Erschreckende Tierfreunde

Ich mag Tiere. Wir hatten bis vor kurzem einen Hund (der leider eingeschläfert werden musste, weil er sich nur noch mit Schmerzen in den Läufen quälte), und wir haben immer noch einen Papagei, der täglich unser Leben bereichert. Ich kann jeden Menschen gut verstehen, der seine Zeit damit verbringt, sich im Tierheim um herrenlose Tiere zu kümmern, und kann sogar verstehen, wie sehr unser Blognachbar balou seine Kühe gern hat. Aber wo sind die Grenzen der Tierliebe? Das genau festzulegen, würde ich mir nicht zutrauen. Sicher aber bin ich mir, dass sie hier überschritten sind.

Da ermittelt jetzt die Polizei gegen den Direktor des Berliner Zoos, weil er vier verwilderte Katzen getötet hat. Da drohen ihm Tierschutzfanatiker deswegen mit dem Tod. Das ist ziemlich verrückt. Über den Streit des Herrn Blaskiewitz mit der Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling kann ich mir keine Meinung bilden; immerhin geht es da um den Vorwurf des  Handels mit geschützten Tierarten und eine offenbar etwas undurchsichtige Bestandsverwaltung im Zoo. Beides ist sicherlich kritisierbar, wenn die Vorwürfe denn eine Grundlage haben sollten.

Eine Meinung hingegen habe ich zu den spinnerten Kommentatoren, die da den Welt-Artikel “bereichern”.

Der Dicke ist ein Mörder und heult sich nun bei der Polizei wegen ein paar E-Mails aus. Ein richtiger Held!

Da Fett bekanntlich schwimmt, kommt für Herrn Blasewitz leider die Aufgrund seiner Tat angemessene artgerechte Tötungsart (Ersäufen) nicht in Frage. Dumm hat eben Schwein.

Wenn nun den Herrn Zoodirektor auch jemanden stört, nervt oder einfach nur zu viel Sauerstoff dieser Erde verbraucht (nach seiner Körperfülle zu urteilen ist das seeeehr viel) - was dann? Muss man ihn dann auch töten?

Solche Kommentare zeigen doch, zu welchem Fanatismus manche Tierschützer (die aber offenbar gar nicht so viel begriffen haben, was die Natur angeht) mittlerweile neigen. Na toll. Mein Lieblingskommentar ist übrigens dieser hier, der auf einige Kommentatoren antwortet, die sich hinter den Direktor stellen:

Mal angenommen in der Klinik, Kinderbetreuung in der Sie waren (sic!), hätte ein Direktor im vorbei gehen erklärt Ihr Leben, Dasein (sic!) entspricht nicht der Einrichtung und Norm. Denn Rest können Sie sich zusammen reimen (sic!)! Mal nachdenken mit was für einer Arroganz Sie hier glänzen! Nur weil Sie die Gnade bzw. Glück (sic!) hatten als Mensch in Westeuropa und nach 1945 geboren zu sein.

Von der mangelhaften Beherrschung der Sprache abgesehen, frage ich mich doch, ob die Relativierung des Holocaust in Deutschland mittlerweile immer dann erlaubt und sogar mehrheitsfähig ist, wenn Tierschützer sie betreiben. Hitlers Opfer mit Stalins aufwiegen, das geht (zurecht!) überhaupt nicht - aber ein paar getötete Katzen mit dem Euthanasie-Programm der Nazis gleichsetzen, das ist vollkommen in Ordnung? Also, nee. Diese PETA-Spinner und ihre ganzen Nachahmer sind für mich das letzte.

Und ich denke, diese Meinung teilen vermutlich auch der Hühnermörder Boche und der Rindersklavenhalter balou. :)

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10 Kommentare zu “Erschreckende Tierfreunde”

  1. Spruance
    29.03.2008 | 13:24

    Das sind keine Tierfreunde, das sind ganz simpel Menschenfeinde!

  2. Ben Czerny
    29.03.2008 | 14:16

    Die Mehrzahl der Kommentare bei Welt Online könnte man sowieso als Beleg für die Überlegenheit des Modells repräsentativer Demokratie für Deutschland verstehen. ;)

    Welt Online hat mit weitem Abstand die übelsten Kommentatoren der mir bekannten deutschsprachigen Online-Zeitungen.

