Und täglich grüßt der Göttinger

Gerade haben wir uns noch über Macht unterhalten, und jetzt muss ich eine besondere Form von Macht zur Kenntnis nehmen: You never expect the Spanish Inquisition, and you never escape Franz Walter. Meine SPON-Abstinenz hat mir nicht das Wohlgefühl verschaffen können, von den Weisheiten dieses “Politikwissenschaftlers” verschont zu bleiben, die immer wieder im Ideal der SPD-FDP-Koalition der siebziger Jahre gipfeln. Nun ist das vernünftigste, was man mit ollen Kamellen tun kann, die einem von alten Veteranen aufgezwungen werden, sie einfach zu ignorieren.

Da ich aber befürchte, dass die Meinung des Herrn Walter nicht seine eigene Erfindung ist, würde ich, bevor ich meinen Senf dazu abgebe, gerne mal die Meinung der geschätzten Mitautoren und Kommentatoren zu diesem Stück Walterscher Erkenntnis hören.

Ähnliche Beiträge


48 Kommentare zu “Und täglich grüßt der Göttinger”

  1. 31.05.2008 | 0:54

    Ich habe es mir tatsächlich angetan. Solche Aufsätze schreibt man in der Schule. Erst die Daten beschreiben (die alle hervorragend sind aber gerade deswegen nicht ins vorgefertigte Bild passen) und dann mit Sprechblasen das genaue Gegenteil zu behaupten. Geschwätz, ncihts als Geschwätz.(erinnert mich an meine Kriegsdienstverweigerung)

    In einem muss man Herrn Walter allerdings recht geben. Die FDP erreicht die Bevölkerung erreicht keine emotionalen Wähler. Das liegt schlicht daran, dass ihr Programm rational ist und das ist aber gut so! Genau deswegen erreicht sie ja auch die Erfolge bei den “formal Hochgebildeten”

  2. Die Stimme aus dem Off
    31.05.2008 | 9:08

    Ich habe mir nur die Überschrift durchgelesen und weiß wahrscheinlich schon um was es geht: Vorgelagerter Wahlkampf gegen die FDP, zu Gunsten der SPD.

    Das wäre nicht der erste Artikel dieser Art dieses Schreiberlings. Ich bin zum Glück schon soweit den Typen ignorieren zu können.

  3. Lina
    31.05.2008 | 11:27

    Nach Meinung einer Kommentator/in: beste Ratgeber-Lektüre für die FDP.

    “Schließlich haben gerade Frauen zwischen 30 und 50 Jahren großes Interesse an einer Politik der Balance, mit der die Zumutungen vielfältiger Rollenrochaden auszuhalten und praktisch zu gestalten sind.”

    Richtig, Herr Walter.

    “(…) Primat der Ökonomie, die eine im klassischen Liberalismus durchaus vorhandene Philosophie der versöhnenden Vermittlung ersetzt hat. Auch reagieren Frauen, so belegen es empirische Erhebungen, empfindsamer auf neue kulturelle Fragen und Spannungslinien in der Gesellschaft. Diese kulturelle Seite, die in den traditionellen liberalen Lebenswelten ebenfalls hoch entwickelt war, ist in der FDP zuletzt nachgerade verkümmert.

    “Primat … ersetzt… Philosophie”? Richtig, Herr Walter.

    Leistungsorientierter Individualismus, kulturelle Vielsprachigkeit, (ökologische Ernsthaftigkeit* und kommunitaristische Compassion*) - mit einem ausgewogenen Liberalismus dieser Façon wäre der akademische Nachwuchs im weiblichen Deutschland wohl zu gewinnen.

    Zwei Sachen* erst mal (auch der Formulierung wegen) ausgeklammert, aber sonst: Richtig, Herr Walter.

  4. Michel
    31.05.2008 | 13:09

    Weiblicher Liberalismus = Sozialisums = FDP verlieht ihre eigentliche Basis

  5. Lina
    31.05.2008 | 13:58

    @ Michel

    Unsinn ist das. Meines Erachtens wäre gerade der Liberalismus, bzw. die FDP diejenige Partei, die Frauen den Wildwuchs ihrer sozio- empathischen Bauchgefühle (über den Kopf) zurückschneiden könnte.

    Aber das wollt Ihr ja gar nicht (-;. Ich aber schon. Erst dann wäre Women’s Lib’ tatsächlich erreicht.

