Selektive Wahrnehmung

Der Pantoffelpunk beschwert sich, dass einige Zeitungen darüber berichten, dass linksextrem wie auch islamistisch motivierte Straftaten im vergangenen Jahr deutlich zugenommen haben, während die Zahl der rechtsextrem motivierten Verbrechen zurückgegangen ist. Der Grund für seine Ablehnung ist dabei nicht, dass diese Aussage nicht stimmt, sondern er stößt sich offenbar vielmehr daran, dass dabei das Offensichtliche außer Acht gelassen wird: Die absolute Zahl der rechtsextremen Straftaten ist immer noch sechs Mal so hoch wie die der linksextremen und 24mal höher als die der islamistischen. Diese “freie Interpretation”, wie er es nennt, wird dann zum Anlass für eine der üblichen Tiraden zwischen Verschwörungstheorie und Agitprop, die sein Blog für mich unterhaltsam machen.

Doch muss man auch dem guten Punk selbst vorwerfen, die Zahlen eher selektiv zu interpretieren. Denn nach den von ihm zitierten Zahlen gibt es zwischen der Zahl der Gewalttaten kaum noch einen Unterschied zwischen Rechts und Links, und die Zahl der islamistischen Gewalttaten steigt auf deutlich niedrigerem Niveau dafür um so stärker an. Die wirklich extreme “Übermacht” der Rechtsextremen liegt mehr im Bereich der “sonstigen Straftaten”. Die Quelle listet hier als Beispiele Sachbeschädigung und Nötigung auf - wer sich aber ein wenig mit Extremismus beschäftigt, der weiß, dass hier auch die so genannten “Propagandadelikte” und die Volksverhetzung eine Rolle spielen. Und die können nun einmal nur Rechtsextreme begehen, weil es keine entsprechenden Gesetze gibt, die auf linksextreme Äußerungen anzuwenden wären (wer die DDR verherrlicht, muss sich nicht vor der Justiz fürchten).

Zieht man aber beide Kategorien ab, so kommt man bei den Rechtsextremen nur noch auf 555 “sonstige Straftaten”, also gut ein Viertel der entsprechenden Straftaten von Linksextremen.

Eine seriöse Deutung wäre also folgende:

Die Zahl der politisch motivierten Gewalttaten in Deutschland ist im vergangenen Jahr sehr leicht zurückgegangen; die erfreulichen Trends bei rechts- und linksextremen Gewalttaten wurden zum Teil durch einen deutlichen Anstieg islamistischer Gewalttaten wieder aufgefangen. Bei den sonstigen Straftaten ist ein deutlicher Anstieg linksextrem und vor allem islamistisch motivierter Straftaten zu verzeichnen, während sich die Zahl entsprechender rechtsextremer Gewalttaten stabil hält.

Wo liegt nun die größere Gefahr? Das ist sehr schwer zu beurteilen. Ja, bei den Gewaltdelikten ist der Rechtsextremismus immer noch genau so bedrohlich wie die beiden anderen Faktoren zusammen - was aber vor allem daran liegt, dass der Islamismus keine ständige Gefahr darstellt. Der Linksextremismus ist nach wie vor die geringere Gefahr für Leib und Leben der übrigen Bürger, aber durchaus bei der Bedrohung von Freiheit und Eigentum auf dem Vormarsch. Im Ergebnis kann man also sagen: Rechts- wie Linksextreme sind nach wie vor eine Gefährdung, tun sich nicht viel in ihrem Bedrohungspotenzial und haben leicht, aber nicht nennenswert abgenommen.

Im Fazit: Die Bedrohung durch Extremisten wächst nicht, aber sie schrumpft auch nicht. Wachsamkeit ist nach wie vor nötig, Sicherheitswahn à la Schäuble aber ganz und gar nicht.

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28 Kommentare zu “Selektive Wahrnehmung”

  1. 17.05.2008 | 1:44

    Ja, und ziehen wir bei den Linken die erfassten “Straftaten” während des G8-Protestes ab, bleibt da nicht mehr viel.

    Des weiteren sehe ich ein Unterschied, ob Bundeswehr-LKW oder Wohnhäuser angezündet werden.

    Es bleibt festzuhalten, dass Du Dich vor Linken auf der Strasse nicht fürchten musst, wenn Du nicht gerade “Heil Hitler” brüllst … während bei Faschos schon die falsche Frisur reicht, um die Zähne weggeboxt zu bekommen.

