Sternchen auf Idiotenbrust

Heute Morgen kam mir auf dem Bahnhof ein junger Mann entgegen, der auf einem schwarzen T-Shirt den Roten Stern trug. Ansonsten wirkte der Mann wie das, was man wohl mal als Hippie bezeichnet hat: Langhaarig, sanftmütig und gewaltfrei.

Um so erstaunlicher erscheint diese Zurschaustellung. Im letzten deutschen Staat, der dieses Symbol zum Ziel verordneter Verehrung machte, war solches “asoziale Pack”, wie Menschen derartigen Aussehens von der Obrigkeit bezeichnet wurden, nicht wohl gelitten. Ich habs selbst erlebt, wie junge Männer und Frauen, die dem jungen Mann von heute Morgen recht ähnlich sahen, an just diesen ihren langen Haaren gepackt, über den Boden gezogen und in Polizeibusse hinein geprügelt wurden. Von kräftigen “Arbeiter-und-Bauern”-Händen. Ihr Vergehen war, mit Blumen in den ausgestreckten Händen auf Polizeiketten zuzugehen, um für Gewaltfreiheit zu werben.

Dass sich Naivlinge freiwillig in die Symbole ihrer potentiellen Unterdrücker kleiden, ist ein erbarmungswürdiger Anblick. In welchem Grad die Linke in ihrer Geschichtslosigkeit doch gelegentlich dumm wirkt…

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45 Kommentare zu “Sternchen auf Idiotenbrust”

  1. 9.06.2008 | 17:10

    Ach, das gilt doch für die Odals- und was-weiss-ich-für- Runenträger auf dem anderen Idiotenufer ebenso, Boche: noch jede Revolution hat ihr Fussvolk zertreten.

  2. 9.06.2008 | 17:13

    Dem Anspruch der Vollständigkeit wollte ich nicht genügen. Und Runenträger habe ich heute Morgen nun einmal nicht gesehen.
    Mit deinen Anmerkungen zum Schicksal naiven Fußvolks hast du natürlich Recht.

  3. dante
    9.06.2008 | 17:21

    Bitte mal Hinweise, Quellen o.ä., wo ein roter Stern auf schwarzem Grund für “an just diesen ihren langen Haaren gepackt, über den Boden gezogen und in Polizeibusse hinein geprügelt wurden. Von kräftigen “Arbeiter-und-Bauern”-Händen.” stand.

    Danke.

  4. R.A.
    9.06.2008 | 17:39

    @dante:

    Bitte mal Hinweise, Quellen

    Steht doch oben: Hat Boche selbst erlebt.
    Das reicht wohl als Quelle.

  5. 9.06.2008 | 17:44

    @dante

    Prag, Sommer 1989. Wenzelsplatz.

  6. stefanolix
    9.06.2008 | 17:51

    Die Evangelische Kirche hat in der DDR-Zeit solche Vorfälle dokumentiert und bei uns in ESG-Kreisen wurde immer wieder darüber berichtet. Zu den Kennzeichen der Pazifisten gehörten damals (bei den Männern) oft lange Haare. Männer und Frauen trugen auch betont alternative Kleidung (oft Leinen oder Schafwolle) und natürlich bestimmte Symbole und Sprüche. Was Boche über die Repressionen schrieb, ist absolut richtig.

    Nur macht Boche hier einen Zeitsprung: der junge Mann dürfte zur Wendezeit ein kleines Kind gewesen sein. Die DDR-Zeit hat er nicht bewusst erlebt. Es ist ganz schwer, das Maß des Unwissens über die DDR zu beschreiben. Viele junge Leute im Westen wissen schlicht aus Desinteresse nichts über die DDR und viele junge Leute im Osten wollen kaum etwas über das Land ihrer Eltern wissen: »DDR — hat das was mit Krieg zu tun?«.

