Spannung

Der erste Auftritt von Parteichef Kurt Beck nach einer zweiwöchigen Grippeerkrankung wird mit Spannung erwartet.

schreibt jemand in der FAZ (wahrscheinlich von ddp oder dpa ab).

Ich frag mich: Wer ist denn eigentlich gespannt?

SPD-Mitglieder?
Vielleicht. Wenn der Chef öffentlich spricht, erwartet man sicher zu 90% Geschwafel, rechnet aber zu 10% mit Hinweisen auf das, was tatsächlich im eigenen Laden Sache ist.

Die Presse?
Bestimmt. Das unpolitische Spielchen des Posten- und Wahlkampfgeschachers ist die leichte Kost, die auch ein minderbefähigter Journalist durchsteigen und verwursten kann. Er denkt dabei nur Fußball, stellt sich die Parteien als Mannschaften vor und die Wähler als Fans, vergisst, dass es auch inhaltliche Debatten geben könnte bzw. geben sollte - und der Rest ergibt sich von allein.

Ich?
Nein.

UPDATE:
Besonders albern treibt es die WELT. Bietet sie ihren Lesern doch tatsächlich einen “Beck-Ticker” an. Mit Zitaten aus der Rede des Großen Vorsitzenden, alle paar Minuten aktualisiert bzw. ergänzt. Da findet man dann wichtige, unbedingt minütlich der Welt kundzugebende Aussagen wie “Wenn ein Weg nicht geht, dann hat man das eben zu akzeptieren.” Oder: “Es ist nicht nur wichtig, dass man fest im Sattel sitzt, sondern das man das Pferd auch in die richtige Richtung lenkt. Sie können davon ausgehen, dass ich lenke.”
Toll. Neu. Spannend. Interessant.

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12 Kommentare zu “Spannung”

  1. Lina
    10.03.2008 | 14:36

    “Ich frag mich: Wer ist denn eigentlich gespannt?”

    Ich schon, lieber Boche, und wohne deshalb zeitgleich Becks Äusserungen zu Journalistenfragen (via Phoenix) bei.

    Aber es lohnt sich kaum. Auf dieser Pressekonferenz läuft “Becks Scheibe”, die immer wieder auf “Becks Bedauern” und “Becks Abgrenzung” (nach Links) und “Becks Bestätigung” (im Amt) zurückspringt; viel mehr ist nicht.

    Vom “nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen” war bei Beck die Rede, worauf ein Journalist ihn fragte: “Suchen Sie sich nun eine neue Wand oder einen neuen Kopf?” Er behalte seinen Kopf, sagte er. Ich fürchte, die SPD behält ihn - Beck, meine ich…

  2. 10.03.2008 | 14:48

    @Lina

    Aber es lohnt sich kaum.

    Ich will ja nicht besserwisserisch erscheinen, Lina. Aber war etwas anderes zu erwarten als dieses Geseier?

  3. Bertrand
    10.03.2008 | 14:55

    Interessant war es ja nun doch: Kurt Beck scheint sich nach seiner Krankheit an nichts mehr zu erinnern. Wie sonst ließe sich die folgende Aussage deuten: Das, was sie die Reise nach Links nennen, hat nie stattgefunden. [...] Wir spielen auf der Breite des Spielfeldes. Alles andere ist schlicht falsch beobachtet.

  4. 10.03.2008 | 14:57

    Von Gedächtnisschwund befallene Politiker sind doch aber auch bedauerliche Normalität, oder?

  5. R.A.
    10.03.2008 | 15:11

    Ich werde mir das jetzt nicht im Original antun.
    Aber es ist wohl zu vermuten, daß die versammelten Journalisten mit der üblichen Harmlosigkeit ans Werk gehen und Beck damit natürlich mit seinen Spruchblasen durchkommt.

  6. R.A.
    10.03.2008 | 16:24
  7. Fuchur
    10.03.2008 | 16:35

    Och, den Ticker haben sie alle gebracht (zumindest Spiegel und SZ auch). Man muss ja schließlich live dabei sein, bei diesem Mega-Event…

  8. AM
    10.03.2008 | 16:45

    Beck hat einen schwierigen Job. Die Sozialdemokraten wären bekloppt, ihn auch schon wieder abzusägen, denn sie haben keinen besseren. Die merken sowas aber gelegentlich erst, wenn sie den alten Vorsitzenden gemeuchelt haben.
    Beck jedenfalls hat sich heute demonstrativ hinter Frau Metzger und ihr Recht aufs Nein gestellt. Das war goldrichtig und einfach unangreifbar.

  9. Lina
    10.03.2008 | 18:35

    @ Boche

    “Aber war etwas anderes zu erwarten als dieses Geseier?”

    Eigentlich nicht, aber Neugier und Hoffnung sind bei mir überproportional stark ausgeprägt; um aber ganz ehrlich zu sein: ich hätte so gern einmal einen aufgerüttelten und zerknirschten Politiker (abgehen) gesehen…

  10. EU
    10.03.2008 | 20:04

    Becks Rede hat mich heute wieder davon überzeugt, dass die SPD aktuell nicht wählbar ist. Wie oft wurde in den letzten zwei Wochen alleine der Kurs gewechselt?

  11. stefanolix
    10.03.2008 | 21:51

    Kurt Beck sollte seine Nachfolge regeln, bevor es andere für ihn tun. Der Mann ist so unwählbar: dagegen war Scharping ja noch ein Star der deutschen Sozialdemokratie.

  12. R.A.
    11.03.2008 | 12:49

    Immer wieder nett zu lesen ist auch hier das Schandmännchen.

    Wobei Beck selber ja schon Satire genug ist:
    “Ich glaube nicht, dass man es eine Lüge nennen kann, wenn man eine feste Absicht hat und dann sieht, dass der Wähler anders entscheidet.”
    Das ist schon dreist.
    Dann waren also die Wahlkampf-Aussagen der SPD nur für den Fall gedacht, daß das Wahlergebnis ohnehin keine Zusammenarbeit mit den Linken möglich macht …

    Orakelmäßig zu deuten wäre:
    “Die hessische SPD wird nicht zweimal mit dem gleichen Kopf an die gleiche Wand rennen.”
    Wird nun der Kopf ausgewechselt (also Ypsilanti abgesetzt) oder die Wand?

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