  6. Michel
    31.05.2008 | 15:16

    Kommt natürlch darauf an was man unter Weiblichen Liberalismus versteht, ist es bei der Vermittlung der Ziele mehr Rücksicht auf emotionale Befindlichkeiten zu nehmen, ist das tatsächlich wünschenswert (hab mir schon selbst Gedanken dazugemacht, natürlich ohne diese feminie Rethorik), ist damit gemeinnt programmatisch Rücksicht auf emotionale Befindlichkeiten zu nehmen, ist dass genau das was Mises als vermischung der zwei Welten (persönliche-zwischenmenschliche, gesammtgesellschafliche)nannte und zwangläufing zum Sozialismus führt.

  7. 31.05.2008 | 15:44

    @Michel

    >ist dass genau das was Mises als vermischung der zwei Welten >(persönliche-zwischenmenschliche, gesammtgesellschafliche)nannte und >zwangläufing zum Sozialismus führt.

    Hast Du dafür eine genauere Literaturangabe? Würde mich interessieren. Danke.

    @Lina

    Was bitte ist weiblicher Liberalismus? So etwas wie weibliche Logik? z.B. bei diesem Zitat

    “Schließlich haben gerade Frauen zwischen 30 und 50 Jahren großes Interesse an einer Politik der Balance, mit der die Zumutungen vielfältiger Rollenrochaden auszuhalten und praktisch zu gestalten sind.”

    Häh? Ich verstehe nicht, was mir der Autor sagen will. Was ist eine Politik der Balance? Was sind Zumutungen vielfältiger Rollenrochaden? Und wer sorgt für die Rollenrochaden? Zwingt der Staat Frauen dazu den Herd zu verlassen? (Ja eigentlich schon!) Und wie sollen die Zumutungen “praktisch gestaltet” werden? Das ist totales Geschwurbel, Wortmüll, Umweltbelastung.

  8. Lina
    31.05.2008 | 16:32

    @ Michel

    Unterscheidet man denn zwischen männlichem und weiblichen Liberalismus? Ich hoffe nicht. Mehr Rücksichtnahme auf emotionale Befindlichkeiten könnte zwar generell nicht schaden, sofern auch Männer Emotionen unterliegen (wovon ich ausgehe), aber übertreiben sollte man es damit nicht - IMHO. Schlimm genug, dass Männer Frauen aushalten müssen, die alles und jedes mit ihrem (gedanklich ungeklärten) Mitgefühl überziehen. Andererseits brauchen Männer Frauen, die sie (ungefragt) fragen, ob sie kalte Füsse haben, und ob sie ihnen (per Zuwendung) gewärmt werden dürfen.

    Wenn Mises durch die Vermischung der genannten zwei Welten zwangsläufig Sozialismus entstehen sieht, hat er bestimmt nicht Unrecht - so wie die Dinge heute noch liegen. Schon bei der “Vermischung” von Mann und Frau kommen zwei Welten zusammen, entsteht (mit Trauschein) ein vom Wesen her sozialistischer Haushalt; ohne aber auch (-;

    Tja, was soll man da machen? Zwei verschiedene Teile ergeben ein ambivalentes Ganzes - das zieht sich durch “Schöpfung” und Menschheitsgeschichte wie ein roter Faden. Liberales bzw. liberalisierendes Denken allein wär’ da schon eine grosse Hilfe…

    (Falls OT: Pardon.)

  9. Lina
    31.05.2008 | 16:55

    @ Dirk

    “Häh? Ich verstehe nicht, was mir der Autor sagen will.”

    Dann erklär’ ich’s Dir; bin zwar nicht Herrn Walters Sprachrohr, kann’ aber mal versuchsweise einspringen.

    “Politik der Balance” = natürlich des “sozialen Ausgleichs”; so sind sie halt (-;…und bitte : er schreibt, dass sie “Interesse daran haben”, was völlig OK ist; er schreibt kein Programm, sondern stellt fest…

    “Vielfältige Rollenrochaden” = Familie/Beruf - Beruf/Familie. Das muss (und will!) erst mal ausgehalten und hingekriegt werden, und zwar so, dass keiner auf der Strecke bleibt, am wenigsten die Kinder. Mach das mal oder denk’ Dich rein, wenn’s geht…

    (Ich weiss offen gesagt nicht, wo Du Dein vernichtendes Urteil über diesen Walter-Satz hernimmst.)

  10. 31.05.2008 | 17:24

    @Lina

    ich verstehe den Satz einfach nicht. Gut, versuchen wir es und interpretieren “Balance” als Sozialtranfers in einem wie auch immer gearteten Sinne. Wieso sollen die nun die Zumutungen der Rollenrochaden (Was ist die Rolle? Die Funktion, die die Frau einnimmt (Familie vs Beruf) oder die Erwartungshaltung der Gesellschaft?) dadurch erträglicher werden? Oder gar praktisch gestaltet? Was bedeutet es überhaupt, wenn “Zumutungen praktisch gestaltet” werden. Es ist mir ein Rätsel.

