Unsolidarischer Sprachmüll

Ich habe gezögert. Soll ich auch noch die letzte Sau, die die Politik durchs Dorf treibt, durch Beachtung adeln? Im Kampf zwischen Klugheit und Brechreiz siegte aber letzterer. Deshalb:

„Wir brauchen eine neue Solidarität.”

Sagte laut z.B. FAZ der “Gesundheitsexperte” der Sozialdemokraten, Karl Lauterbach.

Würde man diese Aussage mit dem gesunden Sprachverständnis der deutschen Sprache Goethes und Schillers, Hesses und Benns oder auch nur der meiner alten Deutschlehrerin zu Abiturzeiten analysieren, würde man vermuten, Herr L. forderte seine Mitmenschen auf, Armen Gutes zu tun und zu helfen.

Leider kann man politische Aussagen nicht so einfach dekodieren. Oder besser: Man braucht andere als sprachliche Regeln, um Aussagen von Politikern zu verstehen. Bei den Sozen ist das recht einfach: Der Begriff “Solidarität” steht schlicht für das Erheben neuer oder das Erhöhen bestehender Steuern und Abgaben.
(Folgerichtig heißt es, dass der neue Armutsbericht, der Herrn L. zu dieser obskuren Forderung animierte, in der SPD Stimmen laut werden lässt, die die Wiedereinführung der Vermögenssteuer forderten.)

Nun könnte man sich zurücklehnen und sagen: “Ok, Prinzip verstanden. Politiker sprechen verschlüsselt. Aber mit ein wenig Mühe kann man das verstehen.”

Ich mag mich aber nicht zurücklehnen. Weil es mich (wiederholt) aufregt, wenn so mit Sprache umgegangen wird. Nicht, weil mich Herrn Lauterbachs sprachliche Demenz (oder Hinterhältigkeit) speziell ärgern würde. Sondern weil dieser Müll, dieses (wohl doch absichtliche) Verdrecken des Gedachten, medial massenhaft verbreitet wird. Und weil ich mich schon heute nicht mehr mit meinen Mitmenschen unterhalten kann, ohne den Schmutz solcher Begriffsverdrehung zu bedenken und im Gespräch als Voraussetzung zu beachten.

Solidarität, Herr Lauterbach, “impliziert ein Prinzip der Mitmenschlichkeit; Solidarität konstituiert sich aus freien Stücken” (Wikipedia).
Indem Sie diesen noblen Begriff für Ihre Enteignungs- und Sozialneidfantasien missbrauchen, ziehen Sie echte Solidarität in den Dreck, in dem Sie sich politisch suhlen. Wer sich solidarisch verhält, wird zukünftig mit Ihnen und Ihren Gesellen zusammengedacht. Sie sprachlicher Schmutzfink!

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Update:
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31 Kommentare zu “Unsolidarischer Sprachmüll”

  1. Jan
    19.05.2008 | 11:20

    Herr Lauterbach hat das mit dem “brauchen” wohl so dringend gemeint, dass man sich den Luxus freiwilliger Solidarität angesichts der bitteren Armut in diesem Land (auch ich gehöre derzeit zu diesen 13 Prozent und weiß, wie schwer es sich ganz ohne Premiere-Abo und Playstation 3 leben lässt) einfach nicht mehr leisten kann und darum sofort mit sozialistischer Gründlichkeit die Armut abgeschafft werden muss.

    In der Welt von Herrn Lauterbach zählt nach meinem Eindruck ohnehin nicht, was Menschen freiwillig tun, weil es viel zu viele gibt, die halt nicht das tun, was Herr Lauterbach für richtig hält. Trotz seiner ständigen Ermahnungen rauchen zum Beispiel immer noch manche von uns einfach fröhlich weiter! Da ist es doch kein Wunder, wenn der Mann seinen Glauben an das Gute im Menschen verliert, oder?