    Aber ansonsten “Danke” für das Lob (Lob?) der Unterhaltsamkeit… :-)

  2. F.Alfonzo
    17.05.2008 | 2:44

    @ Karsten:

    Es wundert mich, dass dich das wundert… oder so.
    Es dürfte ziemlich klar sein dass jemand, der eine politische Position vertritt versucht, diese Position so freundlich wie möglich aussehen zu lassen. Die Interpretation von Statistiken (die ja naturgemäß niemals alle Informationen enthalten, die ein “neutraler” Beobachter zur Bewertung benötigen würde) gehört da zur “Grundausbildung”. Warum sonst streiten sich führende Politiker in Deutschland öffentlich über den Wahrheitsgehalt von Statistiken?

    Das “Aufrechnen” von Delikten ist in dieser Diskussion übrigens immer das hirnverbrannte Ergebnis: Die Linken sind weniger bedrohlich als die Rechten, weil sie 17 Autos weniger angezündet haben. Hellyeah!! Find ich super.

    @pantoffelpunk:

    Deiner Meinung nach ist es also verständlich, wenn ich Dresche bekomme, weil ich auf eine Gruppe Punks zugehe und “Heil Hitler” rufe? Wo ist da der Unterschied zu den Rechten?
    Die sind doch nur anders konditioniert: Die einen werden bei “Heil Hitler” zum Berserker, die anderen, wenn sie bunte Haare sehen.
    Ein Linker hat dann meinen Respekt, wenn er dem Hitlergruß nicht mit Schlägen, sondern gut plazierten Sprüchen entgegentritt. Ansonsten wäre das doch nur die andere Seite der selben Medaille, oder?

  3. FTT
    17.05.2008 | 8:53

    In Berlin soll es schon vorgekommen sein, dass man von “Linksextremen” für ein auf Nachfrage geäußertes Bekenntnis, die FDP zu wählen mit Bier übergossen wurde. Ob nun links oder rechts, lechts oder rinks, mein persönliches Sicherheitsempfinden nimmt im allgemeinen mit zunehmender Nähe und Zahl von Extremisten um mich herum ab. Da herrscht bei mir eine intuitive Äquidistanz.

  4. Die Stimme aus dem Off
    17.05.2008 | 9:23

    Mir ist und bleibt wohl auch unbegreiflich, welche Rolle die politische Gesinnung dabei haben soll. Straftat bleibt doch Straftat und die politische Gesinnung ist gar nicht verlässlich zu ermitteln.

    Wenn zehn Punks auf einer Partie im Suff beschließen jetzt mal ordentlich die rechten Propagandadelikte in die Höhe schießen zu lassen, weil sonst zu wenig gegen Rechts getan würde, und dann in einer Nacht fünfzig Hakenkreuze an Häuserwände schmieren, sind das dann “rechte” Straftaten?

    Wenn andersherum hundert Mann von rechts beschließen sich schwarze Klamotten anzuziehen und mal so richtig autonom den Bullen ein paar Steine um die Ohren zu werfen (als vermeintlich Linksautonome), sind das dann linke Straftaten?

    Und bitte wie ordnet man Straftaten von Ausländergruppierungen ein? Schwarze Wölfe=rechts, OK. Aber die PKK-Nachfolgeorganisationen und vor allem deren Splittergruppen? Und was bitte ist eine islamistische Straftat, fällt ein Ehrenmord darunter?

    Diese ganzen Einteilungen in rechts-/links-/islamistisch - motiviert haben doch nur den Zweck, zusätzliche Bürokratie aufzubauen. Der praktische Nutzen ist gleich Null, weil es zum einen keinen Erkenntnismehrwert gibt und zum anderen dadurch auch nicht nur einer einzigen Straftat irgendwie effizienter, effektiver oder nachvollziehbarer begegnet werden würde.

    Als in den 90er-Jahren die Ausländerkriminalität zum ersten Mal öffentlich diskutiert wurde, bemühte man sich von Links übrigens intensiv darum, die typischen ausländerrechtlichen Straftaten aus der Statistik herauszunehmen. Schließlich könnten nur Ausländer diese Straftaten begehen (Damals waren das Verstöße gegen das AuslG und AsylVerfG, nämlich gegen räumliche Beschränkungen) und deshalb müsste man diese Straftaten auch konsequent herausrechnen. Bei Propagandadelikten soll diese Logik heute anscheinend nicht mehr gelten.

