Doch sinnlos

Was ich schon im vergangenen September kritisiert habe, kommentiert jetzt auch die SZ entsprechend. Florian Töpfl macht klar, dass Jugendliche ohne Berufsausbildung in der Entwicklungshilfe nicht nur unnötig, sondern teils sogar eher schädlich sind - und sei es nur, weil man das Geld, das man für ihre Anwesenheit etwa in Afrika aufbringen muss, dann nicht mehr sinnvoll ausgeben kann. Töpfl zitiert:

»Wie sollen 18-jährige Weißnasen mit Rückflugticket in Entwicklungsländern auch helfen?«, fragt die Berliner Politikprofessorin Claudia von Braunmühl fast verärgert. Sie ist »entsetzt« über das neue Weltwärts-Programm der Bundesregierung. Die Professorin hält die Initiative für »grenzenlos populistisch«, weil sie kaum frage: Was brauchen die Menschen in diesen Ländern wirklich? Eines sei jedenfalls sicher, schimpft von Braunmühl: »An unqualifizierten Händen fehlt es dort nirgends!«

Genau.

(via Verwickeltes)

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11 Kommentare zu “Doch sinnlos”

  1. 12.05.2008 | 10:13

    Als ich für sowas auf einem Termin war (Deutsche fahren in ein südafrikanisches Township) habe ich mich auch gefragt, was das soll? Wenn man helfen will kann man das auch hier (ist aber böse nationalistisch). Vorteil bei der externen Hilfe ist ja auch, dass man die dortigen Proleten und Idioten nicht als solche erkennt und wenn es zu doof wird, dann ist man ja wieder sehr weit weg. Dass einem der Penner vom Bahnhof begrüßt, weil man dem mal geholfen hat ist ja viel riskanter.

  2. 12.05.2008 | 13:28

    Es geht doch, wie immer, um Werbung um Wähler. Nicht den Entwicklungsländern soll geholfen werden, sondern den jugendlichen “Helfern” ein bestimmtes Weltbild zu erlangen. Wie sonst ein neues Handy wird hier für eine “solidarische” Weltsicht geworben und mit den entsprechenden Extras versehen. Genauso gut könnte man besonders tolle Marketingaktionen von Jugendlichen für den Klimaschutz finanziell oder durch entsprechende Arktisexpeditionen belohnen.

  3. Die Stimme aus dem Off
    12.05.2008 | 18:46

    Ich halte das zudem auch für Entwürdigend. Da müssen sich erwachsene Menschen in Dritte-Welt-Ländern von 18-jährigen Wichtigtuern etwas erklären lassen das macht in einen Ländern richtig böses Blut.

    Der Mehrwert dieser Aktionen für die Entwicklungsländer ist doch auch gleich Null. Einen Nutzen haben sie nur für die Bediensteten in den Heimatländern.

    Ein Freund von mir wohnt in Accra. Es ist unglaublich wie frech die deutsche Entwicklungshilfe dort für - meiner Meinung nach - imperialistische Wirtschaftspolitik missbraucht wird. Ich habe selbst einen nagelnauen CT gesehen, für den die Ghanaer noch extrem teure Wartungsverträge abschließen mussten.

    Es ist so, dass mit Entwicklungshilfe - zumindest in Ghana - nicht ein einziges sinnvolles Projekt durchgezogen wurde. Die Ghanaer haben nie etwas finanziert bekommen, mit dem sie auf dem Weltmarkt Konkurrenz machen könnten. Entwicklungshilfe ist ein Instrument zur Beherrschung fremder Wirtschaftsstrukturen geworden.

    Und unsere achtzehnjährigen werden auch noch als gesellschaftlich-mediale Strohmänner zur Legitimierung dieses Blödsinns benutzt.

  4. 12.05.2008 | 21:06

    @DsadO:
    Vielleicht verallgemeinerst Du etwas zu sehr (ich glaube durchaus, dass es sinnvolle Projekte gibt, die Dein sehr enttäuschter ghanaischer Freund wohl übersehen wird). Trotzdem aber: Jau, genau so sehe ich das weitestgehend. Und was mich am meisten ärgert: Unsere so genannte Entwicklungshilfe ist größtenteils Wirtschaftsförderung für heimische “Global Player”. Und dann mosert der Stammtisch noch darüber, wie viel Geld “wir den Negern in den A… schieben”. Da kann man schon verzweifeln.

    @Marc:
    Da ist dann die Frage, ob da überhaupt das Helfen selbst im Mittelpunkt steht, sondern das eigene “gute Gefühl”. Aber vielleicht nicht mal das. Für einen 18jährigen Deutschen ist völlig klar, dass es eine sehr komplizierte und vielleicht sinnlose Angelegenheit ist, einem der alkoholisierten Clochards von der Domplatte zu helfen. Da will man lieber nicht ran. Aber die armen Afrikaner, die sind weit weg, da sieht man die Komplexitäten nicht. Und glaubt, mit gutem Willen und Engagement sei viel zu erreichen. Pustekuchen, denke ich.

  5. F. Alfonzo
    14.05.2008 | 4:20

    Jaja, das dient alles den Menschen.