    Es lebe der Neusprech: Solidarität ist Pflicht und Großzügigkeit zeugt von ungerechtem Überfluss.

  2. 19.05.2008 | 11:26

    Ja, gib über die Politik Weltverbesserern Macht - und es kommen kleine, giftige Zwerge heraus, die Karl heißen, Fliege tragen und Neid und Missgunst schüren.

    Deinen Beitrag zum Thema fand ich auch sehr lesenswert.

    Und hier scheinen einige dem Herrn L. zu zeigen, was Solidarität sein kann. Begreifen wird der das trotzdem nicht.

  3. 19.05.2008 | 11:51

    Schon wieder habe genauso gedacht wie Boche. Auch ich habe mich über die Verwendung dieses Wortes geärgert.

  4. Lina
    19.05.2008 | 12:27

    @ Boche

    Lieber Himmel, bist Du heute gut drauf!

    “…dieses (wohl doch absichtliche) Verdrecken des Gedachten…”

    Also wirklich, besser hätte man nicht sagen können, was Neusprech oder Zeitsprech, Sprachmüll genannt, an Assoziation hervorruft. Bravo! (Chapeau wäre hier zu klein (-:…)

  5. 19.05.2008 | 12:30

    Ich habe gestern abend und heute morgen im Hotel gerade wieder mal
    Fernsehzugriff gehabt: gestern fast die gesamte Christiansen Will-Talkshow und heute das Morgenmagazin. Ich habe den Gysi, den Eichel und den Seehofer ertragen, die sich im Grunde nur darin unterscheiden, auf welche Weise sie in unsere Taschen greifen wollen. Aber der Lauterbach bringt das Faß der Unverschämtheit wirklich zum Überlaufen. Es ist an der Zeit, seine »Studien«, seine Ideologie und seine Sprachpanscherei noch genauer unter die Lupe zu nehmen.

  6. 19.05.2008 | 12:34

    @stefanolix

    Zum Anschauen politischer Talkshows reicht meine Kraft zur Selbstbeherrschung nicht aus.

  7. R.A.
    19.05.2008 | 12:52

    Und was wieder einmal typisch ist: Dieser Bericht ist noch gar nicht öffentlich.
    Es ist also nicht möglich, die angeblichen Ergebnisse zu überprüfen und die Details nachzulesen.

    Aber der zuständige Minister präsentiert schon mal seine politischen Folgerungen - und die ganze Presse springt unkritisch darauf an.

  8. Lina
    19.05.2008 | 13:16

    @ stefanolix

    Zieh’ ins Hotel und Du wirst Deines Lebens nicht mehr froh (-;…nein, bleib zu Hause, wo Du anscheinend in der glücklichen Lage bist, nicht auch noch durch Zuschaustellen des “Verdreckten von Gedachtem” beschmutzt zu werden.

    Mach’ es wie Boche: sei stark oder schwach, wie man’s nimmt, und widerstehe! Ich war so stark, mir volle zwanzig Minuten davon zuzumuten…

    Der Effekt war derselbe, und was ich gelernt habe: sie halten ihre Taschen dicht wie nie.

  9. 19.05.2008 | 13:48

    Ich bin meines Lebens inzwischen wieder froh und ich weiß, dass ich meine Umgebung fernsehfrei halten werde. Ich weiß inzwischen auch, dass man im Hotel den Fernseher nicht unbedingt einschalten muss;-)

  10. Michel
    19.05.2008 | 14:22

    Ach ja der Lauterbach in seinem Buch (Zweiklassenstaat oder so) hat er mal geschrieben, dass man jetzt noch vielmehr umverteilen müsste, denn die Beiseite geträngt und Allimentierten hätten das Recht darauf, weil sie sich das Geld sonst per Raub holten. Da seht man mal wo die etatistische Rechtsauflösung führ: es gäbe kein Recht als das des Stärkeren.