  5. 17.05.2008 | 10:01

    @pantoffelpunk:
    Guter Hinweis, der starke Anstieg der linksextrem motivierten Delikte dürfte tatsächlich mit Heiligendamm zu tun haben. Da dürften wir dann im nächsten Jahr einen starken Rückgang beobachten können, das ist anzunehmen.
    Und das Lob war tatsächlich ein Lob. Denn unabhängig von politischer Übereinstimmung oder Nicht-Übereinstimmung lese ich gern gute Polemik, und die finde ich bei Dir häufiger. :)

  6. tigger
    17.05.2008 | 11:49

    “Wo ist da der Unterschied zu den Rechten? Die sind doch nur anders konditioniert: Die einen werden bei “Heil Hitler” zum Berserker, die anderen, wenn sie bunte Haare sehen.”

    Du bekommst von Linksradikalen auf die Mütze, weil sie mit Deiner politischen Einstellung nicht klarkommen, die Du ihnen provozierend entgegenschleuderst. Rechte verprügeln Dich, weil Du Du bist. Das ist der Unterschied.

  7. FTT
    17.05.2008 | 12:16

    “Du bekommst von Linksradikalen auf die Mütze, weil sie mit Deiner politischen Einstellung nicht klarkommen, die Du ihnen provozierend entgegenschleuderst.”

    Allerdings fühlen sich (Links-)Radikale eben extrem oft extrem schnell provoziert.

  8. tigger
    17.05.2008 | 15:05

    Najaaaa, mit dem Hitler-Gruss, und der wurde ja zum Vergleich herangezogen, würde ich mich auch provoziert fühlen.

  9. 17.05.2008 | 15:31

    Du bekommst von Linksradikalen auf die Mütze, weil sie mit Deiner politischen Einstellung nicht klarkommen, die Du ihnen provozierend entgegenschleuderst. Rechte verprügeln Dich, weil Du Du bist. Das ist der Unterschied.

    Das ist ein Unterschied, ja. Aber was soll ich mit ihm anfangen, so lange wir noch keine Grundrechte 1. und 2. Klasse definiert haben? Oder haben wir das schon?

    Ich kann es ja noch nachvollziehen, wenn man “Gewalt gegen Sachen” für weniger verwerflich hält als “Gewalt gegenüber Personen”, und in der Tat treffen sowohl das Strafgesetzbuch als auch die Aktivitäten der Ermittlungsbehörden solche Unterscheidungen, aber erstens sollte das nicht zu Legitimierungszwecken missbraucht werden und zweitens unterhalten wir uns da nur eben nur über verschiedene Grade des Bösen.

  10. tigger
    17.05.2008 | 15:53

    Es geht darum, zumindest stellt Karsten diese Frage, worin die grössere Gefahr liegt. Und die liegt meines Erachtens darin, verprügelt zu werden aufgrund meines Aussehens oder meiner vermeintlichen Herkunft, und nicht darin, dass ich mich mit “Heil-Hitler”-Rufen zurückhalten muss, wenn ich einer Gruppe Punks begegne.

  11. import Tkinter
    17.05.2008 | 18:01

    Wenn man die “sonstigen Straftaten”, insbesondere Propaganda- und Volksverhetzungsdelikte einmal außen vor läßt und sich nur auf die Gewalttaten konzentriert, stellt man schnell fest, daß sich die beiden Lager nicht viel tun: http://www.spiegel.de/fotostrecke/0,5538,31517,00.html

  12. R.A.
    17.05.2008 | 22:28

    @pantoffelpunkt:

    und ziehen wir bei den Linken die erfassten “Straftaten” während des G8-Protestes ab

    Und wieso sollte man das tun?
    Ist doch ziemlich egal, was denn nun der aktuelle Krawall-Anlaß war - Straftat bleibt Straftat.

    Karstens Darstellung (in den letzten drei Absätzen) beschreibt die Lage sehr gut.

  13. 18.05.2008 | 1:41

    @import Tkinter:
    Willst Du einen Keks? Gibt man Papageien ja für gewöhnlich.
    Oder mal ernst gesagt: Habe ich nicht genau das oben geschrieben? ;)

    @tigger:
    Ja, das sehe ich ähnlich. Andererseits besteht bei den Linken mehr und mehr auch die Gefahr, vermöbelt zu werden, weil man wesentlich harmlosere Dinge sagt als “Heil Hitler”. Und auch das ist nicht gut.