    Sicherlich gibt es gerade für Frauen die Belastungen hinsichtlich der Beruf vs Familie Entscheidung. Herr Walter spricht dies in seinem Satz vage an, macht aber keinen Lösungsvorschlag. Wie denn auch? Wie sollen diese Zumutungen (wobei wir uns noch nicht mal einig sind welche genau gemeint sind) denn und noch dazu in einem staatlichen Programm angegangen werden. Verzeihe mir bitte, aber das ist typisch weibliche Argumentation: Ein Problem ansprechen und damit Mit-Leiden demonstrieren. Aber keine Problemlösung anbieten. Das ist emotionales Gerede aber keine rationale Politik.

  11. 31.05.2008 | 17:27

    Es gibt in der Psychologie - Boche kann mich da korrigieren - folgendes Erklärungsmuster für typische Eheprobleme:

    Die Frau hat irgendein Problem und klagt dem Mann ihr Leid. Den Mann macht das aggressiv, weil er darauf dressiert ist, Probleme zu lösen, aber eine solche nicht finden kann. “Was soll ich jetzt da machen?” Dabei erwartet die Frau gar keine Lösung sondern will einfach nur, dass er zuhört und solidarisch mit-leidet. Das ist der Unterscheid zwischen rationalen Menschen und emotionalen.

  12. Lina
    31.05.2008 | 18:01

    @ Dirk

    1. Zitat: “Verzeihe mir bitte, aber das ist typisch weibliche Argumentation: Ein Problem ansprechen und damit Mit-Leiden demonstrieren.”

    Findest Du? Verzeih’ mir bitte, aber für’s Grobe seid immer noch *Ihr* doch da (-;. Ratio & Emotio treffen sich übrigens zum Zweck eines günstigen Ausgleichs. - (Und die Mitleids-Demo, die hier nicht stattgefunden hat, will ich mal grosszügig überlesen haben (-;…) Ich kritisiere mein eigenes Geschlecht! Kann man vor einer Männergesellschaft einen gewagteren Striptease hinlegen (-;?

    2. Wunderbares Beispiel! Genauso verhält es sich…noch immer…

    Hier gilt: *Learning* by not doing so (as a woman).

  13. Michel
    31.05.2008 | 18:28

    @ Dirk: Hab das mit den Zweiwelten leider auch in diversen Foren aufgeschnappt. Muss auch Hayek mit Mises verwechselt haben *mea culpa*. Zumindest bin ich hier fündig geworden:

    http://www.mehr-freiheit.de/faq/gerecht.html

    “Die Frau hat irgendein Problem und klagt dem Mann ihr Leid. Den Mann macht das aggressiv, weil er darauf dressiert ist, Probleme zu lösen, aber eine solche nicht finden kann.”

    Würde ich jetzt als Shittest werten, die Frau hat eigentlich gar kein Problem sondern, will herausfinden ob sie den Mann schon unter Kontrolle hat. Eheprobleme entschtehen, dann wenn der Mann diesen Tests unnötig viel Aufmerksamkeit widmet. Für Details siehe: ‘Lob des Sexismus’, Lodovico Satana.

  14. 31.05.2008 | 19:16

    Findet ihr nicht, dass ihr ein wenig abdriftet? ;-)

    Schlusswort: Es gibt Frauen und Männer, und beide sind tatsächlich in vielen Dingen unterschiedlich. Das immer wieder neu herauszufinden, gehört zu den schönsten Dingen, die das Leben zu bieten hat.

  15. stefanolix
    31.05.2008 | 20:08

    SCNR: Wenn ich mir den zweiten Teil des Textes durchlese, habe ich den Eindruck, dass Professor Walter im Grunde seines Herzens gern eine junge Akademikerin mit allerbesten Chancen auf eine Karriere bei den Grünen wäre;-)

  16. 31.05.2008 | 20:16

    @Michel

    Danke

    @Lina.

    Sorry, ich meinte nicht dich (übrigens, ich mache mich auch über das männliche Geschlecht und die ihm zugewiesenen bzw. von ihm reklamierten Rollen lustig), sondern Herrn Walter. Er hat ein Problem beklagt (”Zumutung”), für das es jedoch keine politische Lösung gibt/geben kann. Er fordert von der FDP “Sensibilität” oder “Mitgefühl” oder sonstigen emotionalen Beistand, der rational gesehen belanglos ist. Jedenfalls bestenfalls. Seinen Satz verstehe ich immer noch nicht.

