Politiker in die Matrix!

Also dass sowas ernsthaft erwogen wurde, war mir entgangen.

Da wollte unsere allwissende und fürsorgende Regierung doch glatt alle Besitzer von selbstbewohnten Häusern dazu zwingen, “Dämm- und andere energetische Sanierungsmaßnahmen” treffen zu lassen.

Ich hätte noch bis vor kurzem solche drastischen Eingriffe in das Privatleben für unmöglich gehalten, aber der Klima-Wahn ist wohl letztlich wirklich nur eine andere Variante des Terrorwahns. Letzteres führt zu Überwachung, ersteres zu Enteignung. Hauptsache, unsere Politiker finden wieder ein paar Stellschrauben, ihre eigene Existenz zu rechtfertigen und die dumme, unwissende Masse auf den Pfad der Wachsamkeit und Tugend zurückzuführen.

Von jetzt an sehe ich eigentlich nur noch eine Möglichkeit: die Matrix für Politiker. Alle Menschen, die in sich den Drang verspüren, über das Geld ihrer Mitmenschen beliebig zu verfügen und ihnen auch sonst jederzeit vorschreiben zu können, was sie zu tun haben, werden kurz nach Auftreten der ersten Symptome betäubt und in einer Matrix verwahrt, die sie in eine Welt versetzt, die am besten mit einer Mischung der Computerspiele “Die Sims”, “Die Siedler” und “Sim City” beschrieben werden kann. Dort können diese armen Menschen dann ihre abnormen Verhaltensweisen nach Belieben ausleben, ohne den Rest zu belästigen.

P.S. Sollte sich irgendeiner nicht entblöden, hier an “Konjunkturförderung” zu denken, so frage sich dieser selbst, ob er ernsthaft der Ansicht sei, die Hausbesiter würden das Geld, dessen Verwendung ihnen der Staat so liebend gern vorschreiben möchte, stattdessen von ihren Konten abheben und verbrennen. Aber guter Lobbyismus der Bauwirtschaft ist das ohne Zweifel, herzlichen Glühstrumpf.

P.P.S. Immerhin wissen wir, wo der Feind steht:

Die SPD-geführten Ministerien für Umwelt und Bau wollen das Thema mit der 2012 geplanten Novelle der Energieeinsparverordnung neu auf die Tagesordnung setzen.

Ochs und Esel, schon klar. Müsst ihr eigentlich immer dem Zettel recht geben?

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59 Kommentare zu “Politiker in die Matrix!”

  1. 16.05.2008 | 18:03

    Das unbehagliche an der Sache ist, dass ich SPD und Grünen Politikern (mit Ausnahme von Herrn Gabriel) abnehme, dass sie wirklich vom Sinn dieser Maßnahmen jenseits der Produktion neuer Stellschrauben überzeugt sind. Das macht es noch gefährlicher. Denn ehrlich, eine Dämmschutzpflicht ist noch keine Kulturrevolution.

  2. 16.05.2008 | 18:06

    Nein, denn die hätte, wenn es sie gab, schon längst stattgefunden.

    Aber der eigentliche Punkt ist doch, was hinter dem Wort “Sinn” in diesem Zusammenhang tatsächlich steckt. Lass es uns konkretisieren durch mehr Fragen: Zu wessen Nutzen? Mit welchem Recht? Mit welchen Folgen?

  3. 16.05.2008 | 18:23

    >>Zu wessen Nutzen?

    Na aller Menschen natürlich. Insbesondere zum Nutzen der Eigentümer, die erst nachher merken werden wie toll ein gedämmtes Haus ist, mit man die Umwelt rettet und noch Geld spart.

    >>Mit welchem Recht?

    Mit dem des allwissenden, der weiß wie es um Mutter Natur bestellt ist und dem des Erziehungsberechtigten, der einen auf die richtige Bahn lenkt.

    >> Mit welchen Folgen?

    Die Welt vor dem Untergang bewahren und dem Hauseigentümer das befreiende Gefühl zusammen mit seinem Haus eins mit der Natur zu werden.

  4. 16.05.2008 | 18:40

    Das ist doch der wahre Horror:

    FAZ: “Eigentümer von selbstgenutzten Ein- oder Zweifamilienhäusern sollen auch künftig nicht zu Dämm- oder anderen energetischen Sanierungsmaßnahmen gezwungen werden.”

    Für alle anderen als selbstgenutzte Ein- oder Zweifamilienhäuser bleibt es bei den bestehenden Regelungen und Absichten. Das Elend begann nicht erst mit dem Energieausweis.

  5. 16.05.2008 | 20:32

    Die mangelnde Größe dieser vielen widerlichen Puzzle-Steine beruhigt mich auch nicht. Das Gesamtbild, die immer umfassendere Bevormundung, ist zu leicht erkennbar. Kann es sein? Habe ich jemals grün gewählt und die Urväter dieser Ideologie unterstützt?

  6. 16.05.2008 | 22:33

    Boche, die Freien Demokraten stehen auch nicht gegen derlei auf. Die Grünen sind in mancherlei Hinsicht, insbesondere was Überwachung angeht, möglicherweise sogar vorzugswürdig. Konsequenten Liberalismus sucht man unter den machthabenden Politikern/Parteien vergebens - weltweit.

  7. 16.05.2008 | 22:56

    Du meinst die Grünen, die erst letztlich Schilys Antiterrorgesetze durchgewunken haben?

  8. F.Alfonzo
    17.05.2008 | 3:33

    Hauptsache, unsere Politiker finden wieder ein paar Stellschrauben, ihre eigene Existenz zu rechtfertigen und die dumme, unwissende Masse auf den Pfad der Wachsamkeit und Tugend zurückzuführen.

    Die Kernaussage des Beitrags und mein persönlicher Favourit für das Statement des Tages. Hat sich wieder gelohnt, hier vorbeizuschauen.

    @Dirk, all:

    Das unbehagliche an der Sache ist m.E. nicht, dass oder ob die Politiker selbst davon überzeugt sind, denn das macht am Ende keinen Unterschied: Eine Partei, die Dinge propagiert welche niemand will ist dem Untergang geweiht.
    Meine Befürchtung ist also (angelehnt an das Zitat von Rayson) eher die, dass die Menschen hierzulande solch eine Politik in der Mehrheit, oder zumindest zu einem großen Teil gut finden. Der Fehler liegt nicht in der Politik (bei den Parteien), die skrupellos jeden Mist ausschlachten würde, um bei der nächsten Wahl 2% mehr zu bekommen, sondern bei den Leuten (Wählern), die jedes Postulat, welches angeblich ihren eigenen Interessen dienen würde völlig kritiklos und ohne jegliche Reflektion übernehmen.

