Irrationaler Überschwang?

Der US-Ökonom Robert Shiller zeigt in Bilder der Knappheit anschaulich was geschieht, wenn die eigene Forschungsarbeit zur fixen Idee wird. Bekannt für seine sehr fundierte Kritik am Modell effizienter Kapitalmärkte sieht er sich nun offenbar genötigt mit halbgaren Argumenten auf den fahrenden Zug der Weltuntergangsprediger aufzuspringen. Ohne einen glaubwürdigen Zusammenhang zwischen der virtuellen Besorgnis vieler Menschen um die Zukunft des Planeten und den steigenden Energiepreisen präsentieren zu können schwingt er sich zu folgendem heroischem Statement auf:

Ist es wirklich verwunderlich, dass die menschliche Psyche bei so vielen einprägsamen Bildern von einem schrumpfenden und verletzten Planeten reif für hohe Rohstoffpreise ist?

Ich weiß nicht wofür Mr. Shiller reif ist. Aber nicht unbedingt für qualifizierte Statements in Sachen Energiepreisentwicklung.

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11 Kommentare zu “Irrationaler Überschwang?”

  1. R.A.
    24.07.2008 | 16:46

    Ich sehe nicht, daß sich Shiller den Weltuntergangsprophezeihungen anschließt.

    Er beschreibt nur, daß Katastrophen bzw. Katastrophenerwartungen wesentlich glaubhafter wirken, wenn man sie im Bild sieht.

    Und daß wiederum Erwartungen über künftige Entwicklungen Auswirkungen auf die Preisbildung haben ist doch nichts Aufregendens - oder habe ich das falsch verstanden?

  2. 24.07.2008 | 17:15

    Ich sehe nur den Zusammenhang nicht, den er zu sehen scheint. Auch hat seine Darstellung etwas suggestives, selbst dann, wenn er sich zu bemühen scheint, dass wir einiges von dem nur zu sehen glauben. Mir ist nicht klar, inwiefern die Energiemärkte auf die vermeintlichen Bilder vom Klimawandel reagieren. An sich müsste die Aussicht auf eine heftige Klimapolitik die Energiepreise billiger machen, weil sich das Aufheben von Öl etc. für die Zukunft nicht mehr lohnt. Also mir erscheint seine Logik kontraintuitiv.

  3. R.A.
    24.07.2008 | 17:50

    Ganz offenbar erwarten die Märkte keine wirklich wirksame “Klimapolitik”.

    Es geht hier m. E. allgemein um eine Stimmung, in der Endlichkeit, Untergang, Bedrohung dominieren. Für den Normalverbraucher sind “Peak Oil” und “schmelzende Gletscher” alles Vorboten einer allgemeinen Verschlechterung und Teuerung.

    Und ich würde auch sagen, daß die Katastrophiker mit der suggestiven Kraft von Bildern in den letzten Jahren Boden gemacht haben und die Rationalität immer mehr zurückgedrängt wird.

  4. 24.07.2008 | 18:17

    Wir alle haben im Fernsehen das Bild von der Eisdecke Grönlands gesehen, die aufgrund der Erderwärmung ins Meer stürzt

    Es passiert mir ja selten, aber ich habe gleich nach dem ersten Satz aufgehört zu lesen. Eine pure Behauptung zum Faktum zu erheben, das ist schon dreist.
    Wo bleibt übrigens diese Erderwärmung? Ich friere, und das im Juli!

  5. 24.07.2008 | 18:18

    Angst vor zunehmender Knappheit hätte aber eine andere Wirkung. Während Anbieter mehr in die Exploration investieren, da sie vom Wertgewinn der knappen Energieträger profitieren wollen, dürften Nachfrager sich vor lauter Angst in den Hosen in ihrem Energiehunger einschränken. beides würde eine Preissenkung und keine Preiserhöhung bewirken. Nun Frage ich mich, welchen Einfluss Bilder von schmelzenden Eisbergen auf eine Verknappung der Energieträger haben soll, wo doch angesichts der neuen Rohstoffquellen unter dem angeblich dauerhaft schmelzenden arktischen Eis (Hat der Kampf um die Hoheitsrechte nicht schon begonnen?) eher mit weniger Energieknappheit zu rechnen ist. Mal abgesehen von dieser Kritik ist ein großer Teil der Statements ein Gemisch aus Halbwahrheiten und schlichten Falschaussagen (…erstmal freie Nord-West-Passage). Allein das disqualifiziert den Artikel.

