Wer hat uns verraten…

Liebe SPD,

an dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei dir bedanken, für deinen heldenhaften Einsatz für meine Bürgerrechte und gegen eine unnötige Überwachung und Gängelung durch staatliche Institutionen. Zum Beispiel den hartumkämpften Kompromiss, dass zur Installation des sogenannten Bundestrojaners das BKA meine Wohnung nicht betreten darf. Chapeau! Ein wahrer Husarenstreich! Das hast du ja wirklich wunderbar durchgesetzt. Ich fühle mich nämlich gleich viel wohler, jetzt wo ich weiß das mein Rechner nicht angetastet werden würde… sollte das BKA – im Rahmen des selben Gesetzes! – gerade in meine Wohnung eingedrungen sein Mikrokameras und Mikrophone anzubringen, um mir über die Schulter zu schauen, während ich am Rechner sitze.

Ich wäre jetzt gerne feingeistig und total höflich sein, aber… ehrlich… drauf geschissen. Frei nach Max Goldt werde ich ab sofort das Recht heraus nehmen, Parlamentariern gegenüber, die diese Blödsinn unterstützen, so unhöflich zu sein, wie es das Gesetz gerade noch erlaubt. Damit Gesetze millimetergenau auszulegen, liebe SPD, kennst du dich ja aus. Gell?

Eine ganz ehrliche Frage, liebe SPD: Willst du mich verarschen? Hälst du mich wirklich für total merkbefreit? Du feierst es als “Erfolg”, dass der Bundestrojaner nur online auf einem Rechner installiert werden darf, während das Betreten der Wohnung zur Installation von Kameras und Mikrophonen völlig in Ordnung geht? Das ist ungefähr so, als wenn beim Fußball als Erfolg gelten würde, dass man einen Spieler zwar ab jetzt nicht mehr mit der flachen Hand schlagen darf (gut, darf man auch jetzt schon nicht… aber den Bundestrojaner durfte man bisher ja auch nicht installieren), im Gegenzug aber plötzlich der Einsatz von langen, schweren Knüppeln als durchaus den FIFA-Statuen entsprechend gelten würde.

Und auch bei Privatgesprächen soll sich das BKA nun also nicht mehr ausklinken müssen, weil ja irgendwann mal ein Richter entscheiden wird, welche Teile eines Gesprächs privater und welche Teiler terroristischer Natur sein könnten. Ist klar, die ohnehin schon überlasteten Richter werden das sicher alle ganz gewissenhaft tun und die Mehrarbeit nicht einfach wegunterschreiben. Sicher doch. Und anschließend werden sie es Franz Josef Jung erlauben, die fliegenden Schweine abzuschießen, die dann den deutschen Luftraum unsicher machen. Und sogar unser Bundessparminister ist dann gewillt der Frau Wieczorek-Zeul zusätzliche Finanzmittel locker zumachen, damit man den armen Kindern in der zugefrorenen Hölle warme Rentierpullis kaufen kann. Am Arsch!

Aber, SPD, natürlich kämpfst du jetzt wieder für die Bürgerrechte und bist absolut schockiert von den Vorgängen. Schockiert und entrüstet! (Also, schockiert und entrüstet dass rausgekommen ist, wie schön du dich mal wieder auf den Rücken gerollt und an England gedacht hast.) Und natürlich wirst du schauen, was da jetzt noch zu machen ist. Und am Ende wird Pützi doch wieder Recht behalten:

SPD-Innenexperte Dieter Wiefelspütz erwartet dort trotz einiger Bedenken die Zustimmung seiner Fraktion.

Nicht dass daran irgendwas neu wäre. Auch die Sprüche die kommen werden, wenn ihr den Rotz dann endgültig durchgewunken habt, werden nicht neu sein: Von wegen Einsatz nur in begründeten Einzelfällen, natürlich keinerlei Interesse an der Überwachung aufrechter Bürger, dazu würden ja auch die Zeit und die Mittel fehlen, Vorgehen nur strikt nach Vorschrift, aber ohne das Gesetz würden uns die Terroristen halt alle umbringen. Same old tunes. Und eine Regierung die sowas missbrauchen könnte, die würde in Deutschland ja sicherlich nie an die Macht kommen. Dass es derweil genau diese Form der Überwachung ist, auch wenn sie den einzelnen Bürger nur potentiell treffen könnte, die unsere Demokratie effektiver untergräbt und eine kollektivere Form der Angst (und einen damit einhergehenden Assimilationsdruck) erzeugt, wie es die Terroristen nie könnten? Geschenkt.