    @Rayson

    M.E. driften wir nicht ab. Herr Walter hat keine rationale Kritik an der FDP. Seine Kritik beschränkt sich auf das Fehlen belangloser Sprechblasen, die emotionale Nähe suggerieren und die er so gerne verwendet.

  17. 31.05.2008 | 20:55

    [...] Hier bat ich um Unterstützung in Sachen Einschätzung dieses Textes eines Politikwissenschaftlers namens Walter, der sich einerseits durch hohe Publikationsfreudigkeit und andererseits durch hohe SPD-Affinität auszeichnet. [...]

  18. Lina
    31.05.2008 | 21:34

    @ Dirk

    Ich lese den Walter-Text offenbar anders als Du, vor allem aber bedrängt er mich nicht. Ich finde, Walter *beklagt* nichts, er *fordert* nichts, sondern er legt nichts als eine persönliche Bestandsaufnahme zur FDP vor, der man zustimmen oder die man ablehnen mag.

    Zurück zum *unverständlichen* Satz: hinter den Rollenrochaden einer Frau macht er eine *Zumutung* aus, die ihm viele Frauen bestätigen werden. Er hat dazu (wie Du) keine politische Lösung anzubieten, was Du ihm aber indirekt vorwirfst. Kann man ihm in seiner Rolle als populärwissenschaftlicher Journalist aber die Absenz einer politischen Lösung anlasten? Ich tue das nicht.

    Auch die Sache mit der *Sensibilität* und dem *Mitgefühl* sehe ich anders als Du. Ich wiederhole mich, aber Ratio und Emotio gehören (wie Mann und Frau) zusammen, finden sich zum Zweck einer Lösung, die, wie Walter wohl meint, in der Politik nur unter Einbezug weiblicher Denk-Elemente Wählerschaft für die Partei generieren kann. Ist das denn falsch?

  19. 31.05.2008 | 22:17

    @Lina

    >>in der Politik nur unter Einbezug weiblicher Denk-Elemente Wählerschaft für die Partei generieren kann. Ist das denn falsch?

    Ich ersetze mal “weibliche” Denkelemente durch “emotionale”. Ja, das wird leider richtig sein. Leider, weil emotionale Argumente oft irrational sind und zu schlechteren Ergebnissen führen. Stichwort Umverteilung.

    >>Ich finde, Walter *beklagt* nichts, er *fordert* nichts, sondern >>er legt nichts als eine persönliche Bestandsaufnahme zur FDP vor

    So lese ich den Text in der Tat nicht. Walter wirft der FDP vor die Mitte “vernachlässigt” zu haben (das ist seine eigene Meinung, nicht eine, die er anderen zuschreibt.) und beklagt: “Doch dominiert in der FDP die Vorstellung vom Primat der Ökonomie, die eine im klassischen Liberalismus durchaus vorhandene Philosophie der versöhnenden Vermittlung ersetzt hat.” Das ist nicht gerade eine neutrale Bestandsaufnahme.

    Die “Philosophie der versöhnenden Vermittlung” würde ich auch gerne genauer kennen lernen. Wieder nur Geschwurbel.

  20. Failure
    31.05.2008 | 22:34

    Ich habe den betreffenden Text auch etwas neutraler gelesen, als der Rest der Diskutierenden hier, wenngleich ich auch mit der FDP sympathisiere. Dass etwa die FDP dieses Jahrzehnts ihr Programm zunehmend über eine ökonomische Sprache vermittelt und zu großen Teilen über ihre Wirtschaftspolitik wahrgenommen wird und gerade deshalb ein Problem hat, breitere Wählerschichten zu finden, sehe ich ähnlich wie der Autor. Die ätzende Leistungsrhetorik von Guido Westerwelle ist für mich z.B. einer der Gründe, nicht in die FDP einzutreten. Von Autor außerdem zu erwarten, in einem Zeitungsartikel eine grundsätzliche Alternative zur aktuellen FDP-Politik aufzustellen ohne Vagheiten, ist abenteuerlich; einen solchen Text sollte man immer noch mit good-will und textexegetischer “charity” auslegen, letzthin als längere Meinungsäußerung für ein breites Publikum.
    Fazit: Ich würde eher die konstruktive Frage vorschlagen, was der Text möglicherweise Wahres enthalten könnte. Auch wenn der Text zugegebenermaßen auf dem Oberflächlichen verbleibt, sollte er nicht die eigene Auseinandersetzung mit dem Angedeuteten verhindern.

