Die rot-grünen Jahre

So lautet das erste Buch, das der ehemalige Außenminister und halboffizielle Obergrüne Joschka Fischer über die Regierungszeit dieses “Projekts der 68er” (nicht meine Formulierung, sondern die Fischers!) geschrieben hat. Es war auch für mich eine Premiere, nämlich mein erstes “gehörtes Buch”. Wenige Stunden lang verfolgte mich im Precoriat der tiefe und leicht krächzende Singsang dieses “letzten Rock’n'Rollers” der deutschen Politik. Ein Hörbuch-Talent ist Fischer wirklich nicht. Die zurückgenommene, strenge Form passt nicht zu ihm, und er verfügt natürlich auch nicht über das Talent eines Hape Kerkeling, der dennoch durch geschickte Nuancierungen seiner Stimme und seines Sprechrhythmus “Ich bin dann mal weg” zu einem echten Hörbuch-Erlebnis macht, wovon ich mich auf meinen langen Autofahrten in den Norden und zurück überzeugen konnte. Aber immerhin: Der Bass ist authentisch, und selbstverständlich will man Fischer von niemandem anders hören als von Fischer selbst.

Ich habe aus der “Lektüre” viel erfahren über den Politiker Fischer, und dazu noch einiges über die Politik der Jahre, die er beschreibt. Dass der Mensch Fischer fast ganz hinter den Politiker zurücktritt, ist fast typisch. In seinem eigenen Buch zeichnet sich Fischer innen- und parteipolitisch vor allem als pragmatischer Stratege und Taktiker, für den Überzeugungen erst nach den Möglichkeiten kommen, sie in politisches Handeln umzusetzen. Nur außenpolitisch scheint hin und wieder grundsätzliche Motivation durch, und es beeindruckt schon, wie konsequent er versucht hat, diese auch umzusetzen. Nach diesem Buch kann ich Fischer eigentlich nicht mehr als “echten” Linken bezeichnen. Er war ganz sicher mal einer, aber was ihn mir so sympathisch macht, ist seine Bereitschaft, Grundüberzeugungen an Realitäten zu überprüfen, und die auf eine Konflikt zwischen beiden folgende Konsequenz, Handeln mehr an den Realitäten und weniger an den Überzeugungen festzumachen, ja sogar diese auch zu revidieren, wenn sie sich nicht mehr widerspruchsfrei aufrechterhalten lassen. Das betrifft nicht nur den Wandel in seiner Einstellung zur Bundesrepublik Deutschland, den er nach seiner Zeit in der Frankfurter Szene durchmachte, sondern auch parallel die Einstellung zum Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern, in der das sein “Nie wieder Auschwitz”, das er auch zur Begründung des deutschen Engagements im Kosovo-Krieg anführte, von einer einseitigen Parteinahme für die Palästinenser sich zu einer Betonung der historischen Verantwortung Deutschlands wandelte, vor allem für das Überleben des Staates Israel einzutreten. Es ist schwer, so einen wie Fischer in Schubladen einzuordnen, und es ist auch überflüssig. Als Liberaler würde man, jedenfalls meiner Meinung nach, mit so jemandem jederzeit ohne Probleme können.

Nebenbei räumt Fischer noch mit einigen Mythen auf, z.B. indem er durch die Wiedergabe eines Gespräches mit Milosevic die Verantwortung für die Entstehung des Kosovo-Krieges klarstellt (ohne allerdings die Komplexität des Konfliktes selbst zu reduzieren - die Kosovaren sind auch bei Fischer keine Waisenknaben), und indem er (übrigens konsistent zu anderen Quellen) andeutet, wie sehr und für alle anderen überraschend der Irak auf der außenpolitischen Agenda der Regierung Bush bereits seit Amtsantritt eine dominierende Rolle einnahm (und dass - für wie dämlich soll man eine US-Regierung auch halten - natürlich das Thema “Öl” dabei eine Rolle spielte).

