FTD-Kolumnisten für Obama

Während der typische Salonlinke sich noch darüber empört, dass bei SPON nicht alle der Obamania verfallen sind, wird bei der FTD ganz offen für den wahrscheinlichen Kandidaten der Demokraten zur US-Präsidentschaftswahl Partei ergriffen.

Nun ist es ja nicht so, als gäbe es überhaupt keine Gründe dafür. Wirtschaftlich gesehen gefällt Obama jedenfalls durch eine Populismusfreiheit, die weder seine innerparteiliche Widersacherin noch sein republikanischer RIvale jetzt noch für sich beanspruchen können. Die Versuchung war offenbar zu groß, aber fragen Sie mal die FDP

Dass ich als Europäer die McCain-Position zum Irak, dem Iran und dem Nahen Osten ganz egoistisch gesehen für sinnvoller halte, muss den amerikanischen Wähler nicht kümmern. Das Gegenteil wäre verständlich - schließlich sind es US-Boys, die sich für mehr europäische Sicherheit umbringen lassen müssen, wenn es nach McCain geht. Und die iranischen Raketen werden die USA noch lange nicht treffen. Da ist es dann auch nicht mehr so wichtig, womit sie bestückt sein könnten.

Nur eins irritiert mich, nämlich dass in der FTD-Kolumne eine Karte gezogen wird, die Obama wahrscheinlich lieber auf Dauer im Deck sehen würde, nämlich die der Hautfarbe des Kandidaten. Angeblich im Willen, Rassismus zu überwinden, wird er dadurch eher etabliert. Da wird eine Wahl Obamas zu einem “Schritt zur Versöhnung Amerikas mit seiner von Rassenkonflikten gezeichneten Geschichte” hochstilisiert und die Hautfarbe eben doch zum Thema gemacht. Obama hat gewusst, warum er die überzeichnenden Ausfälle seines Prediger-Freundes ablehnt. Er versteht sich nicht so, und er will sich nicht so verstanden wissen. Er will gewählt werden für das, wofür er steht, und nicht für die Farbe seiner Haut.

Gut, natürlich darf es Rassisten, also solche, die Obama nicht wählen wollen, nicht nur in den USA geben, sondern doch mindestens so viele auch in Europa:

Ja, wie wäre das eigentlich bei uns, mit dem Sohn oder Enkel eines Afrikaners als Kanzlerkandidaten? Die Antwort wäre die Erkenntnis, dass sich auch in Europa viel verändern muss, wenn wir keine Gesellschaft wollen, in der Hautfarbe die Vergabe von Ämtern und Posten mitbestimmt.

Also wirklich - als ob das hiesige Angebot an Politikern so überwältigend wäre, dass nicht jemand mit etwas mehr Witz und Verstand alle Chancen dieser Welt hätte - egal, ob er schwarz, gelb oder weiß ist. Der FDP-Fraktionschef in Niedersachsen wäre z.B. jemand, der Herrn Klaus primitives Schema etwas durcheinanderbringt. Mensch Klau, Junge, sag doch einfach ganz ehrlich, dass dir die eher sozialdemokratische Politik eines Obama mehr behagt. Musst du dazu solch ein riesiges Fass aufmachen?

Aber immerhin, er lässt die Katze doch noch aus dem Sack:

Es wäre das klarstmögliche Signal, dass der von Teilen der Rechten nach dem 11. September 2001 hochgepeitschte, paranoide Hurrapatriotismus mit seinem Gefolge von Folter, Willkürhaft und fahrlässigem Angriffskrieg die politische Lufthoheit verloren hat. Die Welt hat dieses Zeichen nach acht Jahren mit George W. Bush genauso dringend nötig wie die USA.

Sch…egal, dass McCain gegen Folter und Willkürhaft ist, “die Welt”, will sagen: Herr Klau, meint jetzt, einen anderen Präsidenten verdient zu haben. Also, Amis, haltet euch gefälligst daran, wenn ihr noch zu den zivilisierten Nationen gezählt werden wollt.