    …oder, um zu dem Matrix-Vergleich zurückzukommen:
    Wenn ein Politiker mal wieder irgendetwas völlig Absurdes vorschlägt, hab ich des öfteren das Gefühl, dass ich als einziger aus der Matrix erwache und mich frage, wo ich eigentlich bin; während alle anderen in ihren Zellen weiterhin den Traum vom allwissenden, philanthropischen Politiker träumen…

  9. 17.05.2008 | 8:17

    @Boche: Beachte die Verwendung von “mancherlei” und “möglicherweise”. Der FDP kann man in der Frage der Überwachung doch keinen Blankoschein mehr ausstellen. Das gilt seit dem Großen Lauschangriff. Sh. auch hier: http://www.heise.de/newsticker/Verfassungsschutz-soll-auf-Computer-uebers-Internet-zugreifen-duerfen–/meldung/77519

    Der Punkt ist, hier gegen die Grünen anzuschreiben und es so darzustellen, als ob eine FDP-Beteiligung etwas anderes bewirkt hätte. Das EnEG, auf dem die EnEV erlassen ist, ist europarechtlich (Richtlinie 2002/91/EG) motiviert. Da kann auch die nationale FDP nichts dran ändern. Sie würde es auch nicht. Spasseshalber kann sich ja jemand die Mühe machen und herausfinden, wer an der Verabschiedung dieser RiLi beteiligt war.

  10. 17.05.2008 | 8:25

    @F.Alfonzo: Hier schreiben zwei Dirks, was mann leicht übersehen kann. Du erkennst uns an den unterschiedlichen Website-Links hinter dem Namen.

    Was der Wähler will und was nicht, lässt sich vor dem europarechtlichen Hintergrund schwer beurteilen. Gute Politiker schaffen es, den Leuten einzureden, das sie brauchen, was der Politiker liefert. Bessere Politiker finden Journalisten, die ihnen diese Arbeit abnehmen.

  11. Michel
    17.05.2008 | 14:01

    @ Dirk: Die Besten Politiker schaffen es an den universitäten Fuß zu fassen, auf das Generationen von Lehrern und Jornalisten, den Leuten einreden sie breuchten mehr Bevormundung. Zuletzt hat man das am Feminismus gesehen, der es sogar schafft die Rechtsstaatlichkeit zu beseitigen: http://diestandard.at/?url=/?id=1207285555597.
    Vor dem Gesetz sind alle Gleich aber manche sind gleicher.

  12. Jan
    19.05.2008 | 21:34

    Mal ehrlich: dieses System wie es jetzt in Deutschland besteht, ist für mich nicht mehr länger haltbar.

    Die Politiker erhöhen ihre Diäten und verdienen noch mehr als genug, das ist wirklich eine Unverschämtheit wie ich finde.
    Die Spalte zwischen Arm und Reich wird immer größer.
    Der Kapitalismus ist schuld an der Armut der Welt,schuld daran, das soviele Menschen in die Perspektivlosigkeit getrieben werden.
    Alle 3 Sekunden (!) stirbt in der dritten Welt ein Kind an Hunger und warum?
    Weil es machtbessesene Bonzen gibt, die für Geld und das Kapital Menschen zu Sklaven machen und ganze Kulturen in soziale Kriesen stürtzen. Nur weil es ja billiger ist beispielsweise in Rumänien zu produzieren. Der Konzern verdient mehr, weil die Produktionskosten niedriger sind. Die Konsequenzen sind: Niedriglohnarbeiter aus Rumänien (Beispielsweise) arbeiten sich kaputt für ein paar Euro am Tag um ihre Familie zu ernähren. Eine totale Ausbeutung des Menschen eben.

    Verschließt die Augen nicht vor den unmenschlichen Folgen des Kapitalismus !

    Ausserdem ist es schlimm, das heutzutage mehr als 60 Jahre nach dem 2 Weltkrieg, noch Neonazis und der NPD die Chance gegeben wird in einem Parlament zu existieren.
    Eine Beleidigung für jeden Deutschen und eine Herabwürdigung unseres Landes.

    In dem Sinne: gegen Neonazis und diesen Staat !

  13. Michel
    19.05.2008 | 21:59

    @ Jan: Was denkst du machen die rumänischen Arbeiter, wenn die Produktion nicht zu ihnen verlagert wird geht es ihnen dann besser oder schlechter?

    In welchen Ländern starben wie viele an Hunger? In Simbabwe vielleicht, was hat dieses Land mit Kapitalimsus zu tun?

    Bevor diese Fragen nicht beantwortet sind macht es keinen Sinn dem Kapitalimus irgendwelche Folgen zuzuschreiben.

  14. 20.05.2008 | 11:34

    @Jan: Was meinst Du, von wem dieses Zitat stammt?:

    “Die Bourgeoisie reißt durch die rasche Verbesserung aller Produktionsinstrumente, durch die unendlich erleichterte Kommunikation alle, auch die barbarischsten Nationen in die Zivilisation. Die wohlfeilen Preise ihrer Waren sind sind die schwere Artillerie, mit der sie alle chinesischen Mauern in den Grund schießt, mit der sie den hartnäckigsten Fremdenhaß der Barbaren zur Kapitulation zwingt. Sie zwingt alle Nationen, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen; sie zwingt sie, die sogenannte Zivilisation bei sich selbst einzuführen, d.h. Bourgeois zu werden. Mit einem Wort, sie schafft sich eine Welt nach ihrem eigenen Bilde. …
    Die Bourgeoisie hat in ihrer kaum hundertjährigen Klassenherrschaft massenhaftere und kolossalere Produktionskräfte geschaffen als alle vergangenen Generationen zusammen. Unterjochung der Naturkräfte, Maschinerie, Anwendung der Chemie auf Industrie und Ackerbau, Dampfschiffahrt, Eisenbahnen, elektrische Telegraphen, Urbarmachung ganzer Weltteile, Schiffbarmachung der Flüsse, ganze aus dem Boden hervorgestampfte Bevölkerungen – welches frühere [14] Jahrhundert ahnte, daß solche
    Produktionskräfte im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten.”

