10. Juli 2008
Wären alle zufrieden?
Der Mann weiß was glücklich macht. Da strebt der Mensch seit Jahrmillionen danach die materielle Knappheit seines irdischen Daseins zu überwinden und dann kommt Herr von Weizsäcker und verkündet Knappheit wäre genau das, was wir alle schon immer gebraucht hätten. Ja, wäre Energie schon damals so teuer gewesen wie heute, dann säßen wir alle im Paradies der Energieeffizienz. Oder in einer Höhle, denn die ist so ziemlich der Gipfel der Energieeffizienz. Man lebt mit Fell bekleidet vor sich hin und kommt mit einem Bruchteil der fossilen Energie aus wie der heutige Durchschnittsbürger. Wie kommt man eigentlich auf eine solche Schnapsidee, dass es gut gewesen wäre, wenn Energie schon immer so teuer wie heute wäre? Könnte es nicht auch sein, dass wir uns dank billiger Energie den technischen Fortschritt leisten konnten, der uns heute zur Überwindung einer Energiekrise befähigt? Es würde ja auch niemand behaupten wir würden heute besser wohnen, wären bloß Kies und Zement damals teurer gewesen. Sicher, wir hausten ganz effizient auf einem Bruchteil der Wohnfläche von heute. Ob das schön ist, bleibt Geschmacksache.
Energieeffizienz ist kein Selbstzweck, sondern eine Reaktion auf Knappheit, zu der es ohne Knappheit keinen vernünftigen Anlass gibt. Billige Energie Anfang der achtziger Jahre war das Ergebnis eines im Nachgang der Energiekrise der Siebziger hohen Angebots und einer vom Schock gebeutelten mäßigen Weltnachfrage, die das explosive Wachstum der chinesischen und indischen Wirtschaft noch nicht kannte. Insofern gab es keine besonders ausgeprägt Energieknappheit, also auch kein Grund zum Sparen. Mit all den Ressourcen, die man in die Erhöhung von Energieeffizienz steckt, kann man beliebig viele ebenso Nutzen stiftende Dinge anstellen. Diese Tatsache wird in der quasireligiösen Diskussion um die segenspendende Energieeffizienz immer wieder ausgeblendet.
Dem Menschen fehlt es beileibe nicht an Energie, sondern bestenfalls an Ideen die im Universum existierende Energie zu nutzen. An Kommentatoren, die ihr mangelndes Verständnis von Physik und Ökonomie mit einer Weltanschauung des Verzichts kompensieren, fehlt es dagegen nicht.
Verfasst von SteffenH um 10:55 Uhr in der Kategorie Umweltpolitik, Wirtschaft (Trackback)