Aber, liebe amerikanische Freunde, die ihr euch mit dem Gedanken tragt, Obama zu wählen oder auch nicht: Der Kandidat kann nichts dafür, dass hier einige Kolumnisten abstruse Gedanken veröffentlichen. Wählt einfach, was euch zusagt, und gut ist.

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31 Kommentare zu “FTD-Kolumnisten für Obama”

  1. 15.05.2008 | 9:47

    Lieber Rayson,

    interessante Lektüre über eine aus anderen Gründen interessante Lektüre. ;-)

    Inhaltlich scheint mir die Kolumne von Klau keine Diskussion wert; sie reiht ja ein Klischee ans andere und geht auf die wichtigen Fragen gar nicht ein (Wie würde sich Obama als Präsident verhalten? Welche Auswirkungen wird es haben, wenn er versucht, sein Versprechen, die “Welt zu ändern”, wahrzumachen? Wie wird sich ein Rückzug aus dem Irak im Jahr 2009 auf den Nahen Osten, auf Israel, auf Europa auswirken? Wie wird sich eine protektionistische Wirtschaftspolitik auswirken, wie Obama sie favorisiert?)

    Davon kein Wort. Stattdessen kapriiziert sich Klau auf Obamas Hautfarbe, die in den USA gerade nicht das zentrale Thema in Bezug auf ihn ist. Da sind die Amis eindeutig weiter als Klau und viele Europäer. Abgesehen davon, daß solche volkspädagogischen Tiraden unterhalb des Niveaus der Diskussion in der seriösen Presse der USA sind.

    Interessanter als den Inhalt fand ich, sagen wir, das Umfeld dieses Kommentars.

    Weniger, daß er in der FTD erschienen ist; dort ist über Obama auch ganz anderes zu lesen; Kolumnisten dürfen ja auch etwas schreiben, das weit von der Linie der Redaktion entfernt ist.

    Aber interessant ist das Umfeld von Klau selbst. Er wird in der FTD als “Pariser Vertreter des European Council on Foreign Relations” vorgestellt.

    Dieser Verein nun ist ein Kind von George Soros und wird im wesentlichen von ihm finanziert. Seine politische Ausrichtung ist daraus ablesbar, welche prominente Deutsche in ihm vertreten sind: Joschka Fischer, Cem Özdemir, Caio Koch-Weser (Finanz-Staatssekretär in der rotgrünen Regierung).

    Auch die anderen Mitglieder kommen, soweit ich das beim Durchsehen der Namen erkennen konnte, ganz überwiegend aus dem rotgrünen Spektrum; aus Frankreich zB der Sozialist Strauss-Kahn, aus Italien die Sozialisten Giuliano Amato und Leoluca Orlando.

    Diese Gruppierung steht Obama erstens ideologisch nah. Zweitens dürften sich Leute wie Fischer, die für eine Lockerung der transatlantischen Allianz eintreten, von einem isolationistischen Kurs Obamas mehr versprechen als von einem Präsidenten McCain, der die Allianz mit Europa pflegen und sie zu stärken versuchen würde.

    Das, denke ich, ist der Hintergrund der Kolumne - und nicht dies albernen “antirassistischen” Sprüche ad usum delphini.

    Herzlich, Zettel

  2. R.A.
    15.05.2008 | 10:03

    bei SPON nicht alle der Obamania verfallen sind

    Nicht?
    Dann habe ich etwas verpaßt.
    Mir ist in den letzten Tagen eher aufgefallen, daß es auch bei SPON inzwischen fast als Sakrileg dargestellt wird, daß Clinton gegen den Willen der deutschen Journaille noch kandidiert.

    Wirtschaftlich gesehen gefällt Obama jedenfalls durch eine Populismusfreiheit

    Ups.
    Ich habe von Obama bisher nichts wesentliches zu Wirtschaftsthemen mitbekommen (wie er überhaupt inhaltlich dünn bleibt). Woran machst Du Deine Beurteilung fest?

    Ansonsten Zustimmung, insbesondere auch zu Zettels Ergänzungen.

  3. 15.05.2008 | 10:09

    Woran machst Du Deine Beurteilung fest?

    Am Vergleich, der hinter den Links zu Greg Mankiw zu finden ist, vermute ich.