Ich möchte hiermit dieses Buch allen empfehlen, die politisch interessiert sind, sich für die jüngste deutsche Geschichte interessieren und die Überlegungen eines Politikers kennenlernen möchten, der diese maßgeblich mitgestaltet hat, und zwar nicht nur als Regierungspolitiker, sondern auch in der Ausrichtung einer der heute maßgeblichen deutschen Parteien. Für alle, die in der heutigen Politik den O-Ton Fischers vermissen (”Schreiben Sie, Fischer ist schuld…”), ist das Hörbuch eine gute Wahl.

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30 Kommentare zu “Die rot-grünen Jahre”

  1. Lina
    7.04.2008 | 19:18

    (Kann man es denn auch - lesen?

    Ich teile Dein Urteil über Fischer - mehr wollte ich eigentlich gar nicht sagen. Grosser Politiker - unverbrauchter Mensch! Ein Wunder?

  2. 7.04.2008 | 19:28

    Bestimmt kann man es auch lesen - nur auf dem Crosstrainer ist das schwierig ;-), aber bevor ich mir da irgendwelche Gerichtsshows anschaue…

    Aber “unverbrauchter Mensch”? Über den Menschen Fischer habe ich in dem Buch so gut wie nichts erfahren. Ich ahne aber, dass er kein einfacher ist. Ohne jetzt zu spießerisch rüberkommen zu wollen, aber allein aus meinem persönlichen Empfinden für meine Liebste heraus, das mittlerweile während 10 Jahren in seiner Intensität eher noch zugenommen hat, vermute ich bei jemandem, der so häufig seine Partner wechselt, ein großes Unruhe- und Unzufriedensheitspotenzial. Da tut er mir also eher leid, obwohl ich nicht ausschließen kann, dass er selbst dabei gar kein Leid empfindet. Vielleicht ist das auch der Preis der Macht.

  3. 7.04.2008 | 19:37

    Ich mag den ehemals-regierenden rot-grünen Egomanen eigentlich kein Geld hinterherwerfen.

  4. 7.04.2008 | 19:45

    Mir geht es ähnlich. Ich mag ehrgeizige und überhebliche Menschen ganz gerne, wenn deren Selbsteinschätzung nicht ganz unbegründet ist. Fischer war und ist sicher der klügste Mensch in den vorderen Reihen seiner Partei. (und ich glaube nicht, dass er heute noch Grüne wählt. Alleine schon, weil er den anderen den Erfolg nicht gönnt.) Die “ich weiß es besser als ihr” -Attüde sorgt auch dafür, dass im Einzelfall (z.B.Kosovo, hier bin ich übrigens nicht sicher, ob Schröder mit dem Krieg nicht eine große Koalition erzwingen wollte) Überzeugungen vor Opportunismus gehen.

    Allerdings fühle ich mich einige seiner Attacken gegen die Bürgerlichkeit, die er - aus eigener Überzeugung oder nicht - zum Gefallen der Linken ausführte, extrem angewidert.

  5. Lina
    7.04.2008 | 20:00

    Der Privatmensch Fischer ist es nicht, den ich gemeint habe. Als Politiker emotional bewegter Mensch bleiben und nicht Maschine werden, halte ich für ein Ereignis.

    Wie er es zu Hause hält bzw. aushält oder nicht aushält, ist eine Frage, die ich mir aus gutem Grund nicht stelle: auch mein mit Politik beschäftigter Vater hat viermal geheiratet. Muss doch irgendwie an männlichem Unruhepotential gelegen haben, dass es so vielfach zu weiblicher Unzufriedenheit gekommen ist ;-)…

  6. 7.04.2008 | 20:03

    @Lina: Man kann es sogar sehr gut lesen. Eines der besten Bücher in meinem Schrank.

  7. Lina
    7.04.2008 | 20:10

    @ califax

    Danke, dann kommt es auch in meinen ;-D.