  7. stefanolix
    9.06.2008 | 17:53

    Was ich noch zum Artikel sagen wollte: Das Sternchen kann auch einfach auf dem Brustkorb eines Aussteigers prangen, der in Wahrheit weder am roten Stern noch an Che Guevara oder sonstwelchen »revolutionären« Symbolen interessiert ist.

  8. 9.06.2008 | 17:53

    Hat Boche selbst erlebt.
    Das reicht wohl als Quelle.

    Geht runter wie Butter. Warum nur ist dieses Vertrauen noch nicht verbreiteter?

  9. 9.06.2008 | 17:55

    @stefanolix

    Deshalb nannte ich den Mann ja Naivling. Und (recht böse, ich gestehe) Idiot.
    Weil er offenbar nicht wusste, was er wissen könnte.

  10. dante
    9.06.2008 | 17:59

    Na gut,

    die Frage ist natürlich: Stehen roter Stern _auf schwarzem_ Grund für Unterdrückung?

    Ich zumindestens kenne kein Regime mit derartiger Symbolik (also: rot auf schwarz)!

    @boche: auf dem Wenzelsplatz war ich noch nie. Daher mein Wunsch nach Belegen, Quelle. Ein einfacher Hinweis ist eher mau.

  11. 9.06.2008 | 18:06

    Schlimmer noch finde ich diese T-Shirt auf denen Saddam im Che Guevara Style abgebildet ist. Die Problematik ist wohl, dass unsere Gesellschaft eigentlich ziemlich okay ist und vor allem sehr plural. Nicht einmal Lady Bitch Ray gelingt die Provokation. Da gibt es kaum Möglichkeiten sich abzugrenzen, jedenfalls keine oberflächlichen und damit keine sonstigen, die diesen Naivlingen zur Verfügung stehen. Dazu kommt, dass die Kapitalismuskritik verführerisch ist. Man muss sich nicht anstrengen und für nichts rechtfertigen - ist ja der Kapitalismus schuld, dass nichts aus einem wird.

  12. 9.06.2008 | 18:17

    Und selbst wenn: Die DDR-Führung nannte sich vielleicht “links” unf fortschrittlich, aber es war eine Diktatur mit Staatswirtschaft Ich vermute, Dikturen mit freier Wirtschaft laufen etwas besser, wenn sie die Korruption im Griff haben).

    Ich weiß auch nicht, ob das was die SU oder die DDR selbst Kommunismus oder Sozialismus nannten, überhaupt der Theorie oder der reinen Lehre entsprach.

    Spitzfindig könnte man ja sagen “Diktatur des Proletariats” ist Arbeiterherrschaft und das waren - als der Begriff entstand - die meisten. Und das war es ja schonmal nicht.

  13. stefanolix
    9.06.2008 | 18:23

    Sorry, »dante«, aber wenn Du wirklich an dem Thema interessiert bist, dann informiere Dich bitte aus seriösen Quellen über die Repressionen der SED/Stasi gegen Pazifisten, Umweltschützer und andere junge Regimekritiker. Wir sind ja hier nicht dazu da, Dir die Quellen auch noch vorzulesen.

  14. Die Stimme aus dem Off
    9.06.2008 | 18:32

    @ Dante:

    Ich könnte Dir Quellen für so etwas geben. Nur was würden sie Dir nutzen? Wozu sollte eine schriftliche Quelle für diesen “Beweis” gut sein? Der Wunsch nach Quellen ist meiner Meinung nach die häufigste Ursache für Irrtümer. Boches Ausführungen sind doch glaubhaft und vor allem auch nachvollziehbar. Wäre es glaubwürdiger, wenn er es zuvor in einem Buch niedergeschrieben hätte? Ich habe jedenfalls Ende der achtziger Jahre genug Fernsehen gesehen um das glauben und nachvollziehen zu können, auch ohne Papierkram.
    Ganz davon abgesehen kam es Boche wohl auch nicht auf eine genaue Schilderung des Erlebten an, sondern er wollte vor allem auf den Widerspruch hinweisen. Jemand mit ausgesrochenem Hang zur Individualität wirbt für die Unfreiheit. Das ist krank, mehr bedarf es doch eigentlich nicht, oder?