  4. FG
    15.05.2008 | 10:41

    Danke Rayson. Das sind die Beiträge, für die ich diesen Blog wirklich mag.

    @ R.A.

    Mir ist in den letzten Tagen eher aufgefallen, daß es auch bei SPON inzwischen fast als Sakrileg dargestellt wird, daß Clinton gegen den Willen der deutschen Journaille noch kandidiert.

    Weniger Sakrileg als Merkwürdigkeit. Und das liest man nicht nur bei SPON und der “deutschen Journallie” sondern eigentlich in allen Medien (auch amerikanischen), die sich ein wenige mit dem Stand der Dinge auseinandergestzt haben. HRC hat keine Chance mehr.

    Und zur “inhaltlichen Dünne”: das scheint wirklich ein Wahrnehmungsproblem Deinerseits zu sein. Man kann über Obamas Inhalte zum teil trefflich streiten. Aber sie sind da und sie sind veröffentlicht und für jeden, der es will, einsehbar. Und er redet darüber immer wieder.

    @ Zettel
    Zwar nur ein Nebenkriegsschauplatz, aber: Caio Koch-Weser als ausgeprägten Linken zu verorten ist schon gewagt. Darüber hinaus lese ich die Namen Chris Patten, Mart Laar, Jean-Luc dehaene und Emma Bonino. Ein Rotgrüner Club sieht nun wirklich anders aus.

  5. R.A.
    15.05.2008 | 11:54

    @Boche:

    Am Vergleich, der hinter den Links zu Greg Mankiw zu finden ist, vermute ich.

    Da findet sich der Beleg für die zweite Behauptung, daß nämlich McCain sich populistisch geäußert hat.

  6. 15.05.2008 | 12:15

    Und - wenn mich meine Englisch-Kenntnisse nicht trügen - dass Obama in Mankiws Augen bei einem Thema eine sinnvollere Position vertritt.

  7. 15.05.2008 | 12:25

    Boche hat’s richtig gedeutet. Ich war zu faul, alle Links bei Mankiw zusammenzusuchen, der die Aussagen der Kandidaten immer aufmerksam begleitet, natürlich meist vor dem Hintergrund seines Eintretens für eine Pigou-Steuer, das man nicht teilen muss. Es ist nicht so sehr, dass ich Obamas wirtschaftliche Vorschläge für überragend finde, aber McCain scheint der Meinung zu sein, in diesen Dingen, wo eben auch nicht gerade seine Kernkompetenz liegt, jetzt den klassischen Republikaner zu geben, also so in Richtung pro big business und Steuern runter als Allheilmittel. Das relativiert seine frühere Standhaftigkeit gegen ähnliche Bestrebungen des amtierenden Präsidenten doch sehr.

  8. Emma
    15.05.2008 | 13:17

    “Während der typische Salonlinke sich noch darüber empört, dass bei SPON nicht alle der Obamania verfallen sind,..”
    Habe ich da etwas verpasst? SPON hat doch mit Leuten wie Gabor Steingart alles getan, um den Deutschen zu erzählen, dass an Hillary kein Weg vorbeiführt und Obama nur eine Fata Morgana ist. Das hatte mit Berichterstattung eigentlich nichts mehr zu tun, wie er sich zum deutschen Pressesprecher von Hillary Clinton gemacht hat. Steingart hat in puncto Parteinahme alles getoppt, was es irgendwo in D-Land an Obamamanie geben mag.

  9. 15.05.2008 | 13:51

    Danke für Illustrierung.

  10. Emma
    15.05.2008 | 14:01

    Danke für Impertinenz.

  11. R.A.
    15.05.2008 | 14:39

    Habe ich Tomaten auf den Augen?

    Der Mankiw-Link führt mich zu einer Seite, auf der im Prinzip nur der folgende Satz steht:

    John McCain, the presumptive Republican presidential nominee who should know better, was the first presidential candidate to endorse the gas-tax holiday for the summer driving season. Reportedly, the idea originated with a political pollster, not among Mr. McCain’s economic advisers.

    Das trifft wohl genau Raysons Kritik, daß McCain inzwischen ein gutes Stück (klassisch-republikanischen) Populismus verwendet.