  15. 20.05.2008 | 11:39

    @RalfMB

    Ich glaube nicht, dass Marx gegen schlichte Weltsicht hilft. In der Geschichte war ja meist das Gegenteil zu beobachten.

  16. 20.05.2008 | 11:53

    @Boche: Lol, jetzt hast Du es verraten!! Hinsichtlich Deiner Beobachtungen stimme ich mit Dir überein - allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, daß bei Kapitalismus-Kritikern die Logik liberaler Argumente keinen fruchtbaren Boden findet - da ist es oft hilfreicher (und wesentlich amüsanter), diese mit Aussagen ihrer eigenen Apolegeten zu konfrontieren.

  17. 20.05.2008 | 11:56

    Der gute Jan wird bei Marx bei Bedarf sicher auch Zitate finden, die die “Ausbeutung des Menschen durch den Menschen” beklagen. Insofern sehe ich keine große Erfolgsaussicht in deinem Versuch.

  18. R.A.
    20.05.2008 | 12:01

    Wenn man wie Jan glaubt, daß Kinder in der dritten Welt verhungern, weil in Rumänien billiger produziert wird als in Deutschland, dann ist dem mit Logik ohnehin nicht beizukommen.

  19. 20.05.2008 | 12:02

    Aber vielleicht mit der Chaostheorie?

  20. 20.05.2008 | 12:13

    Richtig - vorausgesetzt, der gute Jan weiß, daß das Zitat von Marx stammt!

    Fakt ist jedoch, das die Feststellung, die Marx hier bereits 1848 getroffen, heute nicht falsch ist:
    Es gibt und gab kein anderes Gesellschaftssystem als das des Kapitalismus, das in der Lage war, innerhalb einer solch kurzen Zeitspanne einen solch gewaltigen Zuwachs an Fortschritt und Wohlstand zu erzeugen.
    Und wer argumentiert, dieser Zuwachs käme nur den Reichen zugute, sollte sich über die Lebensumstände der Industrie- und Landarbeiter um 1850 informieren: wenn man diesen prophezeit hätte, sie könnten sich - im Zweifelsfalle auch ohne zu arbeiten - eine fernbeheizte Wohnung, ein Telefon, ein Auto und ausreichend Nahrung, Kleidung usw. leisten, hätten sie dies für das reine Schlaraffenland gehalten.

  21. 20.05.2008 | 12:16

    Dass der Wohlstand bei den Arbeitern angekommen ist, haben wir doch den gewerkschaftlichen Klassenkämpfen des letzten Jahrhunderts zu verdanken.

    Und bei den armen Kindern in Afrika kommt das trotzdem nicht an.

    Und aller Wohlstand taugt nichts, wenn mein Nachbar noch viel wohlständiger ist.

    usw.

    Gegen Plattheit hast du keine Chance.

  22. 20.05.2008 | 12:38

    Die Plattheit wird sich letztlich gegen sich selbst richten:
    Wer Bedürftigkeit - und nicht Leistung - zur Grundlage von Belohnung macht; wer meint, das man einen Kuchen gleichzeitig essen und behalten kann; wer außerdem der Überzeugung ist, daß man einen Kuchen verzehren könne, bevor er gebacken wurde - der handelt unlogisch, verkennt die Realität und wird konsequenterweise scheitern.

  23. 20.05.2008 | 13:01

    Dummerweise haben Scheiternde die Tendenz, andere mit hinab zu reißen.

  24. 20.05.2008 | 14:04

    Das ist wahr - soweit es den materiellen Besitz der Produktiven betrifft; diesen werden sie verlieren, wenn das heutige kollektivistische und etatistische System vor den Trümmern seiner Politik steht.
    Aber eines kann keiner den Produktiven nehmen: die Fähigkeit zu denken. Daurch sind sie in der Lage, mit ihren Händen und ihrem Verstand für ihren Lebensunterhalt zu sorgen und eine Produktion wieder in Gang zu setzen.
    Hoffentlich haben sie dann auch begriffen, daß sie nicht wieder in die Opferrolle schlüpfen dürfen, um von dem abgepreßten Ertrag ihrer Arbeit Plünderer, Schmarotzer und Bettler zu ernähren - da sonst das gleiche Spiel wieder von vorn beginnt.

  25. 20.05.2008 | 14:08

    Lass mich raten: Du hast grad “Atlas Shrugged” zu Ende gelesen.

    ;-)

  26. 20.05.2008 | 14:42

    lol - voll ins Schwarze.

    Damit hier aber keine Mißverständnisse aufkommen: ich bin keiner, dem man irgendetwas erzählt (oder der irgendetwas liest), dies dann kritiklos übernimmt und anschließend - lauthals Parolen verkündend - umherläuft.
    Geboren und aufgewachsen in der DDR, erwartete ich als 29jähriger 1989 freudig einen Systemwechsel (”jetzt kommt eine Gesellschaftsordnung, in der es sich lohnt, Leistung zu bringen”) - und wurde diesbezüglich bitter enttäuscht.
    Seitdem versuche ich, durch autodidaktisches Studium (u.a. George Gilder: “Reichtum und Armut”, Hayek: “Weg zur Knechtschaft”, H.-W. Sinn: “Ist Deutschland noch zu retten”, Bücherkollektion von H.O. Henkel usw.) gesellschaftliche Zusammenhänge zu erkennen und bin dabei vor kurzem auf den Objektivismus gestoßen, der meine Sicht auf die Welt philosophisch “unterfüttert”.

  27. 20.05.2008 | 14:52

    In Gedenken an meine Zeit als DDR-Bürger zucke ich persönlich immer zurück, wenn ich mich selbst beim ideologischen Unterfüttern erwische.

  28. 20.05.2008 | 15:19

    Naja, erstens sehe ich zwischen Philosophie und Ideologie einen himmelweiten Unterschied.