  8. 7.04.2008 | 20:18

    @Lina

    Ich bin mir nach “Lektüre” des Buches wirklich nicht sicher, wo und wie Fischer emotional bewegt war oder ist. Ich meine, die Emotio ab und an durchscheinen zu sehen, aber insgesamt kommt mir der Mann als sehr rational rüber. Was ihm bei mir Pluspunkte einheimst. Interessant das mit deinem Vater - da wüsste ich wirklich gern mehr… ;-)

  9. 7.04.2008 | 20:19

    @Dirk

    Um das klarzustellen: Ich würde Fischer nie folgen wollen, aber als Partner fände ich ihn großartig.

  10. Lina
    7.04.2008 | 20:44

    (Wieso, Rayson? Willst Du auch in die Politik? Dann sag’ Deiner Liebsten besser vorher Bescheid…)

    Mein Eindruck kommt wahrscheinlich aus einer Doppelung: ich habe Fischer nämlich via TV über sein Buch reden hören und sehen - und ja, mit rationaler Distanz zu den Ereignissen, aber hoher Emotionalität, als er zum Beispiel auf das Kosovo zu sprechen kam, und nicht nur dann.

    Die gut dosierten Anteile an Ratio und Emotio macht’s wohl - IMHO, und da kann er von mir aus ruhig den Egomanen herauskehren; (bin ja nicht mit ihm verheiratet :-D…)

  11. 8.04.2008 | 10:49

    @Rayson

    Du meinst sicherlich als Arbeitspartner - nicht? (-: Ich glaube auch Fischer fände einen vernünftigen Partner ebenfalls recht gut, damit man immer auf den Koalitionspartner verweisen kann und die mit weniger Verstand gesegneten in seiner Partei keine Chance haben.

  12. Florian
    8.04.2008 | 10:49

    Kleine Anmerkung:
    Es ist ja deutsche Mehrheitsmeinung, dass es den Amerikanern im Irak “nur ums Öl” geht.
    Ich würde vermuten, dass es in diesem Blog hier differenziertere Meinungen gibt und finde daher eine eher unpräzise Aussage wie “das Thema “Öl” dabei eine Rolle spielte” schade.

    Um hier etwas Präzision in die Debatte zu bringen:
    Welche Rolle genau spielt denn das Öl in Bushs Überlegungen?

    (a) Immer wieder hört man so Gemunkel, Bush habe seinen texanischen Ölmillionären einen Gefallen tun wollen. Nur: In wie weit kann es im Interesse texanischer Ölquellen-Besitzer sein, wenn durch die Öffnung des Irak das Weltangbot an Öl zunimmt?

    (b) Dann gibt es so eine krypto-imperialistische Denkweise, nach der die USA sich das irakische Öl “unter den Nagel reißen” wollten. Nur: Das irakische Öl gehört dem Irak. Es wurde von den USA auch nicht irgendwie gestohlen. Die USA erzielen keine Einnahmen aus irakischem Öl.

    (c) Dann gibt es noch die Theorie, amerikanische Ölkonzerne würden von der Ausbeutung der irakischen Ölreserven profitieren. Das ist sicher richtig. Nur: Dem stehen natürlich auch notwendige Investitionen gegenüber. Insgesamt ist auf jeden Fall nicht klar, warum eine amerikanische Ölfirma durch eine Investition im Irak wesentlich mehr verdienen sollte als durch eine Investition - sagen wir mal - in Nigeria oder in Saudi-Arabien. Und schon gar nicht ist klar, warum solche (sicher nicht wahnsinnig hohen) wirtschaftlichen Vorteile einiger Ölfirmen in der Kalkulation der Bush-Regierung so viel stärker gewichtet sein sollten als die zig Milliarden Kriegs-Kosten.

  13. R.A.
    8.04.2008 | 11:17

    Fischers Politik war immer zu 95% Show und Inszenierung und höchstens bei den restlichen 5% war auch mal Inhalt dabei.
    Ich habe wenig Lust jetzt von ihm erzählt zu bekommen, was er angeblich alles gewollt hat - er hat keinerlei Erfolge vorzuweisen.

    Und wenn er dann noch behauptet, für ihn (und damit angeblich für alle anderen) wäre die Agenda Bushs überraschend gewesen, dann ist das armselig.
    Ein bißchen besser informiert sollte man als deutscher Außenminister schon sein - ist doch nicht so, daß Bush vor seiner Wahl ein Geheimnis aus seinen Überzeugungen gemacht hätte und das Thema wurde bei den US-Außenpolitik-Experten intensiv diskutiert.