  6. Lina
    24.07.2008 | 19:34

    @ SteffenH

    Angst vor zunehmender Knappheit hätte aber eine andere Wirkung.

    Aber sie hat eben auch solche Wirkung!!!

    Ich sehe an dem von Dir hervorgehobenen Satz Shillers vor allem einen manipulativen Charakter. Und mit der Macht der Bilder hat er unbedingt Recht: sie stechen jede Zahl, was einen Ökonomen natürlich schmerzen muss (-;

    …sagte über seinen Blick auf die Erde: „Sie war so weit weg … eine kleine Kugel in der Schwärze des Alls. Das macht etwas mit der Seele.”

    Und macht Eindruck, öffnet die Gletscher der Herzen und das Eis der Geldbeutel für den Versuch, die “kleine Kugel” irgendwie zu retten. Damit lassen sich, gegebene Ressourcenknappheit hin oder her, gute Geschäfte machen - in Cash und in der Politik.

    Komisch aber jetzt: diese von Metaphysik getragenen Aussagen eines Ökonomen haben sogar mich befremdet (-;.

  7. Buenavista
    24.07.2008 | 20:43

    Die Erde “schrumpft”? Echt jetzt?

  8. Herbert
    24.07.2008 | 22:11

    Ich verstehe nicht, warum die bissigen Liberalen sich statt mit den Sprüchen eines Privatmannes nicht lieber mit den Beschränkungen des Shortsellings beschäftigen, die die SEC einfach so in Kraft gesetzt hat. Da versucht doch eine Behörde nichts weniger als zu verhindern, dass Banken mit realistischen Marktpreisen bewertet werden. Was soll so nur aus dem Liberalismus werden?

  9. F.Alfonzo
    25.07.2008 | 3:48

    @Rainer:
    Ich kann mich erinnern, dass viele Klimahysteriker behaupten, der Klimawandel würde den Golfstrom abschwächen. Wäre das richtig, dann würde es in West- und Mitteleuropa zu einem Temperaturabfall kommen, denn dass der Golfstrom für das gemäßigte Klima hier verantwortlich ist, ist m.W. unumstritten.
    …schöne Sch****e ;-)

    @Herbert:
    Würde ich so unterschreiben. Unglaublich, was da im Moment abgeht; da wird stärker reguliert als nach der Weltwirtschaftskrise, und völlig sinnfrei noch dazu.
    Aber welche Themen hier angesprochen werden, hängt wohl vom Know-How und den Interessen der Autoren ab. Hab auch schon mit dem Gedanken gespielt, einen Blog zum Thema Finanzmarkttheorie und -regulierung zu starten, dazu habe ich nämlich generell noch nicht viel gefunden und behaupte, mich damit auszukennen. Vielleicht interessiert sich in Deutschland einfach auch niemand dafür, der Bereich ist hierzulande ja schon seit jeher totgeregelt.

  10. Libero
    25.07.2008 | 9:02

    @steffenH

    Shiller erinnert an den Einfluß von Bildern auf das Denken. Er hat damit recht, daß der Anblick der Erde aus dem Weltall das Denken verändert hat. Auch der Anblick des eisfreien Nordpols, leerer Stauseen, und vertrockneter Landschaften wird das Denken verändern.

    Das stellt er fest, mehr nicht. Bilder sind nun mal mächtiger und nachhaltiger als tausende von Worten.

    Shiller Artikel ist eine Anmerkung, der inzwischen auch in der ftd erschienene Artikel von Dani Rodrik ist schon etwas unangenehmer.

    Der Tod des Globalisierungskonsenses
    http://www.project-syndicate.org/commentary/rodrik21/German

    Steht über dem Lomborg Artikel auf Project Syndicate.
    Ich freue mich auf deine Stellungnahme

  11. Lina
    25.07.2008 | 9:49

    @ Libero

    Shiller Artikel ist eine Anmerkung, der inzwischen auch in der ftd erschienene Artikel von Dani Rodrik ist schon etwas unangenehmer.

    Danke, dass Du neben Shillers Anmerkung (!) Rodricks Artikel gestellt hast! Erst was er sagt, gibt wirklich zu denken.

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