    Und zweitens hat sich bei mir die Erkenntnis festgesetzt, daß, wenn man sich als Verteidiger der kapitalistischen Produktionsweise von Kritikern derselben widerspruchslos (oder vielleicht sogar mit stillschweigender Zustimmung) vorhalten läßt, daß - obwohl der kapitalistische Produktions- und Verteilungprozeß als effektiver als andere anerkannt wird - er doch vom Prinzip amoralisch ist, überläßt man diesen Kritikern unberechtigterweise ein Terrain, auf dem kollektivistisches Gedankengut weiter seine Blüten treibt. Man muß diesen Sozialstaatsfetischisten entgegentreten und aufzeigen, daß sie selbst eine Moral vertreten, die “auf dem Kopf steht” - das meine ich mit “unterfüttern”.

  29. 20.05.2008 | 15:26

    Ja, ja, ich wollte dich damit nicht unbedingt kritisiert haben.

    Mein ganz persönliches Problem bei (z.B.) Rand ist eben nur, dass ich sensibel bin, wenn mir jemand zu schlüssig und abgeschlossen klingende Erklärungen “gesellschaftlicher Zusammenhänge” präsentiert. Und mancher Lobpreis des Kapitalismus klingt mir auch zu … wie soll ich sagen? … gläubig.

  30. 20.05.2008 | 15:50

    Ja, ich weiß genau, was Du meinst.
    Mal abgesehen von dem Umstand, daß der Roman vom literatischen her im Courts-Mahler-Style verfaßt ist (was mir immer wieder einen leichten Brechreiz verursacht hat), bin ich gedanklich immer wieder auf der Suche nach Stellen, wo man “den Hebel ansetzen” kann - so habe ich z.B. letztlich mit einem Kumpel stundenlang darüber diskutiert, wie man in einer objektivistischen Ordnung mit geistig und/oder körperlich Behinderten umgeht.
    Auch die Staatsform des Minarchismus bietet reichlich Diskussionsstoff - z.B. bei der Streitfrage, ob der Staat das Recht haben sollte, Einrichtungen wie eine Lebensmittel- und Hygenekontrolle oder einen TÜV zu betreiben.

  31. 20.05.2008 | 16:03

    Das sind zwar recht theoretische aber doch interessante Fragen, die ihr da diskutiert. SimCity für liberale Philosophen. ;-)

  32. 20.05.2008 | 16:26

    … so kann man es sehen :-) … wir bereiten uns nur geistig und moralisch auf den Zeitpunkt vor, an dem das jetzige System komplett abgewirtschaftet hat und diskutieren Alternativen.

  33. 20.05.2008 | 16:32

    … bloß nicht darüber das Hier und Heute vergessen.
    Menschen denken in Grenzbegriffen. Sagt mir mein Mankiw, den ich grad lese. Und er hat wohl Recht.

  34. 20.05.2008 | 17:38

    Stimmt. Ich lese gerade “Die Gemeinwirtschaft” von L.v.Mises (1922). Das wirklich Faszinierende daran (und auch an “Atlas Shrugged” von Rand /1957) ist, daß mich soviele Ausführungen unausweichlich an momentan diskutierte Themen erinnern - obwohl so ein gewaltiger zeitlicher Abstand zwischen dem Zeitpunkt der Niederschrift und dem “Hier und Heute” besteht. So ist die Gefahr, die Gegenwart zu vergessen und in eine theoretische Zukunft “abzugleiten”, gering.
    Ich ziehe immer wieder den Hut vor dieser geistigen Leistung, das (damals) Kommende (=jetzt) so präzise vorauszusehen - und dies nur auf der Basis der Logik.

  35. Lina
    21.05.2008 | 7:38

    @ Boche

    Zitat: “Und mancher Lobpreis des Kapitalismus klingt mir auch zu … wie soll ich sagen? … gläubig.”

    Wasser auf meine Mühlen…! - War sehr interessant übrigens, Euch gestern (OT) zugehört zu haben! Auch bzgl. dieser exotischen Frage:

    @ RalphMB

    Zitat: “… ob der Staat das Recht haben sollte, Einrichtungen wie eine Lebensmittel- und Hygenekontrolle oder einen TÜV zu betreiben.”

    In einer “objektivistischen Ordnung” undenkbar? Na, da lobe ich mir doch die subjektbezogene Ordnung von Gesetzen, die mich vor der Ausschliesslichkeit der Gewinnorientierung von Industrie und Handel bewahren sollen, damit diese mir nicht unkontrolliert anbieten, was ihnen nützt, mir aber schadet. Also bitte! Der Staat hat nicht nur das Recht, sondern IMHO auch die Pflicht dazu, mich vor derlei zu schützen. Einer ersatzweise privatwirtschaftlicher Lebensmittel- und Hygienekontrolle würde ich keinen Schritt über den Weg trauen. Nein, zwischen Privatwirtschaft und Verbraucher gehört neutrale steuerfinanzierte Kontrolle; anders geht es nicht.

    Von was für einem positivistischen Menschenbild, bzw. -modell muss man ausgehen, um auf solche Ideen zu kommen? Mir ein absolutes Rätsel(-;.

  36. R.A.
    21.05.2008 | 9:50

    @Lina:

    Nein, zwischen Privatwirtschaft und Verbraucher gehört neutrale steuerfinanzierte Kontrolle; anders geht es nicht.

    Ich bin ja nun auch skeptisch gegenüber radikal-libertären Ansichten - aber ein rein privatwirtschaftlich organisierter Verbraucherschutz ist sehr wohl denkbar.
    Und vielleicht auch viel effizienter als die übliche Behördenarbeit.

    Man sollte ja nicht vergessen, daß sehr viel dessen, was wir an staatlichem Handeln gewöhnt sind und für selbstverständlich oder gar einzig mögliche Form halten, erst seit wenigen Generationen etabliert ist.

  37. Lina
    21.05.2008 | 10:24

    @ R. A.

    “…erst seit wenigen Generationen etabliert ist.”

    Ja, genau - nachdem reihenweise in Erfahrung gebracht wurde, was alles “geht”, wie man sagt.

    Nein, ich kann mir diese Leistung wirklich nicht anders vorstellen als staatlich neutral *und* möglichst effizient; an anderes möchte ich mich erst nicht gewöhnen müssen, ehrlich (-;!