Liebe SPD, ihr habt euch inzwischen jeden Stasi-2.0-Vorwurf und jeden 1984-Vergleich redlich erarbeitet. Ihr hättet euch auch noch viel deutlichere Worte redlich erarbeitet, aber in Sachen Kritik hört der Spaß ja bekanntlich bei euch auf, da will ich mal lieber nichts riskieren.

In diesem Sinne: Freundschaft!

P.S: Dass ich die CDU genau so ansicken sollte, ist mir wohl bewusst. Aber denen ist das inzwischen alles so scheißegal. Anders als die SPD tun die ja nicht mal mehr so, als wenn sie irgendein Interesse an der Verfassung hätten. Da wird inzwischen sogar akzeptiert, dass Wolfgang Schäuble ein verfassungsfeindliches Symbol ist.

P.P.S: Mir geht es in dieser Sache inzwischen übrigens, wie vielen anderen auch: Ich kann gar nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte. Vielleicht solltest du, liebe SPD, also zumindest im Rahmen der weltweiten Hungerproblematik und der Volkskrankheit Bulimie mal darüber nachdenken, deine Linie bezüglicher staatlicher Überwachung zu ändern. Ich mein’ ja nur, weil dir alle anderen Argumente ja ohnehin völlig schnurz sind…

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23 Kommentare zu “Wer hat uns verraten…”

  1. 18.04.2008 | 22:12

    Wie ich vorhin im DLF hörte, ist das heimliche Anbringen von Überwachungskameras in Wohnungen in den Polizeigesetzen mehrerer Länder schon erlaubt. So auch in dem des Landes Berlin, dessen SPD-Innensenator just gegen diese BKA-Gesetzregelung “Bedenken” hatte.

    Ansonsten: Gelungene und würdige Adaptation des “Drauf gesch…”-Motivs! Auch, wenn ich persönlich deine Enttäuschung über genau diese Verräterei mangels zu Zwecken der Enttäuschung vorhandener Ausgangsmeinung nicht teilen kann.

  2. 18.04.2008 | 22:20

    Ja, vieles von den neuen Geschenken scheint so neu nicht zu sein.

    Zur Enttäuschung: Solange wir die GroKo haben, betreibt die Opposition eh nur Spiegelfechten. Dementsprechend erwarte ich eigentlich, dass bei solchen Belangen wie der Inneren Sicherheit eine der Koalitionsparteien als “stellvertrende Opposition” funktioniert, auch um sich für die kommenden Wahlen zu platzieren. Und die Rolle würde wohl hier eher der SPD als der CDU zufallen. Dass es die SPD aber nicht einmal schafft, den viel beschworenen “Stillstand” zu erreichen, den so eine GroKo angeblich mit sich bringt, sondern voll auf Linie verfällt, ist einfach nur noch peinlich. Aber eben leider nicht mehr überraschend…

  3. stefanolix
    18.04.2008 | 22:33

    Danke, einfach nur Danke für diesen Artikel! Genau das ging mir heute bei der (kritischen) Lektüre des letzten Prantl-Buches und beim langsamen Begreifen der aktuellen Meldungen auch durch den Kopf. Was in den neuen Gesetzen noch für ein Missbrauchspotential steckt, möchte man sich nicht ausdenken.

    Gentechnisch sind wir ja nun auch soweit, dass Sachsen (dank Massengentest?) einen entscheidenden Beitrag zur Gendatenbank leisten konnte. Ach klar, die Genproben werden natürlich vernichtet, nur die Daten werden weiterhin gespeichert.

    Die SPD ist auch für mich noch etwas widerlicher als die Schwarzen, weil sie ihren Verrat mit moralinsaurer Sauce überschüttet.

    Ich wünsche mir an manchen Tagen, so blöd oder so ignorant zu sein, dass mich das alles nichts mehr angeht …

  4. 18.04.2008 | 22:56

    Ich habe langsam den Eindruck, die SPD hatte mehr Einfluss auf die Regierunsgpolitik mehr das S und das D aus ihrem Namen durchsetzen können, als sie im Bundestag in der Opposition war und dafür im Bundesrat die Mehrheit stellte.