    Dagegen ist das heise-Forum ein liebenswürdig-trollender Kindergeburtstag.

  3. 29.03.2008 | 14:33

    Welt Online hat mit weitem Abstand die übelsten Kommentatoren der mir bekannten deutschsprachigen Online-Zeitungen.

    Oh weh. Nach meiner Erfahrungen sind ja schon die Kommentarbereiche von Onlinezeitungen generell ziemlich - naja - substandard… Schlimmer ist vielleicht nur noch der von YouTube.

  4. Milfweed
    30.03.2008 | 12:44

    Peta sucks

    sehr polemische Seite, aber durchaus interessante Fakten ;)

  5. 31.03.2008 | 10:33

    Wenn Du mich schon direkt erwähnst, sollte ich auch ein paar Zeilen schreibe - volle Übereinstimmung, als ehemaliger Fleischrinderzüchter hat man schon manchmal seine Probleme mit den Töten, dem Schlachten, “wenn ich sie schon esse, dann sollen sie zumindest bis zu diesem Zeitpunkt ein artgerechtes Leben führen können” Mir wäre es lieber gewesen ich hätte darauf verzichten können. Es gibt aber Umstände, bei mir war es die BSE Krise die die Preise auch für Zuchtvieh in den Keller schickte, da geht es nicht anders.

    “Man gut von ihnen leben und das Leben mit ihnen ist lebenswert”

    Kollegen aus Frankreich über ihre (und meine) Fleischrinder. Ist manchmal schwer, beides unter einen Hut zu bringen, Tiere mögen, sie respektieren, sie zu schlachten und zu essen, aber es geht. Es stellt sich nur die Frage, für mich nicht, inwieweit Agrarindustrie damit vereinbar ist.

  6. 31.03.2008 | 11:48

    Ich habe Dich ja extra nicht als Rindermörder, sondern als Rindersklavenhalter aufgeführt. Ich wusste ja nicht, ob Du auch schlachtest, sondern nur, dass Du Milchvieh hältst. :)

    Dass ich Dich direkt erwähnt habe, lag auch daran, dass ich einen Unterschied zwischen denjenigen aufzeigen wollte, die lediglich die Bedingungen der modernen Tierhaltung kritisieren (und dabei meist sachlich bleiben), und jenen, die wie viele PETA-Leute wenig von Natur verstehen, diese dafür aber umso fanatischer verteidigen wollen (und dabei gelegentlich die Grenze zum Terrorismus überschreiten, wie in diesem Falle). Immerhin werden beide Gruppen auch oft genug in einen Topf geworfen…

    Ich habe ja nebenbei gesagt auch diese vielleicht etwas seltsame Ansicht, dass jemand, der Fleisch isst, auch bereit sein muss, Tiere zu töten. Wer das Letztere moralisch nicht kann, der sollte sich auch fragen, ob für seine Moral Ersteres erlaubt sein sollte. Ich persönlich habe mit acht Jahren mal ein Schwein per Bolzenschuss getötet. Beim Ausnehmen wurde mir dann zwar sehr, sehr schlecht, aber dass das Schlachten und das Fleischessen untrennbar zusammen gehören, hatte mir der Tiroler Bergbauer vorher eindeutig erklärt.

  7. 4.04.2008 | 22:16

    “Wenn Du in einer Situation wärst, in der Dein geliebtes Haustier (Hund, Katze z.B.) gerade ertrinkt und ein Stück weiter ertrinkt gerade ein fremder Mensch, wen würdest Du zuerst retten?”
    Dennis Prager befragt eine Klasse Fünftklässler:
    Ab 25:44 (mm:ss)
    http://boss.streamos.com/download/Townhall/audio/mp3/9ab0e638-a88a-4004-840c-ea563cba469e.mp3?siteid=PodCast (MP3)

  8. der gute don
    7.04.2008 | 0:36

    Der Klassiker: http://antivegan.de/

  9. 7.04.2008 | 1:16

    Habe mal von einem Restaurant gehört, das Steak anbot, mit Würstchen und Speck als Beilage. Wenn ich mich recht entsinne, unter dem Namen “Holzfällerfrühstück”. Muß mal rausfinden, wo das ist.

  10. 7.04.2008 | 12:22

    In Argentinien soll Steak zum Frühstück Standard sein…

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