Das Übliche

Yps gibt auf; Wiederkehr steht in den Sternen.

Sich durch Versprechen gebunden zu fühlen und das albernerweise zur Gewissensfrage zu erklären, ist parteischädigend:

Auf die Frage, ob sie [Dagmar Metzger] ihr Abgeordnetenmandat zurückgeben werden [sic!], antwortete die 49-Jährige mit “Nein”.

[...]

Genau dies fordern aber mehrere SPD-Politiker - allen voran das hessische Vorstandsmitglied Hermann Scheer, der im Kabinett Ypsilanti für einen wichtigen Ministerposten vorgesehen war. Er habe “null Verständnis” für Metzger. “Es zur Gewissensfrage zu erklären, ob man die eigene Spitzenkandidatin wählt, geht zu weit. Das ist parteischädigend.” Das Direktmandat habe Metzger vor allem dem erfolgreichen Wahlkampf von Ypsilanti zu verdanken, betonte er. Auch die Frankfurter SPD hatte Scheer [gemeint ist wohl Metzger] aufgerufen, ihr Mandat niederzulegen.

[tagesschau.de]

Scheer hält auch ihren Parteiausschluss für denkbar.

[FAZ.NET]

Was ich hab’ und was ich bin, verdank ich der Frau Parteiführerin. Schön. Maul halten und parieren. Ob man Scheer oder Metzger (”Ich habe nein gesagt, und dazu will ich stehen. Für mich ist in erster Linie meine Glaubwürdigkeit entscheidend”, Gedöns) eher beipflichtet, möge man selbst entscheiden.

Laut ZEITUNG (nachzulesen im verlinkten Artikel) schließt übrigens Münte nicht aus, nach einer eventuellen Entbeckungskur der SPD das Amt des Parteivorsitzenden zeitweise wieder zu übernehmen. Ob die Fußstapfen mal nicht zu groß für ihn sind?

Die FAZ vergleicht unterdessen die hessische SPD mit, nein, nicht Stalin, sondern Ed Wood:

Diese strategische Katastrophe ist mit normalen politischen Maßstäben gar nicht mehr zu fassen, das ist die Dämlichkeitsliga, für die sich ja schon der Wiesbadener SPD-Unterbezirk qualifizierte, als er vergaß, den Kandidaten zur OB-Wahl fristgerecht anzumelden. Man hat es geahnt, aber nicht wirklich glauben wollen, so ging es ja auch Reinhold Beckmann: Immer wenn es im Interview ernst wurde, schloss Frau Ypsilanti, bevor sie ihre Formeln wiederholte, kurz und kokett die Augen, so, als wolle sie demonstrieren, dass es eine tiefe Wahrheit in ihr drin gebe, auf die wir Zuschauer, Wähler, Beckmänner halt vertrauen sollten.

[...]

Nun, da der tiefe Plan an einer Frau zerschellte, die - verrückte Welt! - so zu handeln gedenkt, wie sie es zuvor angekündigt hat, stehen Beck und Ypsilanti mit ihrer angestrengten guten Laune da wie das politische Äquivalent zu Ed Wood, dem schlechtesten Regisseur der Filmgeschichte: Sie wollten zwar keine transsexuellen Vampire vom Mars ins Kabinett aufnehmen, aber ihr Versuch, zuvor umständlich exorzierte Kommunisten herbeizubeschwören, um die Zukunftspolitik von 1987 zu gestalten, und zwar ohne zuvor mal in der eigenen Fraktion durchzuzählen, kann nur noch als Kult durchgehen.

[FAZ.NET - Ed Wood regiert!]

Da gibt es nicht mehr viel zu sagen oder? Politik als Kult und endlich mal wieder amüsant, das gab es schon länger nicht mehr. Weiter so!

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10 Kommentare zu “Das Übliche”

  1. Buenavista
    8.03.2008 | 14:37

    Ich bin ja schon auf die Kommentare hier gespannt, wenn die FDP doch ampeln geht. Dann wird der Wortbruch bestimmt mit “zum Wohle des Landes” gerechtfertigt.

    Apropos Versprechen: Die SPD hat auch versprochen, den Koch davonzujagen.

    You can’t have the cake and eat it.

  2. 8.03.2008 | 14:46

    Ich bin ja schon auf die Kommentare hier gespannt, wenn die FDP doch ampeln geht. Dann wird der Wortbruch bestimmt mit “zum Wohle des Landes” gerechtfertigt.

    “Was die FDP macht, ist richtig” ist Grundprämisse in diesem Blog, die anzuerkennen auch von den Kommentatoren verlangt wird, also sieh Dich vor.

    You can’t have the cake and eat it.

    Absolut nicht mein Problem.