  11. R.A.
    19.05.2008 | 14:42

    Übrigens: Der “Armutsbericht” beruht auf den Zahlen des Jahres 2005.
    Das spielt in der aktuellen Diskussion und Berichterstattung fast keine Rolle - das wird eher so getan, als würde es sich um eine ganz aktuelle Entwicklung handeln.

  12. 19.05.2008 | 19:32

    @R.A.

    Genauso übrigens wie bei dieser McKinsey 2020 Studie. Die ist auch nocht nicht draussen und auch aus dem Wisch, den ich auf Anfrage von denen zugeschickt bekam, geht nicht hervor, warum die Mittelschicht, also der Anteil derjenigen, die zwischen 60 und 150 % des Durchschnittseinkommens verdienen, schrumpfen soll, falls das BIP nicht um 3% p.a. wachse. Und wenn es jedes Jahr um 10% schrumpfen würde, kann das doch gleichmäßig geschehen. Noch trauriger als der Stil von McKinsey ist da, dass die Fähigkeiten von Journalisten nicht ausreichen, die fehlende Logik zu erkennen. (Ich will nicht sagen, fehlerhafte Logik. Vielleicht kann man ja Gründe für ungleichmäßiges Wachstum finden und die Logik so ergänzen.)

  13. 19.05.2008 | 19:45

    Un der Armutsbericht ist totaler kappes. Zitat:

    Die gute wirtschaftliche Entwicklung und die Tarifabschlüsse der letzten Monate lassen eine
    positive Entwicklung der Arbeitseinkommen erwarten. Besorgniserregend ist allerdings die Zunahme
    des Anteils von Beschäftigten im Niedriglohnbereich: 2005 blieben die Verdienste aus
    unselbständiger Arbeit von mehr als einem Drittel der Beschäftigten unterhalb der Niedriglohnschwelle
    von zwei Dritteln des Medians der Bruttoeinkommen. Anfang der 1990er Jahre war
    dies dagegen nur bei etwas mehr als einem Viertel der Fall. Entgegen dem europäischen Trend
    stieg damit auch die Armutsrisikoquote von Erwerbstätigen.

    Die Zunahme der Beschäftigung im Niedriglohbereich, die übrigens Grund für sinkende Durchschnittslöhne ist, ist also besorgniserregend. Wieso heisst es denn Anteil an den Beschäftigten und nicht an den Erwerbsfähigen? Vielleicht nur deshalb, weil viele aus der Arbeitslosigkeit in den Niedriglohnsektor aufgestiegen sind?

  14. 19.05.2008 | 21:27

    Das ist in der Tat fast schon perfide, dass ein arbeitsmarktpolitischer Erfolg, nämlich die Integration Geringqualifizierter in den ersten Arbeitsmarkt, zu einem verteilungspolitischen Problem hochstilisiert wird - obwohl das eine Folge des anderen ist.

    Die Protagonisten dieser Diskussion möchten 3 Sachen auf einmal: Jobs für Geringqualifizierte und Langzeitarbeitslose, hohe, aber nicht zu hohe Löhne und Schokolade. Das geht nun wirklich nicht.

    Der Lauterbach mir seinem Neusprech reiht sich auch nur in die bestehende Riege der Sozialgerechten ein. Wowereit ist schon drin.

  15. 19.05.2008 | 23:22

    Ich halte es vor allem für eine unerträgliche Bevormundung und einen durchsichtigen Manipulationsversuch, über einen Bericht zu diskutieren, der der Öffentlichkeit noch gar nicht zugänglich ist.

    Es ist im Grunde ein politischer Skandal, dass das BMAS auf seiner Website ein Zeitungsinterview von Scholz (ausgerechnet mit der BamS) veröffentlicht, ohne gleichzeitig einen Link auf die Quelle zu bieten.

    Die Haltung dahinter ist offensichtlich: Wir wollen euch keine Fakten nennen, sondern euch nur in unserem Sinne lenken.