  14. 18.05.2008 | 10:20

    Der “Vorteil” der einen Gewalt ist also, dass sie dem potenziell Geschädigten Spielraum für taktisches Verhalten ermöglicht. Allerdings wohl auch das nicht mehr, wenn derjenige schon “einschlägig” als Vertreter einer nicht genehmen Meinung bekannt war. Dann verwischen die Grenzen zwischen “was du bist” und “was du tust”.

  15. 18.05.2008 | 11:35

    Es geht darum, zumindest stellt Karsten diese Frage, worin die grössere Gefahr liegt. Und die liegt meines Erachtens darin, verprügelt zu werden aufgrund meines Aussehens oder meiner vermeintlichen Herkunft, und nicht darin, dass ich mich mit “Heil-Hitler”-Rufen zurückhalten muss, wenn ich einer Gruppe Punks begegne.

    Selbst wenn jemand Heil-Hitler-rufend durch die Stadt ziehen würde, hätte niemand dafür das Recht ihn zu vermöbeln.

    Die Staatsgewalt hätte nach der derzeitigen Gesetzeslage das Recht ihn festzunehmen, aber Angst um die Unversehrtheit seiner Person dürfte eigentlich kein Grund dafür sein, dass sich jemand mit Heil-Hitler-Rufen zurückhalten muss.

  16. 18.05.2008 | 11:37

    Äh… nur um das klarzustellen, ich will damit jetzt nicht die Heil-Hitler-Rufer in irgendeiner Form legitimieren, das oben soll nur festhalten, dass “gebührliches” Verhalten nicht davon ausgehen darf, dass ich Angst davor haben muss, dass mir Gruppe X aufs Maul haut, weil ich mich “falsch” verhalte.

  17. tigger
    18.05.2008 | 14:05

    “Selbst wenn jemand Heil-Hitler-rufend durch die Stadt ziehen würde, hätte niemand dafür das Recht ihn zu vermöbeln.”

    Um das “Recht” geht es gar nicht, sondern um die Einschätzung, von welcher Gruppe eine grössere Gefahr für mich ausgeht. Die Gefahr, dass ich in Anwesenheit linker Extremisten versehentlich das 3. Reich hochleben lasse schätze ich als geringer ein, als die Gefahr aufgrund meines “nicht-arischen”, oder eventuell “zeckenhaften” Aussehens unfreiwillig Teilnehmer einer Jagdgesellschaft zu werden.

  18. 18.05.2008 | 14:15

    @tigger

    Nazi-haftes Aussehen reicht auch schon gelegentlich, wie ich mal selbst beobachten durfte.

    Ansonsten sollte die Gefährlichkeit von Extremisten in einem Rechtsstaat m.E. auch nicht unbedingt an der Quantität wie Qualität der potentiellen Opfer gemessen werden (und am eigenen Risiko). Für die RAF waren es nur eine Handvoll Vertreter der Industrie, die man nach Belieben per Kopfschuss töten durfte.

  19. Pictures of Lily
    18.05.2008 | 17:54

    Nazi-haftes Aussehen reicht auch schon gelegentlich, wie ich mal selbst beobachten durfte.

    Da reichen schon oft kurze Haare und ein Hemd…

    Es wäre ja auch nicht so, dass die Linken alleine Neonazis bekämpfen:

    Wenn ganz Göttingen voll mit Plakaten ist auf denen steht: “Nie wieder Arbeit - Kommunismus statt Frieden” dann sollte einiges klar sein.

  20. 19.05.2008 | 17:26

    Ich antworte hier jetzt mal unabhängig davon, dass tigger eigentlich schon das wesentliche gesagt hat.

    @Alfonzo:

    Das “Aufrechnen” von Delikten ist in dieser Diskussion übrigens immer das hirnverbrannte Ergebnis: Die Linken sind weniger bedrohlich als die Rechten, weil sie 17 Autos weniger angezündet haben.

    Was ist denn das für ein Schwachsinn? Es geht hier nicht um die Aufrechnung, wer mehr Autos anzündet, sondern darum, dass die eine Seite Millitärfahrzeuge anzündet oder Farbbeutel an weiße Luxusvillenfassaden schmeißt - was man verwerflich finden kann oder auch nicht, das zu diskutieren sprengte hier den Rahmen - und die andere Seite Menschen zusammenschlägt oder auch tötet. Und wenn Du hier keinen Unterschied in der Gefährlichkeit der “Täter” sehen kannst, tust Du mir aufrichtig leid.

