Ostermärsche mal wieder

Gerade im Radio gehört: “In diesem Jahr soll es bei den Ostermärschen vor allem um die Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan gehen”. In diesem Jahr?!? Geht es nicht seit einigen Jahren jedes Jahr um die gleichen Einsätze? Wäre es nicht sinnvoll, sich diesmal vielleicht den Auseinandersetzungen in Tibet zu widmen? Oder dem Bürgerkrieg in Niger und Mali? Oder dem Kampf der FARC und der ELN in Kolumbien, der fast zu einem großen Krieg in Südamerika geführt hätte? Möglicherweise dem Bürgerkrieg in Sri Lanka, wo die Regierung im Januar den Waffenstillstand gekündigt hat?

Würde man sich um diese Konflikte kümmern, hätten die Ostermärsche einen wirklichen Sinn. Sie würden nämlich die Aufmerksamkeit der Menschen auf vergessene Kriege lenken und darauf, dass wir vom weltweiten Frieden noch sehr weit entfernt sind. Man würde ein echtes Engagement für den Frieden zeigen.

So, wie die Ostermärsche sind, zeigen sie nur eines: Dass auch die sonst marginalisierten Kommunisten mit Antiamerikanismus immer noch viele Menschen auf die Straße bringen.

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22 Kommentare zu “Ostermärsche mal wieder”

  1. HStafo
    21.03.2008 | 13:54

    Mir kommt immer die Galle hoch, wenn ich diese fast schon triumphierenden Meldungen im Radio und Fernsehen höre. Dabei haben diese Leute nichts mit Frieden o.ä. zu tun. Im Gegenteil.

    Das Problem ist, daß
    - sie sich selbst wichtig nehmen,
    - die Medien das goutieren und
    - Ihnen immer noch, nach so vielen Jahren, kein Licht aufgeht, wie dumm sie eigentlich sind.

  2. Herbert
    21.03.2008 | 14:46

    “Wäre es nicht sinnvoll, sich diesmal vielleicht den Auseinandersetzungen in Tibet zu widmen? Oder dem Bürgerkrieg in Niger und Mali?”
    Warum denn das? Was würden Sie davon halten, wenn chinesische Demonstranten wegen der bewaffneten Unterdrückung der Serben im Nordkosovo auf die Straße gingen? Genau: Sie würden sagen, dass das nur organisierte Fußtruppen der KP wären, und das würde wahrscheinlich auch stimmen.

  3. DDH
    21.03.2008 | 18:42

    Ja, die Kriegsgegner leiden an selektiver Wahrnehmung. Das ist wahr. Und wie verhält es sich mit den wilsonianisch gestimmten Demokratie-exportierenden Interventionisten? Hä?

    Legen sich die Menschenrechtsimperialisten wegen Tibet mit China (oder auch nur wg “Myanmar”, dessen Schutzmacht China ist) an? Oder wegen Tschetschenien mit Rußland?

    Aufmerksamkeit ist eine knappe Ressource. In allen Meinungslagern. Prinzipientreue ist sogar noch knapper.

  4. Lina
    21.03.2008 | 20:37

    @ DDH

    “…wilsonianisch gestimmte Demokratie-exportierende Interventionisten?”

    Was sind das für Leute? Bitte um Aufklärung! Möchte eventuell dazugehören, oder ihnen etwas vorwerfen können ;-)

    (Ja, Karsten, “vergessenene Kriege”. Gibt es noch welche, die ich nicht kenne? Meine Aufmerksamkeit ist gross, mein Einfluss gering, und auf Ostermärschen habe ich garantiert noch nichts erreicht…)

  5. Buenavista
    21.03.2008 | 21:13

    Wieviel Prozent muss eigentlich die Ablehnung des Irakkriegs beim US-Volk erreichen, damit hier endlich mal das stupide Totschlagargument “Antiamerikanismus” in der Mottenkiste verschwindet.

  6. Lina
    21.03.2008 | 21:33

    @ Buenavista

    Interessantes Argument! Zuletzt gehört: 53 % der Amerikaner lehnen den eigenen Krieg ab. Die Gründe: sinnloser Einsatz, sinnloses Sterben, sinnlose Verschwendung von Dollars.

    Es wird also Zeit, ihnen auch mal “Antiamerikanismus” anzuhängen;-)…

  7. 21.03.2008 | 21:40

    Wieviel Prozent muss eigentlich die Ablehnung des Irakkriegs beim US-Volk erreichen, damit hier endlich mal das stupide Totschlagargument “Antiamerikanismus” in der Mottenkiste verschwindet.

    Die ist nicht relevant.

  8. GWB
    21.03.2008 | 21:54

    “Die ist nicht relevant.”
    Lol!

  9. Lina
    21.03.2008 | 22:15

    @ David

    “Die ist nicht relevant.”