  16. F.Alfonzo
    20.05.2008 | 2:42

    @ Boche:

    Ich glaube mich erinnern zu können, auf SPON das ganze Zitat gelesen zu haben (der FAZ-Link ist leider tot), allerdings in seiner ganzen Länge, inkl. der Aussage “vor allem die Reichen, die für ihr Einkommen nicht viel getan haben”. Sinngemäß, den genauen wortlaut weiss ich nicht mehr. Hab auch keine Lust ihn zu recherchieren, da die Aussage klar war.

    So eine Aussage stört mich persönlich weitaus mehr als irgendeine Phrasendrescherei, die semantisch vielleicht nicht korrekt gewesen ist, aber keinerlei Aussagekraft hatte.

    Wie kommt der Mann auf die Idee, dass bestimmte Einkommen bestimmter Leute (wer, wie und was gemeint ist, bleibt natürlich offen, damit man sich den Sündenbock im Zweifel gem. der Bevölkerungsstimmung aussuchen kann) nicht “verdient” wurden?

    DAS ist doch die Frechheit schlechthin. Er sagt nicht nur aus, dass gesellschaftliche Probleme nur durch Umverteilung gelöst werden können, sondern er relativiert den sowieso schon weichen Begriff der Umverteilung (manche Leute würde sagen: Staatlich organisierter Diebstahl) auch noch dahingehend, dass er den Reichen abspricht, ihr Vermögen verdient zu haben.

    Sorry, aber wenn ich so was lese, interessiert mich der Begriff “Solidarität” weder in seiner ursprünglichen, noch in seiner politischen Bedeutung.

  17. stefanolix
    20.05.2008 | 7:36

    Jetzt haben wir fast alles zusammengetragen: der Bericht basiert erstens auf alten Daten und wird zweitens bereits als Grundlage für Propaganda verwendet, bevor er überhaupt veröffentlicht wurde. Politiker drängen der Boulevardpresse ihre Meinung auf und die Boulevardpresse druckt den Wortmüll dankbar ab.

    Aber es gibt immer noch eine Steigerung. Heute ist in der Presse zu lesen, dass der Niedriglohnsektor »dramatisch wächst«. Ja sieht denn wirklich keiner den Zusammenhang zur Abnahme der Arbeitslosenzahlen und zur Beschäftigung Geringqualifizierter zu geringeren Löhnen? Doch, einige sehen ihn: unser Kommentator Holger hat darüber geschrieben und den meisten von uns dürfte es sofort durch den Kopf gegangen sein.

    Aber warum drucken die Zeitungen so kritiklos den Müll, mit dem Scholz, Lauterbach, Lafontaine, Gysi und diese unvermeidlich-penetrante SPD-Linke uns per Pressemitteilung beglücken? Warum halten andere Politiker nicht mal genauso deutlich dagegen? Ich frage mich wirklich, welchen Grad an politischer Verdummung wir uns noch leisten können, bevor uns der Laden um die Ohren fliegt.

  18. FG
    20.05.2008 | 8:08

    SPON stellt immerhin eine offizielle Zusammenfassung des berichts ins Netz. Und da liest man schon im Inhaltsverzeichnis so Sachen wie “Beschäftigungsaufschwung kommt bei allen an”. Kein Wunder, dass Scholz schon mal mit Deutungen vorprescht. Eine differenzierte Debatte würde ja nur zur allgemeinen Verwirrung führen.

  19. stefanolix
    20.05.2008 | 8:40

    Es ist ja anzuerkennen, dass SPON eine Zusammenfassung ins Netz stellt. Aber wir haben doch wohl — auch ohne Hinweis auf unsere Steuern und Abgaben, aus denen der Bericht bezahlt wurde — einen Anspruch darauf, umgehend das ganze Werk lesen zu dürfen?