  15. dante
    9.06.2008 | 18:44

    @ stefanolix:

    Was die Seriösität angeht, hat boche hier meineserachtens in Klo gegriffen!

    Bisher hat noch keiner hier “roter Stern auf schwarzem Grund” als Symbol für Unterdrückung untermauern können; jene Symbolik, die ja der Auslöser von boches Post war.

    Dass es Trottel gibt, die sich die sog. Sicherheit der DDR als Schutz vor dem Kapitalismus wieder herbeiwünschen, ist tragisch genug.

    Aber warum ein T-Shirt-Träger mit einem rotem Stern auf schwarzem Grund für diese Erkenntnis herhalten muss, ist mir persönlich absolut unverständlich.

    Warum? Einfach deshalb, weil Menschen mit rotem Stern auf schwarzem Grund in diesen Unrechtssystemen (ohne Anführungsstriche!) ebenfalls eingeknastet wurden! Als Gegner des Systems.

    Danke für die Aufmerksamkeit, stefanolix.
    Ende und Aus.

  16. stefanolix
    9.06.2008 | 18:53

    Es ist bekannt, dass auch alternativ denkende Linke zum Opfer der DDR-Sicherheitsorgane wurden. Und viele oppositionelle Jugendliche aus der DDR würde man heute am ehesten bei Attac oder in eine linke Jugendorganisation einordnen.

    Aber Boche schreibt über den roten Stern ohne Beziehung zum Hintergrund und mir scheint die Farbe des T-Shirts dabei eher gleichgültig zu sein. Der rote Stern als solcher ist in meinen Augen ein Symbol für Diktatur und Repression. Ich weiß nicht, was er für Dich persönlich bedeutet …

  17. 9.06.2008 | 18:57

    @dante

    “Roter Stern auf schwarzem Grund” muss ja für dich eine geheimnisvolle Sondersymbolik haben.
    Wenn mir morgen ein Nazi ein Hakenkreuz auf farblich neuartigem Untergrund präsentiert, werde ich versuchen, auch zuerst an etwas anderes als an Nazi-Symbolik zu denken.

    Ansonsten lies den verlinkten Wikipedia-Artikel zum Roten Stern. Da ist beschrieben, wofür er steht (und wofür er z.B. auch von den RAF-Verbrechern genutzt wurde).

    Einfach deshalb, weil Menschen mit rotem Stern auf schwarzem Grund in diesen Unrechtssystemen (ohne Anführungsstriche!) ebenfalls eingeknastet wurden!

    Widerständler gegen die kommunistischen Regime, die mit einem roten Stern als Symbol aufgetreten wären, kenne ich bislang nicht. Darf ich da jetzt auch mal nach Quellen fragen?

  18. dante
    9.06.2008 | 19:02

    Mann, Mann, Mann!

    Die Hintergrundfarbe ist natürlich _nicht_ unerheblich! Bei keiner Symbolik.

    Und boche erwähnt den roten Stern auf _schwarzem T-Shirt_!

    @ boche: Was sagst Du?

  19. Die Stimme aus dem Off
    9.06.2008 | 19:02

    Wenn mir morgen ein Nazi ein Hakenkreuz auf farblich neuartigem Untergrund präsentiert, werde ich versuchen, auch zuerst an etwas anderes als an Nazi-Symbolik zu denken.

    Ansonsten lies den verlinkten Wikipedia-Artikel zum Roten Stern. Da ist beschrieben, wofür er steht (und wofür er z.B. auch von den RAF-Verbrechern genutzt wurde).

    Treffer, versenkt.

  20. dante
    9.06.2008 | 19:04

    @ boche:

    Also, Butter bei die Fische: Welches Regime Unrechtsregime verwendet einen roten Stern auf schwarzem Grund?