  14. 8.04.2008 | 12:18

    @Florian:
    Was Du schreibst, ist sicher nicht falsch. Aber strategisch gesehen, hat die Besetzung des Irak eben doch etwas mit dem Öl zu tun. Bei weiterer Verknappung der Ressourcen werden die USA, wie auch der gesamte Westen, immer mehr in Abhängigkeit von den Regierungen gelangen, unter deren Kontrolle noch Öl gefördert wird. Je mehr dieser Regierung ihrerseits wiederum abhängig von den USA sind, desto besser.

    Wie man mit Ressourcen Druck und Politik machen kann, demonstriert Herr Putin ja derzeit sehr anschaulich.

  15. 8.04.2008 | 13:49

    @Florian

    Man kann das natürlich für einen riesigen Zufall halten, dass ausgerechnet ein Land besetzt wurde, dem hohe Ölreserven zugerechnet werden. Und annehmen, dass der Griff eines der öldurstigsten Staaten der Welt danach allein vom hehren Gedanken getrieben wurde, den Irakern die Freiheit zu schenken.

    Ich allerdings würde jemandem, der mir sowas erzählen wollte, den Versuch einer Beleidigung meiner Intelligenz unterstellen (und der der amerikanischen Führung).

    Die USA sind mindestens daran interessiert, dass das irakische Öl voll und ganz dem Weltmarkt zur Verfügung steht (das war z.B. während des Sanktionsregimes nicht der Fall). Eine gewisse Abhängigkeit des neuen Staates von den USA kann zudem bei zukünftigen, auch politisch motivierten Konflikten über das weltweite Ölangebot, nicht schaden. Und den anderen Ölproduzenten, die sich mehrheitlich ja auch nicht gerade durch demokratische und freiheitsliebende Regierungen auszeichnen, gezeigt zu haben, was auch ihnen mal blühen könnte, wenn sie dem großen amerikanischen Bruder die Gefolgschaft aufkündigen, bringt einen zusätzlichen Nutzen.

    Es gab wohl insgesamt einige Motive, mit diesem Krieg anzufangen, aber es ist ausgeschlossen, dass Öl keins davon war.

  16. 8.04.2008 | 13:50

    @R.A.

    Ich habe es noch nie für eine gute Idee gehalten, sich mit bewusster Ignoranz zu brüsten…

  17. Herbert
    8.04.2008 | 14:26

    Ich kann Fischer nicht ausstehen. Wenn ich nur daran denke, wie er sich hingestellt und sein “I’m not convinced” inszeniert hat, wird mir übel. Es ist so gefallsüchtig, stellvertretend für den deutschen Michel die Amerikaner belehren zu wollen. Es ist so pathetisch, sich da auf Zweifel an den Massenvernichtungswaffen herauszureden, wo es um Größeres geht. Der Mann weiß doch genau, dass es nie um das geht, wovon in Fensterreden gesprochen wird. Im Kosovo-Konflikt hat er ja auch die Kosovaren als Waisenknaben hingestellt, die man vor einem neuen Holocaust retten muss. Jetzt erklärt er uns altklug, dass die Kosovaren keine Waisenknaben sind, und kassiert wieder Lob vom gemeinen Volk.
    Seine Kolumne in der Zeit stückelt er sich übrigens aus Journalistenkommentaren zusammen, deren Autoren ihn dann natürlich für die Tiefe seiner Einsichten über den grünen Klee loben. So funktionierte das System Fischer schon immer. So ein System lässt sich in jeder Partei aufziehen, nur auf dem aufsteigenden Ast muss sie dafür sein.

  18. 8.04.2008 | 14:58

    @Herbert

    Ich kann Fischer nicht ausstehen

    Damit das so bleibt, solltest du die Lektüre des Buches besser vermeiden. Es urteilt sich aus der freien Hand auch immer viel entspannter. Aber hab Nachsicht mit dem “gemeinen Volk”, dessen Neugier größer ist als die Sehnsucht nach Feindbildern.