    Ich denke gerade an den Bericht zu den »armen« Studenten, den die Studentenwerke vor einiger Zeit herausgebracht haben. Auch damals klaffte zwischen Interpretation und Inhalt eine gewaltige Lücke.

  20. Lina
    20.05.2008 | 8:58

    Doch, es gibt auch Medienstatements, die nicht mediokratisch regierungskonform daherkommen: der FDP-Generalsekretär, der den Bericht zur Gänze kennen dürfte, hat gegenüber Phönix-TV eine offensive Erklärung abgeben können. Dabei attackierte er die Regierung für “10 Jahre Versäumnis in der Mittelstandspolitik”, weswegen sie sich nun im Gegenzug den “solidarischen Ausgleich” auf die Fahnen schreibe.

    Er hat auf steuerlich “gravierende Fehler” hingewiesen, durch die es nicht nur zum Abschmelzen der Mittelschicht, sondern auch zu jenen Verarmungstendenzen kommen konnte, auf die man sich nun unter Ankündigung “populistischer Gegenmassnahmen” lautstark berufe; seinem Ärger darüber konnte er immerhin geschätzte 10 Minuten Ausdruck verleihen.

    (Mit angewidertem Gesicht übrigens, als ob auch ihm die geforderte “neue Solidarität” einen Brechreiz verursachen würde…)

  21. FG
    20.05.2008 | 9:13

    der FDP-Generalsekretär, der den Bericht zur Gänze kennen dürfte

    Da wäre ich mir nicht so sicher. Wenn sich das Ding wirklich noch in der “Ministeriumsabstimmung” befindet, dann werden sie einen Teufel tun, es einem Oppositionspolitiker zu geben, Und wenn er den Bericht doch wirklich hätte, dann hätte er jetzt nach Scholzens vorpreschen wohl jedes Recht der Welt, den Bericht auch komplett ins Netzt zu stellen oder sonstwie zu veröffentlichen - und würde es auch mit angemessenen eigenen Deutungen (hoffentlich) auch tun.

  22. FG
    20.05.2008 | 9:17

    Ich sehe grade, dass der SPON-Link ins Nichts führt. Vielleicht funktioniert das hier.

  23. stefanolix
    20.05.2008 | 9:22

    @Lina: Danke für die Richtigstellung — vielleicht sollte ich versuchen, den Sender Phönix separat zu abonnieren?;-)

    Ich muss zugeben, dass ich aus lauter Ärger über die FDP in meiner Stadt und in meinem Bundesland kaum noch auf offizielle FDP-Statements achte. Vielleicht tue ich Herrn Niebel damit in diesem Fall Unrecht. Weiß jemand, ob Phönix auch Transkripte solcher Interviews anbietet?

    »Mittelstandspolitik« ist übrigens in meinen Augen etwas ganz anderes als »Politik für die Mittelschicht«: Mittelstand ist eine rein ökonomische Kategorie, Mittelschicht ist eine soziale Kategorie.

  24. Lina
    20.05.2008 | 9:34

    @ stefanolix

    “Weiß jemand, ob Phönix auch Transkripte solcher Interviews anbietet?”

    Nein, tut Phönix in der akuellen Berichterstattung leider nicht, sonst hätte ich es per Link angeboten.

  25. stefanolix
    20.05.2008 | 9:47

    @Lina: Schade. Aber vielen Dank, dass Du es verlinkt hättest;-)
    Ich überfliege gerade die Zusammenfassung aus FGs Link. Ich finde eine Passage interessant:

    Die Koalitionsvereinbarung vom 11. November 2005 beauftragt die Bundesregierung, Forschungsdefizite im Rahmen der Armuts- und Reichtumsberichterstattung, insbesondere in Bezug auf Reichtum abzubauen. Dies ist mit mehreren Forschungsprojekten erfolgt, deren Ergebnisse in diesen Bericht einbezogen wurden. Dabei lagen die Schwerpunkte auf der integrierten Analyse der Einkommens- und Vermögensverteilung und dem Zusammenhang zwischen der
    Gewinnsituation von Unternehmen, der Einkommenserzielung von Führungskräften und den Mechanismen zur Rekrutierung wirtschaftlicher Führungseliten. Darüber hinaus wurden mit dem laufenden Forschungsprojekt des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales „Einstellungen zum Sozialstaat“ Analysen über die Einstellungen der Bevölkerung zu Reichtum, Wohlstand und Ungleichheit einbezogen.

