Wären alle zufrieden?

Der Mann weiß was glücklich macht. Da strebt der Mensch seit Jahrmillionen danach die materielle Knappheit seines irdischen Daseins zu überwinden und dann kommt Herr von Weizsäcker und verkündet Knappheit wäre genau das, was wir alle schon immer gebraucht hätten. Ja, wäre Energie schon damals so teuer gewesen wie heute, dann säßen wir alle im Paradies der Energieeffizienz. Oder in einer Höhle, denn die ist so ziemlich der Gipfel der Energieeffizienz. Man lebt mit Fell bekleidet vor sich hin und kommt mit einem Bruchteil der fossilen Energie aus wie der heutige Durchschnittsbürger. Wie kommt man eigentlich auf eine solche Schnapsidee, dass es gut gewesen wäre, wenn Energie schon immer so teuer wie heute wäre? Könnte es nicht auch sein, dass wir uns dank billiger Energie den technischen Fortschritt leisten konnten, der uns heute zur Überwindung einer Energiekrise befähigt? Es würde ja auch niemand behaupten wir würden heute besser wohnen, wären bloß Kies und Zement damals teurer gewesen. Sicher, wir hausten ganz effizient auf einem Bruchteil der Wohnfläche von heute. Ob das schön ist, bleibt Geschmacksache.

Energieeffizienz ist kein Selbstzweck, sondern eine Reaktion auf Knappheit, zu der es ohne Knappheit keinen vernünftigen Anlass gibt. Billige Energie Anfang der achtziger Jahre war das Ergebnis eines im Nachgang der Energiekrise der Siebziger hohen Angebots und einer vom Schock gebeutelten mäßigen Weltnachfrage, die das explosive Wachstum der chinesischen und indischen Wirtschaft noch nicht kannte. Insofern gab es keine besonders ausgeprägt Energieknappheit, also auch kein Grund zum Sparen. Mit all den Ressourcen, die man in die Erhöhung von Energieeffizienz steckt, kann man beliebig viele ebenso Nutzen stiftende Dinge anstellen. Diese Tatsache wird in der quasireligiösen Diskussion um die segenspendende Energieeffizienz immer wieder ausgeblendet.

Dem Menschen fehlt es beileibe nicht an Energie, sondern bestenfalls an Ideen die im Universum existierende Energie zu nutzen. An Kommentatoren, die ihr mangelndes Verständnis von Physik und Ökonomie mit einer Weltanschauung des Verzichts kompensieren, fehlt es dagegen nicht.

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18 Kommentare zu “Wären alle zufrieden?”

  1. Lina
    10.07.2008 | 11:45

    @ SteffenH

    An Kommentatoren, die ihr mangelndes Verständnis von Physik und Ökonomie mit einer Weltanschauung des Verzichts kompensieren, fehlt es dagegen nicht.

    Und da ist auch schon einer, bzw. eine! “Das schöne Leben”, besser bekannt als das einfache Leben der kleinen Genüsse (statt der 148 Sorten umfassenden Käsetheke), kann durchaus seinen Reiz haben und manchmal wünsche ich es mir (obwohl ich es nie er-lebt habe…) zurück (-;.

    Um Dir aber auch beizupflichten; Gespart werden muss erst, wenn Knappheit entstanden ist, vorher nicht. Technologischer Fortschritt dagegen hätte gesucht werden sollen, solange Energie uneingeschränkt vorhanden und verbrauchbar war - genauer, bevor es (wie jetzt) zum Schock und zu gleichzeitiger Hysterie darüber kommt, eine der umstrittenensten, weil gefährlichsten Techniken der Energiegewinnung wieder anzukurbeln, bzw. auszubauen. Sie ist billiger, aber ist diese Art von Effizienz in diesem Fall wirklich das schlagende Argument?

  2. 10.07.2008 | 12:01

    @Lina:

    Du verkennst dabei, dass niemand wissen konnte, dass es zu der gegenwärtigen Situation kommt. Ebenso wenig, wie wir heute wissen, wie die MArktsituation in zwanzig Jahren aussieht. Auch Herr Weizäcker nicht, der sich ja mehr um das Klima und seinen (und möglicherweise deinen) Begriff vom “guten Leben” als um ökonomische Effizienz kümmert.

