Wer spart hier wessen Geld?

Die Teekampagne auf die Energiesparlampe anwenden, ist das wirklich so eine tolle Idee? Professor Faltin verkauft die Lampen im Zehnerpack für einen Stückpreis von 2,60 €, will damit den “Konzernen” ein Schnippchen schlagen und wird dabei vom NABU sekundiert. Dessen Vertreter tischt dabei die ganz originelle Theorie auf, dass Energiesparlampen so teuer verkauft werden, weil man ja auch die normale Glühlampe vermarkten wolle. So eine Denke kommt dabei heraus, wenn man sich lieber mit Feindbildern als mit Ökonomie beschäftigt.

Zunächst einmal ist es kein Wunder, dass ich die billigsten Lampen aus China im Zehnerpack für weniger Geld als einzeln aus dem Baumarkt bekomme. Herr Faltin organisiert den Vertrieb, überlässt aber einfach seinen Kunden die Lagerkosten und bekommt von ihnen 26 Euro plus Versandkosten auf die Hand, die nun er statt der Kunde in eine rentable Anlagealternative stecken kann. Welcher normale Haushalt benötigt auf einen Schlag zehn Energiesparlampen der selben Leistungsklasse? Bei mir zumindest würde die letzte Lampe in ca. 15 Jahren aus dem Karton in die Fassung kommen. Das nenne ich keine gute Geldanlage. Jeder kann das ja mal selbst durchrechnen. Herr Faltin reibt sich die Hände, denn er profitiert von den Zinsen.

Nun zum NABU-Mann. Die “bösen Konzerne” verkaufen die billigen Glühlampen, weil es Leute gibt, die keine Energiesparlampen aus weiß ich was für Gründen kaufen wollen. In der Regel lohnt es beispielsweise nicht für eine Kellerlampe, die nur ein Dutzend mal im Jahr für ein paar Minuten brennt, eine teure Energiesparlampe zu verwenden. Oder man möchte das Licht dimmen, was nur mit sehr teuren Energiesparlampen gelingt. Wer aber wäre so töricht, ein Produkt, für dass es angeblich keine echte Nachfrage mehr gibt, in den Regalen zu halten, und dabei auf Umsätzen aus den so vermeintlich billigen Energiesparlampen zu verzichten? Das macht ökonomisch keinen Sinn, eignet sich aber wunderbar für eine Verschwörungstheorie. Warum stellen die Unternehmen nicht einfach die Produktion der Glühbirnen ein, sparen sich deren Produktionskosten und setzen voll auf den Absatz der Energiesparlampen? Weil die Glühbirnen so billig produziert werden können, dass sich bei Kunden mit ganz speziellen Wünschen damit mehr Geld verdienen lässt. Es liegt schlichtweg an den relativ hohen Produktionskosten der Energiesparlampen, dass sich die klassische Glühlampe noch am Markt behaupten kann. Wenn also hier jemand schuld ist, dann der Konsument, mit seinen ausgefallenen Wünschen, die nicht immer dem Wertekanon unser klimaschützenden Zeitgenossen entsprechen.

Aber was rege ich mich eigentlich auf. Ist es nicht schön, wenn sich Weltenretter und Kommerz gegenseitig umarmen? Ist es bei soviel Harmonie nicht egal, dass die Argumente zum Himmel stinken?

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13 Kommentare zu “Wer spart hier wessen Geld?”

  1. 19.07.2008 | 18:10

    Ich hätte eine weitaus interessantere Verschwörungstheorie anzubieten.
    Die geht so: Mit Glühbirnen verdienen die (wenigen) Erzeuger viel Geld. Mit den weitaus teureren Energiesparlampen verdienen sie hingegen sehr viel Geld. Rein zufällig werden ab 2009 Glühbirnen in der EU verboten und somit der Konsument gezwungen, hinkünftig die teureren Produkte zu kaufen.
    Offiziell deshalb, um die bösen CO2oiden vom Planeten Dystopia zu bekämpfen.
    Was, wenn es eben doch kein Zufall ist? Oder bin ich doch nur ein bekloppter Verschwörungstheoretiker?
    You decide.

  2. Daniel
    19.07.2008 | 20:02

    Mir scheint diese Behauptung, daß Energiesparlampen in der Wirtschaft so wahnsinnig teuer sind, für an den Haaren herbeigezogen.

    Unter http://www.test.de/themen/umwelt-energie/test/-/1327630/1327630/1334201/1330016/ hat Stiftung Warentest einen ganzen Batzen Energiesparlampen aus fast allen Preissegmenten (und auch für alle möglichen Anwendungen; die Leistungskennzahlen schwanken auch ziemlich) getestet und da geht das Spektrum von 1,50€ bis 17€. Das deutet für mich darauf hin, daß es bei dem Produkt Energiesparlampe ein ziemlich breites Qualitätsspektrum gibt und sich so die Preisunterschiede erklären. Die Qualität mißt sich hier sicher an so Dingen wie der Anlaufzeit bis zur vollen Helligkeit, der Haltbarkeit bei häufigem Schalten, der mittleren Haltbarkeit, der Verarbeitungsqualität und den verwendeten Materialien (inklusive Entsorgungskosten, die man bei ESLs auch schon beim Einkauf mitbezahlt, soweit ich weiß).