    Aber wo finde ich da etwas zu Obama?

    Wie gesagt, bisher habe ich von ihm zum Thema Wirtschaft nichts mitbekommen - Pigou-Steuer wäre natürlich ein typisch linker Standpunkt. Ob man das populistisch nennen kann, kommt da immer auf die konkrete Ausgestaltung und vor allem Verpackung an.

  12. FG
    15.05.2008 | 14:43

    Habe ich Tomaten auf den Augen?

    Ich hoffe nicht, versuch mal den zweiten Link.

  13. R.A.
    15.05.2008 | 14:45

    @Emma:

    SPON hat doch mit Leuten wie Gabor Steingart alles getan, um den Deutschen zu erzählen, dass an Hillary kein Weg vorbeiführt und Obama nur eine Fata Morgana ist.

    Das ist richtig - aber schon eine Weile her.

    Inzwischen liegt SpOn aber m. E. voll auf Obama-Linie und macht Clinton madig, dafür ist im SpOn-Team offenbar jetzt Gregor Peter Schmitz zuständig.

  14. 15.05.2008 | 14:50

    @R.A.

    Pigou-Steuer wäre natürlich ein typisch linker Standpunkt

    Wäre es das? Gilt die Existenz externer Effekte nur für Linke als gesichert?
    Aber vielleicht verwechselst du Pigou mit Tobin?

  15. 15.05.2008 | 15:05

    @R.A.

    Wenn ich sage, dass Obama etwas nicht tut, ist es natürlich schwer, dafür Links zu finden ;-)
    Und klar, wenn man nicht gerade der Ansicht ist, dass Steuern generell auf einen linken Standpunkt hindeuten, dann sollte es keine Frage der Links-Rechts-Klassifizierung sein, ob man für oder gegen eine Pigou-Steuer ist.

  16. R.A.
    15.05.2008 | 15:29

    @Boche:

    Aber vielleicht verwechselst du Pigou mit Tobin?

    Bingo!
    (Leicht rot werdend im Boden versinke …).

    @Rayson:

    Wenn ich sage, dass Obama etwas nicht tut,

    Richtig - inzwischen hatte sich aber (wie das so ist bei Diskussionen dieser Art) der Fokus leicht verschoben.

    Ich suchte im Link nach Boches “dass Obama in Mankiws Augen”

    wenn man nicht gerade der Ansicht ist, dass Steuern generell auf einen linken Standpunkt hindeuten

    Danke, daß Du mir diesen gesichtswahrenden Ausweg eröffnest ;-)

    Siehe Beitrag eben - ökonomischer Amateur der ich bin hatte ich tatsächlich die Steuern verwechselt.

  17. Herbert
    15.05.2008 | 16:00

    Die Diskussion um Linke, Salonlinke, Obama und Hillary zeigt doch nur die allgemeine Verwirrung. Der hier schon erwähnte Steingart ging mit dem Argument hausieren, Obama sei gar kein richtiger Linker. Wie entsetzlich! Dabei freuen sich die deutschen “Linken” ja gar nicht über Obama, weil er ein strammer Linker ist, sondern weil er die maximale Pein für die deutschen Neoliberalen und NeoCon-Freunde darstellen würde. Das wiederum lesen sie regelmäßig daran ab, dass diese sich ebenso besessen wie verkrampft auf Obama eingeschossen haben. Aber an Pat Buchanan hätten sie kaum weniger diebisches Vergnügen.

  18. 15.05.2008 | 16:14

    “Verkrampft auf Obama eingeschossen”? Wer denn, dass er als repräsentativ für deutsche “Neoliberale” und “NeoCon-Freunde” durchgehen könnte?

  19. 15.05.2008 | 17:29

    Lieber LG,

    Zwar nur ein Nebenkriegsschauplatz, aber: Caio Koch-Weser als ausgeprägten Linken zu verorten ist schon gewagt. Darüber hinaus lese ich die Namen Chris Patten, Mart Laar, Jean-Luc dehaene und Emma Bonino. Ein Rotgrüner Club sieht nun wirklich anders aus.