  38. stefanolix
    21.05.2008 | 11:00

    Lina, Dein Auto wird doch auch beim TÜV, bei der Dekra oder einer anderen autorisierten Stelle kontrolliert. Entstehen Dir oder anderen Verkehrsteilnehmern dadurch Nachteile? Der Staat gibt eine Aufgabe (technische Sicherheitskontrolle) an privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen weiter. Der Staat legt lediglich fest, dass die technische Sicherheitskontrolle durchgeführt werden muss.

  39. R.A.
    21.05.2008 | 12:55

    @Lina:

    nachdem reihenweise in Erfahrung gebracht wurde, was alles “geht”, wie man sagt.

    Jein.
    Richtig ist, daß jede dieser reihenweise eingeführten Staatskontrollen irgendeinen konkreten Auslöser hatten.

    Irgendwo ging irgendetwas schief, und die Politik beschließt, da müsse der Staat etwas machen. Es folgen neue Gesetze und neue Behörden.

    Eigentlich wird aber nie überprüft, ob der neue Zustand nun besser funktioniert als der alte, ob eine bessere Lösung möglich gewesen wäre, ob die Gesamtbilanz der Kontrollen nicht sogar negativ ist, weil sie andere Nachteile mit sich bringt.

    Wir haben doch weiterhin regelmäßige Skandale à la Gammelfleisch, wir haben sinnlose Kontrollen (Schornsteinfeger), die wegen der üblichen staatlichen Trägheit nie wieder in Frage gestellt werden.

    Und wir haben tausende Todesfälle pro Jahr, WEIL der Staat die Kontrolle monopolisiert.
    Und zwar im Medizinsektor: Weil jedes Medikament aufwendig und langwierig getestet werden muß, werden Patienten rettende Mittel vorenthalten.
    Sie haben nicht die Wahl, ob sie ein riskantes, noch ungetestetes Mittel nehmen, um ihr Leben zu retten - der Staat entscheidet das für sie, und damit oft gegen sie.

  40. 21.05.2008 | 12:57

    @Lina
    Ich muß Dich daraufhinweisen, daß Du da etwas durcheinanderbringst:
    Ich schrieb nicht im Zusammenhang mit dem Objektivismus von “der Ansiedlung von Einrichtungen wie Lebensmittel- und Hygienekontrolle oder TÜV beim Staat”, sondern in Verbindung mit dem Minarchismus.
    Objektivistisch gesehen verhält sich der Sachverhalt so:
    In dem Moment des Erwerbs eines Nahrungsmittels schließe ich mit dem Verkäufer einen Vertrag - auch wenn dieser nicht schriftlich niedergeschrieben wird. Der Vertrag impliziert,
    daß das von mir erworbene Gut bekömmlich und nahrhaft für mich ist und mich nicht vergiftet (sonst wäre ich keinesfalls bereit, einen Wert - Geld - gegen einen anderen Wert - Nahrung - zu tauschen). Mit der Zusicherung dieser Eigenschaften wird mir diese Ware vom Verkäufer angeboten - erfüllt diese Ware diese Zusicherungen wider mein Erwarten nicht, handelt es sich im minderschweren Fall um Betrug; im schweren Fall um einen Anschlag auf meine Gesundheit bzw. auf mein Leben. Davor muß ich mittels Gesetzen geschützt werden und diese haben eine Bestrafung für den Betrüger zur Folge zu haben. Aus objektivistischer Sicht darf keiner einen Gewinn erzielen, indem er die Menschenrechte (auf Leben, Freiheit und Eigentum) eines anderen verletzt.

    Beim Minarchismus handelt es sich um eine Staatsform, die das Zusammenleben der Menschen nach objektivistischen Prinzipien ermöglichen soll. Im Gegensatz zu anarchokapitalistischen Ansichten, die die Notwendigkeit der Existenz eines Staates negieren, soll der minarchistische Staat Polizei, Armee und Gerichtsbarkeit (aber eben auch nur diese Positionen!) unterhalten bzw. ausüben. Um eine Judikative auszuüben, bedarf es als Voraussetzung natürlich Gesetze.
    Diese sollten z.B. den Maßstab der Mindestanforderungen von Hygene bei der Erzeugung von Lebensmittel festschreiben.
    Eine andere Frage ist jedoch, inwieweit der Staat berechtigt ist bzw. sein soll, die Kontrolle der Einhaltung der Gesetze auszuüben.

    Schon allein Dein Hinweis, er solle dies “effizient” tun, löst bei mir ein Erstaunen aus - Staat und Effizienz verhalten sich meiner Ansicht nach wie Feuer und Wasser.

    Da bin ich schon eher der Meinungen von R.A. und stefanolix: warum sollte bspw. eine privatwirtschaftliche Organisation eine Kontrolle nicht ebenso neutral und fachgerecht ausüben können. Effizienter wäre diese allemal: die dafür aufzuwenden Kosten würden die Unternehmer in die Preise “einarbeiten” - dafür würde der zu entrichtende Steueranteil, der für den Unterhalt einer staatlichen Kontrollabteilung verwendet wird, wegfallen.

  41. Lina
    21.05.2008 | 18:40

    @ R.A.

    Zitat: “Und zwar im Medizinsektor: Weil jedes Medikament aufwendig und langwierig getestet werden muß…”

    Oh ja, für diesen hochsensiblen Bereich gebe ich Dir vollkommen Recht. Ansonsten verlasse ich mich in meiner Negativ-Betrachtung privatwirtschaftlicher Kontrolle auf simple Menschenkenntnis, von der ich - sorry! - nicht abzubringen bin (-;…

  42. Lina
    21.05.2008 | 18:43

    @ RalfMB

    Danke für die ausführliche Unterscheidung dessen, was ich nicht auseinandergehalten habe.

    Mit der Theorie des Minarchismus, so wie Du ihn beschreibst, kann ich mich grundsätzlich anfreunden, nicht aber mit der positivistischen Menschen- und Weltsicht dahinter, die ihn mir für die Praxis untauglich erscheinen lässt.

    Zitat: “Effizienter wäre diese allemal: die dafür aufzuwenden Kosten würden die Unternehmer in die Preise “einarbeiten” - dafür würde der zu entrichtende Steueranteil, der für den Unterhalt einer staatlichen Kontrollabteilung verwendet wird, wegfallen.”