    Deiner Meinung nach ist es also verständlich, wenn ich Dresche bekomme, weil ich auf eine Gruppe Punks zugehe und “Heil Hitler” rufe? Wo ist da der Unterschied zu den Rechten?

    Der Unterschied besteht darin, dass der Hiltergruß bewusst suggeriert, dass der Rufende jemand ist, der die Ermodung von 6 Millionen Juden gutheißt, der sich nicht nur als die Krone der Schöpfung ansieht, sondern auch unwertes Leben definiert und in der Regel nicht davor zurückschreckt, dieses Denken auszuleben und unwertes Leben auszulöschen. Außerdem will dieserjenige mit Sicherheit nichts anderes, als eine Schlägerei zu provozieren.

    Die Rechten hingegen schlagen Dich nicht für etwas, das Du bewusst tust, sondern für etwas, dass Du von Natur aus bist: Sie hauen Dir die Fresse dick, weil Du als Mann Männer liebst, weil Du die falsche Hautfarbe hast, den falschen Dialekt sprichst oder die falsche weil sichtbare Behinderung hast.

    Und ja, diese Verallgemeinerung ist zulässig, da sich das Weltbild der Rechten auf das Recht des Stärkeren stützt und im Übrigen alle Zahlen dafür sprechen.

    @FTT:

    In Berlin soll es schon vorgekommen sein, dass man von “Linksextremen” für ein auf Nachfrage geäußertes Bekenntnis, die FDP zu wählen mit Bier übergossen wurde.

    Ich lache mal ganz sanft, ja? SOLL vorgekommen sein? Mit Bier übergossen? Oh, ich hoffe nicht, dass der FDP-Wähler dadurch eine Querschnittslähmung davon getragen hat. Ich rede von sowas… von 136 offiziell gezählten Todesopfern rechter Gewalt, nicht von einem nassen Anzug.

    @Stimme aus dem Off
    Ess geht hier um extremistische Straftaten, die die BRD und deren Bevölkerung bedrohen.

    @Rayson:

    aber erstens sollte das nicht zu Legitimierungszwecken missbraucht werden und zweitens unterhalten wir uns da nur eben nur über verschiedene Grade des Bösen.

    Nein, es geht nicht ums Legitimieren von Straftaten, es geht um die Einschätzung von Gefahr. Und da ist NATÜRLICH ein GROSSER Unterschied zwischen Farbbeuteln auf Häuserwänden und 136 Todesopfern.

    @R.A.

    Ist doch ziemlich egal, was denn nun der aktuelle Krawall-Anlaß war - Straftat bleibt Straftat.

    Weil der G8-Gipfel und was sich rund herum abgespielt hat, erstens nicht der Alltag ist und zweitens selbst der BGH Ermittlungen udn Strafverfahren für unrechtmäßig erklärt hat, weil nämlich drittens selbst das falsche t-Shirt schon zur Straftat erhoben wurde: http://shirtcity.typepad.com/shirtcity_blog/2007/06/staatsfeind_nr1.html

    @import Tkinter
    Dann unterhalten wir uns erstens nächstes Jahr um diese Zeit nochmal über diese Zahlen und zweitens wollen wir doch mal folgendes offenes Geheimnis berücksichtigen: Lange nicht jede rechtsextremistische (Gewalt-)Straftat wird als solche benannt. In der Zeit stand erst letzte Woche zu lesen, dass Kriminologen von einer mindestens drei mal so hohen Dunkelziffer ausgehen.

    Siehe hier, hier oder hier.

    @Boche: Du, ich verrate Dir jetzt mal was: Die RAF ist tot, es gibt keine RAF mehr, aufgelöst, kaputt, fertig, Flasche leer. Verstehst Du? Der letzte politische Mord der RAF dürfte fast 20 Jahre zurückliegen und wir werden hier nicht über die RAF diskutieren, aber selbst wenn es sie noch gäbe, würde sie Dir nicht gefährlich werden.