    Als “ausgeprägten Linken” habe ich den Caio, glaube ich, nicht bezeichnet. Sondern als das, was er war, Staatssekretär unter Rotgrün.

    Auch die anderen Mitglieder kommen, soweit ich das beim Durchsehen der Namen erkennen konnte, ganz überwiegend aus dem rotgrünen Spektrum. Das hatte ich geschrieben. Ich denke immer noch, daß das nicht ganz falsch ist.

    Wer ist denn aus der CSU dabei, aus der CDU, der FDP, aus der französischen UMP, aus dem französischen MoDem von Bayrou, aus Berlusconis Parteienbündnis?

    Sie haben, lieber LG, einige gefunden, die keine Roten oder Grünen sind und deren Namen mir, ehrlich gesagt, zum Teil unbekannt gewesen waren (Laar, Bonino).

    Also, Vorschlag zur Güte: Ich korrigiere “ganz überwiegend” in “überwiegend”. Topp? :)

    Herzlich, Zettel

  20. FG
    15.05.2008 | 18:33

    Wenn wir uns dann auf FG statt LG einigen können, gebongt.

    Emma Bonino aus der “Radikalen” Partei Italiens (Liberal), zunächst Berlusconi-Unterstützerin und auf seinen Vorschlag EU-Komissarin, dann Unterstützung im Bündnis von Prodi.

    Mart Laar, ehemaliger Ministerpräsident Estlands, (national-)konservativ.

  21. Herbert
    15.05.2008 | 19:23

    @ Rayson
    “Wer denn…”
    Die inoffizielle Postille der NeoCon-Versteher in Deutschland ist “Die Welt”. Da trägt man schwer an Obama. Die Neoliberalen sind, Ehrensache, etwas weniger organisiert und uniformiert, also nicht so einfach durch Stellvertreter zu benennen. Zumindest hier im Blog fällt aber R.A. dadurch auf, dass er die unmarktwirtschaftlichen Splitter in Obamas Programm ahnt, während er bei McCain und Clinton sogar übersieht, dass sie den Wählern billigeres Benzin versprechen. Auch wenn Lafontaine oder Beck mit solchem Unsinn in den Wahlkampf ziehen, können sie nicht mit so viel Milde rechnen.

  22. 15.05.2008 | 20:54

    @Herbert

    Da trägt man schwer an Obama.

    Ist das ein Synonym für “verkrampft auf ihn einschießen”? Vielleicht kannst du mir zufällig einen Beispiel-Artikel nennen, da ich “Die Welt” nicht lese.

    Zumindest hier im Blog fällt aber R.A. dadurch auf, dass er die unmarktwirtschaftlichen Splitter in Obamas Programm ahnt

    Vorweg: Die sind ja durchaus da, und in Bezug auf den Freihandel sind es auch nicht nur mehr Splitter.
    Und statt “fällt dadurch auf” wolltest du sicher eigentlich schreiben “ist mir gerade aufgefallen”.

    Zum Beleg dafür, dass sich ganze Horden von “Neoliberalen” und “Neocon-Freunden” “verkrampft auf Obama einschießen”, taugt allerdings auch R.A.s heute geäußerte Skepsis nicht einmal annähernd.

    Ich will jetzt wirklich keinen Linken ihre Gründe dafür nehmen, Obama zu lieben, aber wenn es nur die gefühlte Gegnerschaft von “Neoliberalen” und “Neocon-Freunden” ist, sollten sie sich wenigstens bessere suchen. Auf irgendeinem obskuren Blog verstieg sich sogar mal einer zu Hillary als einer Ikone der “Neoliberalen” - ich weiß nicht, was der vorher geraucht hat, aber der meinte es tatsächlich ernst.

    Interessant, wie sehr sich manche Wahrnehmung vom ideologischen Wunschdenken beeinflussen lässt.

  23. stefanolix
    15.05.2008 | 21:54

    Ich möchte fast wetten, dass man von der gleichen Person auch Zitate findet, in denen Gerhard Schröder als »Ikone der Neoliberalen« bezeichnet wird. Es gab ja im letzten Wahlkampf — immerhin einige Jahre vor Chavez’ Ausfälligkeit — schon etliche Stimmen von linksaußen, die Frau Merkel in die Nähe der Neonazis gerückt haben. Insofern: nichts Neues. Es wiederholt sich als Farce.

