Nicht alles was hinkt …

… ist ein Vergleich.
Um nicht zu sagen: Nur der besondere Respekt vor Rayson hat mich davon abgehalten, hier als Überschrift “Märschen (2)” für die absonderlichen Vergleiche des Herrn Steingart zu wählen.

Der schon einige Male merkwürdig aufgefallene SpOn-Oberkommentator sieht also Ähnlichkeiten zwischen Kennedy und Putin.
Begründung: die Popularität beider Politiker bei ihrem Volk.
Wenn man bedenkt, daß diese Popularität im Falle Putin wohl sehr viel mit dessen Kontrolle über die russischen Massenmedien zusammenhängt, wird Steingart wohl demnächst auch Berlusconi mit JFK vergleichen.

Und dann versucht der “Journalist”, Parallelen zwischen der Kubakrise und dem aktuellen Kaukasus-Konflikt zu finden.
Das seit dem Ende des kalten Kriegs einige Zeit vergangen ist, ficht ihn nicht an.

Hauptsache, er kann als Schlußfolgerung präsentieren, daß Europa dem gewohnten Schröder/Fischer/Steinmeier-Appeasement weiter treu bleiben soll.
Denn das ist der Zweck der Übung - direkte Argumente für diese Position fehlen ihm offenbar, also werden schiefe historische Vergleiche gezogen.
Sehr schiefe. Denn zu Zeiten von Kennedy war die Reaktion der Europäer klar eine andere: Eindeutige Solidarität mit den USA.

Immerhin tröstet er uns:

Die Interessen Russlands zu respektieren, heißt nicht die Demokratie zu verraten.

Für Steingart reicht es, die Demokraten zu verraten, mehr verlangt er heute noch gar nicht.
Denn:

Die nationale Integrität Georgiens steht nicht zur Debatte …

… was ja nun eindeutig durch den besonderen Respekt der russischen Armee vor der territorialen Integrität Georgiens belegt ist. Schließlich sucht diese schon seit Tagen kurz vor Tiflis nach der georgischen Grenze, um dieser ihren besonderen Respekt zu erweisen.

ein Weniger an Hurra-Amerikanismus allerdings würde dem Land guttun.

Ich bin begeistert.
Außerhalb eines kleinen Teils der Blogosphäre ist in Deutschland von “Hurra-Amerikanismus” ja nichts zu entdecken.
Kann doch eigentlich nur heißen, daß DAS Leitmedium in Deutschland die breite Öffentlichkeitswirkung einiger Blogger endlich anerkannt hat.

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4 Kommentare zu “Nicht alles was hinkt …”

  1. Herbert
    18.08.2008 | 14:46

    Steingart ist ein erratischer politischer Journalist, der sich heute für Protektionismus gegen China stark macht und morgen für Hillary Clinton parteiisch. So einem muss man nicht vertrauen oder folgen, aber hin und wieder kann er einem schon die Augen öffnen für die Willkür, mit der Vergleiche gezogen und Regeln aufgestellt sowie gebrochen werden. Warum soll er Putin nicht mit Kennedy vergleichen, wenn andere alle 3 Jahre einen neuen “Hitler” entdecken und alle 3 Monate ein neues “München”?

  2. 18.08.2008 | 17:26

    das ist der pure relativismus. autokrat putin ist kennedy - so kann man den verhassten amis schön eins reinwürgen.

  3. Robroy
    18.08.2008 | 19:59

    Außerhalb eines kleinen Teils der Blogosphäre ist in Deutschland von “Hurra-Amerikanismus” ja nichts zu entdecken.
    Kann doch eigentlich nur heißen, daß DAS Leitmedium in Deutschland die breite Öffentlichkeitswirkung einiger Blogger endlich anerkannt hat.

    Das glaube ich weniger, das Land auf das sich Steingart bezieht ist Georgien, nicht Deutschland. Dass man den USA da wohler gesonnen ist als Russland ist aber irgendwie verständlich, was Steingarts Vorschlag bringen soll, sehe ich nicht. Aber ich bin so manches mal nicht seiner Meinung, insofern…

  4. R.A.
    19.08.2008 | 9:13

    @Herbert:

    Steingart ist ein erratischer politischer Journalist

    Richtig.
    Es geht ihm m. E. nicht wirklich darum, eine spezielle außenpolitische Position zu vertreten.
    Er will originell sein um jeden Preis - ein typischer Repräsentant des Krawall-Journalismus, der SpOn zu einem im Kern unseriösem Medium macht.

    @Robroy:

    das Land auf das sich Steingart bezieht ist Georgien,

    Und das ist eigentlich klar erkennbar - weiß auch nicht, warum ich da plötzlich den Bezug auf Deutschland gelesen habe.

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