Öffentlich-rechtliches EU-Bloggen

Für mich (und für uns hier beim BLOG, denke ich) macht das Schreiben hier vor allem Spaß. Und gelegentlich Mühe. Es ist definitiv Hobby und keine Arbeit, kein Journalismus.

Mancher mag in der Blogwelt Informationen finden, die ihm die der Journalismus nicht bietet.
Für mich ist das reizvolle an der Blogwelt vor allem die Vielfalt der Teilnehmer und Positionen und die Möglichkeit der direkten Kommunikation. Manchmal ist der Blog-Beitrag weniger wichtig (und von Form und Präsentation her weniger wertvoll) als die sich daran anknüpfende Diskussion. Selbst rechte oder linke Schundblogs taugen etwas. Dass sie nämlich die Diskussion extremer Meinungen und extremer politischer Dummheit anschaulicher werden lassen.

Nun kommt aus der politischen Kaste die Idee, man müsse die Blogwelt fördern. Ziel sei, «eine pluralistische Medienumwelt und kulturelle Vielfalt garantieren» (Quelle: Netzeitung). Stellen wir fest:

1. Diese EU-Kulturausschüssler haben Geld, das sie verteilen können und wollen.
2. Diese Kulturausschüssler meinen, mit Steuergeld Pluralismus und kulturelle Vielfalt kaufen zu können.
3. Diese Kulturheinis haben keine Ahnung.

Denn der Pluralismus und die Vielfalt der Blogwelt beruht gerade darauf, dass es sich um spontane, private und freie Formen des Austauschs handelt. Blogs, die Anhängsel an Zeitungen sind, haben gelegentlich und in den Sternstunden vielleicht journalistische Qualität in die Blogwelt getragen (ich erinnere wehmütig an den eingestellten Kosmoblog des geschätzen Ulrich Speck). In der Regel empfand ich diese Experimente von WELT, ZEIT oder Handelsblatt aber nicht als grundlegende Bereicherung des Phänomens Blog. Meist sind es auf den ersten Blick erkennbare Versuche, vom “Hype” zu profitieren. Oder es sind normale journalistische Produkte, die lediglich auf der Blog-Technik aufbauen.

Wenn nun die EU die Blogwelt finanziell unterstützen wollte, müsste sie jedem Blog Geld geben. Und jedem Kommentatoren noch dazu. Denn erst dann würde das gefördert, was gefördert werden soll. Nein, ob es gefördert würde, ist fraglich. Es würde zwar Steuergeld dafür aufgewandt. Aber statt spontaner Liebe am Streit, würde Fördergeld-einheimsendes Schreiben erzeugt.
Die EU-Lösung würde (oder: wird) wohl aber sowieso eher anders aussehen. Bestimmte Premium-Blogs (oder die, die den Bürokraten von findigen Antragsausfüllern als “Premium” verkauft werden) würden (oder werden) Geld bekommen. Leuchttürme der bürokratisch finanzierten kulturellen Pluralität. Öffentlich-rechtliche Schreiberlinge, wie ARD- und ZDF-Journalisten, nur ohne (zumindest formellen) journalistischen Anspruch. Das klingt nicht sehr spannend. Um nicht zu sagen: Das klingt grottenlangweilig.

Also ihr fetten, satten, von unseren Steuern finanzierten Bürokratenärsche mit “kulturellem” Auftrag:
Sucht euch ein anderes Mündel für eure Beglückungsversuche! Wir langweilen uns hier schon genug mit öffentlich-rechtlicher Zwangskulturisierung, mit miserablem Journalismus der Marke ARD oder ZDF. Lasst wenigstens die Blogwelt in Ruhe! Ihr richtet - wie wohl meistens, wenn ihr oder eure Kollegen Geld verteilen - mehr Schaden als Nutzen an.