  21. 31.05.2008 | 22:41

    Ich werfe Hern Walter nicht vor, keine Alternativen zu machen, sondern das dieser Satz

    “Schließlich haben gerade Frauen zwischen 30 und 50 Jahren großes Interesse an einer Politik der Balance, mit der die Zumutungen vielfältiger Rollenrochaden auszuhalten und praktisch zu gestalten sind.”

    sinnlos ist. Es sei denn, es gibt eine allgemein bekannte und nur mir aufgrung meiner Unwissenheit unbekannte Vorstellung davon, wie man Zumutungen “praktisch gestalten” kann. Dann hätte der Satz einen Sinn! Da ich mich aber für nicht unterdurchschnittlich gebildet halte, keine Idee von der Gestaltung von Zumutungen habe und der Autor mir seine Idee davon auch nicht beschreibt, schließe ich, dass es sich um unverständlichen Sprachmüll handelt.

  22. Lina
    31.05.2008 | 22:43

    @ Dirk

    “Wieder nur Geschwurbel.”

    Dein Ersatz ist OK, auch Dein Hinweis auf die mögliche Irrationalität emotionaler Argumente. Aber das hatten wir schon.

    Ich scheine die nötige Distanz zum (ich betone!) neutralen und unaufdringlichen Text gefunden zu haben. Bei Dir dagegen schlägt immer wieder der Ärger über Walters (vermeintliche) Anmassung durch, eigenständig (Dir aber kontrovers) über die FDP zu befinden. Da brauchen wir nicht länger reden (was ja auch im Sinne des Verfassers des aktuellen Eintrags ist). Wir haben dennoch einiges klären können, und das war es mir wert; danke.

  23. Michel
    31.05.2008 | 22:43

    @ Failur: ich glaube der Autor liegt völlig daneben. Die Partei feiert ihre Erfolge mE deswegen, weil sie nicht mehr als Klientelpartei wahrgenommen wird, sondern als Programmpartei. Walter ist doch genau das ein Dorn im Auge er möchte, dass sich die FDP den Interessen bestimmter Schichten anpasst. Die Meisten kritisieren doch gerade die Inkonsequenz der FDP hin und wieder doch in etatistische Küngelei verwickelt zu sein und nicht das die FDP ihre Gruppe nicht genug bevorzugt.

  24. Failure
    31.05.2008 | 22:52

    @Michel: Den Wandel von der Klientelpartei zur Programmpartei: d’accord.

    Walter ist doch genau das ein Dorn im Auge er möchte, dass sich die FDP den Interessen bestimmter Schichten anpasst.

    Das ist glaube ich eine grobe Verschätzung des Textes. Mit dem Hinweis auf die Frauen will der Autor gerade zeigen, wo die FDP noch Defizite hat, alle Bevölkerungsschichten zu erreichen.
    “Alle Bevölkerungsschichten zu erreichen” ist ungleich “Klientelpolitik machen” (auch wenn das ein liberaler Reflex ist, und oft stimmt); es kann einfach heißen, die eigene (liberale) Position deutlicher zu vertreten und das Programm in bestimmte Richtungen deutlicher zu machen.

  25. Failure
    31.05.2008 | 22:53

    Ui, ersetze “alle” durch “bestimmte”

  26. Lina
    31.05.2008 | 23:05

    @ Dirk

    Darf ich nachhelfen (-;?

    Eine Zumutung *ist* praktisch zu gestalten - zumindest für Gestalterinnen, wie Frauen es sind - indem sie, solange es keine politische Lösung gibt, sie daraus zu befreien, “das Beste daraus machen”.

    Walter verleiht diesem Umstand Ausdruck, ohne dass ich daran etwas zu beanstanden hätte.

  27. 31.05.2008 | 23:28

    @Lina

    Wenn ich aggressive Musik höre während ich die Pfandpflaschen in den Automaten schiebe, habe ich diese Zumutung praktisch gestaltet?

    Ich schätze ja deine (männliche (-:) Hartnäckigkeit, aber das meint Walter nicht. Es ist ja die “Politik der Balance” (was auch immer das ist) mit der die Zumutung gestaltet sein will. Also durch den Staat, von den Parteien, von der FDP soll sie gestaltet werden.

  28. Lina
    1.06.2008 | 6:12

    @ Dirk

    Zwei verschiedene Ausdrucks- und Wahrnehmungsebenen, das ist alles. IQ vs. EQ, Kopfsprache vs. Bauchsprache, Verstand vs. Intuition. Deshalb verstehen wir uns hier nicht (und Walter eben anders). Das alte Lied.

    Vielleicht hat stefanolix ja Recht, wenn er sagt, dass Walter gern eine Frau wäre (-;…?

