:
> FDP-Politiker,
> die in allen
> Talkshows stets
> energisch den
> Arbeitsplatzwechsel
> von Arbeitnehmern
> beklagen.
Welcher FDP-Politiker soll das wo beklagt haben?
Die Verantwortung, die soziale, beginnt bei den Menschen da draußen vor allem erst im Zusammenhang mit dem Arbeitnehmer. Für den Arbeitslosen ist das Unternehmen von jeglicher Verantwortung freigestellt. Keiner hat in unserer Relativen Marktwirtschaft sein Sony-Ericsson in die Tonne gekloppt, weil die keine Arbeiter einstellen.
Die Antwort auf die Frage steckt ja schon im Titel. Das deckt sich sich auch mit meinen Beobachtungen und bringt mich zu der Frage, was die Regierenden glauben. Wenn die Antwort milliardenschwere Beschäfftigungsprogramme lautet, braucht man sich über die Menschen da draußen nicht wundern.
@R.A.
Die ganze Republik ist doch voller Leute, die sich über Arbeitnehmer beklagen, die ihren Arbeitgeber im Stich lassen.
Hier wird ja so richtiggehend tief geschürft. Deshalb will ich an dieser Stelle nachbohren: Ist die Vorstellung, das aus wirtschaftlicher Macht auch ein gewisses Maß an moralischer Verantwortung folgt, gänzlich unplausibel?
D.h. aus Profitgier folgt wirtschaftliche Macht, folgt moralische Verantwortung ? Dann sollte jeder ein Unternehmen gründen, wenn auch nur, zur Steigerung der persönlichen Moralbewusstseins.
[...] ps: bei den bissigen liberalen hat rayson gestern abend die frage nach der verantwortung aufgeworfen: Was eigentlich, glauben die Menschen da draußen, hat Unternehmen dazu getrieben, Arbeitnehmer einzustellen? [...]
Unternehmer sind vielleicht auch nur Menschen mit unklaren Vorstellungen von der Realität.
also boche wirklich! Ich erklärs Dir nochmal ganz langsam: Unternehmer sind Leute, die mehr arbeiten als die Gewerkschaften für Ihre Arbeitnehmer durchgesetzt haben. Sie tun das, damit Sie mit dem guten Gefühl leben können, jederzeit Leute feuern zu können und nach einer 70 std Woche nochmal entspannt ein paar Stunden den Golfschläger schwingen zu können. Haben Sie Pech am 18. Loch oder will die Frau nicht so recht, feuern Sie am kommenden MOntag einfach einige Arbeitnehmer. Entscheidungen treffen Sie nach astrologischen Grundgedanken, egal ob die ganze Firma danach pleite ist und alle Ihre Arbet verlieren. Warum? Weil Sie es können.
@ der gute don
Isses wirklich sinnvoll, so polemisch zu sein?
@ Rayson
“Was eigentlich, glauben die Menschen da draußen, hat Unternehmen dazu getrieben, Arbeitnehmer einzustellen?”
Ist das eigentlich eine wichtige Frage? Ist die Grundfrage nicht vielmehr, was Menschen überhaupt dazu treibt, Güter über den eigenen Bedarf hinaus zu produzieren?
Bei manchen ist es der Teufel, bei manchen der Wunsch, den Überschuß gegen andere Güter einzutauschen; manche sind auch einfach wahnsinnig.
@ Eva Ziessler
Isses wirklich sinnvoll, so mit unseren Unternehmern umzugehen, wie wir es in D’land tun?
@ der gute don
Erstmal sind die “Unternehmer”, mit denen wir irgendwie “umgehen” gar keine Unternehmer, sondern Angestellte der Aktionäre. Mir scheint das Problem zu sein, daß fast ALLE hier Unternehmer mit Angestellten verwechseln. Die vielgeschmähten “Wirtschaftsbosse” in Deutschland sind nicht nur keine Unternehmer, sondern meistens bloß vom Staat für staatliche Betriebe Angestellte Vorstände, Zumwinkel, der IKB-Vorstand, der sich in seiner Funktion als Aufsichtsrat der staatlichen KfW-Bank gleich noch selbst seine Loserei bei der housing-bubble vom Steuerzahler wieder rausreißen läßt usw.
Nicht mal DIE WELT, die sich programmatisch als liberal und marktfreundlich geriert, kapiert den Unterschied: vor ein paar Monaten durften sich in einer Serie ganzseitig deutsche “Unternehmer” zu Wirtschaftsfragen äußern. Ich glaube, es war kein einziger Unternehmer dabei. Pierer als Angestellter der Siemens-Aktionäre und, schlimmer noch, Zumwinkel als politischer Funktionär eines maroden staatlichen Monopolisten.
Solange dieser kategoriale Unterschied den Leuten nicht klar ist, daß nämlich Unternehmer einzig und allein solche Menschen sind, die ihr eigenes Kapital auf eigenes Risiko zur Güterproduktion am Markt zur Verfügung stellen, fürchte ich, nützt alle Polemik nichts. Vor allem auch deshalb, weil häufig selbst Unternehmer nicht in der Lage sind, diesen Unterschied zu artikulieren…oder vielleicht erkennen sie ihn selbst nicht einmal.