    Die Mottenkiste oder die Ablehnung? Wahrscheinlich meinst Du Letzeres. Das Etikett “Antiamerikanismus” ist in Europa in unanständigen Gebrauch gekommen, denn bei weitem nicht jeder, der am Sinn des Irak-Feldzugs zweifelte, verstand sich zugleich als “Antiamerikaner”; er wurde per Etikett dazu gemacht.

    Nicht relevant? Warum nicht? Weil die Ablehnung der Amerikaner erst mit den Särgen kam? (Es ist nie zu spät…)

  10. 21.03.2008 | 22:18

    “Nicht relevant” deshalb, weil es im Artikel nicht um die Bewertung des Irakkrieges sondern um die der eigentümlichen Fixierung auf diesen geht. Ob das Etikett “Antiamerikanismus” die Sache trifft oder nicht, das ist wiederum eine weitere Frage. Entscheidend dafür ist aber keinesfalls, was die Amerikaner gerade über den Krieg denken.

  11. Buenavista
    21.03.2008 | 22:38

    Die “eigentümliche Fixierung” möchte vielleicht der Tatsache geschuldet sein, dass der Irakkrieg von einer westlichen Großmacht aus fadenscheinigen Gründen geführt wurde, wohl über 150000 zivile Opfer gekostet hat, je nach Interpretation mehrere Billionen Dollar kosten wird, einschneidende Konsequenzen auch für uns hat und wir - im Falle Aghanistan - direkt beteiligt sind.

    Da erklärt es sich vielleicht, dass das mehr Aufmerksamkeit findet als Bürgerkrieg in Sri Lanka oder Kolumbien, auf den unsere Proteste ohnehin keinen Einfluss haben.

    Die Folgen des Irakkriegs sind noch gar nicht abzusehen, und welche Konsequenzen auch noch ein Angriff auf den Iran hätte, möchte ich jetzt gar nicht erst erwähnen.

  12. 21.03.2008 | 22:46

    Gut, daß Du es einsiehst.

  13. Lina
    21.03.2008 | 23:00

    @ David

    Gut, danke! - So gesehen ist hier aber schon manches “nicht relevant” gewesen ;-)…

    Wenn wir uns vielleicht auf das deutsche “bezüglich” einigen könnten? Das grenzt die OT-Falle weniger scharf und schmerzhaft ab ;-).

    (btw: “Eigentümlichen Fixierung”? - Läuft seit fünf Jahren auf Hochtouren und praktisch ohne bedeutenden Forschritt; da fixiert man sich schon mal drauf.)

  14. 21.03.2008 | 23:08

    @Buenavista

    Gegen den amerikanischen Angriff auf den Irak zu protestieren, dürfte jetzt ein paar Jährchen zu spät kommen. Wenn wir heute von “Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan” reden, meinen wir schon noch etwas anderes.

  15. 21.03.2008 | 23:46

    @Buenavista:
    Ich bin ein Gegner des Irakkrieges. Eigentlich von Anfang an gewesen, was mir unter Bloggern, mit denen ich mich gut verstanden habe, nicht gerade nur Blumen eingebracht hat.

    Im Falle Afghanistan bin ich tatsächlich wohl anderer Meinung als Du - diesen Einsatz unterstütze ich nämlich, weil dort ein radikales Regime tatsächlich den Angriff auf einen mit uns verbündeten Staat unterstützt hat.

    Die Ostermärsche beobachte ich schon lange (bin sogar schon als Kind auf welchen gewesen). Und interessanterweise war der sowjetische Krieg gegen Afghanistan da nie Thema, schon aber amerikanische Einsätze wie etwa gegen Grenada. Das ist ein durchgehendes Muster, das ich hier kritisiere, und daher kommt meine Einschätzung des “Antiamerikanismus”.

    Generell bin ich übrigens eher Pazifist, und unterstütze das Anliegen, sich gegen Kriege einzusetzen, sehr. Insofern war mein Vorschlag, bei Ostermärschen auf “Vergessene Kriege” aufmerksam zu machen, durchaus ernst gemeint. In der Blogosphäre war ich bspw. sehr aktiv dabei, Aufmerksamkeit auf Darfur zu lenken.

  16. N. Neumann
    22.03.2008 | 4:28

    denn bei weitem nicht jeder, der am Sinn des Irak-Feldzugs zweifelte, verstand sich zugleich als “Antiamerikaner”; er wurde per Etikett dazu gemacht.

    Ich bin als Gegner des Irak-Feldzuges noch nirgends als Antiamerikaner bezeichnet worden. Wahrscheinlich liegt es vor allem daran, dass ich kein antiamerikaisches Ressentiment hege und dementsprechend auch nicht so rede.

    Dass hingegen die überwiegenden Mehrheit der Ostermarschierer, also (Ex-)K-Grüppler und gutmenschige Moralathleten, eines hat, ist sehr schwer zu bestreiten.

    Zuletzt gehört: 53 % der Amerikaner lehnen den eigenen Krieg ab. Die Gründe: sinnloser Einsatz, sinnloses Sterben, sinnlose Verschwendung von Dollars.

