4. Mai 2008
Über Bulgaren und andere minderwertige Fremdlinge
Das Schöne am öffentlich geäußerten Moralismus ist, dass er individuell nichts kostet. Etwas weniger schön für die Betreffenden ist vielleicht, dass diese Haltung schon im NT einen prominenten Platz eingeräumt bekommen hat (Lk 18, 9ff.).
Da entrüsten sich bei uns in einer Diskussion über das Verbot deutscher Behören, Bulgaren hierzulande zu Bedingungen arbeiten zu lassen, die der gute Deutsche als unzumutbar ablehnen gelernt hat, die Moralisten nach allen Regeln der Kunst. Zum Kotzen sei das, die armen Bulgaren.
Genau. Die armen Bulgaren. Die Bulgaren, die da zu einem Lohn gearbeitet haben, der den deutschen Moralisten an Menschenrechtsverletzungen gemahnt, sind nämlich offensichtlich arm, und die Möglichkeit, für ein paar hundert Euro in Deutschland arbeiten zu können, erscheint ihnen offensichtlich als probates Mittel, dieser Lage zumindest teilweise abzuhelfen. Aber nein, da der deutsche Moralist selbst nie zu diesen Bedingungen arbeiten würde, kann er es natürlich nicht durchgehen lassen, wenn diese dummen Bulgaren über ihr eigenes Wohl selbst so furchtbar falsch entscheiden. Da er aber nicht so direkt zugeben möchte, diesen dummen Osteuropäern Vorschriften machen zu wollen, muss er sich absolut sicher sein, dass die Vertragspartner der Bulgaren üblen Zwang auf diese ausgeübt haben. So sicher, dass er dafür nicht den Beweis führen muss, sondern dies für die Behauptung des Gegenteils verlangen kann.
Und wie schrecklich inhuman sind doch diese Liberalen, die den Bulgaren die Chance lassen wollen, die diese für sich gesehen haben.
Nee Jungs. Kümmert euch lieber über den Balken in eurem eigenen Auge. Ich habe Leute, die mangels Kapital keine andere Chance hatten, in meinem Müll wühlen sehen, und selbst die galten in dem Land noch sozusagen als gehobene Unternehmer. Eure Sonntagsreden, die in Wirklichkeit nur ein Ziel erfüllen, nämlich deutschen Anbietern ein auskömmliches Verdienst in der betreffenden Branche zu ermöglichen, helfen diesen Menschen überhaupt nicht. Im Gegenteil, bestenfalls missbraucht ihr die Armut dieser Leute dazu, sie in Abhängigkeit zu halten. Und schlimmstenfalls interessiert sie euch einen feuchten Kehricht. Arme Osteuropäer und arme Chinesen haben euch früher nie gestört. Da waren sie nicht nur keine Konkurrenz zu deutschen Arbeitnehmern, da waren sie auch unsichtbar. Ländliche Armut ist eben Schicksal, und ab und an spendet man halt einer Hilfsorganisation, die einen Sack Reis über den Hungergebieten abwirft.
Ehrlich, Jungs: Zum Kotzen ist nur euer Pharisäertum.
Verfasst von Rayson um 16:22 Uhr in der Kategorie Politik, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik (Trackback)