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17 Kommentare zu “Öffentlich-rechtliches EU-Bloggen”

  1. R.A.
    13.05.2008 | 12:09

    Natürlich hätte ich nichts dagegen, von der EU Geld zu bekommen.
    Erstens ist das ohnehin nur die gerechte Rückgabe meiner Steuern, und zweitens ist es ja langweilig, immer nur von der CIA, dem Großkapital und den Weisen von Zion finanziert zu werden.

    Natürlich müßten wir dann auf Begriffe wie:
    “ihr fetten, satten, von unseren Steuern finanzierten Bürokratenärsche” verzichten.
    Seine Finanziers beschimpfen darf man nur als subventionierter linker Theatermacher.

  2. 13.05.2008 | 12:12

    Gerecht wäre die Rückgabe des Steuergelds an dich nicht. Auch, wenn du das so empfändest.
    Ansonsten mache ich eben einen linken Theaterblog auf. Dann darf ich weiterpöbeln. Aber dann muss ich es wahrscheinlich, um förderungswürdig zu sein. Auch kein Spaß.

  3. tigger
    13.05.2008 | 12:50

    Ich finde es ok. Was der Staat mit meinem Geld anstellt, darauf habe ich leider keinen Einfluss. Aber wenn er es Bloggern schenkt, wird wenigstens geringstmöglicher Schaden angerichtet. WÜrden Spenden an Blogs steuerlich absetzbar, wäre es ideal :-)

  4. Jan
    13.05.2008 | 13:47

    Etwas, dass sich von allein ganz positiv entwickelt hat und das scheinbar auch weiterhin tut, ohne dass irgendwelche politischen Verschlimmbesserungen stattgefunden haben, soll jetzt also Förderung nötig haben. Muss man auch erstmal drauf kommen.

    Aber es gibt ja verschiedene Arten, Blogs zu fördern. Förderpreise für besonderes Niveau zum Beispiel. Denkbar wäre auch, dass die EU demnächst ihre eigene, gebührenfreie Bloggerplattform eröffnet.

    Beides irgendwie total überflüssig. Aber nicht unbedingt schädlich (außer natürlich für den Steuerzahler - aber der ist Kummer ja eh gewohnt).

  5. 13.05.2008 | 14:00

    Es geht der EU nicht um eine Förderung von Blogs, sondern um die Nutzung von Blogs als Propaganda-Kanäle und die Förderung eines Pro-EU-Klimas bei Blogs. Der zentrale Punkt ist meiner Meinung nach aber die angestrebte “Schaffung eines rechtlichen Status” für Blogs.

    Darum geht es, der Rest ist Tünche.

    Mit Hilfe des EU-weit durchgesetzten “rechtlichen Status” können Blogs von der EU reguliert und eingedämmt werden. Zusätzlich verdeutlicht dieser EU-Ausschusskram den Allzuständigkeitswahn der EU.

  6. 13.05.2008 | 14:10

    @Jan

    Stimmt, Förderpreise oder eigene gebührenfreie Plattformen wären nur Humbug und nicht schädlich. Den Schaden der Steuergeldverschwendung kann man sich ja als Disclaimer an viele politische Maßnahmen drandenken.

  7. R.A.
    13.05.2008 | 14:35

    Erste Regel beim EU-Bashing: Richtig Spaß macht es nur, wenn man sich nicht mit den echten Plänen der EU beschäftigt sondern mit dem, was deutsche Medien daraus machen ;-)

    Das Original findet sich hier:
    http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//NONSGML%20COMPARL%20PE-402.919%2001%20DOC%20PDF%20V0//EN&language=EN

    Es geht also aigentlich nicht um Blogs, sondern um “Community Media”.

    Mit etwas Winkeladvokatentum wäre es vielleicht möglich, das B.L.O.G. als solches zu definieren, wenn das Autorenkollektiv als groß genug für eine “Community” akzeptiert wird.
    Mit der Zieldefinition wird es schon schwieriger, da eine solche bisher ja von uns explizit ausgeschlossen wurde.