    Im Übrigen sollte man immer berücksichtigen, dass die hohen Energiepreise heute auch ein Ausdruck dessen sind, dass es viele Menschen außer uns gibt, die Dank technischen Fortschritts und Energieeffizienz mit Energieträgern etwas nützliches Anfangen können, von dem auch wir profitieren. Immerhin wird mit Hilfe der Energie der Stahl etc. produziert, der in unseren Mobiltelefonen und anderen modernen Annehmlichkeiten steckt. Was wir hier gerade in Europa an “Energiekrise” erleben, hat dank unser recht hohen Effizienz und Flexibilität wenig mit den Problemen der Siebziger zu tun. Da hat die Marktknappheit durchaus ihre Wirkung getan.

    Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass die Steigerung der Energieeffizienz zu einer Reduzierung der Energienachfrage führt. Das ganze Gegenteil ist der Fall, hat doch die Effizienzentwicklung in den vergangenen JAhrzehnten gerade dazu geführt, dass wir heute mehr Energie nachfragen. Der einzelne Kühlschrank oder die Waschmaschine mag zwar weniger Energie verbrauchen, aber wir benutzen sie wegen dieser höheren Sparsamkeit auch intensiver. Oder wir können manche Produkte erst nutzen, weil sie heute so energieeffizient arbeiten. Dein Handy wurde ebenso wie der MP3-Player erst massenmarktfähig nachdem die Akkus in der Lage waren die Geräte erst mehr als eine Stunde mit der notwendigen Energie zu versorgen. Wie gesagt, das Problem sind die Ideen und nicht die Energie. Julian Simon lässt grüßen.

  3. 10.07.2008 | 12:08

    Eigentlich preist er den Markt. :-)

    Ansonsten ist festzustellen, dass doch erst die enorme Verfügbarkeit von Energie uns unser heutiges Leben erst ermöglicht hat. Es war doch immer ein enormes Problem Maschinen anzutreiben. Windmühlen, Wasserräder und Segelschiffe waren ja fortschrittlich, aber oft mussten Tiere oder Menschen ins Rad oder ans Ruder, damit irgendetwas lief.

    Das lief Jahrtausende so, bis die Dampfmaschine erfunden war. Und später der elektrische Strom, der doch etwas leichter zu verteilen ist als Dampfkraft.

  4. R.A.
    10.07.2008 | 12:14

    Ich weiß ja nun nichts über die persönlichen Lebensgewohnheiten dieses Herrn.
    Aber ich würde blind einen namhaften Betrag darauf wetten, daß er ein typischer linker Heuchler ist, wie sie u. a. Zettel beschrieben hat.

    D.h. man kann davon ausgehen, daß er persönlich so überdurchschnittlich verdient, daß ihm höhere Energiekosten nicht weh tun würden.
    Daß er persönlich deutlich überdurchschnittlich Energie verbraucht (insbesondere durch Fernreisen).
    Und daß er als “Klimaforscher” selber sehr heftig davon profiziert, anderen Leuten Sparsamkeit zu predigen.

  5. 10.07.2008 | 12:19

    @Marc

    Nicht nur oder vor allem die Energie fehlte, würde ich meinen. Sondern die Geräte und Maschinen, sie zu nutzen.

  6. Lina
    10.07.2008 | 12:32

    @ Marc

    …aber oft mussten (Tiere* oder) Menschen ins Rad oder ans Ruder, damit irgendetwas lief.

    Wäre das nicht von beachtlicher Effizienz auf dem Arbeitsmarkt (-;? Da würde bestimmt wieder viel laufen…

    (*ausgeklammert deshalb, weil Lohnkostenfaktor fehlt.)

  7. 10.07.2008 | 12:37

    @Lina:

    Ja Lina, wenn du es effizient findest, wenn mehr Menschen zu geringeren Löhnen arbeiten, wenn wir beispielsweise Fundamente oder Kabelgräben nicht mehr mit dem Bagger, sondern wieder mit dem Spaten ausheben würden. Körperliche Arbeit wird i.d.R. erst mit einem hohen Einsatz von Kapital und Energie produktiv.