  21. dante
    9.06.2008 | 19:07

    @ boche:

    “Roter Stern auf schwarzem Grund” hat für mich eben keine Symbolik. Deswegen ist es auch aus meiner Sicht unverständlich, daran einen weitergehenden Artikel aufzuhängen.

  22. dante
    9.06.2008 | 19:09

    @ mein letzer Beitrag:
    Keine Symbolik im Sinne von “ist das Symbol eines Regimes”

    Sorry, geht alles so schnell hier.

  23. dante
    9.06.2008 | 19:27

    Mist!
    Keine Symbolik im Sinne von “ist das Symbol eines Regimes”
    heißt natürlich:
    “Keine Symbolik” im Sinne von “ist kein Symbol eines Regimes”

    so: jetzt erst mal Fußball gucken!

  24. Michel
    9.06.2008 | 20:00

    @ Mark:
    “Ich weiß auch nicht, ob das was die SU oder die DDR selbst Kommunismus oder Sozialismus nannten, überhaupt der Theorie oder der reinen Lehre entsprach.”

    Die Regime entsprachen durchaus der reinen Lehre. Schon recht früh haben Liberale darauf aufmerksamgemacht, dass eine Planwirtschaft mit einer Diktatur einhergehen muss (so kann man die Geschichte der DDR nachlesen in einem Buch von 1890, zumindest in groben Zügen und zeitlich gestaucht). Die Linken haben sich nie daran gestört und sind stillschweigend davon ausgegangen, dass es sich um ein wohlwollende Diktatur handlen wird.

  25. 9.06.2008 | 20:11

    dante: ein gruenes Hakenkreuz (auf einer Ecke stehend, im Uhrkreis abgewinkelt) auf gelbem Kreis auf orangem Hintergrund ist fuer Dich also durchaus tragbar?

  26. 9.06.2008 | 20:13

    Sollte natuerlich Uhrzeigersinn heissen :-)

  27. Eloman
    9.06.2008 | 20:39

    Der rote Stern auf schwarzem Hiuntergrund ist das Symbol der EZLN, der: „Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung” im Mexikanischen Bundesstaat Chiapas (Subcomandante Marcos etc.)

  28. 9.06.2008 | 21:17

    @Eloman

    Danke für den Hinweis.
    Den roten Stern haben ja tatsächlich die verschiedensten sozialistischen und kommunistischen Bewegungen und Staaten benutzt.

  29. 9.06.2008 | 21:35

    Ja, ein erbarmungswürdiger Naivling, dem ist zuzustimmen. Andererseits auch nicht gleich der Untergang des Abendlandes. Ich bin fast sicher, dass nicht wenige von denen, die heute Hayek zum Lesen empfehlen, vor 40 Jahren “Ho-Ho-Ho-Chi-Minh”-rufend durch die Innenstädte gelaufen sind. Gib ihm die Chance, intellektuell zu reifen, solange er anderen nichts tut.

  30. 9.06.2008 | 22:34

    @Holger

    Die Chance hat er doch nur, wenn Leute wie Boche ihm seine Dummheit erklären!

  31. tigger
    9.06.2008 | 22:52

    “The classic red star on a black t-shirt. Remind people that there are alternatives to capitalism and rampant consumerism.”

    http://www.bant-shirts.com/political-t-shirts.htm

    Aha. “Alternatives to consumerism”….für nur $16.95 und “All sizes available”. Das verrückte am Kapitalismus ist, dass selbst aus der Systemkritik noch irgendwie Profit geschlagen wird.

  32. 9.06.2008 | 22:54

    In welchem Grad die Linke in ihrer Geschichtslosigkeit doch gelegentlich dumm wirkt…

    Dein Assoziationen bzw. Erlebnisse in Ehren, lieber Boche. Aber da hast du jetzt aber, finde ich, wieder mal ziemlich übertrieben. Was sind schon Symbole? Scheiß drauf.