  3. Buenavista
    8.03.2008 | 14:57

    Ich bin ja der Meinung, der Westerwelle hätte damals Schröders Angebot annehmen sollen.

    Schröder hat nämlich einen Kurs gefahren, bei dem ihn die Merkel-CDU heute locker überholt.

    Links

  4. R.A.
    8.03.2008 | 15:20

    Der Scheer sah sich halt schon glorreich im Ministersessel und dreht jetzt etwas frei wg. Frust.
    Das braucht man nicht ernst zu nehmen.

    Er hat ja nicht einmal kapiert, daß Metzger auf der SPD-Landesliste überhaupt nicht abgesichert war, d.h. auch nicht von der großen Führerin profitieren konnte.

    Sie hat sich ihren Wahlkreis direkt erobert, und liegt mit 7% Zugewinn besser als Ypsilanti.

    Ypsilanti liegt dagegen klar vorne, wenn es um parteischädigendes Verhalten geht. Ihre Partei so amateurhaft voll in die Sch… zu fahren, das muß man erst einmal schaffen.

    Und oh Wunder - laut Struck im SpOn hat sie dies völlig gegen den Willen und Ratschlag ihres Vorsitzenden Beck gemacht.
    Schon eine witzige Wendung.

  5. 8.03.2008 | 15:43

    Er hat ja nicht einmal kapiert, daß Metzger auf der SPD-Landesliste überhaupt nicht abgesichert war, d.h. auch nicht von der großen Führerin profitieren konnte.

    Och, ich glaube, der geht einfach davon aus, daß Direktkandidatinnen nur als Doubles der Vorsitzenden fungieren. Seltsam, daß mir schon zum zweiten Mal der Begriff “Führerprinzip” dazu einfällt.

  6. 8.03.2008 | 16:40

    Es wird scheinbar Mode, dass abweichende Meinungen in der SPD gleich mit einem Parteiausschlussverfahren geahndet werden. Diese Partei mutiert zum Funktionärswahlverein. Wer eine eigene Meinung hat, wird als Ketzer verfolgt. Ein seltsames Verständnis von politischer Willensbildung, was da zutage tritt.

  7. 8.03.2008 | 16:49

    Man muß schon einräumen, daß es in diesem Fall um etwas mehr als nur die eigene Meinung geht. Es geht ja auch um Entscheidungen und Handlungen. Eine Meinung mit Konsequenzen also, und das ist schlimm.

  8. 8.03.2008 | 20:14

    Als Energieexperten fand ich Scheer überzeugender. Aber das ist langsam peinlich, was da einige schattenministrige Genossen sagen, weil sie ihre Ämter flöten gehen sehen.

    Dagmar Metzger hat den Wahlkreis direkt gegen Kultusministerin Karin Wolff gewonnen und das verdankt sie ihrem persönlichen Einsatz und Karin Wolffs fehlender Anwesenheit bei vielen Veranstaltungen sowie deren Schulreformen.

    Wolff hatte unter anderen G8 eingeführt und da gab und gibt es einfach zuviel Nachmittagsunterricht in den unteren Klassen. Weiterhin die sogenannte Unterrichtsgarantie plus eingeführt, da unterrichten - vom Schulamt registrierte und stundenweise bezahlte - Laien die Schüler (außer Oberstufe) wenn Unterricht ausfällt und kein Fach-Vertretungslehrer auf die Schnelle organisiert werden kann.

  9. 8.03.2008 | 21:05

    “Wiederkehr steht in den Sternen” schrieb ich oben. Sieht inzwischen schon wieder anders aus. Ich frage mich nur, warum das andere Yps so viel länger brauchte; war eigentlich wesentlich überzeugender, auch wenn die Urzeitkrebse ziemlich schnell eingegangen sind.

  10. 9.03.2008 | 14:48

    Denn auch ein Verzicht von Metzger auf ihr Mandat würde die Probleme Ypsilantis wohl nicht lösen. Denn nach einem Bericht der “Frankfurter Rundschau” denkt der Ersatzkandidat aus dem Darmstädter Wahlkreis ähnlich wie Metzger. Heißt: Der 31-Jährige hält nichts von einer Tolerierung durch die Linken. Auch er hege “erhebliche Zweifel”, ob eine Tolerierung durch die Linkspartei “sinnvoll” sei, sagte Aron Krist der “Frankfurter Rundschau”. Deswegen habe er wie Metzger erhebliche “Bauchschmerzen”, Ypsilanti zu wählen, sagte der Mediziner.

    Groucho Marx sagt: “Die beste Komödie der letzten elfzig Millionen Jahre. Elfzig Millionen Sterne dafür.”

    Hat die TITANIC vielleicht heimlich die SPD übernommen oder wie wurde der Laden über Nacht Deutschlands beste Spaßpartei?

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