8. Juli 2008
House gegen Kant
Man möge es mir verzeihen, wenn ich philosophisch dilettiere, aber manchmal regt Fernsehen zum Nachdenken an. In diesem Fall sogar privates Fernsehen.
In der heutigen Folge von Dr. House ergab sich u.a. folgendes ethisches Problem:
Patientin P war mit Freundin F liiert. P litt unter einen lebensbedrohenden Krankheit (die sich später als Pest herausstellte) und konnte nur durch eine Lebertransplantation den nächsten Tag überleben. F erklärte sich bereit, das erhebliche Risiko auf sich zu nehmen, P die Hälfte der eigenen Leber zu spenden. Mittlerweile erfuhr das Team um Dr. House aber, dass P bereits beschlossen hatte, sich von F zu trennen. Sollte man F also davon unterrichten?
Die Ärztin Cameron, die in der Serie für das steht, was man vielleicht hierzulande einen “Gutmenschen” nennen würde, trat entschieden dafür ein. Damit folgte sie einer deontologischen Ethik: Es ist einfach sittlich geboten, einen Menschen, der aufgrund eines Irrtums dabei ist, sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen, die Wahrheit zu sagen. Erst recht, wenn dieser Irrtum durch Lügen oder Verschweigen desjenigen entsteht, der von der geplanten Handlung profitieren würde.
House vertrat eine konsequentialistische Ethik: Er wollte unbedingt das Leben von P “retten” (besser: verlängern), und es war ihm egal, warum F sich zu der Operation bereit erklärte.
Cameron hatte durch Einreden auf P und eine Konfrontation der Beteiligten kurz vor der Operation die Situation herbeigeführt, dass P jetzt F doch die Wahrheit erzählen wollte. Doch House griff ein und sedierte P. Sein Argument war, jeder wolle schließlich überleben. Doch Cameron hielt dem entgegen, dass er dies P überlassen müsse, das durch seinen Eingriff aber verhindert habe.
P und F überlebten die OP. Wer hatte richtig gehandelt?
Halten wir unsere Antwort einmal fest, und überlegen wir es uns noch einmal, wenn wir die Pointe erfahren haben: F erklärte nach der OP, dass sie über die Trennungsabsichten von P informiert gewesen sei. Sie habe den Teil ihrer Leber absichtlich gespendet, damit P in ihrer Schuld sei und bei ihr bliebe.
Durch diese Volte wurde die Rolle des “Schurken” neu besetzt. Ändert sich dadurch das Urteil?
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Zum Abschluss, weil Ethik und Zynismus bei Dr. House Zwillinge sind, noch mein Lieblingsspruch aus der Folge:
Cameron zu Kollege Foreman: “Ist dir eigentlich klar, wie sich das anfühlt, wenn dir jemand einen zwei Meter langen Schlauch in den Dickdarm schiebt?”
House (von seiner Lektüre aufblickend): “Nein, doch ich habe jetzt größeren Respekt vor jedem Basketballspieler, mit dem Sie am College etwas hatten.”
Verfasst von Rayson um 23:24 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen (Trackback)