  33. 9.06.2008 | 22:55

    @Holger

    Klar, ich würde ihn doch auch nicht einsperren oder auspeitschen lassen wollen. Jugend verzapft viel Unsinn. Es ist noch gar nicht so lang her, dass ich mich selbst eher links verortet hätte. Irgendwann fängt halt das Nachdenken an. Meistens. Hoffentlich.

    PS: “Ho-Ho-Ho-Chi-Minh” hätten wir allerdings selbst (oder gerade) in der DDR nie mit Überzeugung rufen können. Weil die Bonzen es gefreut hätte. Und man in etwa ahnte, dass man dann auch “Ho-Ho-Ho-Honecker” hätte rufen können. So weit waren die Rufer im Westen aber intellektuell noch nicht.

  34. 9.06.2008 | 23:00

    @tigger

    Kapitalismus beruht eben auf der menschlichen Natur. Selbst im Sozialismus spross er durch jede Pore, auf die die Bonzen ihre Finger zu legen übersahen. Handwerker mit Schwarzarbeit, Schwarzhandel, kleine, erfolgreiche Schuster…

    @Horst

    Gern sch… ich auf Symbole. Ich lasse mir aber nicht ausreden, dass der junge Mann recht repräsentativ für einen sich links fühlenden Jugendlichen war. Selbstverständlich gibt es auch die demokratische Linke. Die SPD der Weimarer Republik und des Godesberger Programms gehörte sicher dazu. Die scheint sich aber gerade zu verabschieden.

  35. F.Alfonzo
    9.06.2008 | 23:03

    @ Boche:

    Sicher, dass es sich um ein politisches Symbol gehandelt hat?

    Ich frage nur, weil’s sich bei einem Langhaarigen ja auch um einen Metal-Fan gehandelt haben kann, die verwenden das Pentagramm auch ganz gerne… allerdings i.d.R. eher “verkehrt rum” und in den Farben grau/schwarz…

    Ansonsten würde ich sowas nicht überbewerten.
    Kann sich ja auch um subtilen, individualistischen Zynismus handeln.

    …ich hatte übrigens mal ein T-Shirt mit der Aufschrift “Terror Worldwide - Kid tested, mother approved”. Kam gut an ;-)

  36. 9.06.2008 | 23:05

    Die scheint sich aber gerade zu verabschieden.

    Das ist wirklich nicht zu übersehen. Sehr zu meinem Leidwesen.

  37. F.Alfonzo
    9.06.2008 | 23:06

    off topic, fällt mir aber gerade so am Rande ein:

    Mein absoluter Favourit (hängt immer noch im Kleiderschrank) ist ein Shirt von der jungen Union; Rückenaufdruck: “Stoiber Team”.

    Herrlich.

  38. 9.06.2008 | 23:10

    @F.Alfonzo

    Es war schon ein klar erkennbarer roter Stern. Aber gut: Ich konzidiere, dass die Möglichkeit besteht, dass es sich um ein modisches Accessoire gehandelt hat. Aber auch das wäre ja diskussionswürdig: Dass ein solches Symbol modisch verwendet werden kann.
    Im Übrigen möchte ich nicht den Eindruck erwecken, ich würde die ganze Geschichte überbewerten. Es war mehr eine mich interessierende Detailbeobachtung.

    @Horst

    Ja. Gute Besserung, jedenfalls.

  39. F.Alfonzo
    10.06.2008 | 3:19

    @ Boche:

    Ja, ich weiß schon, worauf du hinaus willst: Die meisten Leute, die heutzutage Che’s Antlitz spazieren tragen würden in Che’s Idealvorstellung einer Gesellschaft wohl im Arbeitslager verenden.