  19. FG
    8.04.2008 | 15:03

    @Herbert

    “Es ist so pathetisch, sich da auf Zweifel an den Massenvernichtungswaffen herauszureden, wo es um Größeres geht. Der Mann weiß doch genau, dass es nie um das geht, wovon in Fensterreden gesprochen wird.”

    Das heisst, wenn das nächste mal ein US-Außenminister vor dem UN-Sicherheitsrat eine Multimediageschichte abzieht und damit um die Zustimmung zu einem Krieg wirbt, kann ich mir gleich dazu denken: “der meint das gar nicht so, der will nur spielen.“?

  20. Herbert
    8.04.2008 | 15:16

    @ FG
    Einem wie Fischer geht es nie darum, ob die vorgegebenen Gründe stimmen, sondern ganz allein darum, ob er mit einem vollen Sieg rechnen kann. Im Kosovo konnte er das, obwohl die Gründe (und das Ergebnis) nicht gestimmt haben, im Irak hatte er Zweifel. Ein Fischer redet immer von ganz anderen Fragen, als das Publikum denkt. Seine Maßstäbe und Skrupel haben sich nicht verbessert, seitdem er Mollies auf Polizisten geworfen hat, nur seine Möglichkeiten und sein Realitätssinn.

  21. Lina
    8.04.2008 | 16:00

    @ Herbert

    “Ein Fischer redet immer von ganz anderen Fragen, als das Publikum denkt.”

    Was für ein Argument! Könnte es nicht sein, dass er einfach tiefer in die Materie eindringt, als ihm sein Publikum im Einzelfall (hinein und dahinter) folgen will oder kann? Er hat in der in der Aussenpolitik den Zweifel wieder salonfähig gemacht und das allein ist viel, finde ich. Sein “I’m not convinced” habe ich jedenfalls lieber gehört als (amerikanische) Lügengeschichten.

    Aber wie hier schon einmal gesagt: Feindbilder sollen dem Besitzer bleiben, vor allem solche, die sich aus Attitüden statt aus Argumenten speisen.

  22. Herbert
    8.04.2008 | 16:22

    @ Lina
    Was für ein Irrtum! Es geht bei Fischer nicht um das Eindringen in irgendeine Materie, sondern um das Ausüben von Macht. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge. Lesen Sie z.B. mal hier nach:
    http://www.zeit.de/2005/31/Schulz
    Aber natürlich ist es höchst nützlich, wenn das Publikum denkt, einer wie Fischer durchdringe eine zweite Materie außer dem Einsatz von Ellenbogen besonders tief.

  23. Lina
    8.04.2008 | 17:05

    @ Herbert

    Danke für die Anregung, über den Grünen Schulz nachzulesen. In meinen Augen ein respektabler Mann.

    Was ist Politik ohne Macht und deren Ausübung? Keine, oder? Und was haben Parteiinterna, mögen sie noch so abstossend sein, mit der Aussenpolitik einer Regierungskoalition zu tun?

    Auch das sind “zwei völlig verschiedene Dinge”.

  24. Herbert
    8.04.2008 | 17:17

    @ Lina
    Ich verrate Dir was: ich bin gar nicht besonders gegen Fischer, sondern spiele nur manchmal gerne den Advocatus Diaboli. Ich finde seine Aussenpolitik eigentlich ganz vernünftig und rechne es ihm hoch an, dass er Abenteuer machtbewusst abgelehnt hat, die ihm nicht vorteilhaft erschienen.

  25. R.A.
    8.04.2008 | 17:49

    > Aber strategisch
    > gesehen, hat die
    > Besetzung des Irak
    > eben doch etwas mit
    > dem Öl zu tun.
    Nur indirekt.
    Die USA beziehen fast kein Öl aus dem Irak bzw. überhaupt aus der Golfregion - wenn es um die Ölversorgung geht, ist das eher ein Problem für Europa oder Japan.

