Öffentlich-rechtliches Internet

Die Medien streiten sich momentan untereinander. Vor allem schießen Zeitungen und Zeitschriften gegen die Pläne der öffentlich-rechtlichen Sender, das Internet als Verbreitungsmedium auszubauen. Da geht es dann um solche Details, wie “textähnlich” das Angebot sei.

Ich habe da eine ganz andere Frage: Warum, zum Henker, brauchen wir überhaupt ein öffentlich-rechtliches Internetangebot, das nicht von seinen Nutzern, sondern von denen finanziert wird, die in Deutschland einen Fernseher oder Computer besitzen? Wo doch auf der ganzen Welt jeder das Gleiche zu sehen und zu lesen bekommt?

Kann vielleicht mal einer den selbstgefälligen Funktionären und Politikern, die da so selbstverständlich über unser Geld verfügen, in die Parade fahren? Oh, sorry, mit den Volksabstimmungen haben wir es ja nicht so… Und die Stasi-Methoden der GEZ erscheinen manchen Politikern wohl mehr als Ideal denn als Schreckensbild.

P.S.: Man könnte auch mit immer mehr Recht fragen, wozu wir überhaupt die öffentlich-rechtlichen Sender brauchen. Aber vielleicht bringt die Konkretisierung am Beispiel Internet mehr.

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17 Kommentare zu “Öffentlich-rechtliches Internet”

  1. 14.06.2008 | 20:20

    Man könnte auch mit immer mehr Recht fragen, wozu wir überhaupt die öffentlich-rechtlichen Sender brauchen.

    Weil die anderen Sender nur Müll zeigen? ;)

  2. 14.06.2008 | 20:30

    Erstens tun sie das nicht. Ist “Dr. House” Müll?
    Und zweitens ist “Müll” Ausdruck deiner Präferenz. Wonach sofort zu fragen wäre, mit welchem Recht du deine Präferenz mittels Zwangsgeldern verwirklicht sehen wolltest.

  3. Schmock
    14.06.2008 | 20:56

    @Christian S.
    Das Argument: “Weil die anderen Sender nur Müll zeigen?”
    ist sogar aus zwei Gründen falsch. Erstens zeigen die anderen nicht nur Müll. “Der Pate” oder “Spiel mir das Lied vom Tod” kriegt man auf Kabel 1 zu sehen und die Simpsons auf Pro 7 (Und diese drei Beispiele sind definitiv und objektiv kein Müll, sondern Klassik). Zweitens sagt dieses Argument nichts über das Programm der öffentlich-rechtlichen aus. Diese zeigen aber, außer ein paar ambitionierten Filmen die meist gegen 2 Uhr nachts auf einem dritten laufen, nur Müll. Wenn man schon gegen Müll ist, dann lieber weniger Müll und nicht zusätzlich Zwangsgebührenfinanziertes.

  4. 14.06.2008 | 21:02

    Die OR sind doch die Guten und die dürfen alles. Geh’ mal ins Tagesschau-Blog und man glaubt gar nicht, wie viele die ÖR ganz toll finden. Die Betroffenheit ob der pösen Verleger trieft manchmal schon so sehr, dass man nicht glauben mag, dass die Leute bestellt sind.

    Das beste war einer, der mir dann vorhielt, dass Zeitungen ja auch an der Einläutung des 3. Reichs beteiligt waren. Ich warte noch auf die Antwort auf meine “Volksempfänger”-Replik. :-D

    Meinetwegen können ARD und ZDF im Internt machen was sie wollen, wenn sie die Abzocke beenden, die den internetfähigen PC zum gebührenpflichtigen Empfänger macht. Als nächstes werden Briefkästen Empfänger, denn da könnte man ja DVD mit Sendungen von ARD und ZDF einwerfen.

    Und die andere Frage ist tatsächlich, warum die Allgemeinheit für den Geschmack einer Gruppe ein komplettes Rundfunksystem finanzieren soll. Mit zig Sendern, vor allem im Radio. Da bekommt ja jede Altersgruppe inzwischen ihren Sender.

  5. Schmock
    14.06.2008 | 21:02

    “Man könnte auch mit immer mehr Recht fragen, wozu wir überhaupt die öffentlich-rechtlichen Sender brauchen. Aber vielleicht bringt die Konkretisierung am Beispiel Internet mehr.”
    Man sollte da gar nicht zurückweichen, wir brauchen keine öffentlich-rechtlichen Sender (ausser vielleicht einen Politiksender der live aus dem Parlament, dem Verfassungsgericht etc. überträgt und über den die Politiker zu den Menschen sprechen können, das kostet aber fast nichts und kann aus Steuermitteln bezahlt werden.)
    Die Frage ist prinzipiell: Brauchen wir einen Staat der uns mit Informationen und Kultur versorgt? Ich denke nein, aus abstrakten Gründen und aus Erfahrung.