    Sofern es sich um dieselbe Umfrage handelt, von der wir hörten: Sie ergab gleichwohl keine Mehrheit für einen schnellen Abzug.

    Abgesehen davon belegt der Krieg im Irak auf der politischen Agenda der amerikanischen Bevölkerung keinen vorderen Platz mehr. Andere Themen haben eine höhere Konjunktur.

    Das die Ostermarschierer in ihrer überwiegeden

  17. 23.03.2008 | 10:53

    [...] Der Kollege da drüben hätte vielleicht mal etwas recherchieren sollen, bevor er schreibt. Auch ein vielleicht über Jahre gepflegtes und immer wieder bestätigtes Vorurteil bleibt ein Vorurteil. Der Ostermarsch in Stuttgart hatte sogar als Hauptfokus Tibet, viele andere Ostermärsche beschäftigten sich mit diesem Konflikt. [...]

  18. Milfweed
    23.03.2008 | 20:47

    Gegen den amerikanischen Angriff auf den Irak zu protestieren, dürfte jetzt ein paar Jährchen zu spät kommen. Wenn wir heute von “Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan” reden, meinen wir schon noch etwas anderes.

    Gegen den 2. Irakkrieg unter G. Bush wurde doch heftig in aller Welt vor dem Angriff protestiert?! 1 Million Menschen allein in Berlin.

    Interessantes Argument! Zuletzt gehört: 53 % der Amerikaner lehnen den eigenen Krieg ab. Die Gründe: sinnloser Einsatz, sinnloses Sterben, sinnlose Verschwendung von Dollars.

    Es wird also Zeit, ihnen auch mal “Antiamerikanismus” anzuhängen;-)…

    Finde ich auch ein interessanten Argument von Buenavista.

    Wobei ich “Gegen Irakkrieg” nicht mit Antiamerikanismus verbinden würde. Antiamerikanismus = Anti-US Amerikanismus = Anti USAmismus des 21. Jhd. = Antineokonservatismus = Antibush

    Letztendlich zielt der Hass nur auf eine, grob gesagt, Person ab und dessen Regierung, wenn auch demokratisch gewählt.

    Wobei ich Rayson in diesem Vorurteil Recht gebe, dass auf solchen Demos auch viele “Spinner” marschieren. ^^
    Letztens erst bei der Demo gegen die Vorratsdatenspeicherung. Da mussten liberale Menschen mit Menschen eng an eng demonstrieren, die “die Linke” Schilder hochhielten und die Demo in ein rotes Farbenmeer verwandelt haben. Die EX-Stasi demonstriert für Freiheit. Scheinheiliger geht es nicht. Bei den “Ostermärchen” sind genauso Spinner vorhanden, also hat Rayson richtig recherchiert (@ Freiburger Thesen).

  19. 23.03.2008 | 21:24

    @Milfweed

    Gegen den 2. Irakkrieg unter G. Bush wurde doch heftig in aller Welt vor dem Angriff protestiert?! 1 Million Menschen allein in Berlin.

    Ja und, was hat das mit dem Protest gegen die “Militärpräsenz im Irak und Afghanistan” heute zu tun?

    Wobei ich Rayson in diesem Vorurteil Recht gebe…

    Wenn schon, dann sind wir alle Boche, nicht Rayson.

  20. 23.03.2008 | 23:46

    @Milfweed:
    Rayson hat recht. Wenn schon, dann bin ich Boche. ;)

    Und zusammenfassend: Spinner gibt es auf jeder Demo. Meiner Erfahrung nach auf Ostermärschen besonders viele. Aber auch ein paar nette.

  21. FTT
    24.03.2008 | 10:13

    “dass der Irakkrieg von einer westlichen Großmacht aus fadenscheinigen Gründen geführt wurde”

    Das laesst sich im Nachhinein natuerlich leicht sagen. Fakt scheint aber zu sein, dass sich die “westlichen” Regierungen, wenn sie sich auch ueber sonst nichts einig waren, doch durch die Bank weg davon ueberzeugt waren, dass der Irak entweder ein aktives Atomwaffenprogramm oder vielleicht sogar Atomwaffen hatte.

    “Legen sich die Menschenrechtsimperialisten wegen Tibet mit China (oder auch nur wg “Myanmar”, dessen Schutzmacht China ist) an? Oder wegen Tschetschenien mit Rußland?”

    Ja, machen sie.

  22. 24.03.2008 | 18:29

    @DDH:

    Und wie verhält es sich mit den wilsonianisch gestimmten Demokratie-exportierenden Interventionisten?
    Legen sich die Menschenrechtsimperialisten wegen Tibet mit China (oder auch nur wg “Myanmar”, dessen Schutzmacht China ist) an?

    Dazu ist zu bemerken:

    There are some major military movements taking place in Asia right now, and it should come to no surprise to anyone that the US Navy is about to have more ships at sea in the Pacific than any other time in recent memory, including all 4 available Carrier Strike Groups. (Quelle)

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