Die perfekte Ausrede

Für eine Ausrede ist der Klimawandel immer gut. Die Philippinen leiden unter Lebensmittelknappheit, also sucht man sich einen Sündenbock der sich garantiert nicht wehren kann:

Senator Miguel Zubiri noted that climate change is a possible factor on low food production. While Senator Loren Legarda stated that without climate change Philippines can have higher agricultural production.

But available data from PAG-ASA show that the country’s recorded normal rainfall last year giving a very favorable condition for agricultural production. Also, few typhoons visited the country on the same year as compared to 2005 and 2006.

Tatsächlich scheint das Problem ganz irdische Ursachen zu haben:

Clemente Bautista, National Coordinator of KALIKASAN People’s Network believed that the government is using the climate change as escape goat on the real causes of rice shortage.

He lamented the current policies and program of the government to combat climate change which will further threaten our food security. He stated that Biofuels Act of 2007 introduced the commercialization of biofuel production. This will aggrevate problems on food security and landlessness. Biofuel act of 2007 will further strengthen the convertion of agricultural land to commercial use.

Im Unterschied zum Fußballrasen, auf dem man sich nur unter lauten Schmährufen derartig mit einem Eigentor ins eigene Fleisch schneiden kann, fehlt diese Transparenz in der Realpolitik. So wird der Klimawandel wohl in Zukunft noch häufiger für so manchen politischen Nonsens am Pranger stehen.

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3 Kommentare zu “Die perfekte Ausrede”

  1. 6.04.2008 | 16:53

    Natürlich wird der Klimawandel auch benutzt um von Fehlentwicklungen abzulenken. Ich bin mir durchaus im Klaren, dass es Dir lediglich um das kleine Zitat zum Klimawandel geht, das ist aber nicht der Kern der Sache. Der Kern der Sache ist die, auf der verlinkten Site thematisierte, Fehlentwicklung in der philippinischen Landwirtschaft und die ist doch viel interessanter als der hilflose Versuch einer Regierung (und Wirtschaft) von ihrer Unfähigkeit abzulenken.

    Was passiert auf den Philippinen (oder in Malaysia, Indonesien, Brasilien, Kolumbien, teilweise auch in Indien und im südlichen Afrika)? Es erfolgt eine Anpassung der Agrarproduktion entsprechend der sich veränderten Preisstruktur auf dem Weltmarkt. Es werden halt Energiepflanzen angebaut und keine Lebensmittel, warum? Ganz einfach weil die Erlöse und Gewinne höher sind. Nennt man auch wirtschaftlich rationales Handeln. Gibt ein paar häßliche Kollateralschäden, aber die haben die Wirtschaftsliberalen wohl noch nie so interessiert, vielleicht irre ich mich auch.

    Willst Du dem Agrarindustriellen jetzt vorschreiben was er produzieren darf? Ich mein, ich würd ihn enteignen und das Land an Kleinbauern und Landlose verteilen aber das steht hier nicht zur Debatte. Mich würde schon interessieren wie Du zum Thema Agrosprit stehst, um nichts anderes geht es nämlich. Unter welchen Umständen wärst Du bereit das Gesöff einzusetzen, eher hoch subventioniert produziert wie bei uns und in den USA oder unter subventionsfreien, marktwirtschaftlichen Bedingungen produziert wie auf den Philippinen und in Brasilien oder einfach verbieten?

  2. 6.04.2008 | 21:10

    Ich habe nichts gegen die Bioenergieproduktion an sich, denn es ist prinzipiell egal, ob die Bauern ihr Geld mit Bioenergie oder mit Lebensmitteln verdienen. Mein Problem sind die Subventionen, die aus einem unwirtschaftlichen Energieträger, der nahezu nicht zur Reduktion der Treibhausgasemissionen beiträgt, eine unnütze Belastung armer Menschen macht, die nicht zufällig ihr Geld mit diesen Energieträgern verdienen. Zudem ist nicht einzusehen, warum wir Europäer den Wahnsinn auch noch in Form höherer Spritpreise zahlen sollen.

  3. 7.04.2008 | 12:35

    Ich seh das Problem mit den Subventionen durchaus, die Auswirkungen auf die (globale) Umwelt sehe ich außerdem bedeutend pessimistischer. Auch im Punkt auf die Auswirkungen auf die Nahrungsmittel sind wir prinzipiell eher einer Meinung. Die eigentliche Frage ist doch folgende:
    Wird durch die Abschaffung der Subventionen bei uns (damit meine ich alle Industrialisierten Nationen) das Angebot an Nahrungsmittel für die Hungerleider dieser Welt reduziert?

    Da bestehen doch berechtigte Zweifel, zwar würde der Wegfall der Subventionen bei uns zu einer geringeren Produktion führen, wie stark dieser Rückgang sein würde, hängt zum einen von den Konkurrenz Energieträgern ab, zum anderen von der Nettoenergieausbeute bei Agrosprit.

    Am konkurrenzfähigsten wären wiederum die günstigen Standorte, mit entsprechendem Effekt auf die Nahrungsmittelproduktion, zumal unter der Annahme, dass wir insgesamt die Subventionen reduzieren (müssen), marginale Standorte endgültig aus der Produktion ausscheiden oder in Richtung auf eine Hutewirtschaft extensiviert werden, wenn überhaupt noch eine Bewirtschaftung stattfindet.

    Global betrachtet dürften die Preise für Agrosprit nicht unerheblich zulegen was dann in Ländern wie Brasilien, Philippinen etc. wiederum zu einer Reduzierung der Nahrungsmittelproduktion führt.

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