    Nun ja: Auf jeden Fall machen die im Original aufgeführten Beispiele grundsätzlich einen sympathischen Eindruck. Was nichts daran ändert, daß ich keinerlei Notwendigkeit für staatliches Eingreifen sehe. Schon gar nicht auf EU-Ebene - das kann maximal kommunale Aufgabe sein (wenn überhaupt).

    Denn auf jeden Fall hätte man sonst fast die Garantie, daß irgendwelche Leute hier mißbräuchlich die Förderung abgreifen werden, während die eigentlich angedachte Zielgruppe wohl leer ausgehen wird.

  8. 13.05.2008 | 15:09

    @R.A.

    Touché! Damit bestätige ich meine Aussage, dass ich hier ein Hobby und nicht Journalismus betreibe, auf perfekte Weise selbst. Recherchieren wäre besser gewesen.

    Du hast Recht: Das Original klingt sympathischer als das, was die Verwurstung der deutschen Journalisten draus gemacht hat. Obwohl, wie du selbst sagst, auch da fraglich ist, ob finanzielle Förderung sinnvolle Ergebnisse bringen. Denn die “Community Media”-Projekte gibt es ohne die öffentliche Förderung, wie die Beispiele zeigen. Wie sähen sie mit aus?

    Die Stoßrichtung der Bürokraten, die Mitgliedsstaaten zu bewegen, diese Medienformen rechtlich anzuerkennen, scheint mir aber richtig zu sein.

    Also: Mea culpa, liebe wohlgenährte, gelegentlich Appetit verspürende und solidarisch finanzierte EU-Angestellte!

  9. R.A.
    13.05.2008 | 15:25

    @Boche:
    Eigentlich sehe ich auch keine Notwendigkeit für “rechtliche Anerkennung”.

    Es würde reichen, wenn die Internetgesetzgebung nicht so bescheuert wäre. D.h. wenn so eine Community nicht dauernd Gefahr laufen würde, haftungsrechtlich belangt und mit absurden Abmahnungen konfrontiert zu werden.

    Letztlich also Lösung derselben Probleme, denen sich von kleinen Bloggern, Vereinen und Hobbyseiten bis zu großen Firmen derzeit alle Anbieter von Internet-Content gegenüber sehen.

  10. 13.05.2008 | 15:31

    Das meinte ich ja in etwa auch mit “rechtlicher Anerkennung”.

  11. bakunin
    14.05.2008 | 13:43

    schon peinlich mit welchem Elan und Eifer sich hier liberale (?) Kraftmeier zu bekannten Themen äußern. Andere brauchen dafür nur die Bildzeitung.
    An anderer Stelle fand ich ein Zitat von Sir Popper. Soviel Radikalität an dieser Stelle.

    Glückwunsch

    bakunin

  12. 14.05.2008 | 13:57

    Wer Anderen Peinlichkeiten unterstellt, sollte sich einer verständlicheren Sprache befleißigen. Sonst gewinnt man gar den Eindruck, der Vorwurf stamme von einem Wirrkopf.

  13. bakunin
    14.05.2008 | 15:56

    ja, da wirst du wohl recht haben und ich hier nichts zu suchen.
    viel spaß miteinander.

  14. 14.05.2008 | 16:01

    War was?

  15. 14.05.2008 | 16:29

    Hintergrundrauschen, glaub ich.

  16. Die Stimme aus dem Off
    15.05.2008 | 10:37

    Versuchter europäischer Kulturimperialismus zur Aufrechterhaltung bestehender Machtstrukturen, die durch eine stärker gewordene Informationsgesellschaft zunehmend in Frage gestellt werden.

    Wäre das überzogene Kritik?

  17. 15.05.2008 | 10:43

    Angesichts dessen, was da im Originalpapier steht, scheint es weniger überzogen als vielmehr falsch zu sein.
    Wenn schon, dann wird da Geld in Nischen gepumpt, die nur für Minderheiten von Interesse sind, welche aber nicht für die Finanzierung aufkommen wollen (oder aber auch: können). Um die “Aufrechterhaltung bestehender Machtstrukturen” scheint mir das da nicht zu gehen.

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