  6. chthon
    16.06.2008 | 8:43

    @ Schmock,

    ganz Toll, Einzelfälle heranzuziehen um eine allgemeine Aussage zu Treffen geht ja nun mal überhaupt nicht.
    Man wird in jeder Richtung auch extreme Ausreißer finden welche man zur Unterstützung der eigenen Meinung heranziehen kann!
    Das Qualitätsfernsehen deiner Meinung lediglich aus dem Import größtenteils amerikanischer Filme/Serien besteht lasse ich mal unkommentiert.

    Wenn man sich jedoch die Eigenproduktionen der ÖR und Privaten anschaut kommt man zwangsweise zu dem Ergebnis von Christian S.
    Gibt es bei den privaten Dokumentationen welche sich nicht mit Themen alla “Bumsen Blasen Ballermann” beschäftigen? Und diese pseudowissenschaftlichen Sendungen alla Galileo, wo fetten Menschen beim Essen zugeschaut wird. Ein Politikmagazin fällt mir bei den Privaten überhaupt keins ein, geschweige denn eine Nachrichtensendung die wenigstens den Versuch einer objektiven Berichterstattung macht. (NTV vielleicht mal ausgenommen)

    Bei dem Einkauf ausländischer Produktionen sind die privaten zugegeben i.d.R. besser, aber deren Eigenproduktionen sind zum Abgewöhnen.

  7. 16.06.2008 | 9:39

    @chthon

    Die Frage ist ja nicht, was dir besser gefällt, Privatfernsehen oder ÖR.
    Die Frage ist, warum Schmock und ich für deine persönliche Auswahl mitbezahlen müssen.

  8. 16.06.2008 | 11:05

    Es gibt schließlich auch keine ausdrücklich zu zahlende Kino- oder Literaturmonatsgebühr, nur weil einige gerne etwas günstiger vermeindlich gute Filme sehen wollen oder Bücher lesen wollen. Die kauft jeder fein selbst.

  9. ftt
    16.06.2008 | 12:54

    Wir brauchen das öffentlich-rechtliche System, weil wir sonst auf die GEZ verzichten müssten und die ist wichtig, weil die Abneigung ihr gegenüber parteiübergreifend fast alle Bewohner unserer Republik vereint. ;-)

  10. R.A.
    16.06.2008 | 15:24

    @Marc:

    Es gibt schließlich auch keine ausdrücklich zu zahlende Kino- oder Literaturmonatsgebühr …

    Bist Du still!
    Du bringst manche Leute am Ende noch auf Ideen …

  11. 16.06.2008 | 16:05

    Ist im Augenblick wieder ganz groß in Mode, das ÖR-bashing, oder?

    Seht es einmal so rum: Wenn ich schon GEZ zahle spricht nix dagegen, dass ich die Inhalte auch im Web zu sehen bekomme.

    Was die Verlage da für ein Gewese machen, OHNE dass vernünftige Angebote ins Netz gestellt werden, ist aus meiner Sicht höchstgradig peinlich.

    Auch wenn ich durchaus eine liberale Grundeinstellung vertrete: Das Öffentlich Rechtliche Fernsehen war noch nie so wertvoll wie heute.

    Sicher, Spielfilme kann ich mir auf Pro 7 ansehen. Gameshows auch auf RTL und Gerichts-Doku-Soaps auf Sat 1.
    Es gibt sogar Nachrichten auf Vox oder Sport im DSF - aber wer von den sogenannten Bildungsbürgern verzichtet auf die ÖR?

    Eben.

    Aber fordert nur den Ausstieg und verlasst Euch auf die Meinungsdominanz von 3 bis 4 Großverlagen. Was soll daran liberal, marktwirtschaftlich oder gerecht sein?

  12. 16.06.2008 | 16:10

    @Olaf

    Was soll daran liberal, marktwirtschaftlich oder gerecht sein?

    Nee, schon klar: Zwangsbeiträge sind dann doch die liberalere und marktwirtschaftlichere Lösung. Wir haben verstanden. Sdchließlich wollen wir zu den Bildungsbürgern gehören und lassen uns deshalb gern vorschreiben, was gut ist.

  13. R.A.
    16.06.2008 | 16:20

    @Olaf:

    Ist im Augenblick wieder ganz groß in Mode, das ÖR-bashing, oder?

    Hat wohl mit zunehmenden Mißständen bei GEZ und Anstalten zu tun …

    Wenn ich schon GEZ zahle spricht nix dagegen, dass ich die Inhalte auch im Web zu sehen bekomme.

    Wenn das kostenlos ginge - klar.
    Da das aber a) auf Kosten dieser Inhalte geht und b) zu Gebührenerhöhungen führt: Nein.