  29. 1.06.2008 | 11:07

    Kannst Du mir ein Beispiel geben, wie der EQ in der Politik Wirkung entfalten könnte? Ernst gemeinte Frage.

  30. 1.06.2008 | 12:50

    Vor allem sind IQ und EQ nur Mittel zum Zweck. Sie sind kein politisch Programm. Wenn es fehlender EQ ist, den Walter bei der FDP beklagt, dann fordert er von ihr den gleichen unsinnigen irrationalen aber dafür mitfühlenden Sprachmüll ein, der von Politikern anderer Parteien und m.E. von ihm selbst produziert wird.

  31. 1.06.2008 | 13:11

    Dirk, bei diesem Kommentar kam mir gerade folgender Gedanke: Es könnte genau diese, aggressiv auf Rationalität beharrende Ausdrucksweise sein, die viele denken läßt, Du oder ‘die Liberalen’ allgemein seien knallharte Betonklötze, die ein Unfallopfer am Straßenrand verbluten lassen würden, falls es keiner mitkriegt und sie sonst zu spät zum nächsten Geschäftsessen kämen. Diese Anmerkung ist gar nicht als Kritik an Deinem Kommentar gedacht; es fällt nur immer wieder auf, daß vielen die Trennung zwischen dem politisch für den Liberalismus argumentierenden und dem privaten Menschen schwer zu fallen scheint. Wer von der Politik nicht die Durchsetzung einer ganzen Batterie von Werten fordert, der kann wohl kaum selbst welche haben. Das ist fast schon gruselig; da gibt es tatsächlich oft ein Vermittlungsproblem.

  32. 1.06.2008 | 13:46

    @David

    Das denke ich auch. Nur kann die Lösung nicht in der Aufgabe einer rationalen Politik liegen, sondern muss in der Tat die Vermittlung betreffen. Immer wieder fällt mir auf, dass die meisten Menschen gar keinen Sinn für eine Trennung zwischen Staat und Gesellschaft haben.Alleine diese Unterscheidung ist für sie Neuland.

  33. Lina
    1.06.2008 | 13:52

    @ David

    “Kannst Du mir ein Beispiel geben, wie der EQ in der Politik Wirkung entfalten könnte? Ernst gemeinte Frage.”

    Kann ich diese Frage wirklich ernst nehmen (-;? Gegenfragen: habt Ihr keinen, bringt Ihr keinen (in die Politik) ein? Und wenn ja, dann geschlechtsspezifisch niederwertig? Das ist auch gut so. Grenzwertigkeiten würde ich im Sozialen als wirksam ansehen. Bei einem überdurchschnittlich hohen, einen den IQ stark dominierenden EQ aber wäre die entfaltete (politische) Wirkung fatal.

    Ein Beispiel gäbe die “rote Heidi” im Entwicklungsministerium ab. Könnte auch noch die GKV-Ulla nennen, zögere etwas bei der Fam.-Ursula, sehe schwarz bei einer (wirkungslosen) Bundes-Gesine. Sie könnte immerhin öffentlich festhalten: mein Volk ist zu Teilen weiblich (-;.

    (P.S.: Niebel zitiert gerade Podgorny auf dem FDP-Parteitag: “Wir müssen die Herzen entflammen, ohne den Verstand abzufackeln”. Wie würdest Du sowas gewichten? Mehr EQ als IQ (-;?)

  34. 1.06.2008 | 14:08

    Leisten Heidi und Ulla denn wirklich Hilfreiches, oder sind die bloß “caring”?

    Gestern übrigens gerade zufällig ein Gespräch zwischen einer Supermarktangestellten und einem jungen man gehört, die den Markt zwei Stunden nach Ladenschluß verließen. Die Frau erzählte von einer absurd hohen Überstundenzahl auf ihrem Konto. Sie könne sie sich aber nicht ausbezahlen lassen, weil sie sonst in eine wesentlich höhere Steuerklasse komme. Aus Interesse: Was meint denn der EQ dazu?

  35. 1.06.2008 | 14:09

    Mann. Mann.

  36. Lina
    1.06.2008 | 14:28

    @ David

    Ein Missverständnis! Heidi & Ulla = beides Negativ-Beispiele eines Über-EQ am falschen Platz!

    Zu Deinem Beispiel meint der EQ: Oh, bedauerlich; wie kann der Frau geholfen werden? Der IQ meint im Anschluss: müsste doch möglich sein, den Betrag zu splitten, ihn auf mehrere Monate zu verteilen - um bei Einmalzahlung nicht in eine höhere Steuerklasse zu geraten.

  37. 1.06.2008 | 14:44

    Ja, das dachte ich mir auch. Leider bin ich mit den Details nicht vertraut, habe das ja nur zufällig mitbekommen.