    Eine höhere Effizienz privatwirtschaftlicher Instanzen will ich gemessen an den Nach- und Fahrlässigkeiten im Öffentlichen Dienst nicht bezweifeln Aber selbst wenn es so wäre, wie Du schreibst, bleibt die Unwägbarkeit, ob dieser vertragsbasierte Handel OK ist, und wie man, wenn er es nicht ist, einen möglichst beschwerdefreien Beschwerdeweg einschlägt; ohne sich im rechtsdunklen Dschungel zu verirren. Es ist doch heute schon so, dass Reklamationen zum grossen Ärger von Verbrauchern vielfach ins Leere laufen und sie letzten Endes immer der Dummen sind, die draufzahlen.

    Wenn stefanolix also meint, man könne sein Auto auch rein privatwirtschaftlich prüfen lassen, dann soll er sich mal sagen lassen, wie unbeschlagene Autofahrer heutzutage in Kfz-Werkstätten betrogen und abgezockt wirden; der ADAC gibt Auskunft. Diese bei Reparaturen eingerissenen Mechanismen sind ohne weiteres auf die privatwirtschaftliche Prüfung zu übertragen.

    Und so weiter und so fort; das ist ein Ding ohne Ende, wenn man weiss, dass der Mensch als Marktteilnehmer in einer von staatlicher Aufsicht weitestgehend befreiten Wirtschaft enthemmt und korrupt agiert. Eine Unterstellung? Glaub’ ich nicht.

  43. 21.05.2008 | 20:14

    @Lina
    Ich ahne, wo Dein tieferliegendes Problem liegt: Du hälst die menschliche Natur per se für verkommen und schlecht - und diese kann Deiner Meinung nach nur durch regulatorischen Zwang “im Zaume gehalten werden” :-)

    Insbesondere unterstellst Du den Unternehmern, sie wären im Prinzip nur eine profitgierige Räuberbande.
    Sicher, es gibt natürlich solche Wirtschaftsnomaden: schnell ein Geschäft abschließen (die Branche ist dabei völlig egal), Gewinn einstreichen und ab zum nächsten Deal - soll der Kunde doch zusehen, wo er bleibt.
    Aber glaube mir, dies ist nicht die Regel sondern die Ausnahme.

    Kannst Du Dir vorstellen, daß es auch Unternehmer gibt, die auf langfristige Kundenbeziehungen abzielen? Diese haben nämlich einen unschlagbaren Vorteil: solcherlei Geschäfte bringen immer wieder Umsatz. Hierzu ist natürlich Voraussetzung, dass der Kunde nicht “abgezockt” wird - dies würde nämlich auf längere Sicht selbst der Einfältigste merken; mit der Folge, daß er zur Konkurrenz abwandert.

    Ein Unternehmer kann nur einen langfristigen Erfolg erzielen, wenn er die Bedürfnisse seines Kunden kennt und die entsprechenden Waren/Dienstleistungen zum richtigen Zeitpunkt mit dem optimalem Preis/Leistungsverhältnis an den Verbraucher bringt.

    Seine Motivation bei dieser Interaktion auf einem freien Markt ist nicht Altruismus oder ein besonderes Gespür für Fairnis - es ist das blanke eigennützige Gewinnstreben (Mißgünstige sagen auch “Profitgier”) - und dieses zwingt ihn, seinen Kunden anständig zu behandeln. Und das ist gut so!

  44. Michel
    21.05.2008 | 21:19

    @ Streitfrage, ob der Staat das Recht haben sollte, Einrichtungen wie eine Lebensmittel- und Hygenekontrolle oder einen TÜV zu betreiben.

    Natürlch sollte er das nicht, DIN ist auch privat. Welche Fahrzeuge (und Fahrer) für den Verkehr zugelassen werden entscheiden die Betreiber also im Minarchismus auch die Wirtschaft, die sich aus Effizienzgründen wohl in einem Verband organisieren wird.
    Das mit den Lebensmittel- und Hygenekontrolle sehe ich auch problemfrei. Auch jetzt schaut man sich doch Obst, Gemüße und Fleich genau an bevor man es kauft. Die Kontollen ersetzten eben nicht die eigene Verantwortung.

    @ Lina: Mit Unternehmen musst du erstaunlich schlechte Erfahrungen gemacht haben, die ich nicht nachvollziehen kann. Klar gibt es auch Angestellte die einen Scheiße behandlen, aber meist werden z.B. Garantien eher zugunsten des Kunden ausgelgt. Vielleicht ist es einwenig wie mit den Frauen, wenn man einmal an eine LSE-Schlampe geraten ist, trau man auch allen normalen Frauen erstmal nicht über den Weg.

  45. Lina
    21.05.2008 | 21:37

    Du musst es nicht gleich übertreiben mit den Ahnungen zu meiner Person (-;. Ich überzeichne gern und nicht grundlos! Natürlich kann ich mir all das vorstellen, was Du gegen meinen bewusst verengten Fokus ins Feld führst, und nicht nur das: ich erfahre es am eigenen Leib, dass die Regel eine andere ist.

    Daneben sehe ich allerdings eine schnell wachsende Tendenz zum Regelbruch, je unübersichtlicher die Waren- und Konsumwelt wird. Die vermeintlich “rechtsfreien” und damit für den Konsumenten riskanten Räume in ihr wachsen, und jeder, der teilnimmt und hinschaut, kann sie sehen. Mit ihr wächst der Ansturm auf die Verbraucherberatungen und letzlich die Anwaltskanzleien, weil das Kräftespiel zwischen Anbieter und Nachfrager durch eine beständig wachsende Herde schwarzer Schafe bereits empfindlich gestört ist.

    Zitat: “….es ist das blanke eigennützige Gewinnstreben (Mißgünstige sagen auch “Profitgier”) - und dieses zwingt ihn, seinen Kunden anständig zu behandeln.”

    Hier spricht der Gnostiker (-;. Genauso gut bzw. schlecht kann ihn sein persönliches Gewinnstreben dazu zwingen, unlautere bis kriminelle Methoden anzuwenden. Und was die unterlegte Missgunst betrifft: blankes, eigennütziges Gewinnstreben als “Profitgier” zu bezeichnen, ist eine Sache des jeweiligen Einzelfalls und der individuellen Betrachtung - meine nicht. “Und das ist gut so!”(-;

  46. Lina
    21.05.2008 | 21:54

    @ Michel

    Schlechte Erfahrungen? Doch, einige, zuletzt mit der Telekom AG, die meine Kündigung partout nicht annehmen wollte und mir statt einer Schlussrechnung monatelang neue Monatsrechnungen schickte; das hat dort Methode, wie man inzwischen weiss. Aber ich schau’ auch gern über den eigenen Tellerrand auf den Inhalt der anderen, ob da alles drauf ist, was auf der Karte stand (-;…

    Übrigens: *…eine LSE-Schlampe* - was ist das?