  5. 18.04.2008 | 23:06

    Weil ein Teil SPD und der SPD-Fraktion erhebliche Probleme mit dem Gesetz hat und diese dennoch beiseite schiebt (Fraktionszwang etc.), während in der Union generell keinerlei Zweifel an der Notwendigkeit von mehr und immer mehr Überwachung besteht, ist die SPD also schlimmer als die Union? Wo ist da bitte die Logik? Hier glaubt doch niemand ernsthaft, eine schwarz-gelbe Koalition mit einem Innenminister Schäuble würde andere Gesetze verabschieden? Die FDP hält doch nur dort die Bürgerrechte hoch, wo sie nichts zu sagen hat – wenn sie an der Regierung ist, werden sogar Anti-Alkohol-Gesetze, die blöder kaum sein könnten, verabschiedet.

    Es bleibt Euch ja unbenommen, die SPD blöd zu finden und sie nicht zu wählen, nur ein wenig mehr Ehrlichkeit fände ich doch auch ganz nett.

  6. 18.04.2008 | 23:14

    Lies doch einfach mal den Beitrag.

  7. 18.04.2008 | 23:20

    Lieber Björn,

    immerhin tut die SPD alles, um bald da zu landen, wo sich die italienischen Sozialisten schon befinden. Und sie wird es schaffen, da bin ich mir sicher. YES, SHE CAN!

  8. 18.04.2008 | 23:20

    Nun, das habe ich. Und ich finde ihn genau deshalb nicht logisch.

  9. 18.04.2008 | 23:24

    Dass ich die CDU genau so ansicken sollte, ist mir wohl bewusst.

    Hast du wohl überlesen. Was sonst noch?

  10. 18.04.2008 | 23:36

    Nein, habe ich nicht. Genau das macht den Artikel ja so unlogisch: einerseits ist die SPD die Verräterin, und andererseits wird das bei der CDU einfach so hingenommen, weil bei ihr ja offensichtlich Hopfen und Malz verloren ist. Das Argument ist quasi, dass die SPD so viel schlimmer als die CDU ist, weil sie kritische Gesetze nicht einfach so abnickt, sondern daran intern fast zerbricht und sie dann trotzdem und zwar unter Schmerzen umsetzt.

    Ich bin ja auch kein Anhänger der Überwachung seitens der Staates und finde es auch dramatisch, dass die SPD teilweise so schnell umknickt, aber die eigentliche Schuld ist doch wohl bei Schäuble, Merkel und der Union zu suchen.

  11. 18.04.2008 | 23:41

    Wer Schmerzen noch spürt (aber dies vielleicht auch nur vorgibt) und trotzdem mitmacht, ist sicher verachtenswerter als sowieso Schmerzbefreite (oder unbegabtere Heuchler).

  12. 18.04.2008 | 23:50

    Link zu einem Interview von Leutheusser-Schnarrenberger zum Thema. Oder der Text.

    Recht hat sie. Und die SPD mit ihrem unsäglichen Rechtsexperten Wiefelspütz wird wohl, wie Marian prophezeit, nicht nicht allzu ferner Zeit den Grad der Bedeutungslosigkeit erhalten, den sie offenbar anstrebt.

  13. 18.04.2008 | 23:57

    Boche: Einverstanden, mit der Begründung wird der Artikel logisch. Dann sehe ich das an dieser Stelle eben schlicht und ergreifend anders.

    Hort Schulte: Leutheusser-Schnarrenberger ist ohne Wenn und Aber super, nur leider hat sie in der FDP nicht wirklich viel zu melden. Und dürfte wohl auch nicht die Mehrheitsmeinung vertreten.

  14. 19.04.2008 | 0:01

    [...] Wundern darf man sich über solche Ergebnisse bei der SPD nicht. Trauerspiele dieser Dimension bleiben nie ohne Wirkung. [...]

  15. 19.04.2008 | 1:08

    nur leider hat sie in der FDP nicht wirklich viel zu melden.

    Das ist leider wahr. Als ehemalige Justizministerin wird sie aber in der Öffentlichkeit, übrigens ebenso wie Gerhard Baum, auch in dieser Diskussion wahrgenommen. Meine ich jedenfalls.