    Das Problem war aber, daß Saddam über die Öleinnahmen erhebliche Ressourcen für die Finanzierung seiner Rüstungsprogramme verfügte.

    Und diese Programme umfaßten eben nicht nur die “übliche” Rüstung wie in anderen Ölstaaten, sondern eben auch ABC-Waffen aller Art.

    Und Saddam hatte mehrfach demonstriert, daß ihm diese Rüstung nicht als Selbstzweck reichte, sondern daß er diese auch einsetzen will.

    Durchgeknallte Diktatoren gibt es ja einige, und das erträgt die Welt halt, solange die nur intern die Leute quälen.

    Aber ein Psychopath wie Saddam PLUS die Milliardenressourcen, das war einfach zu viel.

  26. R.A.
    8.04.2008 | 17:50

    @Rayson:
    > Ich habe es noch
    > nie für eine gute
    > Idee gehalten, sich
    > mit bewusster
    > Ignoranz zu brüsten…
    Was meinst Du damit?

  27. 8.04.2008 | 18:21

    @Herbert, Lina

    Was ist Politik ohne Macht und deren Ausübung?

    Dazu hatte ich im Beitrag schon etwas geschrieben:

    In seinem eigenen Buch zeichnet sich Fischer innen- und parteipolitisch vor allem als pragmatischer Stratege und Taktiker, für den Überzeugungen erst nach den Möglichkeiten kommen, sie in politisches Handeln umzusetzen.

    Aber das ist eben kein Hindernis dabei, aus seinen Erinnerungen Erkenntnisse zu gewinnen.

    @R.A.

    Zum Beispiel die Sicherheit des eigenen Urteils aus der Tatsache zu gewinnen, dass man etwas nicht lesen will…

  28. R.A.
    8.04.2008 | 20:42

    @Rayson:
    > Zum Beispiel die Sicherheit des
    > eigenen Urteils aus der Tatsache
    > zu gewinnen, dass man etwas nicht
    > lesen will…
    Da drehst Du aber die Logik um.
    Ich will das nicht lesen, weil ich eben ein Urteil über Fischer habe (und ein über Jahre gewachsenes).

    Ich kenne das Buch auch nur aus Deiner obigen Schilderung und da habe ich nichts gefunden, was mich zu einer Lektüre reizen könnte.

    Fischer beschreibt also seine Motive und Meinungsänderungen. Dafür kann man sich interessieren, es ist aber legitim (und m. E. keine “bewusste Ignoranz”), so etwas persönlich für weniger wichtig zu halten.
    Weil eben aus diesen Motiven keine faßbaren Ergebnisse geworden sind.
    Ich würde auch nicht lesen wollen, mit welcher Motivation Ulla Schmidt die Gesundheitsreform versaubeutelt.

    Fischer hat schon immer öffentlichkeitswirksam seine persönliche Befindlichkeit zelebriert, das fällt doch aber eher unter die Schublade, die wir hier gerne “Unpolitik” nennen.

    Wobei seine Erfolglosigkeit natürlich wesentlich damit zu tun hat, daß Schröder außenpolitisch die Hosen anhatte. Es wäre aber m. E. schon viel wert gewesen, wenn Fischer seine unbestreitbare Popularität mal dazu eingesetzt hätte, um seinen oben geschilderten Gesinnungswechsel in Nahostfragen auch argumentativ in der Öffentlichkeit zu vertreten. Da hat er aber immer peinlich auf Neutralität geachtet - genau wissend, daß es ihm politisch nicht nützen würde, der Israelfeindlichkeit in Deutschland entgegenzutreten.

    Und ansonsten bleibt noch, daß er sich öffentlich dazu bekennt, von den längst bekannten Absichten Bushs überrascht gewesen zu sein. Dazu würde Dein “sich mit bewußter Ignoranz auch noch brüsten” passen.

  29. R.A.
    11.04.2008 | 17:58
  30. 12.04.2008 | 11:42

    Was Fischer besonders sympathisch macht, sind seine Feinde… Aber es kann sich ja jeder selbst ein Bild machen.

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