  8. R.A.
    10.07.2008 | 12:50

    @Lina:
    > Wäre das nicht von
    > beachtlicher
    > Effizienz auf dem
    > Arbeitsmarkt (-;?
    Von Effizienz auf jeden Fall nicht, höchstens von Effektivität.

    Es ist aber sehr zu bezweifeln, daß die in Deutschland registrierten Arbeitslosen Jobs im Laufrad akzeptieren würden.
    Denn die vergleichsweise attraktiven Jobs beim Spargelpflücken etc. müssen ja auch mit Polen etc. besetzt werden - der Saisonaspekt ist dabei nebensächlich.

  9. Lina
    10.07.2008 | 13:02

    @ SteffenH

    Bedenke aber doch das riesige Reservoir der 4, x Millionen untätigen und unfrei Finanzierten im Land und die Bulgaren, die auch gerne preiswert dazustossen, wenn’s ums Ausheben geht ;-)! Es ginge ein Ruck durch’s Land und die Wirtschaft, der die Herzog’sche Dimension (um einen zweiten Ex-BP zu nennen) sprengte.

    Es gab einmal ein ernstgemeintes (was sonst?) Papier der SPD, das bescheinigte unserer Zukunft rosige Zeiten, wenn effiziente Maschinen die Menschen “bezahlen” müssen dafür, dass sie ihnen die Arbeit ab- oder -wegnehmen. Schade, dass es nicht geklappt hat.

    Körperliche Arbeit wird i.d.R. erst mit einem hohen Einsatz von Kapital und Energie produktiv.

    Versteh’ ich nicht. Du meinst die abertausend Beschäftigten der Bundesagentur für Arbeit in ihren hell erleuchteten Büros? Denn Schaufeln und Spaten kosten an sich nicht die Welt (-;.

    (Du weisst schon, dass Du mich nicht ernst nehmen musst, oder?)

  10. 10.07.2008 | 13:42

    @Lina

    Es ginge ein Ruck durch’s Land und die Wirtschaft

    Der “Ruck” wäre aber einer, den Münchhausen beim Ziehen am eigenen Schopf verspürt haben muss.

  11. 10.07.2008 | 13:56

    @lina:

    ;-) …diesmal ja.

  12. 10.07.2008 | 14:05

    @Lina: Ich habe den ;-) gesehen. Vermutlich wäre das Wirtschaftswachtum ohne Industrialisierung etwa so hoch wie das Bevölkerungswachstum. Es gibt wohl Untersuchungen (lief mal vor Jahren was im Radio bei HR2) die hatten herausgefunden, dass das BSP sich erst nach Napoleon von der Bevölkerungszahl abkoppelte.

  13. FG
    10.07.2008 | 14:45

    Ja, wäre Energie schon damals so teuer gewesen wie heute, dann säßen wir alle im Paradies der Energieeffizienz.

    Wer sagt das? Herr von Weizsäcker jedenfalls nicht. Zumindest nicht im verlinkten Interview. Er spricht eher davon, dass Preissignale möglicherweise früher hätten gesetzt werden sollen. Darüber kann man gewiss streiten. Aber es gibt mit Sicherheit namhafte Ökonomen, die unterschreiben würden, dass man besser Energie statt Arbeit besteuert, wie es Herr von Weizsäcker vorschlägt.

    Du verkennst dabei, dass niemand wissen konnte, dass es zu der gegenwärtigen Situation kommt.

    Nein, wissen, dass wir in genau diese Situation kommen, konnte niemand. Aber dass es in die Richtung geht ist eigentlich nicht so richtig überraschend.

    Und als Ökonom einem diplomierten Physiker* ein mangelndes Verständnis von Physik zu attestieren ist gewagt.

    *)in Biologie hat er promoviert und habilitiert.

  14. 10.07.2008 | 15:09

    @FG:

    Weizsäcker spricht davon, dass wir alle zufrieden wären. Ich sehe da keinen Unterschied. Ökonomen empfehlen aber die Besteuerung der Energie nicht aufgrund eines Effizienzfimmels, sondern aufgrund damit verbundener negativer Umwelteffekte. Und hier empfehlen sie eigentlich nicht die Besteuerung der Energie, sondern der mit deren Umwandlung verbundenen Schadstoffemissionen. Das ist ebenfalls ein Unterschied zur Effizienzdenke von Weizsäcker.

