8. März 2008
Notwendiger Strategiewechsel
Schon die wachsende Zahl Großer Koalitionen im Bund und in den Ländern war eine echte strategische Bedrohung für die Freien Demokraten. Nach der Bildung der Schwarz-Grünen Koalition in Hamburg ist aber nun völlig klar, dass das Bündnis mit der FDP für die Union nur eine Option unter vielen ist - und angesichts der schwindenden Möglichkeiten, ein reines Schwarz-Gelb zu bilden, wohl auch nicht mehr der “Normalfall” sein wird. GroKo oder Dreierbündnisse werden die Regierungen der Zukunft auf allen föderalen Ebenen sein, und da ist die bisherige Strategie, einseitig auf eine konservativ-liberale Regierungsbildung zu setzen, eine absolute Sackgasse für die Liberalen.
Endlich scheint das auch in der Zentrale unserer Partei angekommen zu sein - Guido Westerwelle verkündet nun einen Strategiewechsel, den in den letzten Tagen schon mehrere prominente Parteifreunde, darunter Philipp Rösler aus Niedersachsen, gefordert haben: Die Öffnung für Koalitionen jenseits der Union. Die Logik dahinter ist geradezu zwingend: In die Regierung wird die FDP auf Dauer nur noch gemeinsam mit den Grünen kommen können - und diese werden eine gegenseitige Annäherung sicher nur dann mitmachen, wenn man sich nicht einseitig auf “Jamaika” festlegt, sondern auch die klassische “Ampel” ins Repertoire der möglichen Koalitionen mit aufnimmt. Nur so lässt sich die Schraubzwinge zwischen Großer Koalition und “Volksfront” aufbrechen, in die die Republik derzeit hineintrudelt.
Also kommt nun der zweite Anlauf des “Projekts 18″, könnte man sagen - weg von der Rolle als Steigbügelhalter der Union, hin zu einer eigenständigen Strategie. Entscheidend dafür ist, dass die FDP auch von der Wahrnehmung als reine “Wirtschaftspartei” wegkommt, dass sie eigenständige Konzepte in der Sozialpolitik entwickelt und propagiert und sich wieder verstärkt ihren traditionellen Themenbereichen der bürgerlichen Freiheiten widmet. Ein Stück weit zurück nach Freiburg, diese Richtung ist nun gefragt, was sicher auch mit der wieder stärker an “linken” Themen beschäftigten Bevölkerung zu tun hat. Eine Partei, die Erfolg haben will, muss eben mit solchen Schwenks innerhalb der politischen Stimmung zumindest ein wenig mitgehen - eine Politik, die keiner haben will, lässt sich den Leuten eben nicht verkaufen.
Inwieweit allerdings diese neue Strategie mit Westerwelle zu verwirklichen sein wird, bleibt eine andere Frage. Denn der hat sich über viele Jahre hinweg so auf die Union festgelegt, dass allein seine Person schon ein Hinderungsgrund für die Zusammenarbeit mit Sozialdemokraten und Grünen sein wird. Spannende Entwicklungen stehen der FDP bevor…
Verfasst von Karsten um 17:24 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)