  16. 19.04.2008 | 1:24

    Das Recht wird pervertiert! Und damit einher werden auch die anderen Gewalten des Staates pervertiert. Das Recht, sage ich, wird nicht nur von der ursprünglichen Bestimmung abgebracht, sondern wird zum Verfolgen genau entgegengesetzter Zwecke mißbraucht. Das Recht wurde zum Instrument jeder Art von Habsucht. Das Recht selbst wird schuldig der Verbrechen, die es verhindern sollte. (…)

    Oder so ähnlich. Mal schauen, wie weit der Irrsinn noch getrieben wird und wie sich das im Wahlkampf sowie Wahlergebnissen nächstes Jahr niederschlägt. Es bleibt ja zu befürchten, dass viele inzwischen resignieren und sich regieren lassen im Glauben “notfalls hilft Karlsruhe”. Schimpfen und wehklagen hilft bloß anscheinend auch nicht weiter. Gerade nicht in Richtung Sozialisten. Gegen die hat Bastiat auch schon alles ins Feld geführt, was es zu sagen und schreiben gibt. ;)


    “Clearly then, the conscience of the social democrats cannot permit persons to have any liberty because they believe that the nature of mankind tends always toward every kind of degradation and disaster. Thus, of course, the legislators must make plans for the people in order to save them from themselves.”

  17. 19.04.2008 | 9:14

    @Christian Soeder:

    Die Sache ist doch die: Obwohl ich auf einem liberalen Blog poste, habe ich potentiell nichts gegen die SPD. Ich wäre sogar ein theoretischer Wähler der Brut, nur eben nicht in der technokratisch-machtgeilen-weltfremden Rückenlage, die die Partei derzeit eingenommen hat. (Vom Problembär will ich hier gar nicht erst anfangen.) Dementsprechend gehe ich die SPD härter an als die CDU, die zumindest konsequent durchzieht, was der Kofferbomber aus Freiburg verspricht.

    Und bei der SPD kommt dazu, dass das hier kein Ausrutscher ist, sondern konsequente Strategie. Sich aufregen. Widerstand ankündigen. Sich als Bürgerrechtspartei gerieren. Ein bisschen auf der Anti-Schäuble-Welle surfen. Und sich dann auf den Rücken rollen und die Beine breit machen, weil man einen “Kompromiss” erreicht hat (ein Schritt vorwärts, zwei zurück) der die ganze Kiste “weniger unerträglich” werden lässt. Und irgendwann ist auch das letzte Faß voll, der letzte Knoten geplatzt und der letzte Zacken aus der Krone gebrochen. Dass sich CDU, FDP und die Grünen (die den ganzen Scheiß im Otto-Katalog nach 9/11 willfährig abgenickt haben) nicht besser verhalten haben, ist mir bewusst. Nur: Um die geht es hier und heute halt gerade nicht.

    Und den Reflex das alles auf Schäuble zu schieben, den versuche ich zu unterdrücken. Schäuble ist das “public face” der Kampagne Innere Sicherheit, aber er ist kein Einzelgänger. Lies dir mal im Netz ein paar Äußerungen von Dr. Dieter Wiefelspütz durch, oder versuch mit ihm auf abgeordnetenwatch.de ein höfliches Gespräch anzufangen. Der Mann ist mindestens so ideologisch verbrähmt wie Schäuble. Und die beiden stehen nicht alleine dar. Das ganze auf ein reines CDU-Schäuble-Problem zu reduzieren verzerrt die Realität.

    ***

    @Marian:

    Vor allem: Wenn die Schwarz-Grüne-Koalition in HH funktioniert, dann wird es die SPD schwer haben, sich zukünftig als Juniorpartner für größere Parteien (und es ist nur eine Frage der Zeit, bis irgendwo die LINKE die SPD überholt) anzudienen. Von wegen NPD-Verbot: V-Männer in die CDU, Kurt Beck und seine Lakaien die NPD übernehmen lassen und das Problem NPD hat sich innerhalb von ein zwei Jahren von selbst erledigt.