    Die Tatsache, dass es in die Richtung knapperer Energie gegangen ist, konnte man schon antizipieren. Das heißt aber noch lange nicht, dass die damalige Vermarktung von Energie zu einem geringen Preis irrational war. Problematisch waren sicher diverse Energiesubventionen, die das Knappheitssignal der Märkte reduziert haben. Aber es ist nicht klar, ob der technische Fortschritt auf Basis billiger Energie gegenüber einer Suche nach teuren Alternativen bereits vor tatsächlicher Knappheit Sinn gemacht hätte. Worin genau hätte deiner Meinung nach in den 80igern das Marktversagen bestanden, wenn wir mal von geostrategischen Fehlern der Politik absehen.

    Weizsäcker ist schon lange kein Physiker mehr, dazu treibt er sich schon seit einer Ewigkeit in der Politik herum. Er hat eine ganz und gar unphysikalische Herangehensweise an das Energieproblem, da er den Entscheidungsraum auf einige wenige Formen von Energie einschränkt und nicht sieht, dass gerade die effiziente Nutzung der Energie ihren Mehrverbrauch herausfordert. Hier überschneiden sich physikalisches und ökonomisches Verständnis der Materie. Vielleicht ist er zu sehr Physiker, da er einen verengten Effizienzbegriff benutzt, der die Nutzung knapper Ressourcen zur Effizienzerhöhung nicht betrachtet. Ökonomische Effizienz wird nun mal nicht in physikalischen Einheiten, sondern in Werteinheiten gemessen. Hier spielt aber die relative Wertigkeit einer Vielzahl von Faktoren, sei es nun Kapital, Arbeit oder auch Wissen eine entscheidende Rolle. Deshalb führt er sich ja auch seit Jahren mit seiner FaktorX-These selbst aufs Glatteis.

  15. FG
    10.07.2008 | 15:29

    Weizsäcker spricht davon, dass wir alle zufrieden wären. Ich sehe da keinen Unterschied.

    Aber er spricht nicht davon, dass sie damals so hoch hätten sein sollen wie heute.

    Weizsäcker ist schon lange kein Physiker mehr, dazu treibt er sich schon seit einer Ewigkeit in der Politik herum.

    Informier Dich doch bitte etwas über die Leute bevor Du so etwas behauptest. Er ist 69 jahre alt und hat davon 7 Jahre im Bundestag verbracht, davor und auch danach (und zum Teil während dessen) eine wissenschaftliche Karriere an insgesamt acht Institutionen gemacht. Ein Berufspolitiker, der die Verbindung zu seiner Profession verloren hat sieht nun wirklich anders aus.

  16. 10.07.2008 | 16:39

    @FG:

    Davor war er neun Jahre Präsident vom Wuppertal-Institut, was man wohl kaum als wissenschaftliche Position beschreiben kann. Ich halte zumindest die ökonomische Expertise dieser Institution für gering, was z.T. Ansichtssache sein mag. Er hat ansonsten seit 1975 ausschließlich administrative Jobs an akademischen Einrichtungen gehabt. Ich würde das nicht als wissenschaftliche Karriere im engeren Sinne bezeichnen.

  17. 13.07.2008 | 11:06

    @ SteffenH: Äh, wenn hier mal wieder Leuten so schön die Expertisen abgesprochen werden, was ist denn Deine? Und wie gültig ist die noch? (Ich bin promovierter Zellbiologe, aber seit sieben Jahren in keinem Labor mehr gewesen, weil ich seitdem als Journlist arbeite. Und deren Expertise geht ja eher in die Breite als in die Tiefe. ;-)

  18. 13.07.2008 | 13:07

    @Marc:

    Ich bin diplomierter Volkswirt und habe 5 Jahre als Umweltökonom an einem der großen deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute gearbeitet und weitere sechs Jahre die Bundesregierung in einem Sachverständigenrat in Sachen Umweltpolitik beraten. Ich denke das genügt als Erfahrungshorizont, um einigen Kommentatoren eine gewisse Blauäugigkeit in dieser Frage bescheinigen zu können. Allerdings sind derartige Meriten wenig relevant, wenn es darum geht, jemandem logische Fehlschlüsse nachweisen zu können.

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