    Nach Ansicht der Verantwortlichen hierzulande dient es auch den Menschen in Entwicklungsländern, wenn die durch europäische Subventionen entstandene Überproduktion von Konzernen wie Nestle in Entwicklungsländern so billig angeboten wird, dass die lokalen Bauern aufgrund technischen Unterliegens (und damit verbundenen höheren Kosten) vom Markt vertrieben werden und die Ländereien brach liegen; im Zweifel helfen dann die deutschen Entwicklungshilfe-Touristen beim Abladen der “Hilfsgüter”.

    Entwicklungshilfe wäre doch vielmehr das Versenden von Traktoren und anderen Geräten, die die landwirtschaftliche Produktion steigern und billiger machen, Material zum Brunnen bauen und sonstiges Produktionskapital. Das Produktionskapital (und die darin “gebundene” Technologie) ist doch, woran es in Entwicklungsländern fehlt. Potenzielle Arbeitskräfte gibt’s da genug.

    Vielleicht wäre es auch sinnvoller, das für deutsche Hilfsarbeiter augegebene Geld einer Bank zur Verfügung zu stellen, die (dringend benötigte) Kleinkredite vergibt, denn ob man’s glaubt oder nicht: Auch Menschen in Entwicklungsländern wollen ihr eigenes Geschäft betreiben, anstatt vom reichen Ausland abhängig zu sein. Oft fehlt’s nur am Werkzeug, welches leider 2 Euro mehr kostet, als sich die betroffene Person leisten kann.

    Naja. Politik halt.

  6. 15.05.2008 | 17:14

    So würde ich es auch sehen. Entwicklungshilfe als Begriff für
    - Zurverfügungstellung von (Schul-)Bildung
    - technisches Know How
    - Förderung von Strukturen wie Eigentum, kurze Verwaltungswege, Bekämpfung von Korruption
    - Bereitschaft ein höheres Risiko bei kleinen Investitionen (bis zum Traktor) einzugehen und das entsprechende Ausfallrisiko zu tragen.

  7. 15.05.2008 | 17:23

    Wie stellt man denn Bildung “zur Verfügung”?

  8. 15.05.2008 | 18:35

    schlechter Sprachstil, ich gebe es zu. Aber man stellt Schulen, Schulbücher zur Verfügung und kann Lehrer finanzieren. (-:

  9. 15.05.2008 | 20:33

    Man gibt Geld. Ok. Ist es nicht fast egal, wofür im Staatshaushalt?
    Denn die eingesparten Bildungsausgaben stecken dann vielleicht im Militär?

  10. 16.05.2008 | 14:13

    So ähnlich argumentiere ich auch immer. Und in der Tat sollte man da genau aufpassen. Der Staat hat ein gewisses Interesse daran, die Bevölkerung ruhig zu halten. D.h. er wird für eine gewisse Lebensmittelversorgung sorgen. Ob aber Bildung dazu gehört, wage ich zu bezweifeln. Es gibt aber noch einen Punkt, der immer mal wieder zu hören ist: Die ganzen NGOs beschäftigen die höher Qualifizierten Inländer und halten sie dadurch von produktiver Arbeit innerhalb der lokalen Wirtschaft ab. Bevor man ein Geschäft aufmacht, ist man lieber Dolmetscher für irgendwelche Gringos.

  11. Lina
    16.05.2008 | 19:39

    @ Dirk

    Zwei brisante Sätze (!), erst mal für sich genommen:

    1. “Der Staat hat ein gewisses Interesse daran, die Bevölkerung ruhig zu halten.”

    Vergleichbar dem Arzt, der ein gewisses Interesse daran hat, die Diagnose herunterzureden?

    2. “Ob aber Bildung dazu gehört, wage ich zu bezweifeln.”

    Vergleichbar einem unverbindlichen Therapieangebot, das Heilung nicht garantiert?

    (Beide, Staat und Arzt, wollen beschäftigt sein und bleiben. Ein Arzt sucht, wovon er langfristig leben kann, ein Staat sucht, was seine Struktur und den Erhalt derselben rechtfertigen kann. Stimmt, ein Mangel an Bildung soll sich jederzeit als hilfreich erweisen (-;…)

    Die Analogie zum “Heilen” habe ich deshalb konstruiert (-;, weil staatliche Entwicklungshilfe doch auch “heilen” will, besonders dann, wenn die “Wunden” aus kolonialer Vergangenheit stammen. Was aber in diesem Fall durch unzulänglich definierte und noch unqualifizierte “Mitarbeit” geleistet” werden kann, sehe ich als eine *nur für die Helfer-Wirtschaft* lukrative Art von organisierter Beschäftigungstherapie; den Bedürftigen selbst dürfte sie kaum etwas bringen.

    Jeden in Begleitung von Experten gelieferten Trekker (und andere Sachleistungen) finde ich besser; so aber sehe ich weiter zu, wie sich NGOs zum staatlich geförderten Wirtschaftsfaktor aufblasen.

    Frage an die Experten: Ist das OK, wenn wächst, was da wächst?

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