Fluchthelfer

Zähneknirschend nimmt die ultralinke Blogosphäre die diesjährige Verleihung des Milton-Friedman-Preises des Cato-Institute an den venezuelanischen Studentenführer Yon Goicoechea auf. Dabei wird ihm nicht nur sein erfolgreicher Einsatz gegen die undemokratische Machtmaximierung von Hugo Chavez via Verfassungsreform und die Annahme des Preisgeldes zum Vorwurf gemacht, nein auch seine ganz private Initiative als Miteigentümer eines Kofferherstellers ist den Klassenkämpfern suspekt. Schließlich wurde dem Startkapital der Firma noch eine öffentliche Finanzspritze als Wirtschaftsförderung beiseite gestellt. Einmal abgesehen davon, dass die benachbarten Blogger sich nicht gerade aufs Kalkulieren von Wechselkursen verstehen und diese Tatsache ganz kräftig zu ihrem Gunsten ausnutzen, wundert man sich, seit wann die Linke etwas gegen öffentliche Fördergelder hat. Sind sie doch sonst die Ersten, die der Meinung wären, man müsste kleinen Leuten mit öffentlichen Mitteln unter die Arme greifen. Es gibt offenbar ein Problem: Auch in einer Ideologie der Gleichheit sind nicht alle gleich, vor allem, wenn sie nicht auf der richtigen Seite stehen. Oder nimmt man ihm auch noch übel, dass er denjenigen die Venezuela den Rücken kehren wollen mit seinen Koffern noch das notwendige Fluchtequipment liefert?

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7 Kommentare zu “Fluchthelfer”

  1. Herbert
    28.04.2008 | 12:31

    “Zähneknirschend nimmt die ultralinke Blogosphäre die diesjährige Verleihung des Milton-Friedman-Preises des Cato-Institute an den venezuelanischen Studentenführer Yon Goicoechea auf.”
    Glückwunsch zu diesem wertvollen Fund!

  2. der gute don
    28.04.2008 | 22:19

    Glückwunsch zu diesem wertvollen Fund!

    Erstaunlich welche Seiten Steffen täglich so durchforstet ;-)

  3. 29.04.2008 | 0:53

    @don:

    Reiner Zufallstreffer. Erstaunlich wer bei Google so ein gutes Ranking bekommt. ;-)

  4. F. Alfonzo
    29.04.2008 | 1:41

    …wenn ich so etwas schizophrenes von Seiten irgendwelcher Linken lese (was ja nicht gerade selten vorkommt), frage ich mich als erstes immer, ob ich genauso dumm argumentiere, nur aus einer anderen Perspektive…
    …ich glaube (hoffe) nicht, aber der Meinung sind die doch wahrscheinlich auch, oder?!?

    F.Alfonzo

  5. Fuchur
    29.04.2008 | 12:57

    Venezuela ist so ein Beispiel, das mir einfach nicht in den Kopf will. Jeder Trottel muss doch sehen, dass da ein größenwahnsinniger Diktator am Werk ist, der das Land mit großen Schritten in den Ruin treibt! Und dann lese ich, dass Lafontaine bei Anne Will (?) im Brustton der Überzeugung verkündet, dass linke Politik funktioniere, könne man doch z.B. in Venezuela sehen, wo Chavez “viel Gutes” geleistet habe…
    Bei sowas läuft’s mir immer kalt den Rücken runter. Normaler Weise tue ich ihn als Populisten ab, der halt alles sagt, von dem er sich Stimmen verspricht (ob es jetzt der Mindestlohn ist oder die “Fremdarbeiter”). Aber da kommt dann doch der leise Verdacht auf, dass er das Ganze wirklich ernst meint…

  6. 29.04.2008 | 13:05

    @fuchur:

    Für Leute wie Lafontaine steht das Prinzip Umverteilung eben über allem, auch über den sichtbaren Konsequenzen. Als Politiker ist die linke Masche auch einfacher, weil jeder daran glaubt und sie sich gut anhört. Außerdem kann man politisches Versagen entweder dem Markt allgemein oder seinen Akteuren später in die Schuhe schieben. Und Venezuela ist weit weg. Niemand überprüft was dort geschieht.

  7. Michel
    29.04.2008 | 21:13

    @ F.Alfonzo: Ich habe bisher keinen Linken gefunden der sich in liberale Positionen hineindenken kann oder es zumindest versucht hat. Daher sehe ich den Vorteil ganz deutlich bei den Liberalen, die eine lange Tradition in der Ürsachenvorschung haben, woher andere Weltanschauungen ihre Attraktivität haben. Linke bleiben meist bei den (unterstellten) Interessen stehen.

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