  38. 1.06.2008 | 14:46

    Das Mißverständnis war im Übrigen meine Schuld. Bei nochmaligem Lesen wird es klarer - den Absatz vor “Ein Beispiel…” finde ich allerdings etwas deplaziert.

  39. Lina
    1.06.2008 | 14:56

    @ David

    Ja, Absatz befördert Missverständnis. EQ wieder im Weg gewesen(-;…

  40. stefanolix
    1.06.2008 | 15:02

    Wenn ich mich hier in Dresden als überzeugter liberaler Blogger vorstelle oder von Bekannten angesprochen werde, muss ich oft an den Anfang stellen: »aber ich habe nichts mit der Dresdner FDP zu tun«.

    Ich sehe hier in Dresden seit Jahren ein besonders anschauliches Beispiel dafür, wie man Frauen mit Sicherheit niemals ansprechen kann. Die FDP kennt nur die Themen Verkehr, Straßenbau und Wirtschaft. Sie zeigt sich konsequent kulturlos und immer wenn die heiße Wahlkampfphase beginnt, dann hängt sie in unserer bürgerlichen Gegend ganz viele Plakate mit vollbusigen Blondinen auf.

    Ich weiß nicht, ob wir mit EQ alle das gleiche meinen. Manche scheinen »emotionale Intelligenz« als Gegensatz der »rationalen Intelligenz« zu betrachten. Ich sehe das überhaupt nicht so. Für mich gehört zur emotionalen Intelligenz in erster Linie die Fähigkeit, mich in andere Menschen hineinzudenken, mich selbst kritisch zu betrachten und mein Verhalten weiterzuentwickeln. Das kann man sinngemäß auf Parteien übertragen.

    Die Führungskräfte einer Partei müssen sich in die relevanten Wählergruppen hineindenken und dürfen dabei wichtige andere Wählergruppen nicht völlig vergessen. Die FDP umwirbt momentan vor allem die leistungsfähige und leistungsbereite Mittelschicht. Sie bezieht das allzu oft implizit auf Hochschulabsolventen. Ich meine, dass sie darüber hinaus an leistungsfähige und leistungsbereite Arbeiter, Meister oder Techniker denken sollte. Selbst für leistungsbereite Arbeitslose sollte sie zumindest überzeugende Lösungsvorschläge anbieten.

    Zum »Mitte«-Wählerpotential der FDP gehören auch viele Wählerinnen. Ich kenne einige bürgerliche Paare, in denen die Männer Schwarz oder Gelb wählen, aber die Frauen schon lange für Grün sind. Ich finde, dass eine Partei der Mitte auf jeden Fall auch mit einer gewissen emotionalen Intelligenz ausgestattet sein sollte, um auf diese potentiellen Wählerinnen besser eingehen zu können. Hier in Dresden habe ich von dieser Fähigkeit noch nichts bemerkt.

  41. Lina
    1.06.2008 | 15:19

    @ stefanolix

    “Ich weiß nicht, ob wir mit EQ alle das gleiche meinen.”

    Ich jedenfalls meine genau das gleiche wie Du, der es hier auf den Punkt gebracht hat. Effizientes Zusammenspiel statt Gegensatz.

    “Ich finde, dass eine Partei der Mitte auf jeden Fall auch mit einer gewissen emotionalen Intelligenz ausgestattet sein sollte, um auf diese potentiellen (noch grün wählenden) Wählerinnen besser eingehen zu können.”

    Achtung! Könnte hier als Selbstaufgabe verstanden werden (-;

  42. 1.06.2008 | 15:21

    @stefanolix

    >Ich finde, dass eine Partei der Mitte auf jeden Fall auch mit einer >gewissen emotionalen Intelligenz ausgestattet sein sollte, um auf >diese potentiellen Wählerinnen besser eingehen zu können.

    Um auf die potentiellen WählerInnen besser eingehen zu können, oder weil es programmatisch geboten ist?

  43. stefanolix
    1.06.2008 | 15:50

    @Lina: Danke für die Ergänzung — das effiziente Zusammenspiel hatte ich stillschweigend vorausgesetzt, aber im Kommentar vergessen. Danke auch für die Formulierung: gegen »effizient« kann sicher in der FDP niemand etwas haben;-)

    @Dirk: Ich finde es einfach fahrlässig, wie hier mit Wählerpotential umgegangen wird und ich kann keine schlüssige Begründung dafür finden. So etwas stört mich;-)

    Ich wünsche ja der liberalen Partei eine wichtigere Rolle. Ich wünsche mir, dass die liberale Partei eine größere Anziehungskraft hat, eine größere Überzeugungskraft ausstrahlt und »rückenmarksliberale Werte« (nach Statler, 2008) besser vermitteln kann. Ich sehe allerdings keine Entwicklung in diese Richtung.