  47. 22.05.2008 | 12:04

    @Lina

    “Genauso gut bzw. schlecht kann ihn sein persönliches Gewinnstreben dazu zwingen, unlautere bis kriminelle Methoden anzuwenden.”

    Genau hier liegt der Denkfehler:
    Selbstverständlich hat jeder Anbieter bei einer Interaktion mit seinem Kunden im freien Markt die Wahl zwischen Betrug (sukzessive Zwang, Erpressung etc.) und einem Geschäft zum beiderseitigen Vorteil, um einen Gewinn zu realisieren.
    Daß er dies aber dauerhaft “genauso gut bzw. schlecht” - was impliziert, daß das Ergebnis unabhängig von der Wahl des Weges der Gewinnerzielung gleich bleibt - kann, möchte ich vehement bestreiten.

    1. Wendet er “unlautere bis kriminelle” Methoden an, erzielt er zwar kurzfristig einen Profit, wird aber langfristig vom Markt (bzw. vom Gesetzgeber) bestraft - angefangen von der Abwanderung eines enttäuschten Kunden zur Konkurrenz bis zur Haftstrafe

    2. Allein schon der (begründete) Verdacht der Unseriösität reicht bei dem Verbreitungsgrad der heutigen Massenmedien aus, den Umsatz des Anbieters erheblich zu schmälern oder ihn im Extremfall ganz vom Markt zu fegen. (Negativerlebnisse verbreiten sich ca. 100x schneller als positive Erfahrungen)

    Dies wird allerdings nur unter der Voraussetzung wirksam, daß beide Parteien auf einem freien Markt agieren - einem Monopol ist es piepegal, ob sein Kunde mit dem Preis/Leistungs-Verhältnis zufrieden ist; schließlich ist dieser ja auf die Ware/Dienstleistung angewiesen und hat keine Chance, zu einem Wettbewerber abzuwandern.
    (was Deine Erfahrungen mit der DTAG beweisen, bei dieser Firma handelt es sich im Bereich Festnetzanschlüsse immer noch um ein fast flächendeckendes Monopol).

    Was die “Profitgier” betrifft: Diese Ansicht habe ich Dir nicht unterstellen wollen - ich meinte mit diesen Zeitgenossen die Spezies der Volksbeglückungsutopisten - und für einen Vertreter dieser gattung halte ich Dich ausdrücklich nicht :-))

  48. Michel
    22.05.2008 | 14:04

    @ Lina: Soso dein Misstrauen gegen den Markt gründet also nicht auf Erfahrung oder Einsicht, sondern auf Unterstellung. Schon erstaunlich wie die Leute so zu ihren politischen Urteilen kommen, wieder ein Argument mehr gegen die Demokratie.
    LSE-Schlampen sind Frauen mit niedrigen selbstbewustsein, die bei der Dressur ihrer Partner auch vor für Ansehen und Gesundheit gefährlichen Manipulationen nicht zurückschrecken. Kurz Frauen mit einer mildern Form von Borderline.

  49. stefanolix
    22.05.2008 | 15:22

    Jetzt könnten wir doch eigentlich vom Ausflug auf das weite Feld der zwischenmenschlichen Beziehungen wieder auf das Thema »Politiker in die Matrix!« zurückkommen?

    Man kann ja sicher fast alles mit fast allem vergleichen und der Vergleich zweier Enttäuschungen hat sicher auf den ersten Blick seinen Reiz. Aber beim zweiten Hinsehen scheint mit der Vergleich ziemlich zu hinken, schon weil man dafür einen doch ziemlich herabwürdigenden Ausdruck braucht (und auch noch erklären muss).

  50. 22.05.2008 | 15:46

    Übrigens erinnert mich der Titel des Beitrags wenn ich ihn lese immer an “Stasi in den Tagebau”-Rufe des Jahres 1989. Die Parole sollte man vielleicht wieder auspacken, wenn die nächste Regierung einen Ex-Stasi-Mitarbeiter als Minister enthält.

  51. Michel
    22.05.2008 | 15:56

    @ stefanolix: He mit dem Posting beschwörst du doch eigenlich herauf, was du vermeiden wolltst.
    Worum es mir bei dem Vergleich ging, war natürlich nicht Unternehmen Borderline zu unterstellen, sondern darum mir zu erklären, wie man negativen Eigenschaften allen Angehörigen einer Gruppe unterstellen kann. Da boten sich mir extrem schmerzhaften Begegnungen an, wie ich sie zuvor nur aus dem Zwischenmenschlichen kannte. Hoffe das konnte den Verglich entschärfen. Mein Erklärungsversuch erwies sich letztlich sowieso als haltlos, wie die Unternehmen als Gruppe zu ihren schlechten Ruf kommen bleibt ein Mysterium.

  52. Lina
    22.05.2008 | 16:13

    @ RalfMB

    Wär’ zwar nicht nötig gewesen, aber danke für die (wiederholte) Belehrung. Einen Denkfehler fällt auch mir auf, nämlich hier:

    “…reicht bei dem Verbreitungsgrad der heutigen Massenmedien aus…”

    Den heutigen Massenmedien wird der Stoff viel zu viel, also setzen sie lediglich Prioritäten - was durchaus zu verstehen ist. Da schafft es gerade mal Bayer in die Schlagzeilen, wenn es einen sog. “Arzneitmittelskandal” zu verantworten hat. So sieht es aus und nicht anders - um wieder einmal der Deutlichkeit wegen überzeichnet zu haben (-;…

    Mit Verlaub gefragt: Wo lebst Du? Zwischen Buchseiten (-;?

  53. Lina
    22.05.2008 | 16:15

    @ Michel

    Komisch, dachte in meinem Beispiel von einer echten Erfahrung mit gewonnener Einsicht gesprochen zu haben…

    Aber danke für die Erläuterungen zum LSE-Fall.