  24. FTT
    15.05.2008 | 22:53

    Bonino und die Radicali sind meiner Ueberzeugung nach “liberal” im amerikanischen Sinne des Wortes oder anders ausgedrueckt: Leutheusser-Schnarrenberger-liberal. Als solche widerspricht sie der These eines Sozi-Clubs jetzt nicht so extrem.

  25. R.A.
    16.05.2008 | 16:02

    Zufällig läuft mir hier ein Artikel über den Weg, in dem sich ein Ökonom positiv zum oben diskutierten “Populismus” von McCain/Clinton äußert:

    Vielleicht kann uns Steffen sagen, was davon zu halten ist - er kann die Econtalk-Leute ja gut einschätzen.

  26. 16.05.2008 | 16:08

    Der Gute ist wohl derzeit im Urlaub.

  27. 16.05.2008 | 16:17

    Ich zitiere da mal nur Caplan selbst:

    Most economists oppose the Clinton-McCain gas tax holiday because they can’t see how consumers will benefit. In fact, “most” is an understatement; when challenged to name one economist willing to back her plan, Mrs. Clinton’s response was to disparage the whole profession.

    Und das Gute, das er zu sagen hat, zeugt auch nicht gerade von Begeisterung:

    Politicians are constrained by public opinion. When the public rejects the mundane explanations for high gas prices — big boring facts like rapid Asian growth — politicians aren’t going to correct them. The best we can expect is for Washington to try to channel the public’s misconceptions in relatively harmless directions. We could do a lot worse than the gas tax holiday; in fact, we usually do.

    Sein Hauptargument ist nicht etwa, dass der Vorschlag nicht populistisch sei. Es lautet vielmehr, dass der zu erwartende Populismus weit schlimmere Maßnahmen zur Folge haben könnte. Ich ziehe Obama den Punkt auch sofort wieder ab, wenn ich erfahre, dass er sowas befürwortet.

  28. 16.05.2008 | 16:21

    Kluge Politik - die Wahl des am wenigsten schädlichen Populismus?

  29. R.A.
    16.05.2008 | 16:51

    Schon klar, seine Hauptargumentation läuft schlicht darauf hinaus, daß ein bißchen Populismus schlimmere Politik verhindern kann.

    Das entspricht ja auch seiner Grundthese bei “Myth of the Rational Voter”.
    Und ist wohl auch vernünftig, wenn es um pragmatische Lösungen geht.

    Er schreibt aber auch davon, daß es ökonomisch sinnvoll (oder zumindestens nicht schädlich) sein könnte, weil mehr Gewinne bei den Ölfirmen positive Effekte haben würden.
    Das habe ich nicht wirklich verstanden (weil es wohl auch Hintergrundwissen über US-Entwicklungen in den 70ern voraussetzt).

    Es wäre auf jeden Fall nicht ungewöhnlich, wenn bei einem Vorschlag alle Experten zuerst instinktiv einen Standpunkt vertreten, um dann beim näheren Nachdenken noch andere Aspekte zu finden, die vielleicht ein Umdenken bewirken.

  30. 16.05.2008 | 16:55

    @Boche

    Der Standpunkt eines Zynikers.

    @R.A.

    Alles möglich, nur da ich nicht vermute, dass McCain oder seine Berater von höheren Einsichten geleitet sind als der Rest der Ökonomenwelt, bleibt das Motiv dasselbe.

    Man kann aus Sch… eben doch Gold machen, auch wenn der Urheber tatsächlich nur sch… wollte.

  31. 16.05.2008 | 20:29

    @Rayson

    Der Zynismus (griechisch κυνισμός, kynismós – wörtlich die Hundigkeit im Sinne von Bissigkeit, von κύων, kyon – der Hund) …

    (Wikipedia)

    Passt also gut zu unserem Blog. Außerdem wirkt Dr.House auf Dauer auch entsprechend. ;-)

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