    Naja, was ich nicht verstehe ist, dass die hier mitlesenden und mitdiskutierenden “Liberalen” bis auf tigger versuchen, rechte Gewalt zu verharmlosen. Keine Widerrede bitte, natürlich ist das so. Wer versucht, 136 offizielle Todesopfer gleichzusetzen mit einem nassen Anzug, einem kaputten Radkasten von Herrn Diekmann und ein paar Farbflecken auf dem Haus eines Funktionärs aus der Rüstungsindustrie, verharmlost Morde.

    Ach so, @Lily:
    Du bist also eher KOMPLETT humorbefreit, oder?

  21. 19.05.2008 | 20:28

    @Boche: Du, ich verrate Dir jetzt mal was: Die RAF ist tot, es gibt keine RAF mehr,

    @pantoffelpunk, du, ich verrate dir mal was: Die RAF war ein Beispiel. Ein Beispiel für Extremisten, die aus ideologischen Gründen kaltblütig mordeten. Beispiele benutzt man in Diskussionen, um etwas zu veranschaulichen. Allerdings stößt das beste Beispiel bei manchen auf gewisse Grenzen. Das ist dumm aber wohl nicht zu ändern. Verstehst du? Nö?

  22. 19.05.2008 | 20:33

    Wer versucht, 136 offizielle Todesopfer gleichzusetzen mit einem nassen Anzug, einem kaputten Radkasten von Herrn Diekmann und ein paar Farbflecken auf dem Haus eines Funktionärs aus der Rüstungsindustrie, verharmlost Morde.

    Na, Hauptsache, das Feindbild steht. Diese Gleichsetzerei hier war ja wirklich nicht auszuhalten…

  23. 19.05.2008 | 21:05

    @pantoffelpunk

    Eigentlich gibt es nach diesem lakonischen und treffenden Kommentar von Boche nichts mehr zu sagen. Ich verderbe es trotzdem.

    Nimm’s einfach hin, dass du hier nicht die Rituale erwarten kannst, von denen du auszugehen scheinst. Meinereiner erwähnt zwischendurch was von der selbstverständlich unterschiedlichen Bewertung und Behandlung durch Recht und Strafverfolgungspraxis (siehe Aufklärungsraten), aber das geht bei dir wohl unter, weil es nicht genau das Schibboleth ist, das du hören möchtest. Wenn ich mir anschaue, was die Bundesanwaltschaft im Fall Ermyas M. für einen Aufwand getrieben hat, und wenn ich mir das Medien-Echo anschaue, das als Reaktion auf Mügeln entstand, dann scheint mir die Gefahr, dass in diesem Land Gewalttaten verharmlost werden, die im Verdacht stehen, in einer auch nur geringen Weise durch die rechtsradikale Gesinnung der Täter motiviert gewesen zu sein, nicht besonders hoch anzusiedeln zu sein.

    Die Unterscheidung in “linke” und “rechte” Gewalt ist aber schon selbst eine Vereinfachung allererster Güte, und es ist einfach Unsinn, gerade auf dieser Basis Glaubensbekenntnisse abzugeben und zu verlangen. Gewalt ist Scheiße, und wenn sie politisch motiviert ist, wird sie nicht weniger Scheiße. Ein Mord ist schlimmer als eine Sachbeschädigung, und das Verhältnis ändert sich nicht, wenn eins von beiden einen politischen Hintergrund zugesprochen bekommt. Das heißt aber nicht, dass Sachbeschädigung so lange ungesühnt bleiben sollte, bis man bei Mord eine Aufklärungsrate von 100% erreicht hat.

    Aber wirklich fasziniert bin ich von der Magie der Zahl. Jetzt ist diese reichlich ominöse Zuordnung von 136 Toten also bereits eine “offizielle”.

    Klar: Jeder von den 136 Toten, egal, wie und warum sie ihr Leben verloren, ist einer zuviel. Aber wenn es um die Ursachen geht, dann sollten wir hoffentlich bessere Einordnungen zur Verfügung haben als nur die von “links” oder “rechts”. Sonst sind wir nämlich aus Ideologie mitschuldig an den nächsten 136.

  24. F.Alfonzo
    20.05.2008 | 3:20

    @ pantoffelpunk:

    Jetzt schlagen natürlich alle Argumente aller antwortenden Leute hier auf Sie ein; mein Respekt dafür, dass Sie Ihre Positionen hier rechtfertigen.