  54. stefanolix
    22.05.2008 | 17:43

    @Michel: wenn ich hier wirklich etwas heraufbeschwören sollte, kann ich es auch schnell wieder herabbeschwören;-)

    Das Zwischenmenschliche zeigt manchmal Züge der ökonomischen Beziehungen und ökonomische Beziehungen sind immer durch das Allzumenschliche beeinflusst. Aber die Unterschiede sind doch so groß, dass ich persönlich diesen Vergleich lieber weglassen würde.

  55. 22.05.2008 | 17:55

    @Lina

    Wo ich lebe? Ich lebe in meiner Eigenschaft als selbständiger Kaufmann seit ca. 17 Jahren tagtäglich in der der Realität des Kundenverkehrs.

    Und nur soviel zu den Massenmedien: ich muß es nicht in die Titelzeile von BILD oder den RTL2-News schaffen, um aufgrund einer negativen Nachricht meinen Umsatz zu torpedieren oder bankrott zu gehen. In meiner Branche (Telekommunikation/ Spezialgebiet Ausland Deutschland) reichen dazu durchaus Schilderungen von Negativerlebnissen von Kunden auf den Internetforen von teltarif.de oder telefon-treff.de (die jeden Tag Tausende von Lesern haben), da ich 99% meiner Kunden über das Internet gewinne.

    Außerdem liegt es mir fern, Dich belehren zu wollen - und ich entschuldige mich dafür, wenn dies so bei Dir ankam.

  56. Lina
    22.05.2008 | 18:38

    @ RalfMB

    Nein, eine Entschuldigung ist beileibe nicht nötig; ich werde ausgesprochen gern belehrt (-;. Wie Du lebe ich in derselben Eigenschaft, gewinne aber meine Kunden zu 99 % von der Strasse, und mache durch persönliche Kunden-Kontakte möglicherweise andere Erfahrungen. Zuzügl. dessen, was ich selbst erlebe und per Literatur, Presse oder Internet lesen kann, komme ich zu meinem differenzierteren, skeptischen Blick auf ein praktisch freies Marktgeschehen ohne Staat, ohne Regulative, die schlicht und einfach der menschlichen Natur Rechnung tragen. Vielleicht sollten wir eine minarchistische Gemeinde als Staat im Staat gründen - aber ohne gnostisches Glockenläuten, bitte (-;…?

    Ich münde also, um aus der Matrix zu flüchten, da wieder da ein, wo Boche Dir schrieb: “Und mancher Lobpreis des Kapitalismus klingt mir auch zu … wie soll ich sagen? … gläubig.”

  57. 23.05.2008 | 10:53

    @Lina

    Ich habe noch einmal über das “Menschenbild” nachgedacht, über das wir anscheinend so unterschiedliche Auffassungen haben - und bin dabei zu dem Ergebnis gekommen, daß wir in dieser Hinsicht aneinander “vorbeigeredet” haben:

    Ich bin in meinen Ausführungen immer von einer menschlichen Natur ausgegangen, die unter den Bedingungen eines freien Marktes agiert und ein eigenverantwortliches Leben führt, d.h. der Mensch hat eine freie Wahl der Entscheidungen und trägt die Folgen seiner Handlungen selbst.

    Du aber gehst von der menschlichen Natur aus, wie sie jetzt existiert - von einem freien Markt kann ja wohl momentan keine Rede sein.
    Unter Beachtung dieser Prämisse gebe ich Dir Recht: mit Menschen, die gewohnt sind , daß andere für ihre Bedürfnisse zahlen (und sich dabei noch moralisch im Recht fühlen!); die erzogen wurden, persönliche Risiken auf ein anonymes Kollektiv abzuladen und die geneigt sind, die Folgen falschen Handelns auf andere abzuschieben bzw. keinen Mut/Verstand/Energie/Selbstvertrauen haben, überhaupt eigene Entscheidungen zu treffen, kann man nicht von “heut auf morgen” eine offene Gesellschaft nach minarchischem Muster schaffen.

  58. Lina
    23.05.2008 | 15:15

    @ RalfMB

    “…daß wir in dieser Hinsicht aneinander “vorbeigeredet” haben:

    Ja, insofern, als Du es bist, der vom (anteilig) veränderbaren, beweglichen (also sozialen) Menschen spricht, und ich, anders als Du dachtest, vom (anteilig) unveränderbaren, statischen (also genetisch determinierten) Grundtypus ausgehe.

    Deine Einschätzung ist die, dass er nur noch nicht reif ist für das minarchische Experiment, meine, dass er es nie wirklich sein wird - was ich dem Katalog seiner offenbar manifesten und dem Verstand resistenten Triebe entnehme.

    Fang’ in der Steinzeit an oder bei Dostojewski, Du wirst bis zum heutigen Tag überall die selben Grundmuster menschlichen (Trieb-) Verhaltens finden, im Guten wie im Schlechten. Und weil ich das sehe, kann ich mir nur schwerlich vorstellen, dass weitestgehende Freiheit von “Vater Staat” eine Option für die (ungleiche) Masse sein kann; man müsste sie ihr schon aufzwingen können (-; …

  59. Michel
    23.05.2008 | 20:53

    @ Lina: Also deine Erfahrungen haben nur gezeigt, das es mitunter schlechten Service gibt, aber nicht, dass Unternehmen regelmäßig unverantwortich handeln und erst dass wäre ein Argument gegen die Verlagerung von staatlicher auf privater Ebenen.
    @ Lina & RalfMB: Also die These die Menschen seinen nicht reif dafür eigenverantwortlich zu handeln, halte ich für maßlos übertrieben. Vielleicht sind 20% bis 40% dazu nicht in der Lage und für die liese sich immer noch eine private Lösung finden, vielleicht ein Klientelwesen wie im alten Rom. Auserdem zu Letzt holt einen die Verantwortung immer ein, sie lässt sich gar nicht effektiv übertagen, schon gar nicht ohne Subsidarität.
    @ Lina: warum soll eigentlich der Staat über die Triebnatur enthoben sein. Wenn der Mensch tatsächlich durch seine Triebe bestimmt ist, ist es doch gefährlicher, wenn sich Menschen mittels Gewaltmonopol von den negativen
    Konsequenzen ihrer Handlungen abschirmen können. Die typische Politikerdenke, über die B.L.O.G. so oft berichtet ist ein Syntom davon.

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