    Wie die Firmen ihre Preise kalkulieren, ist sicher auch eine spannende Frage, aber die Idee, daß die Preise künstlich hochgehalten werden und nur der Herr Faltin preiswerte Produkte anbietet, scheint eher an der Realität vorbeizugehen. Auch wenn ich es ihm natürlich gönne, wenn er eine Marktlücke gefunden hat und jetzt damit Geld verdient.

  3. Buenavista
    19.07.2008 | 22:02

    Mir sind innrhalb von zwei Jahren schon drei E-Lampen ausgebrannt. Die Langlebigkeit scheint mir etwas überschätzt.

  4. 19.07.2008 | 22:28

    Gerade für den Keller braucht man eine Energiesparlampe. Weil man immer vergisst sie auszumachen, brennt das Kellerlicht schonmal eine Woche ohne, dass man es merkt. ;-)

  5. 19.07.2008 | 22:29

    … , ohne dass … (Kommas einfach einstreuen klappt nicht immer.)

  6. 20.07.2008 | 13:58

    @Marc:

    Für manche Leute ist die moderne Technik natürlich ein Segen… ;-)

  7. Herbert
    21.07.2008 | 13:50

    “In der Regel lohnt es beispielsweise nicht für eine Kellerlampe, die nur ein Dutzend mal im Jahr für ein paar Minuten brennt, eine teure Energiesparlampe zu verwenden.”
    Hm, Vorsicht mit den Kellerlampen, die brennen oft tagelang sinnlos, weil jemand das Ausschalten beim Verlassen des Kellers vergessen hat und niemand es merkt. Wenn sie tatsächlich nur ein Dutzend Mal im Jahr brennt, bedeutet das im Zweifelsfall schnell, dass sie unbeabsichtigt 1 Monat am Stück brennt. Bei einer 60W Birne verursacht das etwa 0,06kW*24h*30*0.2Euro/kWh=8,64 Euro Kosten, so dass sich die 2,60 Euro Anschaffungskosten schon dicke lohnen, wenn einer nur ein Mal vergisst, sie auszuschalten.

  8. 21.07.2008 | 14:02

    @Herbert

    Genau das wollte Marc drei Kommentare weiter oben wohl sagen.

  9. 21.07.2008 | 14:36

    @Herbert:

    Das kann sein, bei vergesslichen Menschen kann eine Energiesparlampe etwas bringen. Aber ich denke das grundsätzliche Argument dürfte klar sein: Energiesparlampen haben geringe Betriebskosten, aber hohe Fixkosten. Sie lohnen sich also nur bei Anwendungen mit vielen Betriebsstunden. Bei der Glühlampe ist es umgekehrt. Sie hat extrem niedrige Herstellungskosten und dafür vergleichsweise hohe Betriebskosten, lohnt also für die eher sporadische Anwendung, wobei sich jeder Haushalt selbst die relative Wirtschaftlichkeit beider Alternativen ausrechnen sollte.

  10. 21.07.2008 | 16:33

    Das sind wohl auch die Menschen, die vergessen bei ihrem Auto das Licht auszuschalten, und sich am nächsten morgen über eine leere Batterie ärgern.

  11. Herbert
    21.07.2008 | 16:33

    “Das kann sein, bei vergesslichen Menschen kann eine Energiesparlampe etwas bringen.”
    In einem Mehrfamilienhaus ist immer ein Vergesslicher dabei.
    “Sie lohnen sich also nur bei Anwendungen mit vielen Betriebsstunden.”
    Auch das ist nicht ganz korrekt. Wegen der längeren Lebensdauer lohnen Sie sich oft auch da, wo der Lampenwechsel mit Kosten verbunden ist.

    “…wobei sich jeder Haushalt selbst die relative Wirtschaftlichkeit beider Alternativen ausrechnen sollte.”
    Keine Frage, die Glühlampe sollte auf dem Markt bleiben dürfen. Auch ich will mir die beste Lösung nicht von einem Gesetzgeber vorschreiben lassen. Gut gemeinte Vorschriften haben beispielsweise jahrzehntelang den technischen Fortschritt bei der Fahrradbeleuchtung behindert. Sowas passiert, wenn man sogar die Kennlinie eines Dynamos in die StVZulO hineinschreibt.

  12. Herbert
    21.07.2008 | 16:42

    @ Hardy
    “Das sind wohl auch die Menschen, die vergessen bei ihrem Auto das Licht auszuschalten”
    Nö, beim Auto sieht man das Licht meist in dem Moment noch, wo man es ausschalten sollte. Bei Kellerlampen ist das Problem oft, dass sie vom Treppenhaus eingeschaltet werden. Für solche Fälle gibt es eigentlich Schalter mit eingebauten Leuchtdioden, die aber nicht überall verwendet werden. Technikfreunde suchen nicht nach Charakterfehlern bei den Nutzern, sondern nach praktischen Lösungen.

  13. 21.07.2008 | 22:05

    @Herbert
    Also ich kenne mehrere Häuser, aber bei allen ist es sehr leicht festzustellen ob das Licht an ist oder nicht. Aber eventuell liegt selbiges daran, dass der Schalter für die Kellerbeleuchtung(logischerweise) direkt neben der Kellertür ist. Dafür braucht es noch nicht ein mal solcher Spielereien wie Dioden.

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