10. März 2008
Zur Frage möglicher Koalitionen
In meinem letzten Artikel stellte ich die Behauptung auf, dass in absehbarer Zukunft wohl Dreierkoalitionen die politische Landschaft bestimmen werden. Dies wurde von einigen Kommentatoren bezweifelt - ein guter Grund, sich mal die Liste der aktuellen Sonntagsfragen daraufhin durchzusehen, in welchen Bundesländern welche Koalitionen rechnerisch möglich wären. In der folgenden Übersicht verwende ich diese Abkürzungen:
GK: Große Koalition - SGe: Schwarz-Gelb - SGr: Schwarz-Grün - RR: Rot-Rot - RGr: Rot-Grün - RRG: Rot-Rot-Grün - RGe: Rot-Gelb - RGG: Ampelkoalition - SGG: Jamaika-Koalition
- Baden-Württemberg: SGe
- Bayern: Union alleine
- Berlin: GK, RGG oder RRG (12% Sonstige - vermutlich die WASG und rechte Parteien - machen das Bild sehr kompliziert. Hier gibt es sogar ein Patt zwischen Jamaika und Rot-Rot, das durch die Sonstigen erzeugt werden könnte.)
- Brandenburg: GK oder RR
- Bremen: RGr
- Hamburg: SGr
- Hessen: GK, SGG, RGG oder RRG
- Mecklenburg-Vorpommern: GK oder RR
- Niedersachsen: SGe
- NRW: SGe
- Rheinland-Pfalz: RGe
- Saarland: GK, SGG, RGG oder RRG
- Sachsen: SGe
- Sachsen-Anhalt: GK oder RR
- Schleswig-Holstein: SGe
- Thüringen: GK oder RR
Nach dem augenblicklichen Stand der Umfragen und jüngsten Wahlergebnisse stellt sich das Bild also folgendermaßen dar:
In nur noch einem Bundesland - nämlich Bayern - gibt es eine absolute Mehrheit für eine einzelne Partei.
In sechs Bundesländern gibt es die Möglichkeit für eine der “natürlichen Koalitionen” Rot-Grün und Schwarz-Gelb, davon fünf Mal Schwarz-Gelb, einmal Rot-Grün.
In zwei weiteren Bundesländern gibt es Zweierkoalitionen unter umgekehrten Vorzeichen, nämlich Rot-Gelb und Schwarz-Grün.
Drei Bundesländer stehen vor der Wahl zwischen einer Großen Koalition und einem der diversen Dreierbündnisse.
In vier weiteren Ländern ist die Entscheidung “Große Koalition oder Rot-Rot”, wobei es in Brandenburg eigentlich heißen müsste “Große Koalition oder Rot-Schwarz”, weil hier die CDU nur auf dem dritten Platz liegt.
Und im Bund ist nach den letzten Umfragen die Palette der Möglichkeiten wie folgt:
Entweder weiter Große Koalition, oder Rot-Rot-Grün, oder Jamaika. Selbst eine klassische Ampelkoalition wäre hier chancenlos.
Verweigert sich die FDP also einer Annäherung an die SPD (die ich auch für eine Voraussetzung dafür halte, dass die Grünen über Jamaika-Koalitionen reden werden), werden im schlimmsten Fall sechs Länder und der Bund von Rot-Roten Koalitionen mit grünen Einsprenkelungen regiert werden. Es könnten aber auch bis zu sieben Große Koalitionen in den Ländern und eine im Bund entstehen.
Öffnet sich die FDP hingegen für Dreierkoalitionen, kann sie in bis zu neun (statt sechs) Bundesländern und dem Bund mitregieren, während die Linkspartei auf ein oder zwei Regierungsbeteiligungen im Osten reduziert würde.
Entscheidend ist hier auch, dass man der SPD neue Optionen für eine Regierungsbildung geben muss, die über Rot-Rot-Grün und die Beteiligung als Juniorpartner in einer Großen Koalition hinausgehen. Geschieht das nicht, dann wird sich die SPD über kurz oder lang auf das neue Projekt der Linken Mehrheit stürzen - das erscheint angesichts der Gefangenschaft in der Großen Koalition und den Aussagen aus der Mitte der SPD offensichtlich.
Neben der Reinen Lehre spielt auch Strategie in der Politik eine Rolle, und sie macht es manchmal nötig, auch inhaltlich Veränderungen einzuleiten, wenn man die Gesamtentwicklung des Landes beeinflussen will. Und um den Zug Richtung Linker Mehrheit aufzuhalten, scheinen mir gewisse Opfer auf Seiten der FDP nur sinnvoll zu sein.
Dass diese darüber hinaus meine eigenen inhaltlichen Vorstellungen treffen würden, ist da nur das Tüpfelchen auf dem “i” - ich will das aber gar nicht bestreiten. ![]()
Verfasst von Karsten um 14:27 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)