    ***

    @Julius:

    Ach komm, auf der anderen Seite wird die Überwachungsstaatsroutine ja nun nicht alleine von der SPD durchgezogen. Besonders die “Sozialisten” in der SPD stehen da eigentlich eher auf der anderen Seite, während Technokraten wie Wiefelspütz da keinen Unterschied zwischen CDU und SPD mehr erkennen lassen. Und in anderen Staaten, e.g. USA, geht die Entwicklung in die gleiche Reichung, obwohl ich Bush nur sehr bedingt als “Sozialisten” oder “Sozialdemokraten” einschätzen würde. Die eigentliche Entwicklung zum Überwachungsstaat ist eine parteiunabhängige. Darum ist für mich auch primär relevant, wie sich die Parteien in dieser Hinsicht verhalten. Und Wasser predigen, Wein saufen, wie es die SPD macht, geht halt gar nicht.

  18. Lina
    19.04.2008 | 9:21

    Neuer Fall von Bürgertäuschung, Wählertäuschung?

    Aber wie! Diese Täuschung beeinhaltet schliesslich, dass der Bürger bereits als der – sorry! – Arsch verstanden wird, der gut und gern verarscht werden kann. Und so steht er jetzt auch da und sagt wie Du zu Recht: “drauf gesch….”

    Es scheint der SPD (nach Hessen) nicht mehr drauf anzukommen, ihren Ruf als Volkspartei vollends zu ruinieren, hat sie ja doch einen da vorne, dem das dreiste Herausreden auf den Leib geschneidert ist.

    Ich schreibe ihr auch, Björn: Liebe SPD, dass ich ein Arsch sein soll, das nehm’ ich Dir übel; verlass’ Dich drauf, Dich wähl’ ich nicht wieder!

  19. 19.04.2008 | 11:04
  20. 19.04.2008 | 14:07

    nur leider hat sie in der FDP nicht wirklich viel zu melden

    Klar, zwischen all den Landesvorsitzenden, Obleuten im Rechtsausschuss, rechtspolitischen Sprechern, Vorstands- und Präsidiumsmitgliedern und stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, die so eine Riesenpartei wie die FDP nun mal hat, geht die glatt unter…

  21. Gomez Davila
    19.04.2008 | 15:21

    @Björn:

    Dass diese Partei ihre Anhänger immer wieder enttäuscht (siehe Deine Überschrift), liegt ja traditionellerweise immer schon an ihrer Kompromissler- und Umfallerei, die sie im Laufe ihrer Geschichte wieder und wieder bestätigt hat. Aber dieses irrsinnige Wüten im Namen der Sicherheit lässt mich dann doch ratlos zurück, vor allem in der Frage nach der Motivlage. Liegt das wirklich nur an der institutionellen Eigendynamik der Ressorts? Sicherlich auch: Auch dort herrscht ja ein Wettbewerb um Einfluss und Geld, der von interessierten Lobbys aus Wirtschaftszweigen, deren Märkte durch die entsprechenden Politikfelder betroffen sind, noch verstärkt wird.
    Aber das erklärt nicht die unglaubliche Arroganz, Heftig- und Dreistigkeit, mit der selbst gegen zurückhaltende Argumente eingeschlagen wird, und zwar nicht mit Gegenargumenten, sondern mit sachlich völlig schiefen Unterstellungen oder gar Lügen. Der von Dir angeführte Wiefelspütz ist ja, besonders auf abgeordnetenwatch, ein besonders krasses Beispiel.
    Oder haben die Verantwortlichen nur Angst, gemaßregelt zu werden, wenn es wirklich mal kracht? Das will ich angesichts der gut entwickelten Instrumente der Verantwortungsvermeidung im Poilitikbetrieb auch nicht so recht glauben.

  22. Freisinniger
    19.04.2008 | 21:15

    Täusche ich mich oder sehe ich es richtig, dass die Befugnisse von Polizei und “Sicherheits”diensten seit über 30 Jahren immer nur erweitert werden? Immer wieder geschehen Verbrechen, die als Begründung dafür herhalten müssen. Erst wenn keine Verbrechen mehr geschehen, werden also Sicherheitsgesetze nicht mehr weiter verschärft. Man müsste alle Beschränkungen der Freiheit von Bürgern grundsätzlich zeitlich befristen, um einen Mechanismus zu zerstören, der eine strukturelle Schlagseite gegen die Freiheit hat. Alles andere führt unvermeidlich in den Polizei- und Überwachungsstaat, denn gegen die kumulative Wirkung einzelner Verbrechen gibt es kein Gegenmittel. Kosmetische Korrekuren alla SPD (oder FDP oder Grüne) helfen da gar nix.

  23. 20.04.2008 | 20:50

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