    Zu Ihrem Beitrag:

    Doch es geht eben schon um Aufrechnung. Vielleicht nicht in der Summe des zerstörten Eigentums.
    Aber: Sind Sie sich sicher, dass noch nie ein Mensch von einem Linken (im Vollsuff) getötet oder zumindest schwer verletzt wurde?
    Hier haben wir das Problem der Aufrechnung: “linke” töten und verletzen 2 Menschen im Jahr, “Rechte” töten wesentlich mehr und verletzen wesentlich mehr Menschen im Jahr (k.A. ob’s wirklich so ist, interessiert mich auch nicht, nur als Beispiel).
    Sind die Linken dann besser, weil sie weniger Menschen verletzt und getötet haben? (ich beziehe mich auf meinen Beitrag zum Hitlergruß: Von einem zivilisierten Menschen erwarte ich, dass er auch mit Nazis zivilisiert umgeht, und nicht gleich drauf losprügelt).

    Aber Sie, pantoffelpunk, scheinen die Gewaltbereitschaft nicht mal negieren zu wollen. Deshalb frage ich Sie persönlich: Hat ein Mensch, der Andere mit dem Hitlergruß begrüßt (sein es aus Spaß, Provokation oder purem Hass ggü. den Angesprochenen) verdient, für seine politische Ansicht (auch wenn es nicht die wirkliche Ansicht ist) körperlich verletzt zu werden?

    Viele Linke würden das bejahen, und das ist einer der Gründe, warum mich die Interessen von Linken und Rechten (gleichermaßen) nicht interessieren.

    Was Rechte im gegenzug machen würden interessiert mich nicht, da ich rechte und linke Extremisten grundsätzlich und gerne in einen Topf werfe. Warum auch nicht? Die Methoden sind die selben, die Ziele letztendlich auch.

    …der einzige Unterschied (heute noch) besteht darin, dass Linke (was ich natürlich nicht abstreite) eine wesentlich höhere Toleranzschwelle bzgl. Kritik an ihrer Person haben als Rechte.

    Ein Vorschlag meinerseits: Linke (Punks, etc.) sollten sich vielleicht weniger über ihren hirnverbrannten Nazi-Gegner definieren, als über sich selbst. Das sehe ich aber heute noch nicht.

    F. Alfonzo

  25. 20.05.2008 | 11:10

    Sind die Linken dann besser, weil sie weniger Menschen verletzt und getötet haben?

    Es ist ja nun auch nicht so, daß die komplette Linke diese Menschen umbringt, auf Befehl aus Moskau und mit Lafo als Cheerleader, sondern das machen in der Regel schon Individuen. Und ebensowenig erhalten die Nazis zentral Weisung vom Obersalzberg. Wenn die Zahl der Todesopfer ‘der Linken’ insgesamt wesentlich niedriger liegt als die ‘der Rechten’, dann kann man also u.U. davon ausgehen, daß der Linken im Mittel wesentlich weniger tötungsbereite Einzelne angehören als der Rechten, und das hieße dann schon was.

  26. 20.05.2008 | 11:28

    Hieße das was? Und was?

  27. 20.05.2008 | 12:37

    Naja, zumindest, daß der Linken wesentlich weniger mordbereite Einzelne angehören. Da ich meine, daß “schlimm” ein skalierbarer Begriff ist, würde ich sagen: Sachbeschädigung und Körperverletzung sind schlimm, aber Mord ist halt schlimmer.

  28. 20.05.2008 | 13:08

    Naja, zumindest, daß der Linken wesentlich weniger mordbereite Einzelne angehören.

    Das wäre eine Deutungsmöglichkeit. (Vielleicht ja wirklich die richtigste.)

    Eine andere wäre, dass die Ideologie, angewandt auf die heutige Zeit, weniger konkrete Möglichkeiten liefert, die Mordlust auszuleben.

    Dem, der Ausländer oder Schwule oder sonst irgendwie anders Seiende oder Aussehende hasst, laufen relativ oft potentielle Ziele seiner Mordlust vor die Fäuste. Die Mordlust verbindet sich mit intellektuell nicht sehr anspruchsvollen Zielkriterien.

    Dem, der Ausbeuter, Spekulanten, Kapitalisten, Imperialisten, Manager, das Schweinesystem, Bullen und Nazis hasst, dürfte die Zielauswahl eher schwierig fallen. Außer bei den letzten beiden Gruppen, die man an Kleidung oder Sprüchen erkennt oder zu erkennen meint.

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