@Eva Ziessler
Es ist zwar nicht jede Firma eine Aktiengesellschaft, aber Sie meinen vermutlich höhere Angestellte mit unternehmerischer Risikobeteiligung. Ansonsten ist zusätzlich jeder (in meinen Augen) Unternehmer, der mithilfe seiner Unternehmensanteile Einfluß auf das Unternehmen wahrnimmt. Das viele nicht persönlich abstimmen, sondern Ihr Stimmrecht Ihrer Bank geben ist deren Recht. Und es ist auch deren Recht, Leute mit Ihrer Stimme zu beauftragen die einen Herrn Pierer damals wählten. Und es ist auch deren Recht die Form der Gewinn-, Umsatz- oder sonstigen Beteiligung für dessen Arbeit zu bestimmen.
Angesehen davon wird -wie Sie selbst sagen- der Grad unternehmerischen Anteils in der öffentlichen Diskussion nicht einbezogen und die Regeln sowie Ansehen gelten ohnehin für beide gleich. Für diese sklaventreibenden Drecksäcke.
So what?
@ der gute don
“Sie meinen vermutlich höhere Angestellte mit unternehmerischer Risikobeteiligung”
Nein, meinte ich nicht. Wenn Angestellte mit ihrem eigenen Geld Aktien von dem Unternehmen halten, das sie anstellt, sind sie zwar insoweit selbst Unternehmer, weil sie sich ENTSCHIEDEN haben, dieses Risiko einzugehen, aber ich meinte Vorstände, die als Vorstände bloß angestellt sind und eben gerade keine Unternehmer sind, weil sie das Risiko NICHT tragen.
“Das viele nicht persönlich abstimmen, sondern Ihr Stimmrecht Ihrer Bank geben ist deren Recht. Und es ist auch deren Recht, Leute mit Ihrer Stimme zu beauftragen die einen Herrn Pierer damals wählten. Und es ist auch deren Recht die Form der Gewinn-, Umsatz- oder sonstigen Beteiligung für dessen Arbeit zu bestimmen.”
Da bin ich völlig Ihrer Meinung. Ich hatte auch nichts gegenteiliges behauptet. Ich wollte nämlich keine “Managerschelte” betreiben, sondern nur darauf hinweisen, daß Manager und Vorstände -in der Regel- keine Unternehmer sind, in Deutschland aber als angebliche Unternehmer beschimpft werden. Die wirklichen Unternehmer, Mittelständler und kleine Aktionäre werden aber gar nicht als Unternehmer gesehen.
“So what?”
Was soll denn dieses Resumee heißen? Doch wohl nicht, daß Ihnen das alles letzten Endes egal ist? Übrigens sind Sie, glaube ich, noch viel zu optimistisch: In anderen westlichen Ländern ist die anti-unternehmerische und anti-marktwirtschaftliche Haltung kaum weniger ausgeprägt als in Deutschland.
@der gute don
also boche wirklich!
Ich bin mir nicht sicher, dass du verstanden hast, was mein Einwurf bedeuten sollte. Du?
Ich bin mir aber auch nicht sicher, die Richtung deiner Polemik verstanden zu haben.
(Wenn ich es recht bedenke, bin ich mir grad gar nicht sicher schon wach zu sein…)
@Eva Ziessler
“So what?”
Was soll denn dieses Resumee heißen? Doch wohl nicht, daß Ihnen das alles letzten Endes egal ist?
muss mir ja wohl letztendlich egal sein, ich muss mich ja um mein Geschäft kümmern und was nützt es mir, mich über die unternehmer- und unternehmensfeindliche Haltung der Gesellschaft aufzuregen. Solange die jungen Menschen in diesem Land nicht zu Eigenständigkeit, Selbstverantwortung und Unternehmertum erzogen werden, wird sich hier ohnehin nichts ändern. Ganz im Gegenteil.
@boche: was ist heutzutage schon sicher? ^^
@ der gute don
“muss mir ja wohl letztendlich egal sein, ich muss mich ja um mein Geschäft kümmern und was nützt es mir, mich über die unternehmer- und unternehmensfeindliche Haltung der Gesellschaft aufzuregen”
Ja, das kann ich gut verstehen. Und schließlich sind ja die Unternehmer diejenigen, die dafür sorgen, daß hier alle zu essen haben, egal wie unternehmerfeindlich sie eingestellt sind. Das ist für mich ein Trost bei der Sache: Unternehmer brauchen nicht VWL studiert zu haben, und die meisten haben’s auch nicht. Sie begreifen so, wie die Dinge laufen. Nur die Nutznießer der Unternehmer begreifen’s nicht und wählen dann die Kommunisten.
@der gute don
Die Rente?
@Marc
Warum kommen die dann nicht für lau?
Das würde ich nach einem kurzen Blick in die Runde der “freien” Praktikanten um mich herum nicht zu laut fragen.
Bad Behavior has blocked 724 access attempts in the last 7 days.