Schwäbischer Qualitätsjournalismus

Aus liberaler Sicht ist der baden-württembergische Rigorismus, am diesjährigen Muttertag wegen eines der Mehrheit völlig unbekannten Festes den Verkauf von Blumen zu untersagen, ein weiteres Symbol staatlicher Machtanmaßung. Aber darum soll es hier ausnahmsweise mal nicht gehen.

Bundesweit bekannt in diesem Zusammenhang wurde der Versuch des Oberbürgermeisters von Bretten, dieses Verbot auf kreative Weise zu umgehen. Auch das “heute journal”, Flaggschiff des seriösen Verlautbarungsjournalimus im zweiten großen überregionalen öffentlich-rechtlichen Fernsehkanal, berichtete davon. Allerdings fatalerweise verbunden mit einem Lob für “schwäbische” Findigkeit.

Liebe Mainzelmännchen, auch wenn euch euer Nachbarbundesland so unbeschreiblich weit weg erscheint: In Baden-Württemberg leben nicht nur Schwaben. Die da kein Hochdeutsch können, sind auch die Badener. Egal? Na, dann schickt doch mal den zuständigen Redakteur beim nächsten Heimspiel des KSC gegen den VfB vorbei. Am besten, er wendet sich gleich an ein paar der sympathischen jungen Herren mit den blauweißen Schals und den schwarzen T-Shirts, die zwischendurch gerne “ein Baum, ein Strick, ein Schwabengenick” skandieren, und erklärt ihnen, warum Bretten, die Stadt im Kraichgau und im Landkreis Karlsruhe, von nun an dem schwäbischen Landesteil zuzurechnen ist. Das dürfte dem Sparkurs, den ihr angeblich fahrt, sehr förderlich sein.

Aber etwas ernsthafter: Wenn ihr euch schon ein paar Kilometer weiter südwestlich nicht auskennt, wieviel Expertise soll ich euch eigentlich bei euren weltpolitischen Informationen zutrauen?

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10 Kommentare zu “Schwäbischer Qualitätsjournalismus”

  1. 12.05.2008 | 3:35

    In Mainz denkt man eben von allen Menschen nur das Beste!

  2. F. Alfonzo
    12.05.2008 | 4:11

    @ Rayson:
    Journalismus ist die Fähigkeit, unter Zeitdruck und in Ermangelung interessanter Vorfälle das Programm zu füllen. Bei Bedarf auch dadurch, dass man die Fakten eigentlich uninteressanter Geschichten so verändert, dass sie interessant klingen.
    Der Leser / Hörer / Zuseher merkt’s eh nicht. Und wenn doch, ist es ihm wurst.

    …wenn in BW nix passiert, muss man sich halt was ausdenken, über dieses langweilige Völkchen ;-)

  3. 12.05.2008 | 6:24

    Und die meisten Badenser und Schwaben vergessen auch noch den dritten Teil: Die Kurpfalz ;)

  4. 12.05.2008 | 7:45

    wieviel Expertise soll ich euch eigentlich bei euren weltpolitischen Informationen zutrauen?

    Na, einiges, denn je mehr desto besser. Weswegen man ja auch aus Singapur über Burma berichtete, die 2000 km Abstand sorgen für die notwendige journalistische Distanz.

    Hinzu kommt noch, dass durch die stündlichen Live-Schaltungen wegen der Nachrichtensendung der Reporter zu nichts anderem mehr kommt als seine Aufsager zu machen.

  5. tigger
    12.05.2008 | 10:53

    Ellaweil senn au die Gelbfiaßler Käpsele….

  6. 12.05.2008 | 12:02

    wieviel Expertise soll ich euch eigentlich bei euren weltpolitischen Informationen zutrauen?

    An welchem anderen deutschen Sender sollten sich die Mainzer denn ein Vorbild nehmen? Nur weil ein paar andere Sender besser zur “Ideologie” passen, wird deren journalistische Leistung wohl nicht automatisch urplötzlich gestiegen sein.

  7. 12.05.2008 | 13:27

    An welchem anderen deutschen Sender sollten sich die Mainzer denn ein Vorbild nehmen?

    Ach, du meinst, die ARD berichtet genau so übel? Sollte ich lieber BBC schauen?

    Nur weil ein paar andere Sender besser zur “Ideologie” passen

    Habe ich jetzt nicht verstanden.

  8. 12.05.2008 | 18:32

    Auch hier geht es um die möglichst effiziente Verwendung knapper Ressourcen. Da kann man dem ZDF keinen Vorwurf machen, denn vermutlich haben die kein Geld mehr, weil alles für die Ablösesumme und das Gehalt von Walter Freiwald draufging. Lieber Rayson, man kann nicht alles haben. Qualitätsjournalismus oder Walter Freiwald. Da musst Du dich schon entscheiden.

  9. 13.05.2008 | 22:40

    Bretten gehört erst seit 1803 zu Baden (vorher zur Kurpfalz). Vielleicht will das ZDF auf diesem Wege ja nur andeuten, dass man dringend auf die nächste Gebührenerhöhung angewiesen ist, um sich endlich mal aktuellere Karten besorgen zu können.

  10. 13.05.2008 | 22:55

    Ja, der Reichsdeputationshauptschluss…

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