    Das Öffentlich Rechtliche Fernsehen war noch nie so wertvoll wie heute.

    Absurd.
    Die Bedeutung der Staatssender nimmt im Gegenteil immer mehr ab. Der Anteil von Radio/Fernsehen am Medienmarkt schrumpft (zu Gunsten des Internets), der Anteil der Staatssender am Radio/Fernseh-Teil schrumpft noch weiter.

    aber wer von den sogenannten Bildungsbürgern verzichtet auf die ÖR?

    Viele (ich auch).
    Abgesehen davon haben die Preferenzen von “Bildungsbürgern” keinerlei Vorrang vor denen anderer Bürger.

    verlasst Euch auf die Meinungsdominanz von 3 bis 4 Großverlagen.

    Nein.
    Wir verlassen uns auf die Vielfalt die möglich ist, wenn der Staat sich raushält.

  14. R.A.
    16.06.2008 | 16:25

    Das paßt hier doch sehr gut.

  15. 16.06.2008 | 16:59

    @Olaf: Mode ist das gerade tatsächlich, weil aktuell die Sau “Rundfunkstaatsvertrag” durchs Dorf getrieben wird. Aber die ÖR sind da auch nicht gerade zurückhaltend.

    Was die Verlage da für ein Gewese machen, OHNE dass vernünftige Angebote ins Netz gestellt werden, ist aus meiner Sicht höchstgradig peinlich.

    Ums persönliche Gefallen geht es doch gar nicht. Wenn Dir die Angebote nicht gefallen, dann nutzt Du sie eben nicht. Die Kosten trägt der Verlag.

    Anders bei den ÖR. Wenn Dir deren Angebote nicht gefallen, dann zahlst Du.

    Ich finde Brettspiele klasse und kulturell wertvoll. Ich finde, es sollte eine einsprechende Abgabe eingeführt werden. Damit muss dann jeder Deutsche der einen Tisch hat, fünf Euro im Monat zahlen und darf dafür dann täglich ein Spiel in der Stadtbücherei ausleihen. Du finde Brettspiele doof? Pech gehabt.

  16. 16.06.2008 | 17:16

    Zudem halte ich Pressefreiheit und Zwangsgebühren für ein Problem. Nämlich, dass die Pressefreiheit eigentlich ein unverzichtbares Grundrecht ist und alles was sie einschränkt eigentlich der Weg in eine Diktatur sein könnte. Also muss man die Pressefreiheit eigentlich unbegrenzt fördern und somit auch finanzieren.

    Klingt nach FOB (Fass ohne Boden)? Ist es auch. Das einzige Regulativ ist die Wirtschaftlichkeit. Private Sender und Verlage müssen sich irgendwann beschränken, egal ob es im Sinne der Pressefreiheit wünschenswert wäre, dass “Der Spiegel” eine permanent patroullierende Awacs-Flotte für investigativen Journalismus unterhält.

    Die ÖR müssen sich nicht beschränken, sie können vielmehr “Pressefreiheit” krähen und keiner kann was dagegen tun, denn die ÖR sind ja offiziell staatsfern. Die demokratisch gewählten Landesregierungen dürfen ja noch nicht einmal die Notbremse reinhauen und eine Gebührenerhöhung ablehnen. Das einzige Regulativ ist deren Gnade.

  17. Schmock
    17.06.2008 | 12:14

    @chthon
    “ganz Toll, Einzelfälle heranzuziehen um eine allgemeine Aussage zu Treffen geht ja nun mal überhaupt nicht.”
    Doch in diesem Fall schon. Ich wollte aufzeigen, dass Christian S. Aussage:
    “Weil die anderen Sender nur Müll zeigen?”
    die offenbar bedeutet, dass alles, was die privaten Sender zeigen, Müll ist, falsch ist. Dafür genügen aber Einzelfälle. Da die Negation seiner Aussage offenbar ist:
    “Es gibt mindestens eine von einem privaten gezeigte Sendung, die nicht Müll ist.”
    Ein wenig mehr Logik schadet keiner Diskussion und hilft häufig gegen unnötige Aufregung.
    “Das Qualitätsfernsehen deiner Meinung lediglich aus dem Import größtenteils amerikanischer Filme/Serien besteht lasse ich mal unkommentiert.”
    Ja so ist es, etwas besseres tun als gute Filme zeigen kann das deutsche Fernsehen nämlich nicht, wie es täglich beweist. Weil das so ist habe ich mittlerweile auch keinen Fernseher und bekomme nur wenn ich auf Besuch bin etwas davon mit. Filme kann man sich auch in der Videothek ausleihen und das kostet mich deutlich weniger als die GEZ-Gebühren.

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