    Auch wenn man befürchten muss, dass das meiste Geld wohl an Institute wie das von Prof. Lauterbach gehen dürfte, würden mich diese Untersuchungen sehr interessieren. Ich wüsste gern, welchen Stellenwert Leistung und Leistungsdifferenzierung in dieser Gesellschaft noch haben. Sozialpopulismus ist ja nur dort erfolgreich, wo er auf ungebildete oder denkfaule Menschen trifft. Denn immer wenn die Sozialpopulisten etwas gegen die »Besserverdienenden« unternommen haben, hat es die Mittelschicht getroffen — ohne deren Leistung doch eigentlich gar nichts ginge.

  26. stefanolix
    20.05.2008 | 9:53

    Noch ein Hinweis auf eine Zettel-Marginalie, die so gut ist, dass man sie heute in so mancher Zeitung gern lesen würde. Und nein, nicht als Leserbrief!

  27. 20.05.2008 | 9:58

    @@stefanolix

    Stimmt. Zettel hat mal wieder den (bzw. einen) Punkt getroffen. Den Link habe ich gleich oben mit übernommen.

  28. Lina
    20.05.2008 | 10:06

    Und noch einen Hinweis auf ein gerade nebenan aufgeklaubtes Zitat:

    “Die ungerechte Ungleichheit heilt man nicht mit Gleichheit, sondern mit gerechter Ungleichheit.” (Nicolas Gomez Davila)

    Aus aktuellem Anlass vielleicht an die Regierenden weiterleiten? Ob die es aber angesichts ihrer “überschätzter Problemlösungskompetenz” auch umsetzen könnten? ich bin skeptisch (-;.

  29. 20.05.2008 | 10:16

    @Lina

    Politiker als Heiler? Da bin ich auch mehr als skeptisch. In der heutigen Zeit brauchen wir meines Erachtens eher Heilung von der Politik als durch sie.

  30. Lina
    20.05.2008 | 12:50

    @ Boche

    “eher Heilung von der Politik als durch sie.”

    Ansichtssache (-;. Wenn schon selbst keine Heiler, wären Politiker durchaus heilbar, wenn sie nicht gewählt werden müssten. Dann würden sie ihre populistischen Allüren womöglich zugunsten der Vernunft aufgeben und sich ihrer Problemlösungskompetenz (als Fachleute) besinnen und (soweit möglich…) hingebungsvoll widmen können.

    Nein, es geht nicht so weiter, aber es geht auch nicht ohne sie, oder? Also müssten wir sie, unsere Angestellten (-;, vom Zwang des Gewähltwerdenmüssens freistellen und nach messbarer Leistung bezahlen - theoretisch…

    Die Parteien-Demokratie, so wie sie ist, wie sie sich entwickelt hat und über der Kumpanei verdächtige Medien darstellt und verkauft, gehört echt auf den Müll. Und mit ihr die denkfaule, dienstbare Medienmeute, die ein wahrnehmungsverlustiger Virus befallen haben muss.

    (P.S.: “Politiker als Heiler?” Dass Du mir aber den Gomez so eigenwillig akzentuierst, hat mich doch etwas enttäuscht (-; )

  31. 20.05.2008 | 12:59

    Nein, den Gomez wollte ich damit nicht umdeuten. Es war nur eine Reaktion auf deine Idee, seine Formel den Politikern zum Umsetzen weiterzuleiten.

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