    Aber naja, mir sind die Leute lieber, die Che oder Hammer & Sichel oder den Stern rumtragen, als jene, die auf der Suche nach der “besseren Gesellschaft” die SED wählen… und ich vermute, die Schnittmenge ist nicht allzu groß…

    F.Alfonzo

  40. 10.06.2008 | 9:54

    @dante:

    Ich hatte das gar nicht so seltene “Vergnügen” meinen dreijährigen Wehrdienst in einer militärischen Institution der DDR abzuleisten, in der man uns vor dem Einsatz zur unauffälligen Sicherung aller möglicher öffentlicher Ereignisse einschärfte, auf genau solche Hippie-Typen mit egal welchem T-Shirt (Boche hat nicht gesagt, dass in der DDR jagt auf rote Sterne auf schwarzem Grund gemacht wurde, sondern auf Typen, die heute so etwas tragen) ein besonderes Auge zu werfen. Das hat die von Boche beschriebenen Behandlungsmethoden ausdrücklich eingeschlossen. Zu meinem Glück bin ich an der Umsetzung dieser Anweisungen zufällig mangels Gelegenheit gerade noch vorbei geschlittert. So weit zur empirischen Evidenz…

  41. 10.06.2008 | 10:10

    @F.Alfonzo

    Ich bin mir nicht so sicher, wie groß die Schnittmenge ist. Ich würde vermuten, sie ist nicht unbedeutend. Was sollen die, sofern sie überhaupt wählen, sonst auf dem Stimmzettel ankreuzen?

  42. 10.06.2008 | 11:16

    “Ho-Ho-Ho-Chi-Minh” hätten wir allerdings selbst (oder gerade) in der DDR nie mit Überzeugung rufen können. Weil die Bonzen es gefreut hätte.

    Ich werde den Verdacht nicht los, dass der Grund dafür, dass sie im Westen nach Ho Chi Minh gerufen haben, im Osten nicht nach Ho Chi Minh gerufen haben und dass der junge Mann mit rotem Stern rumläuft, jeweils der gleiche ist: Auflehnung und Lust an Provokation. Das schleift sich mit zunehmendem Alter ab.

  43. 10.06.2008 | 11:21

    Klar, das ist ein Merkmal der Jugend.

  44. F.Alfonzo
    12.06.2008 | 4:09

    @ Boche:

    “Ich bin mir nicht so sicher, wie groß die Schnittmenge ist. Ich würde vermuten, sie ist nicht unbedeutend.”

    Wäre die offensichtliche Schlussfolgerung. Erklärt aber nicht, warum die SED auf ein mal ein Vielfaches der Stimmen im Vergleich zu vor 5-10 Jahren bekommt; außer, die Anzahl der linken/alternativen Jugendlichen hat sich in der Zwischenzeit verzehnfacht.

    Ich vermute eher, es handelt sich bei diesen Leuten in der breiten Masse um Nichtwähler.
    Man sollte Individualismus nicht unterschätzen; das Erscheinungsbild solcher Menschen provoziert die falschen Schlüsse ja geradezu.
    Ist bei mir übrigens genauso: Meine Erscheinung passt nicht im Mindesten zu dem Bild, das man allgemein von Leuten zeichnet, die eine ähnliche politische Gesinnung oder einen ähnlichen Beruf wie ich haben.
    Ich finde das aber amüsant; es macht wirklich Spaß zu sehen, wie das von Schubladendenken geprägte Weltbild des Gesprächspartners wie ein Kartenhaus einstürzt, hehe…

  45. 12.06.2008 | 9:58

    @F.Alfonzo

    Erklärt aber nicht, warum die SED auf ein mal ein Vielfaches der Stimmen im Vergleich zu vor 5-10 Jahren bekommt; außer, die Anzahl der linken/alternativen Jugendlichen hat sich in der Zwischenzeit verzehnfacht.

    Die Erklärung könnte sein, dass sich die SED durch die letzte Umbenennung und die erfolgreiche Einverleibung der Opposition links der SPD ein frischeres Image verschaffen konnte. Dazu noch ein paar junge Gesichter im Parlament, die früher FDJ-Hemd getragen hätten - und fertig ist das Erfolgsrezept für das Einfangen des unbedarften und ahistorischen Antikapitalisten im Westen.

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