    Eine sehr fundiert vorbereitete und geführte »Mehr Netto«-Kampagne (mit emotionaler Intelligenz) wäre beispielsweise ein Anfang, aber darin müsste ein Nutzen für den Kurzzeitarbeitslosen und für den Hochleistungsakademiker enthalten sein.

    Eine Bürgerrechtskampagne könnte die FDP momentan mit ganzen zwei Personen führen: der eine ist schon weit im Rentenalter und die andere hat in der Partei viel zu wenig Gewicht. Ja, das ist überspitzt, aber so sieht’s doch aus. Ich bezweifle, dass man hier in Dresden dazu überhaupt einen Gesprächspartner fände. Liberalismus ist aber nicht nur Wirtschaft, verdammt noch mal. Tut mir leid. Soviel zu meinem Rochus;-)

    Wenn der Artikel aus Göttingen nicht so soziologenhaft verschwurbelt wäre, würde ich ihm durchaus einige Anregungen entnehmen. Aber ich kann den Autor einfach nicht mehr sehen und mag von ihm auch nur ungern mehr lesen. Mal sehen, ob ich daran etwas ändern kann.

  44. stefanolix
    1.06.2008 | 16:29

    @Lina — Zu den Interessen der Frauen: eine politische Partei muss diese Interessen nicht vertreten, aber berücksichtigen (»die Politik« ist mir hier viel zu hoch gegriffen). Ich hinterfrage auch, ob die Politik noch als rational bestimmt wahrgenommen wird. Am Beispiel der SPD-Misere wird doch gerade überdeutlich, dass es oft nicht so ist. Die SPD ist übrigens auch aufgrund der Fehler von Politikerinnen, in dieser Misere (wenn man das an dieser Stelle mal so deutlich sagen darf). Was da seit Wochen geboten wird, ist kein gutes Beispiel für die Arbeit von Frauen in der Politik. Da hat die CDU mit Frau Merkel und Frau von der Leyen momentan Besseres zu bieten. Aber die FDP bietet eben fast überhaupt nichts an.

  45. Lina
    1.06.2008 | 16:56

    @ stefanolix

    Als *rational bestimmt wahrgenommen* ist etwas anderes als rational betrieben (-;. Was Du (mit der SPD-Misere) gegen vorhandene Rationalität ins Feld führst, bestätige ich Dir gerne. Und ich sag’ ja: die Heidi, die Ulla…

    Btw: *Effizient* gefällt Dir? War von mir, wie Du Dir denken kannst, auch bewusst auf die FDP gemünzt; ich weiss aber auch, dass kein anderes wie auch immer geartetes Zusammenspiel ohne Effizienz auskommt

  46. stefanolix
    1.06.2008 | 17:39

    Ich meinte übrigens speziell Frau Nahles und Frau Prof. Schwan. Die SPD-Politik wird momentan nicht rational betrieben und kann also bei klarem Verstand auch nicht als rational wahrgenommen werden;-)

  47. Michel
    1.06.2008 | 18:25

    @ stafanolix: Ach so ich dachte, du denkst in erster Linie an die Ypsilanti. Der Schwan kann man doch beim besten Willen kein Vorwurf machen, dazu hat sie einfach zu wenig einfluss.

  48. Failure
    1.06.2008 | 19:21

    Nun, vielleicht lässt sich der harte Gegensatz zwischen “emotional” und “rational” (gehört “Rationalität” im philosophischen Sprachgebrauch nicht auch eher in den Bereich des “Verstandes” und also die Zweck-Mittel-Rationalität?) etwas aufbrechen, indem man zwei Seiten von Rationalität unterscheidet:
    1. die Art und Weise auf der man zu einer Position gelangt; Rationalität heißt dann “objektiv und umsichtig zu einer Position gelangen”,
    2. die Art und Weise wie eine solcherlei geartete Position vertreten wird.
    In diesem zweiten Sinne ist das Ideal einer desengagiert-neutralen Vernunft auch eher ein Märchen, da natürlich jede Position engagiert und nicht-neutral ist. Wer rational auftritt, versucht nahezulegen, dass der auch der vorhergegangene Prozess der Meinungsbildung vernünftig gewesen ist; was zusammenhängt, aber eben nicht muss. Insofern widerspricht Emotionalität (im Sinne von 2) nicht Rationalität (im Sinne von 1).

Bad Behavior has blocked 724 access attempts in the last 7 days.